[358] 1.
Hört der holden Nachtigall
süssen Schall /
durch den Busch erschallen:
sie will / durch ein Kling-Gedicht /
ihre Pflicht
ihrem Schöpffer zahlen.
2.
In dem weiß-geschmälzten Zelt
aller Welt /
seinen Ruhm sie singet:
dahin zielt ihr Müh' und Fleiß /
daß sein Preiß
hell von ihr erklinget.
3.
Dir / dir / dir / O höchster Hort /
ohne Wort
pfleg' ich Dank zu geben:
ohne End ist mein Begehr /
deine Ehr'
äusserst zu erheben.
4.
Jede Feder fordert Lob /
ist ein Prob[359]
deiner milden Güte.
Gib / so offt ich sie aufschwing /
daß erkling
Dank aus dem Gemüte.
5.
Jedes Würmlein / das ich iss /
ist gewiß
deiner Schickung Gabe.
Nimm / Erhalter / vor die Speiß /
diesen Preiß /
und mich ferner labe!
6.
Dir sey Lob vor diesen Ast /
wo ich rast:
doch nit / dich zu loben.
Nein! dein Ruhm wird für und für /
dort und hier /
hoch von mir erhoben.
7.
Du hast / schöne Singerin /
meinen Sinn
auch in was ermundert.
Nur von Gottes Gnad sing ich /
weil ich mich
ganz in sie verwundert.
|
Ausgewählte Ausgaben von
Geistliche Sonnette, Lieder und Gedichte
|
Buchempfehlung
»Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind, und wiederum von ihnen fordern können. – Das heißt: Ein System, dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen.« Adolph Freiherr von Knigge
276 Seiten, 9.80 Euro