Proteus Seele

[225] Was schuf die Seele mir zum Schmetterlinge,

Der spielend schwebt, wo Blüt' an Blüte gleißt,

Und gab ihr auch des Adlers dunkle Schwinge,

Der überm Horst im Äther einsam kreist?


Was schaukelt sie im nußschalleichten Nachen,

Wo durch die lässigen Finger rinnt die Flut,

Und läßt sie wie des Panzerschiffes Drachen

Vom Stapel laufen wider Feindeswut?


Was hüllt sie arm in löchrige Gewänder,

Daß sie davonschleicht hinterm dürrsten Zaun,

Und läßt sie stolz auf reichbeglückte Länder

Wie eine Königin herniederschaun ...?

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Karl Henckell: Gesammelte Werke. Band 1: Buch des Lebens, München 1921, S. 225-226.
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