Auflösung, musikalische

[360] Auflösung, musikalische, musikalische, nennt man den Uebertritt eines oder mehrerer dissonirenden Intervalle zum consonirenden Akkord. In der Regel werden die durch große oder übermäßige Stufen entstehenden Dissonanzen aufwärts (in die Höhe), die durch kleine oder verminderte abwärts (in die Tiefe) aufgelöst. Doch hat sich die neuere Zeit auch hier von den altängstlichen Normen, nach denen[361] die einzelnen Dissonanzen regelmäßig vorbereitet und aufgelöst wurden, losgemacht. Sie hat nicht unrecht daran. Die Auflösung ist dem Musiker, was dem Maler die Verschmelzung des Schattens ins Licht – die Mitteltinte. Eine Composition ohne Dissonanzen, mithin ohne endliche Auflösung, wäre das lichte reizlose Gemälde, wie umgekehrt ein fortwährend dissonirendes Tonstück, ein grau in grau gemaltes Bild. Ob aber der Maler diese oder jene Mitteltinte wählen soll, darüber kann die Theorie vorweg kein allgemein giltiges Gesetz aufstellen.

R. S.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 1. Leipzig 1834, S. 360-361.
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360 | 361
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