Brechen

[1173] Brếchen, verb. irreg. ich breche, du brichst, er bricht, wir brechen u.s.f. Imperf. ich brāch, Conj. brǟche; Mittelw. gebróchen; Imperativus brích. Es ist in doppelter Gattung üblich.

I. Als ein Neutrum, da es eigentlich eine Nachahmung des Schalles zu seyn scheinet, den gewisse harte Körper machen, wenn sie brechen; welche Bedeutung aber veraltet ist, indem krachen in den eigentlichsten Fällen dessen Stelle eingenommen hat. Es wird aber gebraucht,

1. Mit dem Hülfsworte seyn, und wird alsdann von harten Körpern gesagt, wenn ihre Theile plötzlich und mit einem gewissen Geräusche getrennet werden. Und zwar,

1) Eigentlich. Das Eis bricht. Der Baum ist gebrochen. Das Holz brach. Es muß biegen oder brechen. Das Zeug bricht, wenn es in den Falten Risse bekommt.

2) Figürlich. (a) Unvermögend werden, seine Schulden zu bezahlen, im gemeinen Leben von Kauf- und Handelshäusern. Zu Cadix ist eines der größten Häuser gebrochen. Dieß Haus kann sich unmöglich halten, es muß nächstens brechen. Der Ursprung dieser Redensart ist schon in Bankerott gezeiget worden. (b) Das Herz bricht mir, sagt man von der Empfindung eines heftigen Schmerzens oder Mitleidens. Mein Herz will mir brechen, so oft ich ihn nur sehe. Das Herz möchte einem bey einem solchen Anblicke brechen. Die völlig vergangene Zeit ist in dieser Bedeutung nicht üblich. (c) Mit mühsamer Überwindung körperlicher Hindernisse an einen Ort gelangen. Die Gefangenen sind aus dem Gefängnisse gebrochen. Es brach ein Dieb in das Haus. Der Feind will in das Lager brechen. Das Regiment brach durch die Feinde. Der Strom brach aus seinen Ufern. S. auch Ausbrechen, Einbrechen, Durchbrechen. Obgleich mit dieser Bedeutung eine wahre Thätigkeit verbunden ist, so ist brechen in derselben doch als ein Neutrum oder vielmehr als ein Intransitivum üblich. Man sagt in dieser Bedeutung auch reciproce, sich aus dem Gefängnisse brechen; aber da gehöret es zu dem folgenden Activo. (b) Glänzen, scheinen, mit einem Glanze zum Vorscheine kommen. Das Licht bricht durch die Nebel. Die Sonne bricht durch die Wolken. Der Funke, der kaum noch durch die Asche bricht. (e) Plötzlich und mit Heftigkeit zum Vorscheine kommen überhaupt.


– Ich weiß du strafst mich nicht,

Wenn der verhaltne Strom aus meinen Augen bricht,

Weiße.


Die Nacht bricht herein. Nun brechen Einwendungen hervor, wie Waldwasser. Unglück bricht über uns herein. Man kann beyde Bedeutungen füglich als eine Fortsetzung der dritten ansehen, weil die Lichtstrahlen alsdann wirklich Hindernisse zu überwinden haben; obgleich viele brechen in dieser Bedeutung zu einem besondern Zeitworte machen, welches von brechen, frangere, ganz verschieden ist. S. auch Anbrechen.


Si kan durh die herzen brechen

Sam die sunne dur das glas,

Heinrich von Morunge.


Ach brehender sterne, ach brinnender mane!

Meister Gottfried von Straßburg.


Indem da brach daher der tag,

Theuerd. Kap. 90.


