[Wo wil hin Nürenberg dein Ruhm]

[277] Wo wil hin Nürenberg dein Ruhm und so viel Ehre?

Es gehet überweit der weltbekante Preiß/

Den dir mit Vberfluß bringt deiner Kinder Fleiß

Durch Tugend/ Witz und Kunst/ im Werk und in der Lehre.

Vnd diß ist nicht genug; wie manche fremde Hand

Bewürdigt dich vielmehr als selbst ihr Vaterland/

Das fast vergessen bleibt/ in dem du wirst erhoben?

Was hat vom Kaiser selbst der erste Römsche Schwan/

Aus Teutschland dir gekrönt/ an deiner Stadt gethan/

Wann er die güldne Zeit gewendet auf dein Loben.

Jetzt/ daß ich andrer schweig/ in unsrer Muttersprach/

Herr Klai diesen folgt mit klugen Schrifften nach/

Thut viel/ was nie gethan. Er ehret durch sein Singen

Nicht sonder deinen Ruhm/ die Ehre des/ den du

Mit reinen Kräfften ehrst! So lauffen auf dich zu

Der Teutschen Mittelpunct/ die Teutschen Ehre bringen.

Wol euch/ Herr Klai/ denn/ daß euch gehöret hat

Aus dieser Neronsburg euch unsre Vaterstadt.

Seht/ wie sie sich erhebt und schauet/ was ihr treibet/

Aus halber Aschen an! drüm nemt hinfort in Acht

In Nürnberg Meissen auch und ziehet in Bedacht/

Daß jenes Amme zwar/ diß dannoch Mutter bleibet/

Ich will/ so viel ich kan/ mit euch auch stimmen ein

Vnd wann ich sonst nichts mag/ doch euer Echo seyn.


Vbersendet von Gebershagen zu dienstbefliessenem Gefallen/ sein treuergebenster

Samuel Hund aus Meissen.

Quelle:
Johann Klaj: Redeoratorien und »Lobrede der Teutschen Poeterey«. Tübingen 1965, S. 277-278.
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