1. Dschar Dschar.

[122] 1. Ein Knöchel und eine Kniescheibe sind am Beine, Dschar Dschar.

Den Verstand von vierzig Menschen hat der Fürst, Dschar Dschar.

Weine nicht des Vaters wegen, armes Mädchen, Dschar Dschar.

An des Vaters Stelle wird dein Schwiegervater dort sein, Dschar Dschar.


2. Wo ist das Fallen des weissen Schnees im Frühling? Dschar Dschar.

Wo ist die rechte Seite, wo wir wie Füllen spielten? Dschar Dschar.

Wenn unser Schwiegervater auch noch so gut ist, Dschar Dschar.

Ich will umkehren, denn wie der Vater wird er doch nicht sein, Dschar Dschar.


3. Ein Knöchel und eine Kniescheibe sind am Beine, Dschar Dschar.

Den Verstand von vierzig Menschen hat der Fürst, Dschar Dschar.[122]

Weine nicht der Mutter wegen, armes Mädchen, Dschar Dschar.

An der Mutter Stelle wird deine Schwiegermutter dort sein, Dschar Dschar.


4. Wo ist das Fallen des weissen Schnees im Frühling? Dschar Dschar.

Wo ist die rechte Seite, wo wir wie Füllen spielten? Dschar Dschar.

Wenn unsere Schwiegermutter auch noch so gut ist, Dschar Dschar.

Ich will umkehren, denn wie die Mutter wird sie doch nicht sein, Dschar Dschar.


5. Ein Knöchel und eine Kniescheibe sind am Beine, Dschar Dschar.

Den Verstand von vierzig Menschen hat der Fürst, Dschar Dschar.

Weine nicht des altern Bruders halber, armes Mädchen, Dschar Dschar.

An des Bruders Stelle wird der Schwager dort sein, Dschar Dschar.


6. Wo ist das Fallen des weissen Schnees im Frühling? Dschar Dschar.

Wo ist die rechte Seite, wo wir wie Füllen spielten? Dschar Dschar.

Wenn unser Schwager auch noch so gut ist, Dschar Dschar.

Ich will umkehren, denn wie der Bruder wird er doch nicht sein, Dschar Dschar.


7. Ein Knöchel und eine Kniescheibe sind am Beine, Dschar Dschar.

Den Verstand von vierzig Menschen hat der Fürst, Dschar Dschar.[123]

Des Bruders Frau wegen weine nicht, armes Mädchen, Dschar Dschar.

Anstatt ihrer wird des Schwagers Frau dort sein, Dschar Dschar.


8. Wo ist das Fallen des weissen Schnees im Frühling? Dschar Dschar.

Wo ist die rechte Seite, wo wir wie Füllen spielten, Dschar Dschar.

Wenn des Schwagers Frau auch noch so gut ist, Dschar Dschar.

Ich will umkehren, wie des Bruders Frau wird sie doch nicht sein, Dschar Dschar.


9. Ein Knöchel und eine Kniescheibe sind am Beine, Dschar Dschar.

Den Verstand von vierzig Menschen hat der Fürst, Dschar Dschar.

Weine nicht des Jüngern Bruders wegen, armes Mädchen, Dschar Dschar.

An des Bruders Stelle wird dein Schwager dort sein, Dschar Dschar.


10. Wo ist das Fallen des weissen Schnees im Frühling? Dschar Dschar.

Wo ist die rechte Seite, wo wir wie Füllen spielten? Dschar Dschar.

Wenn mein jüngerer Schwager auch noch so gut ist, Dschar Dschar.

Ich will umkehren, wie mein Bruder wird er doch nicht sein, Dschar Dschar.


11. Ein Knöchel und eine Kniescheibe sind am Beine, Dschar Dschar.

Den Verstand von vierzig Menschen hat der Fürst, Dschar Dschar.[124]

Weine nicht der Jüngern Schwester wegen, armes Mädchen, Dschar Dschar.

An der Schwester Stelle wird deine Schwägerin dort sein, Dschar Dschar.


12. Wo ist das Fallen des weissen Schnees im Frühling? Dschar Dschar.

Wo ist die rechte Seite, wo wir wie Füllen spielten? Dschar Dschar.

Wenn meine Schwägerin auch noch so gut ist, Dschar Dschar.

Ich will umkehren, wie die Schwester wird sie doch nicht sein, Dschar Dschar.

Quelle:
Seidel, A. (Hg.): Anthologie aus der asiatischen Volkslitteratur. Weimar: Verlag von Emil Felber, 1898, S. 122-125.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Stramm, August

Gedichte

Gedichte

Wenige Wochen vor seinem Tode äußerte Stramm in einem Brief an seinen Verleger Herwarth Walden die Absicht, seine Gedichte aus der Kriegszeit zu sammeln und ihnen den Titel »Tropfblut« zu geben. Walden nutzte diesen Titel dann jedoch für eine Nachlaßausgabe, die nach anderen Kriterien zusammengestellt wurde. – Hier sind, dem ursprünglichen Plan folgend, unter dem Titel »Tropfblut« die zwischen November 1914 und April 1915 entstandenen Gedichte in der Reihenfolge, in der sie 1915 in Waldens Zeitschrift »Der Sturm« erschienen sind, versammelt. Der Ausgabe beigegeben sind die Gedichte »Die Menscheit« und »Weltwehe«, so wie die Sammlung »Du. Liebesgedichte«, die bereits vor Stramms Kriegsteilnahme in »Der Sturm« veröffentlicht wurden.

50 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.

428 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon