Teufel, der

[559] Der Teufel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Teufelchen, in der Theologie, ein übelthätiges Wesen höherer Art, welches sein Hauptgeschäft aus der Verführung der Menschen machen soll, daher ihm auch alles sittliche, und von dem großen Haufen oft auch alles natürliche Übel zugeschrieben wird. Durch des Teufels Neid ist der Tod in die Welt gekommen, Weish. 2, 14. Dem Teufel dienen, in der harten Schreibart für sündigen. Mit dem Teufel, von dem Teufel besessen seyn. Den Teufel austreiben, bannen. Der Teufel hat mich verblendet, verführet, eine gewöhnliche Entschuldigung des großen Haufens. Man gebraucht das Wort Teufel bald von dem Oberhaupte aller von der christlichen Kirche angenommenen bösen Geister, welches in der Deutschen Bibel auch der Satan genannt wird, bald aber auch von jedem bösen Geiste oder gefallenen Engel.

Die Neigung des großen Haufens, alles sittliche und das meiste physische Böse aus Bequemlichkeit einem bösartigen Wesen zuzuschreiben, hat eine Menge figürlicher Ausdrücke veranlasset, welche doch insgesammt nur in den niedrigen Sprecharten üblich sind. Z.B. dem Teufel ein Bein abschwören, heftig schwören, ingleichen sehr leicht zum Schwören zu bewegen seyn. Du wirst in des Teufels Küche kommen, du wirst übel ankommen. Das müßte mit dem Teufel zugehen, mit Hülfe des Teufels. Wohin auch die Sprüchwörter gehören: wenn man vom Teufel spricht, so kommt er; man darf den Teufel nicht an die Wand mahlen, er kommt ohne hin wohl; an armer Leute Hoffart wischt der Teufel den Hintern; wie dein Teufel gebohren ward, ging der meine schon an Bänken; der Teufel ist fein, aber er spinnt grob, u.s.f. Ingleichen die Ausdrücke, einen hohen Grad zu bezeichnen. Er wehret sich wie der Teufel; er arbeitet wie der Teufel; er ist ein Teufel im Arbeiten; es stinkt[559] wie der Teufel; es ist schwer wie der Teufel; ich frage nicht den Teufel darnach, nicht das mindeste. Es weiß den Teufel davon.


Mein Herr, sie werden mir ein ander Carmen machen,

Das taugt den Teufel nicht,

Zachar.


Es taugt gar nichts. Ferner, wo es als ein gemeiner Ausdruck des Unwillens, der Verwunderung u.s.f. gebraucht wird. Was, zum Teufel! hast du gethan? Den Teufel mag das Spaß seyn! Less. Was, den Teufel! habe ich für ihre Tugend nicht genug bezahlet?


Der Teufel! seht, das war ein rechtes Rad!

Gell.


Und endlich die niedrigen Arten zu schwören, fluchen und verwünschen. Ich will des Teufels seyn! Der Teufel hohle mich! Hohl ihn der Teufel! Gehe zum Teufel! In aller Teufel Nahmen! Ich danke dirs mit dem Teufel. Und andere Blumen mehr, wovon die niedrigen Sprecharten voll sind.

Figürlich. 1. Einen im höchsten Grade bösartigen und boshaften Menschen nennet man sehr häufig einen Teufel. Ein Mensch ist des andern Teufel. Sie ist ein böser Teufel, ein Teufel von einem Weibe, ein eingefleischter Teufel. So auch der Zankteufel, Eheteufel u.s.f. Nicht so hart lautet es in dem im gemeinen Leben üblichen, ein armer Teufel, ein armer Mensch, ein närrischer Teufel, ein possenhafter Mensch. 2. Eine Art vierfüßiger fünfzehiger Thiere, welche in Ostindien einheimisch sind, Ameisen, Würmer und Eidechsen fressen, und mit Schuppen bedeckt sind, werden Teufelchen, sonst aber auch Armadillo genannt; Manis Linn. Vielleicht, weil sie sich sehr sträuben, wenn man sie erzürnet. 3. Der Cartesianische Teufel, oder Teufelchen, gläserne hohle Figuren, welche sich, so wie man will, im Wasser untertauchen, und wieder hervor kommen; Täucherchen.

Anm. Schon Isidor und bey dem Kero Diubil, bey dem Ottfried Tiufel, Diufel, bey dem Notker Tievel, Tiefel, bey dem Willeram Diuuele, in Oberschwaben noch jetzt Dinsal, im Nieders. Düwel, im Angels. Deofl, im Engl. Devil, im Wallis. Diafl, Diafwl, im Dän. Diävel, im Schwed. Diäfwul, im Böhm. Dabel, im Franz. Diable, im Ital. Diavolo, im Span. Diablo; alle von dem Lat. Diabolus und Griech. διάβολος, ob es gleich Wortforscher gegeben hat, welche es bald von Deube, ein Diebstahl, bald auch von dem Holländ. d'Ubel, der Böse, herleiten wollen. Bey dem Ulphilas ist dieses Wort dem Griechischen noch am ähnlichsten, wo es Diabulaus lautet. Possierlich genug, und der damahligen Zeit sehr ähnlich, ist die Ableitung des Lateinischen Wortes, welche sich in der Glosse zu den Decretalen B. 1 befindet, wo es heißt; Diabolus deriuatur a dia, quod est duo, et bolus, quod est morsellus; quia duos bolos tantum de corpore et anima quaerit facere. Die gewöhnliche Ableitung ist von διάβολος, verläumden, so daß Teufel eigentlich einen Verläumder bedeuten würde. Allein, da im Türkischen Diofs, böse Geister, heißen, und das Persische Diuw, und das Syrische #יוא gleichfalls den Teufel bedeuten, so stehet es dahin, ob dieses Wort mit der Sache selbst nicht vielmehr aus dem Morgenländischen herstammet. Notker übersetzt das Lat. Diabolus sehr buchstäblich durch Niderfalle, Niderrise. Ein wenig glimpflichere Ausdrücke dieses mächtigen bösartigen Wesens sind, der böse Feind, der böse Geist; im gemeinen Leben, der arge Wicht, der Arge, der Böse, der Geyer u.s.f.

Das Wort Teufel ist erst mit der christlichen Religion in die Sprache und den Lehrbegriff der Deutschen gekommen. Indessen kannte man schon zu den Zeiten des Heidenthumes gewisse bösartige Wesen, deren Nahmen sich noch bis auf unsere Zeiten unter dem großen Haufen erhalten haben; von welchem sie häufig als versteckte[560] oder gelindere Nahmen des Teufels gebraucht werden. Dergleichen sind: der Tausend, der Deutsch, der Deutscher, im Schwed. Tusse, im Ißländ. Thurs, im Engl. Dewce, im Nieders. Duus, bey den alten Galliern schon Dusius; der Deuker oder Teuker, Nieders. Düker, Dux, Engl. Dickens; der Hammer, der Hagel. Besonders die Niederdeutschen Valant, Vander, Knimel, Krammbeker, Krammwyre, Drummel, Budde, Nicker, Engl. the old Nick, Drös, Holländ. Droes, und die Schwedischen Puke, Schottländ. Powke, Dolgur, Draugur u.s.f.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 559-561.
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