Geschmack

[405] Geschmack. Es gibt nur einen Geschmack, den guten, weil es nur eine Schönheit, eine Wahrheit gibt. Geschmack ist die ausgebildete Fertigkeit, das Schöne als solches zu erkennen und das Häßliche zu verwerfen. Geschmackslehre ist die Aesthetik im engern Sinne. Ein Mensch von Geschmack ist jener, der sowohl im Leben, wie im Wissen und Können sich nichts aneignet, sich zu nichts bekennt, nichts thut, was sich nicht mit dem Principe der Schönheit verträgt oder vielmehr von diesem ausgeht. Das weibliche Geschlecht ist in dieser Beziehung von der Natur günstiger bedacht worden als der Mann, obschon man den Geschmack der Frauen, richtiger Takt (Schönheitsgefühl, natürlich ästhetischer Trieb, Sinn) nennen sollte. Frauen entscheiden oft ohne allen Unterricht, in Geschmackssachen nach diesem Takte äußerst richtig und sind in den meisten Fällen die competentesten Richterinnen.

B–l.

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Damen Conversations Lexikon, Band 4. [o.O.] 1835, S. 405.
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