Prolog

[12] Ein neues Stück und eine junge Maid,

Sie gleichen sich einander beid'!

Ist es mit ihnen gut bestellt,

Begehrt man sie und schont für sie kein Geld.

Ein neues Stück, das mädchenhaft erglüht,

Wenn's seinen Hochzeitstag gekommen sieht,

Und bangend, hoffend, ahnungsvoll

Nun seine Unschuld opfern soll,

Gleicht einer Jungfrau, die von ihrer Art

Sich nach der Trauung so viel noch bewahrt,

Daß sie bei allem, was sie thut und treibt,

Obgleich sie Frau nun, doch noch Mädchen bleibt –

So wünschen wir, daß unser Stück möcht' sein!

Nach Herkunft ist es edel, gut und rein,

Hat einen Vater, wie ein zweiter so

Nicht zwischen Silber-Trent und Po

Gefunden wird, denn Chaucer ist der Mann,

Der diese Märe uns ersann.

Sein Ruhm wird ewig dauern jung und frisch,

Und sollt' etwa durch unsre Schuld Gezisch

Der erste Willkomm seines Kindes sein,

So würde sich im Grabe sein Gebein

Umdrehn, und rufen würd' er ohne Zweifel:

Jagt diese Pfuscher mir zum Teufel,

Die meinen hohen Werth begriffen nicht

Und ärger plündern mein Gedicht,

Als Robin Hood des Reisenden Gepäck!

Ja! Diese Furcht, wir reden sie nicht weg,

Denn freilich wissen wir wie knabenhaft

Die Hoffnung ist, mit unsrer schwachen Kraft

Ihm nach in seine tiefen Wasser gehn.

Doch sollen wir die Wahrheit Euch gestehn?

Wir rechneten auf Eure Helfershand,

Die schon manch Unglück von uns abgewandt.

Auch diesmal bitten wir um Eure Gunst

Für dieses Spiel, das freilich seiner Kunst

Nicht würdig ist, indeß vielleicht doch werth,

Daß Ihr ein Stündchen opfert und es hört.

Doch müßten wir erleben, daß dies Spiel,

Statt Euch die Zeit zu kürzen, nur misfiel,

So würde das den Muth uns so benehmen,

Daß wir dann lieber gar nicht wiederkämen![12]


Quelle:
Die englische Bühne zu Shakespeare's Zeit. Zwölf Dramen seiner Zeitgenossen. Leipzig: Brockhaus, 1890, S. 12-13.
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