LXX.

[101] Ich komme wieder auff ein Gleichnüs von der Musick. Was scheinet unnützer als wen ein Scholare bey dem Organisten eine Alemande, Sarabanda, Giqve und dergleichen lernen sol? Doch wo nähmen wir Leute her / die uns in der Kirche das Fundament zu den deutschen Liedern / und zu dem Glauben spieleten / wen sie nicht durch solche Eitelkeiten wären zu bessern Künsten angeführet worden. Man laffe es nun sein / daß sich ein junger Kerl in eine Alemande, das ist in eine überflüßige Grille; in eine Courante, das ist in eine lustige Erfindung; in eine Sarabande, das ist in eine freymüthige Verachtung aller Dinge; endlich in eine Giqve, das ist in ein höhnisches Urtheil der Weltlichen Thorheiten / oder auch wohl gar in ein verliebtes Lamento vertieffet hätte: was[101] liegt daran / wen er sich hierdurch / auch wol gar in Geistlichen Dingen / desto geschickter und gewisser bey der Lust bleibet / davon sich ein junger Mensch gar zu leichtlich abführen lasset.

Quelle:
Christian Weise: Kurtzer Bericht vom politischen Näscher, Leipzig 1680, S. 101-102.
Lizenz:
Kategorien: