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[302] Der Strophenbau ist kaum zu verkennen, doch muss dann Vers 10 vor Vers 8 gestellt werden.
1. Den hehren Agni zeugten aus den Hölzern
durch Handbewegung andachtsvoll die Männer,
Den weitgeseh'nen, flammenden, den Hausherrn.
2. Den schön zu schau'nden Agni setzten nieder
daheim die Vasu's, überall zur Hülfe;
Ihn, welcher stets im Hause ist zu ehren.
3. Entflammt, o Agni, strahle uns vor Augen
mit deinem Licht, das nie verlischt, o jüngster;
Zu dir hin eilen stete Opferspeisen.
4. Erstrahlen mögen schöner deine Feuer
als andre Feuer, heldenreich und glänzend,
Da, wo die edlen Männer sind versammelt.
5. Gib, starker Agni, huldvoll uns gepries'ne
an Helden und an Kindern reiche Schätze,
Die nicht ein Räuber bös' gesinnt gewinne.[302]
6. Dem starken, dem wie eine Jungfrau Abends
und Morgens naht die butterreiche Kelle,
Ersteht die eigne Sehnsucht, Schatz begehrend.
7. O brenne weg uns, Agni, alle Frevler
durch Glut, mit der du den Dscharutha branntest,
Und lautlos lass enteilen jeden Dränger.
10. Die Männer hier, die Helden in den Schlachten,
lass überwinden alle bösen Listen,
Die mein Gebet, das herrliche, bewundern.
8.301 Den Männern, Agni, die dein Licht entzündet,
o bester, heller, strahlender, entflammter,
Und uns sei nahe hier durch diese Lieder.
9. Die oftmals, Agni, dir dein Licht ertheilten
als Sterbliche, die väterlichen Männer,
Mit denen sei du wohlgesinnt auch uns hier.
11. Lass nicht um dich uns leer an Männern sitzen,
vereinsamt nicht aus Kindermangel, Agni;
An Kindern reich lass sein die Häuser, Hausfreund.
12. Zu welchem eignen Opfer geht der RossherrA1,
der Sitz sei reich an Kindern uns, und Enkeln,
Durch selbsterzeugten Nachwuchs recht erstarkend.
13. Beschütz uns, Agni, vor dem schlimmen Nachtgeist
und vor dem Leid des geiz'gen Uebelthäters,
Mit dir vereint mög' ich den Feind besiegen.
14. Die andern Feuer übertreff das Feuer,
wo gabenreich der Stamm mit starken Händen
Auf tausend Pfaden ew'ges Gut erreichet.
15. Das ist der Agni, der vor Feinden schützet,
der den Entzünder von Bedrängniss frei macht,
Um den die edlen Helden dienend wandern.
16. Der Agni ist's, der vielfach wird beopfert,
den opferreich der Mächtige entzündet,
Um den der Priester bei den Opfern wandert.
17. Dir, Agni, wollen wir, die Reichen, spenden
viel Opfergüsse, die dir sein zu eigen,
Beim Mahle wirkend beide Opferwerke.[303]
18. Und, Agni, diese liebsten Opfergüsse
fährst unermüdlich hin du zu den Göttern;
Sie lass geniessen unsre duft'gen Speisen.
19. Nicht gib uns, Agni, hin dem Kindermangel,
nicht hin der Armuth, die in Lumpen wandelt,
O reiner, nicht dem Hunger, nicht dem Nachtgeist;
im Hause nicht, noch draussen, stoss uns Leid zu.
20. Führ aufwärts, Agni, diese meine Bitten,
mach du, o Gott, sie wirksam für die Reichen;
Gib beiden Seiten Theil an deiner Spende;
ihr Götter, schützt uns stets mit eurem Segen.
(21-25. siehe Anhang.)
A1 Agni.
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