August Gottlieb Meißner

[48] August Gottlieb Meißner, einer der Lieblingsschriftsteller des deutschen Publikums, namentlich des schönen Geschlechts. Gebürtig aus Bautzen (1753) und auf der Schule zu Löbau erzogen, studirte er in den Jahren 1773 bis 76 zu Leipzig und Wittenberg die Rechte, ward nachher geheimer Archiv Registrator zu Dresden, bis er 1785 zum Professor der Aesthetik und klassischen Literatur auf die Universität zu Prag berufen wurde. Im J. 1805 endlich kam er als Consistorialrath und Direktor der hohen Lehranstalten nach Fulda, starb aber hier schon am 20. Febr. 1807. – Unstreitig hatte Meißner zu seiner Zeit, besonders durch die Skizzen, sich einen ansehnlichen Rang unter den beliebtesten deutschen Prosaikern erworben, indem seine angenehme Art zu erzählen, seine Sprache, Einbildungskraft, sein Witz allerdings viel Unterhaltung gewährten; nur stieß der Leser sehr oft auf zu viel Geziertes im Ausdruck, auf geschraubte Wendungen, spielenden Witz etc.: Fehler, welche er jedoch in seinen neuern Werken zu vermeiden suchte, und dagegen an Wurde und natürlicher Einfachheit immer mehr gewann. Seine Skizzen (eine Sammlung prosaischer Aufsätze, Anekdoten, Erzählungen, Fabeln etc.), welche nach und nach bis zu 14 Sammlungen anwuchsen, erwarben ihm zuerst seinen Ruf; sein Alcibiades, Epaminondas, Julius Cäsar; seine Dialogen [48] und Erzählungen; seine Bianka Capello; ferner mehrere seiner Schauspiele (wie Johann von Schwaben) und Operetten (als: das Grab des Mufti, der Alchymist, Arsene etc.) haben ihm gewiß bei sehr vielen Lesern und Zuschauern Dank für so manche angenehme Unterhaltung abgelockt. Seine Cantate, das Lob der Musik, gab zu einer der meisterhaftesten Compositionen von Schuster (s. d. Art.) Veranlassung.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 8. Leipzig 1811, S. 48-49.
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