An unser Volk!

[458] Das Herz entflammt, das rothe Banner schwingend,

Den nackten Flammberg in der nackten Hand,

So wandern wir, von deiner Zukunft singend,

Der Freiheit Söhne, durch das Land.


Nicht deine Götter wollen wir erschlagen,

Die fallen, wenn sie morsch, von selber um;

Doch deine Seele soll sich blutig fragen

An unserm Aufruhrwort: Warum?


Warum du hungerst und warum du dürstest,

Warum du schweisstriefst und warum du frierst,

Warum du hündisch deine Peinger fürstest,

Warum du frömmelnd dich verthierst!


Weh, dreimal Wehe, wenn am Tag der Jden

Der Kelch des Zorns dann blutig überschäumt

Und jener goldne Traum von einem ewgen Frieden

Umsonst geträumt![458]


Quelle:
Arno Holz: Buch der Zeit. Berlin 21892, S. 458-459.
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