Himmelsgucker (Uranoscopus scaber)

[72] Der Himmelsgucker oder Meerpfaff (Uranoscopus scaber, Callionysmus araneus) erreicht eine Länge von dreißig Centimeter, hat zwei Rückenflossen und einen fadenförmigen, vor der Zunge befindlichen Lappen, mit welchem er Fische herbeilocken soll. Die erste Rückenflosse besteht aus drei schwachen Stacheln, die zweite aus vierzehn ästigen, die Afterflosse aus dreizehn, die Brustflosse aus siebzehn ebenfalls verästelten, die gerade abgeschnittene Schwanzflosse aus zehn Strahlen. Ein dunkles, wie mit Mehl überpudertes Graubraun ist die Grundfärbung; längs der Seite verläuft eine Reihe unregelmäßiger weißen Flecke; der Bauch ist weiß, die erste Rückenflosse tief schwarz, mit einem weißen Flecke gezeichnet, die zweite graubraun gefleckt, die Bauchflosse graugelb.

»Dieser Fisch«, sagt Geßner, »hat seinen namen von den augen, welche allezeit gegen dem Himmel lugen, auch oben auff dem Kopff gesetzt sind. Ist sonst ein wüster, scheutzlicher Fisch anzusehen. Im wust, lätt vnd kaat wonen diese Fisch, in welchem sie sich halten vnd den Fischen nachstellen, dann einer vnersättlichen frässigkeit sollen sie seyn, welches sich wol bezeugt auß dem weiten maul, rachen vnd magen, also, daß sie sich mit speiß so jhnen dargeworffen, ob sie gleich gefangen, so mächtig vberfüllen, daß jhnen zum Rachen widervmb außlaufft. Ist auch so ein löblicher Fisch, daß ob er gleich ausgenommen, vnd der jnneren theilen aller beraubt, so bewegt er sich doch. Wiewol dieser Fisch im wust vnd kaat lebt, vnd auß der vrsach etlich achten, er habe ein vnlieblich fleisch, eines jrdischen geruchs, so sollen sie doch eines vberauß lieblichen geschmacks seyn, angenem zu essen, auch nicht ein vngesund fleisch haben. Dann Hippocrates der berümbtest Artzt lobt sie in der speiß, denen so viel weissen schleim jnnen haben. Die augen Tobie, von welchem im alten Testament gedacht wirdt, sollen durch die gallen deß Fisches auffgethon worden seyn, als etlich wöllen, dann zu den Augen vnd Gehör ist es die fürnembste artzney.«

Wir wissen heutzutage nicht mehr als Geßner über die Lebensweise unseres Sternsehers. Er lebt im Mittelländischen Meere, hält sich, laut Risso, bei Nizza auf schlammigem Grunde auf, wird das ganze Jahr hindurch gefangen, aber wenig geschätzt, weil nur ärmere Leute sein unangenehm riechendes Fleisch genießen sollen. Im engeren Gewahrsame dauert er nicht lange aus, liegt aber fast stets im Schlamme vergraben und verläßt dieses Versteck höchstens des Nachts.

Quelle:
Brehms Thierleben. Allgemeine Kunde des Thierreichs, Achter Band, Dritte Abtheilung: Kriechthiere, Lurche und Fische, Zweiter Band: Fische. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1884., S. 72.
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