Vorreiter Schill

[37] Ihr kühnen Lützowschen Jäger,

Die ihr reitet im Mondenlicht,

Ihr kühnen Lützowschen Jäger,

Vergeßt doch euren Vorreiter nicht.
[37]

Ihr kühnen Lützowschen Jäger,

Wo reitet ihr hin im Mondenlicht?

Ihr kühnen Lützowschen Jäger,

Kennt ihr eueren Vorreiter nicht?


Ich bin vor euch her geritten,

Ich hab' im stillen euch Bahn gemacht;

Ich bin vor euch her geritten,

Vier Jahre schon vor der Lützener Schlacht.


Ich bin vor euch her geritten,

Und hätten alle wie ich es gemacht,

So wäre die Freiheit erstritten,

Und hätte bedurft nicht der Lützener Schlacht.


Ich bin vor euch her geritten,

Mit kleinerem Häuflein als ihr noch seid,

Freihin durch Deutschlands Mitten,

Es war gar nicht vor den Feinden mir leid.


Ich bin hindurch geritten,

Es hat mich gefangen kein Franzenheer,

Ich habe mich durchgestritten,

Und bin geritten bis an das Meer.


Ich habe mich durchgestritten,

Ich bin geritten bis nach Stralsund;

Da wollt' ich hinüber zum Britten,

Da hat mich gebissen ein franzischer Hund.


Er hat mich in'n Schenkel gebissen,

Daß ich von meinem Schimmel fiel;

Er hat mir den Kopf abgerissen,

Und hat damit getrieben sein Spiel.


Ihr kühnen Lützowschen Jäger,

Nehmt euch vor den franzischen Hunden in acht,

Daß sie's nicht euch machen, ihr Jäger,

Wie sie's eurem Vorreiter gemacht.
[38]

Ihr kühnen Lützowschen Jäger,

Die ihr reitet im Mondenlicht,

Ihr schwarzen Gewandes Träger,

Ihr Rächer, vergeßt euern Vorreiter nicht.


Ihr kühnen Lützowschen Jäger,

Wo reitet ihr hin im Mondenschein?

Ich bin nur ein Geist, doch kein träger,

Ich kann noch jetzt euer Vorreiter sein.


Ihr kühnen Lützowschen Jäger,

Laßt mich euern Vorreiter sein;

Ihr deutscher Rache Träger,

Mir nach! Ich reit' euch voran zum Rhein.

Quelle:
Friedrich Rückert: Werke, Band 1, Leipzig und Wien [1897], S. 37-39.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Naubert, Benedikte

Die Amtmannin von Hohenweiler

Die Amtmannin von Hohenweiler

Diese Blätter, welche ich unter den geheimen Papieren meiner Frau, Jukunde Haller, gefunden habe, lege ich der Welt vor Augen; nichts davon als die Ueberschriften der Kapitel ist mein Werk, das übrige alles ist aus der Feder meiner Schwiegermutter, der Himmel tröste sie, geflossen. – Wozu doch den Weibern die Kunst zu schreiben nutzen mag? Ihre Thorheiten und die Fehler ihrer Männer zu verewigen? – Ich bedaure meinen seligen Schwiegervater, er mag in guten Händen gewesen seyn! – Mir möchte meine Jukunde mit solchen Dingen kommen. Ein jeder nehme sich das Beste aus diesem Geschreibsel, so wie auch ich gethan habe.

270 Seiten, 13.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Hochromantik

Große Erzählungen der Hochromantik

Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon