[213] Röther färbt sich der Himmel!
Eine goldene Wolke
Thaut den May und die Liebe
Auf die wartende Flur herab!
Sein allmächtiges Lächeln
Giebt dem Strauche die Blätter,
Giebt dem Baume die Knospen,
Und dem Haine den Lenzgesang.
Seinen Tritten entwimmeln,
Grüne, lachende Kräuter,
Tausendfarbige Blumen,
Purpur, Silber und lichtes Gold.
Seine Tochter, die Liebe,
Baut dem Vogel die Nester,
Paaret Blumen und Blüthen,
Führt die Männin dem Manne zu.
Liebe rauschen die Blätter,
Liebe duften die Blüthen,
Liebe rieselt die Quelle,
Liebe flötet die Nachtigall.
Nachtigallen die wirbeln
Auf das Lager des Jünglings
Goldne Träume der Liebe,
Goldne Träume von Kuß und Spiel.
Und er spielet im Traume
Mit dem bebenden Busen
Seiner schönen Geliebten,
Küßt den rosigen lieben Mund.
[213]
Lauben klingen von Gläsern,
Lauben rauschen von Küßen,
Und von frohen Gesprächen,
Und vom Lächeln der Liebenden.
Ringsum grünen die Hecken,
Ringsum blühen die Bäume,
Ringsum zwitschern die Vögel,
Ringsum summet das Bienenvolk.
Roth und grün ist die Wiese,
Blau und golden der Aether,
Hell und silbern das Bächlein,
Kühl und schattig der Buchenwald.
Das Geklingel der Heerden
Tönt vom Thale herüber,
Und die Flöte des Hirten
Weckt den schlummernden Abendhayn.
[214]
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Die 1897 entstandene Komödie ließ Arthur Schnitzler 1900 in einer auf 200 Exemplare begrenzten Privatauflage drucken, das öffentliche Erscheinen hielt er für vorläufig ausgeschlossen. Und in der Tat verursachte die Uraufführung, die 1920 auf Drängen von Max Reinhardt im Berliner Kleinen Schauspielhaus stattfand, den größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts. Es kam zu öffentlichen Krawallen und zum Prozess gegen die Schauspieler. Schnitzler untersagte weitere Aufführungen und erst nach dem Tode seines Sohnes und Erben Heinrich kam das Stück 1982 wieder auf die Bühne. Der Reigen besteht aus zehn aneinander gereihten Dialogen zwischen einer Frau und einem Mann, die jeweils mit ihrer sexuellen Vereinigung schließen. Für den nächsten Dialog wird ein Partner ausgetauscht indem die verbleibende Figur der neuen die Hand reicht. So entsteht ein Reigen durch die gesamte Gesellschaft, der sich schließt als die letzte Figur mit der ersten in Kontakt tritt.
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