[1173] Und in dem 1483 zu Augsburg gedruckten Buche der Natur heißt es von der Milchstraße: do vil zusammen gesäter Sterne sind, der aller liecht brechent in einander. Eben daselbst geschiehet auch des Widerprechens der Sterne Meldung. Es ist dieß nicht der einzige Fall, da Ausdrücke, die eigentlich für den Sinn des Gehöres sind, figürlich auch auf das Sehen und andere Sinne angewendet werden. S. Pracht. (f) Dunkel werden, seinen Glanz verlieren, in einer der vorigen entgegen gesetzten Bedeutung, in welcher es aber im Hochdeutschen nur von den Augen gebraucht wird. Die Augen brechen ihm, sagt man von einem Sterbenden, wenn sie bey der Annäherung des Todes ihren lebhaften Glanz verlieren. Die Augen sind ihm gebrochen. Er liegt schon mit gebrochenen Augen. Ingleichen bey der Empfindung einer heftigen Sehnsucht.

Ihr Auge fängt nun schmachtend an zu brechen, Rost. Ehedem gebrauchte man das Brechen der Augen in der vorigen vierten Bedeutung häufig von ihrem Glanze, Blitze. Wol mir, ir spilenden ougen brehen, der wilde Alexander. Es scheinet, daß brechen in dieser Bedeutung im Oberdeutschen noch in andern Fällen üblich ist; wenigstens findet sich bey dem Steinbach die Redensart der Wein bricht, er wird trübe. Vermuthlich gehöret es hier zu einer der Bedeutungen des folgenden Activi, und zwar zu derjenigen, da brechen, von der geraden Richtung abbringen bedeutet; von welcher man, (g) auch im gemeinen Leben sagt: es muß brechen, die Sache muß einen merklichen Ausschlag bekommen, kann nicht in dem jetzigen Zustande verbleiben. (h) * Einen Leibesbruch, und in weiterer Bedeutung, ein Gebrechen haben, jetzt veraltet. Der gebrochen ist, 3 Mos. 21, 20.

2. Mit dem Hülfsworte haben, in welcher Gestalt es aber nur von Steinen, Erzen und andern Mineralien für gebrochen werden, vorhanden seyn, üblich ist. Gold bricht niemahls in Flötzen, es wird niemahls in Flötzen gefunden, aber das Silber bricht zuweilen flötzweise. Der Kalkstein bricht oft im Sande. Ehedem haben daselbst die reichsten Erze gebrochen. Verschiedene in den Bergen brechende Erze. Es stehet dahin, ob brechen hier nicht zu der Bedeutung des Glänzens oder Scheinens gehöret, welche bey den Niedersächsischen Bergleuten das Niedersächsische Hülfswort haben behalten hat.

II. Als ein Activum und Reciprocum, da es in einer zwiefachen Bedeutung gebraucht wird.

1. Von der heftigen Zusammenziehung des Magens, durch welche er das, was darin enthalten ist, wieder von sich gibt; als ein Reciprocum. Sich brechen. Der Kranke hat sich gebrochen. Ich möchte mich vor lauter Ekel brechen. Ein Brechen bekommen. Ein Brechen erregen. Brechen gehöret in dieser Bedeutung unter die gemeinen Ausdrücke, für welche man in der anständigern Sprechart sich übergeben gebraucht. In noch niedrigern Sprecharten sind speyen, kotzen u.s.f. üblich. S. auch Erbrechen. Die Verfasser des Bremisch-Nieders. Wörterb. halten brechen, Nieders. bräken, in dieser Bedeutung für ein von brechen, frangere, ganz verschiedenes Wort; allein sie sind doch im Grunde eins, weil beyde bloße Nachahmungen des Schalles sind, der mit beyden Arten des Brechens verbunden ist. Und in diesem Verstande gehören auch das Angels. Hraka und Wraeak, beym Junius, der Husten, das Engl. to retch, sich brechen wollen, und andere hierher.

