[74] Der Feind ist da! Die Schlacht beginnt!
Wohlauf zum Sieg' herbey!
Es führet uns der beste Mann
Im ganzen Vaterland!
Heut fühlet er die Krankheit nicht,
Dort tragen sie ihn her!
Heil, Heinrich! heil dir Held und Mann
Im eisernen Gefild
Sein Antlitz glüht vor Ehrbegier,
Und herscht den Sieg herbey!
Schon ist um ihn der Edlen Helm
Mit Feindesblut bespritzt!
Streu furchtbar Strahlen um dich her,
Schwert in des Kaisers Hand,
Dass alles tödtliche Geschoss
Den Weg vorübergeh!
[75]
Willkommen Tod fürs Vaterland!
Wenn unser sinkend Haupt
Schön Blut bedeckt, dann sterben wir
Mit Ruhm fürs Vaterland!
Wenn vor uns wird ein ofnes Feld
Und wir nur Todte sehn
Weit um uns her, dann siegen wir
Mit Ruhm fürs Vaterland!
Dann treten wir mit hohem Schritt
Auf Leichnamen daher!
Dann jauchzen wir im Siegsgeschrey!
Das geht durch Mark und Bein!
Uns preist mit frohem Ungestüm
Der Bräutgam und die Braut;
Er sieht die hohen Fahnen wehn,
Und drückt ihr sanft die Hand,
Und spricht zu ihr: Da kommen sie,
Die Kriegesgötter, her!
Sie stritten in der heissen Schlacht
Auch für uns beide mit!
[76]
Uns preist der Freudenthränen voll
Die Mutter, und ihr Kind!
Sie drückt den Knaben an ihr Herz,
Und sieht dem Kaiser nach.
Uns folgt ein Ruhm, der ewig bleibt,
Wenn wir gestorben sind,
Gestorben für das Vaterland
Den ehrenvollen Tod!
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Im Jahre 1758 kämpft die Nonne Marguerite Delamarre in einem aufsehenerregenden Prozeß um die Aufhebung ihres Gelübdes. Diderot und sein Freund Friedrich Melchior Grimm sind von dem Vorgang fasziniert und fingieren einen Brief der vermeintlich geflohenen Nonne an ihren gemeinsamen Freund, den Marquis de Croismare, in dem sie ihn um Hilfe bittet. Aus dem makaberen Scherz entsteht 1760 Diderots Roman "La religieuse", den er zu Lebzeiten allerdings nicht veröffentlicht. Erst nach einer 1792 anonym erschienenen Übersetzung ins Deutsche erscheint 1796 der Text im französischen Original, zwölf Jahre nach Diderots Tod. Die zeitgenössische Rezeption war erwartungsgemäß turbulent. Noch in Meyers Konversations-Lexikon von 1906 wird der "Naturalismus" des Romans als "empörend" empfunden. Die Aufführung der weitgehend werkgetreuen Verfilmung von 1966 wurde zunächst verboten.
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