Über das in Metall geprägte Bild Katharinas

[108] Hängt als süßes Angebinde,

Hänget als der Tugend Schild,

Schwabens Frauen! eurem Kinde

An das Herz dies edle Bild.


Sagt ihm, wer sie ist gewesen,

Wie gesegnet sie das Land,

Bis sie schnell von Gott erlesen,

Eine Heil'ge, uns verschwand.


Baut ihr für die Armut milde

Wo ein Haus, wird es gedeihn,

Legt das Erz mit ihrem Bilde

Ihr in seines Grundes Stein.


Wird wo für des Feldes Früchte

Eine Scheuer neu erbaut,[108]

Daß kein Donner sie zernichte,

Werd' ihr Bild dem Grund vertraut.


Röm'scher Herrscherinnen Bilder

Wahrt die schwäb'sche Erde noch,

Wahrt von Römern Schwerter, Schilder,

Mahnend nur aus Römerjoch.


O wie treu wird sie bewahren,

Heilige! Dein Bild im Schoß!

Dich, die einst in Hungerjahren

Über sie ein Füllhorn goß!


Nach Jahrhunderten noch pflüget

Es der Landmann aus dem Grund,

Rufet Weib und Kind vergnüget,

Anzuschaun den teuren Fund.


Spricht: O laßt uns treu bewahren

Sie, von der die Sage geht,

Daß sie hab' in Hungerjahren

Unserm Ahn das Feld besät.

Quelle:
Justinus Kerner: Werke. 6 Teile in 2 Bänden, Band 1, Berlin 1914, S. 108-109.
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