Scena V.

[327] ACRATES.

Dave verschaff das man blaß uf

geb was für kosten gange druf

Sag wie mir das Hoffieren gfall

und für sy dann zum thůchman all

Schenck inn min farb von thůch und Syden

min seckel der mags als erlyden.

DAVUS.

Ir Spyllüt sind frölich und frisch

ein Hoffrecht machend vor dem tisch

So best und irs könnind erdencken

ich wil yedem ein Hoffkleid schencken.


Pousunen.


THAIS.

Sölch fröud ist nit im himmelrych

ich weiß es ist nit üwers glych

Ich hab derglych ghört niemermeer

ir sind ein fürst ein küng und heer

Derglych der boden keinen treit

byn üch ist alle fründtligkeit.[327]

ACRATES.

Ey des hab danck min schöne gstalt

ich gseen das dir min wäsen gfalt

Se nim das hin von minetwägen

zů dir ich grosse holdschafft trägen


Spricht wyter zů den andern.


Was wend für serst wir yetz nän zhand

diewyl wir nun fast gässen hand.

COLAX.

Juncker so es üch gfallen wet

ein gůten Radt ich vor mir hett

Der Wirt der ist ein gytig man

mag nüt uff fröud und kurtzwyl han

Er gibt wol zessen was man wil

er duldet aber gar kein spil

Er lydt kein kurtzwyl ouch mit wyben

drum wölt ich länger hie nit blyben

Ich wüßt uns wol ein örtly gut

das üch wurd machen fröud und můt.

ACRATES.

All fröuden wie ich vor han gredt

wo man die fund ich volgen wett

Ich mag nit das man mir red yn

wann ich wölt gůter dingen syn

Ich leids nie gärn als wol als hie

von minem eignen vatter nie

Solt mir dann einr sölch fröuden weeren

by dem ich min bargält verzeeren

Drumb stadt die wal in dinem gwalt

COLAX.

so es dann üwer veste gfalt

So für ich üch in die Carduß

da dMünchen gsend zum tüchlin uß

Da dörffend wir thůn was wir wänd

daselbst wir fröud und wollust händ[328]

Da mögend wir umb Gold und gält

fry spilen wie ich vor hab gmält.

ACRATES.

Der wort darffs nüt wir wend dahin

der herberg ich wol zfriden bin

Dave den Wirt umb sMal fergg ab

und kumm dann ouch zů uns hinab

Nämm yeder mit im sinen gspan

Thais ich wil dich by mir han.

THAIS.

Min lyb ist üch ergäben gar

frölich und gärn ich mit üch far.

ACRATES.

Nun zühend dran ye par und par

Colax / züch du vor allen har

Du weist den wäg / nun schlahend drin

es solt kein Tüffel nit arm syn.


Sy zühend mit Trummen und Pfyffen in Veneris Tempel daselbst sy den Acratem umb das sin bringend als man hören wirdt.


Quelle:
Jos Murer: Sämtliche Dramen. Berlin und New York 1974, S. 327-329.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Klingemann, August

Die Nachtwachen des Bonaventura

Die Nachtwachen des Bonaventura

Erst 1987 belegte eine in Amsterdam gefundene Handschrift Klingemann als Autor dieses vielbeachteten und hochgeschätzten Textes. In sechzehn Nachtwachen erlebt »Kreuzgang«, der als Findelkind in einem solchen gefunden und seither so genannt wird, die »absolute Verworrenheit« der Menschen und erkennt: »Eins ist nur möglich: entweder stehen die Menschen verkehrt, oder ich. Wenn die Stimmenmehrheit hier entscheiden soll, so bin ich rein verloren.«

94 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon