80.

[282] Um 1620 war es eine Ehre für einen Mann, wenn er so oft und so ergeben wie möglich sagte: »Mein Herr und König.« (Vgl. die Memoiren von Noailles und von Torcy). Das ist leicht erklärlich. Durch diese Redensart bekundete man seinen Rang unter den Untertanen. Der vom Könige verliehene Rang trug diesen Männern ebensoviel Achtung und Beachtung bei ihren Mitbürgern ein, wie sie im alten Rom ein Kämpfer am trasimenischen See oder ein Redner auf dem Forum genossen hat. Mit der Vernichtung der absoluten Monarchie vernichtet man die Eitelkeit und ihre weitgehenden Folgen, die Konvenienzen. Der Streit über Shakespeare und Racine[282] ist nur ein Abbild des Kampfes zwischen dem Absolutismus Ludwigs des Vierzehnten und der Verfassung.

Quelle:
Von Stendahl – Henry Beyle über die Liebe. Jena 1911, S. 282-283.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Über die Liebe
Über die Liebe: Essay
Über die Liebe, Jubiläumsausgabe
Über die Liebe (insel taschenbuch)
Über die Liebe
Über die Liebe