Getreidezünsler (Botys frumentalis)

[430] Um die ungemein artenreiche Gattung Botys, die allein über hundert Europäer enthält, scharen sich die Mitglieder der zweiten Sippe, von der vorigen nur dadurch unterschieden, daß im Vorderflügel Rippe 7 und 8 gesondert von einander entspringen. Die auf zahlreiche Gattungen vertheilten Arten haben in ihrer äußeren Erscheinung viel Spannerartiges. Manche von ihnen, es sind namentlich kleinere und dunklere bis schwarze Arten mit weißen Zeichnungen, fliegen nur bei Sonnenschein, setzen sich auf Sandboden mit halbausgebreiteten Flügeln oder suchen Rasen bildende Blumen auf, um daselbst Honig zu naschen, zeigen sich aber dort wie hier scheu und flüchtig und lassen sich schwer ergreifen. Andere, namentlich weiße Arten mit gelb oder braun in doppelten Schlangenlinien bemalten Flügeln, lassen sich in der Umgebung von pflanzenreichen Teichen und Wasserlöchern aufsuchen und beleben bei anbrechender Dunkelheit, wie Geister über dem Wasser hintaumelnd, solche Oertlichkeiten, indem die verschiedenen Wasserpflanzen ihren Raupen Nahrung bieten. Die Mehrzahl der Arten und zwar die größten der ganzen Sippe und meist licht, vorherrschend gelb gefärbten sind Nachtschmetterlinge, ruhen am Tage verborgen im Gebüsche, fliegen jedoch auf, wenn sie gestört werden, um in mäßig raschem etwas stoßendem Fluge ein neues Versteck aufzusuchen. Einige Arten werden durch ihre Raupen unter Umständen den Feldkulturen nachtheilig, was jedoch nicht von dem Getreidezünsler (Botys frumentalis) gilt, wie man aus seinem Namen schließen könnte; denn seine Raupe lebt von verschiedenen Kreuzblümlern, welche als Unkraut auf den Getreidefeldern, namentlich im Weizen, wachsen.

Quelle:
Brehms Thierleben. Allgemeine Kunde des Thierreichs, Neunter Band, Vierte Abtheilung: Wirbellose Thiere, Erster Band: Die Insekten, Tausendfüßler und Spinnen. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1884., S. 430.
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