Scena prima.

[717] Syluester. Elenora. Marschalck.


SYLUESTER.

Ja wie dünckt euch doch bey dem Mann?

Der heut zu vns ist kommen an?

ELENORA.

Ich halt jhn für einen Narren zwar,

Nichts anders ist es, das ist war.

MARSCHALCK.

Das ist er auch fürwar rechtschaffn,

Er gibt doch einen guten Affn,

Ist auch mit aller eigenschafft,

Eins hoffertigen Narrn behafft.

SYLUESTER.

Ich bin jtzund sein gwerbes Mann,

Er wil vnsr Jungfrawn eine han.

ELENORA.

Ey das gleub ich doch nimmermehr.

SYLUESTER.

Es ist nicht anders, fürwar ich schwer.

ELENORA.

Was wil er denn für eine habn?

SYLUESTER.

Der Narr hat wunder seltzam Gabn,

Zeucht sich in sinn, das vnsr Jungfraw

Ihn lieb hab die Angelica,

Hat sein Gemüt auff sie dermassn

Gesetzt, vnd wil sie nicht verlassn,

Vbr das hat er mich auch bericht,

Das, wann er sie bekeme nicht,

So müst er sterben vnd verzagn,

Das thet er mir gar sehnlich klagn,

Er gab diesen Ring auch hier,

Das ich denselbn soll geben jr,

Zum Zeichen seiner grossen Lieb,

Derhalbn er auch der Meinung blieb,[717]

Weil ich jhm vertröstung gethan,

Die Heyrath jr zu tragen an,

Das würd zum guten weg gebracht,

So hab ich nun also gedacht,

Weils doch ein Narr ist in der Haut,

Vnd er so gerne hett ein Braut,

So schadete es jhm gar nicht,

Das man jhn führte vmb die ficht,

Vnd tummelt jhn rechtschaffen wol,

(Den Narrn mit Kolbn man lausen sol),

Drumb ich jhn vberreden wolt,

Die Jungfraw wehr jm hertzlich holdt,

Vnd hett von mir den Ring bekomn,

Ihn auch mit dancke angenomn,

Vnd das sie solchs jtzunder thet,

Ihr gmüdt zuschreibn in willens hett,

So wolt ich ein Brieff machen lassn,

In jhrem Namen, dieser massn,

Das es soll ja vnd wille sein,

Vnd sich der Narr hoch brüstet fein.

ELENORA.

Es wehr ja wol, ich habs vernomn,

Abr sie möcht in ein Geschrey komn?

SYLUESTER.

Ey jederman weiß es ja wol

Das der Narr fast ist rasnd vnd toll.

MARSCHALCK.

Ewr Gnadn halt mirs zu gute doch,

Das ich von jhm auch rede noch,

Ich dacht, wenn er den Brieff bekomn,

Vnd den Inhalt darauß vernomn,

Das er nicht anders meinen thut,

Die Sachn wehrn all richtig vnd gut

Das sie den einen Edlen Knabn,

Mit Frawenkleidern bekleidet habn,

Vnd das man jhn als denn fein hett,

Zu jhm gesetzet in das Bett,[718]

Vnd jhm (dem Narrn) zur andern Seittn

Solt man ein wann mit Wassr bereittn,

Das must fein vntn verborgen sein,

Alsdann würd er falln hinein,

So giengs fein ab vor einen schertz,

Vnd machet vns ein frölichs Hertz.

ELENORA.

Das laß ich mir gefallen trawn,

Ich möchte wol selber mit anschawn.

SYLUESTER.

Herr Marschalck bestelts bald in ein eyl,

So wil ich mit jhm redn dieweil.


Immittelst kan das alles zu Wercke gerichtet werden. Gehen abe.


Quelle:
Herzog Heinrich Julius von Braunschweig: Die Schauspiele. Stuttgart 1855, S. 717-719.
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