2. Die Theile eines harten Körpers mit einem gewissen Geräusche plötzlich trennen.

1) Eigentlich. Ein Stück Brot, eine Sämmel, ein Bret von einander brechen. Eine Lanze mit jemanden brechen, in den ehemahligen Ritterspielen. Das Eis brechen, auch figürlich, den Anfang in einer schweren Sache machen, sie erleichtern. Noth bricht Eisen. Den Stab brechen, über einen Verbrecher,[1174] zum Zeichen des gesprochenen Todesurtheiles. Flachs, Hanf brechen, in der Landwirthschaft, die Stängel des gerösteten Hanfes oder Flachses auf der Breche zerknicken, und den Bast gleichsam zerbrechen; im Nieders. braken, im Engl. to brake, in Westphalen raken, im Oberdeutschen auch reiten und rätschen. Da das Niedersächsische braken, Flachs brechen, regulär gehet, so pflegen auch viele Niedersachsen, wenn sie Hochdeutsch sprechen wollen, unser brechen regulär zu machen. Getreide oder Malz brechen, wofür an andern Orten schroten üblich ist, es auf der Mühle gröblich zermalmen lassen. Einem den Hals brechen, in der niedrigsten Sprechart, ihn gewaltsamer Weise um das Leben bringen. Den Hals brechen, in intransitiver Bedeutung und im gemeinen Leben, sich im Fallen das Genick abstoßen. Halsbrechende, d.i. höchst gefährliche, Arbeit, auch nur im gemeinen Leben. Auf eben diese Art sagt man auch, den Arm, den Fuß, ein Bein brechen, durch einen ungefähren Zufall einen zerbrochenen Arm u.s.f. bekommen, in welcher intransitiven Bedeutung auch reciproce gesagt werden kann, sich das Bein u.s.f. brechen. Das bricht mir das Herz, figürlich, das erfüllet mich mit den lebhaftesten Schmerzen, mit der größten Wehmuth. Gewiß, dieser Brief soll ihm das Herz brechen, ihn zum innigsten Mitleiden bewegen.


Schriet das min schmerze

Miner frouwen herze

Breche,

Heinrich von Morungen.


2) In weiterer Bedeutung bedeutet dieses Zeitwort, (a) Abbrechen. Blumen brechen. Rosen brechen. Obst brechen Eine Ursache von dem Zaune brechen, figürlich und im gemeinen Leben, einen nichtigen Vorwand zu etwas nehmen, und anführen. In dieser Bedeutung findet man bey den ältern Schriftstellern dieses Wort auch wohl mit der zweyten Endung:


Ich brach der rosen nicht und hat ir doch gewalt,

König Wenzel.


(b) Auf eine gewaltsame Weise absondern, aus dem Wege räumen u.s.f. Steine brechen. Erz brechen. Der Bergmann bricht über sich, wenn er von unten auf über sich arbeitet. Ein Schloß von der Thüre brechen. Bey den Jägern wird dieses Zeitwort so wohl von den wilden Schweinen, als auch von den Repphühnern gebraucht. In Ansehung der ersten bedeutet es so viel als wühlen. Die Sauen brechen nach ihrem Fraße. Bey den Repphühnern aber bedeutet es so viel als sich in den Schnee einscharren. Auf ähnliche Art sagt man auch im gemeinen Leben, obgleich größten Theils nur in figürlichem Verstande, (c) die Bahn brechen, die Hindernisse in einer Sache aus dem Wege räumen. (d) Essen, doch nur in der gemeinen Redensart, nichts zu beißen noch zu brechen haben. Vollständiger kommt der Ausdruck noch in der Deutschen Bibel vor, wo das Brot brechen einige Mahl für speisen gebraucht wird. (e) Die Zähne brechen, bedeutet, von den Pferden gebraucht, so viel als schieben, d.i. die Zähne verlieren. Das Pferd hat die vier vordern Zähne bereits gebrochen.

