Puschmann, Theodor

Puschmann, Theodor
Puschmann, Theodor

[1330] Puschmann, Theodor, zu Wien, geb. 4. Mai 1844 zu Löwenberg i. Schl., absolvierte die med. Studien an den Hochschulen zu Berlin, Marburg, Wien und München und vervollständigte seine Allgemeinbildung durch längeren Aufenthalt in England, Frankreich und Italien, übte in Ägypten und, nachdem er während des deutsch-französ. Krieges in einem Reservelazarett als freiw. Arzt Dienste geleistet hatte, in München die Praxis aus, bis er sich an der Univ. Leipzig für Geschichte der Medizin habilitierte. Von dort wurde er 1879 als Prof. dieses Faches nach Wien berufen und wirkte hier bis zu seinem 28. Sept. 1899 erfolgten Ableben. Er gab die Werke des griech. Arztes Alexander von Tralles (2 Bde. Wien 1878, 79) nach den Handschriften im griech. Originaltext mit deutscher Übersetzung und umfangreichem sachlichen Kommentar heraus, verfasste ausser verschiedenen Aufsätzen für die Beilage der Allgemeinen Zeitung (München), die Gegenwart, die D. und W. m. W., die deutsche Litteratur-Zeitung und das Litter. Cbl. das Buch: »Die Medicin in Wien während der letzten hundert Jahre« (Wien 1884) und lieferte 1880 bis 98 das histor. Referat für die von Virchow und Hirsch redigierten Jahresberichte, sowie den med. Abschnitt in Iw. v. Müller's Jahresber. über die klassische Altertumswissenschaft. Unter dem Titel: »Nachträge zu Alexander[1330] Trallianus« (Berlin 1886) erschienen die nach den Manuskripten hergestellten Texte der Fragmente des Philagrios nnd Philumenos mit deutscher Übersetzung und Kommentar und eine von P. anfgefundene griech. Handschrift über die Augenkrankheiten. 1889 veröffentlichte er seine »Geschichte des medicin. Unterrichts von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart« (Leipzig). Von diesem Werk wurde 1892 (London) eine englische Ausgabe veranstaltet. Spätere Arbeiten P.'s sind seine »Geschichte der Blattern-Impfung« – »Die Darstellung der Ursachen der Beschneidung« – »Die Geschichte der Lehre von der Ansteckung« – »Die Verbreitung der Syphilis in Europa vor der Entdeckung Amerikas«, sowie einige Beiträge zur Festschrift für das 50jähr. Regierungsjubiläum Kaiser Frz. Josephs und das 500jähr. Jubiläum des Wiener Doktorenkollegiums (1899 posthum erschienen). P. war ein eleganter Schriftsteller,[1331] ebenso scharfer als sachverständiger Kritiker und hat sich um die med. Geschichtsforschungwie Geschichtsschreibung eminente Verdienste erworben. Seinen litter. Nachlass wie sein Vermögen hinterliess er der Univ. Wien zur Gründung eines med.-histor. Museums.

Quelle:
Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. 1330-1332.
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