Fünfter Auftritt

[21] Brenner, den Ritter Adelhof hereinführend.


BRENNER. Belieben Euer hochfreiherrlichen Gnaden nur hereinzuspazieren.

ADELHOF. Hier also wohnt der Waffenschmied?

BRENNER. Hans Stadinger, berühmter Waffenschmied und ausgezeichneter Tierarzt; wollen Euer Gnaden von seinen Talenten Gebrauch machen – von seinen Waffen und Harnischen – meine ich.

ADELHOF. Dazu kann Rat werden. Eigentlich aber bin ich aus andern Gründen da – Er ist verwandt mit dem Waffenschmied?

BRENNER. Euer Gnaden aufzuwarten, sein leiblicher Schwager. Seine Frau nämlich –

ADELHOF. Schon gut! Der Waffenschmied hat eine schöne Tochter! He?

BRENNER. Oh! Ein wahrer Apollo, wie die Gelehrten sagen.

ADELHOF. Befindet sich unter den Gesellen hier im Hause einer namens Konrad?

BRENNER. Konrad? Ganz recht! Für sich. Wo will denn das hinaus?[21]

ADELHOF. Es soll ein hübscher Bursche sein?

BRENNER. Das will ich meinen. Für sich. Dahinter steckt etwas!

ADELHOF. Der Bursche und das Mädchen lieben sich?

BRENNER. Ja – ich weiß nicht – man munkelt so etwas.

ADELHOF. Ich hab's für gewiß gehört. Sie sollen sich heiraten.

BRENNER. Wie? Sie sollen –?

ADELHOF. Ich bin beauftragt, die Verbindung zustande zu bringen.

BRENNER. Äußerst schmeichelhaft für das junge Paar, aber wie versteh ich denn –

ADELHOF. Ich will mich deutlicher ausdrücken, damit Ihm die Sache klar wird. Ich bin der Ritter Adelhof aus Schwaben.

BRENNER. Ah, sehr erfreut; schöne Gegend! Das Schwaben meine ich.

ADELHOF. Die Dame, die ich begleite, ist das Fräulein von Katzenstein; meine Zukünftige.

BRENNER. Gratuliere untertänigst.

ADELHOF. Und diese meine Braut ist es, welche die Heirat wünscht.

BRENNER. Das gnädige Fräulein haben also die Passion, herumzureisen, um junge Paare glücklich zu machen.

ADELHOF. Das wohl auch nebenbei, aber – Er scheint mir eine ehrliche Haut, mit Ihm kann man von der Leber weg reden. Vertraulich. Kennt Er den Grafen von Liebenau?

BRENNER für sich. Aha! Laut. Versteht sich, wer wird den nicht kennen.

ADELHOF. Nun, sieht Er, der hatte früher auf mein Fräulein –

BRENNER. Jawohl, ich erinnere mich –

ADELHOF etwas stutzig. Was?

BRENNER verlegen. Nun, er hatte früher – auf das Fräulein geschimpft.

ADELHOF. Im Gegenteil, er hatte ein Auge auf sie.

BRENNER. Richtig, so war's.[22]

ADELHOF. Das Fräulein aber gab ihm einen Korb.

BRENNER für sich. Umgekehrt wird ein Schuh draus.

ADELHOF. Was sagt Er vom Schuh?

BRENNER. Ich sage: mein Nachbar, der Schuster, hat mir die Geschichte erzählt.

ADELHOF. Nun hat das Fräulein erfahren, daß der Ritter Liebenau dem jungen Mädchen hier im Hause nachstellt; ein leichtsinniger Zeisig soll er sein –

BRENNER. Dafür bekannt.

ADELHOF. Mein Fräulein aber, die Sittenhaftigkeit selbst, kann solchen Unfug nicht zugeben, darum wünscht sie, daß der Geselle Konrad –

BRENNER. Eiligst und schleunigst das Mädchen heirate, verstehe. – Ist das Fräulein auch aus Schwaben?

ADELHOF. Nein. Warum?

BRENNER. Ich meine nur. Die Sache ist wirklich äußerst schlau ausspekuliert; denn wenn der Geselle Konrad das Mädchen heiratet, so ist der Ritter –

ADELHOF lachend. Geprellt!

BRENNER ebenso. Und wie! Er muß mit langer Nase abziehen. – Beide lachen. Die Hauptsache ist aber nun, daß wir den Alten für die Heirat gewinnen.

ADELHOF. Deswegen bin ich ja hier. Und wenn Er meine Sache unterstützen will, so gibt Ihm das Fräulein hier im voraus – Er gibt ihm eine Börse.

BRENNER. Die edle Dame besitzt eine ausgezeichnete Bildung – untertänigsten Dank – Wollen Eure Gnaden sich hier etwas auswählen, während ich den Alten rufe –

ADELHOF wendet sich nach dem Hintergrunde, die Waffenstücke musternd. Sieh, sieh! Die Ware scheint nicht schlecht!

BRENNER im Vordergrunde für sich. Nun bin ich im klaren. Das Fräulein ist aus Eifersucht unserm Grafen nachgereist, und, um sich seinen Besitz zu sichern, soll nun – die Sache ist sehr komisch – hahaha! – Und dieser schlaue Kundschafter – o guter Schwabe, du scheinst mir ein sehr dummer Schwabe. Er will lachend zur Seite ab.[23]


Quelle:
Albert Lortzing: Der Waffenschmied. Stuttgart 1963, S. 21-24.
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