3) Figürlich. (1) So fern die Theile des Körpers, der gebrochen wird, eine andere Richtung bekommen. (a) Zusammen biegen, zusammen legen, doch nur in einigen wenigen Fällen. Einen Bogen Papier brechen. Einen Brief brechen. Einen Rand brechen, durch Umbiegung des Papieres demselben einen Rand geben. Servietten brechen, sie auf eine künstliche Art zusammen legen. (b) Eine von der geraden Linie abweichende Richtung geben, ohne daß eben eine krumme Linie daraus werde. Ein Dach brechen, dessen Abhange einen Absatz geben. Ein gebrochenes Dach. Die gebrochene Schrift, mit einem Lateinischen Ausdrucke, die Fractur. Eine gebrochene Treppe, welche[1175] aus mehrern Absätzen und Ruheplätzen bestehet. Ein gebrochener Lauf, in der Jägerey, der von der geraden Linie abweicht. Der gebrochene Stab, eine Art des Zierathes bey den Kunstwebern, in der Baukunst u.s.f. welche mehrere gleichsam gebrochene und unter einander gemischte Stäbe vorstellet; S. Stab. Auch die Lichtstrahlen brechen sich, oder werden gebrochen, wenn sie durch die Körper, durch welche sie gehen, von ihrem vorigen Wege abgebracht werden. Ein gebrochener Strahl, radius refractus. Die Brechung der Strahlen, refractio. (c) Die Farben brechen, in der Mahlerey, sie auf der Pallette oder mit der Pinselspitze vermischen, um Tinten, d.i. künstliche Farben, daraus hervor zu bringen, auf welcher Brechung der Farben die große Kunst des Colorits hauptsächlich beruhet. Den Wein brechen, wird in Steinbachs Wörterbuche durch vinum diluere erkläret; aber im Hochdeutschen ist diese Redensart unbekannt.

(2) So ferne bey dem Brechen der Widerstand des gebrochenen Körpers überwunden, und derselbe gewisser Maßen kraftlos gemacht wird. (a) Die Wellen brechen sich an den Küsten, an den Klippen, wenn sie mit Umgestüm an dieselben anschlagen, und sich zerstreuen. Die Wolken brechen sich, wenn sie sich zertheilen. (b) Das Wetter bricht sich, wenn es sich verändert. Die Kälte hat sich gebrochen, es ist gelinderes Wetter geworden. Die Krankheit bricht sich, wenn sie sich an einem kritischen Tage ändert. Der Wein, der Urin bricht sich, wenn sie eine andere Farbe u.s.f. bekommen. Kalkartige Sachen brechen die Säure, ziehen sie an sich, daß sie ihre vorige Kraft verlieret. So auch, (c) in sittlichem Verstande. Einem seinen Sinn, seinen Willen, seine Hartnäckigkeit brechen, sie mit Gewalt überwinden.


Ja kannst du ihr denn nicht den kleinen Starrsinn brechen?

Gell.


Du Waghals, dessen Eigensinn

Nur selten oder spät zu brechen,

Haged.


Nichts kann den frommen Vorsatz brechen,

Haged.


Verräther, geh, du sollst nicht meinen Vorsatz brechen,

Weiße.


(3) So ferne durch das Brechen der Zusammenhang der Theile des gebrochenen Körpers aufgehoben, oder derselbe in mehrere Theile getheilet wird. (a) Eine gebrochene Zahl, im Gegensatze einer ganzen. S. Bruch. (b) Gebrochene Worte, die halb abgebrochen ausgesprochen, oder deren einzelne Sylben in Absätzen vorgebracht werden, welches die Wirkung entweder einer großen Schwäche, oder einer heftigen Leidenschaft ist. Ich habe seine Worte so gebrochen hergesetzt, als ich sie hörte. Er bath mit gebrochener und sterbender, doch mit noch rührender Stimme, daß mein Innerstes sie hörte.


Ich stammelte den Dank ihr halb gebrochen vor,

Weiße.


Gebrochenes Deutsch, unvernehmliches, unverständliches Deutsch. (c) Auf ähnliche Art bedeutet dieses Wort in der Musik, einen Accord oder musikalischen Griff nicht auf Ein Mahl, sondern eine Note nach der andern berühren.

(4) So fern durch diese Trennung des Zusammenhanges der Sache eine unrechtmäßige Gewalt geschiehet; doch nur in den biblischen Redensarten, das Gesetz brechen, es übertreten; den Sabbath brechen, ihn entheiligen. S. Verbrechen.

(5) So fern durch diese Trennung des Zusammenhanges die Sache selbst gewisser Maßen vernichtet oder geendiget wird. (a) Das Stillschweigen brechen, demselben ein Ende machen, anfangen zu sprechen. (b) Der Frieden, die Freundschaft brechen, durch Feindseligkeiten wider den Frieden handeln. Den Bund brechen, die in demselben eingegangenen Verbindungen[1176] nicht erfüllen. Die Ehe brechen, wider die darin versprochene Treue handeln. S. Ehebruch. Sein Wort, sein Versprechen, seine Zusage brechen, denselben vorsetzlich entgegen handeln. Dahin auch die in der Sprache des Umganges übliche Redensart, mit jemanden brechen, die Freundschaft, Verbindung mit ihm ausheben. Nun ist es fest beschlossen, ich breche mit der Welt, denn sie wird mir immer unerträglicher. Lassen sie uns mit einander brechen, wie Leute von Vernunft, die der Nothwendigkeit weichen, Less. Du siehst leicht, meine Schwester kann nicht brechen, nehmlich mit ihrem Bräutigam, Weiße.

Anm. Dieses Wort lautet bey dem Ulphilas brikan, bey dem Kero prichan, bey dem Ottfried brechen, bey dem Notker prechen, bey dem Tatian brihhan, im Nieders. breken, im Holländ. breken, im Dän. bräkke, im Angels. brecan, im Engl. to break, im Alt-Latein. frago, nachmahls frango, fregi, fractum. Der eigentliche Stamm dieses Wortes scheinet Rack zu seyn, welches den Schall ausdruckt, den gewisse Körper im Brechen machen. Rak bedeutet noch jetzt im Schwedischen, und Rako im Finnländischen den Eisbruch. Hraka ist im Angelsächsischen der Husten, Hrak im Isländ. der Speichel, und raken in Westphalen Flachs brechen. Das Griech. γρχνυω, ich breche, ist bekannt. Von diesem Rack sind brechen, krachen, sprechen und andere, bloße Abänderungen. Braka bedeutet noch jetzt im Schwedischen krachen, und gleiche Bedeutung hat auch βραχειν bey dem Hesychius. Daß das B in der heutigen Bedeutung des Verbi brechen schon sehr alt sey, erhellet nicht nur aus den oben angeführten Wörtern, sondern auch aus dem Chaldäischen פרק, separavit, und dem Griech. βρƞγƞ, ein Bruch.

Andere Mundarten drucken diesen oder doch einen ähnlichen Schall durch Rat aus, wovon das Nieders. rattern, einen solchen Schall von sich geben, und das oben angeführte reiten und rätschen, Flachs brechen, abstammen. Daher kommen denn, das Schwed. bryta, das Dän. bryde, das Isländ. briota, das Angels. brittan, das Wend. parat, das Hebr. פרט, und andere mehr, alle in der Bedeutung des Brechens her. S. auch Bersten.

Unser brechen ist von den ältesten Zeiten an irregulär abgewandelt worden, wie schon aus dem Latein. frangere erhellet. Die erste Person der gegenwärtigen Zeit ich breche, lautet im Oberdeutschen auch ich briche; dagegen ist es in der thätigen Bedeutung, wenigstens so fern es Flachs brechen bedeutet, in eben dieser Mundart an einigen Orten regulär; ich brechere, gebrechet, für ich brach, gebrochen. So fern es ein Glied eines Körpers zerbrechen bedeutet, wurde es ehedem auch figürlich für verstümmeln, und nach einer noch weitern Figur für mangeln, fehlen gebraucht, wofür jetzt Gebrechen üblich ist. S. dieses Wort. Brechen für scheinen, glänzen, ist vielleicht eben so viel, als wenn es frangere bedeutet, wie unter andern auch das dem Hebr. barak erhellet. S. Pracht, welches gleichfalls davon herstammet. Das Substantiv die Brechung ist nur in einigen oben bereits angeführten Bedeutungen üblich. In andern ist Bruch eingeführet, S. dieses Wort.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1173-1177.
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