Vitalismus

[651] Vitalismus (vita, Leben) heißt jener biologisch-naturphilosophische Standpunkt, welcher die Lebensfunctionen aus dem Wirken einer »Lebenskraft« (s. d.) erklärt (vgl. auch J. B. VAN HELMONT, De rer. nat. p. 34 ff.. MAMIANI, Confess. II, 419 ff.. VULPIAN, Leçons sur la physiol. du cerveau, 1867 ist Gegner. COURNOT, Matérial., vitalisme et rational. 1875: Anhänger. HAGEMANN, Met. S. 86).

Der »Neo- Vitalismus« berücksichtigt die physikalisch-chemische Natur der Lebensprocesse, betont aber deren Eigenartigkeit gegenüber dem Anorganischen und die Notwendigkeit, gestaltende, dirigierende Kräfte, die erst innerhalb des Organismus auftreten, anzunehmen (s. Dominanten: REINKE). Rein mechanistisch ist das Leben (s. d.) nicht zu begreifen. Hauptvertreter sind: E. RINDFLEISCH, Ärztliche Philos. 1888. G. v. BUNGE, Mechanism. u. Vitalismus, in: Lehrb. d. physiol. u. pathol. Chemie. O. HAMANN, Entwicklungslehre u. Darwinism. 1892. G. WOLFF, Mechan. u. Vitalism. 1902. H. DRIESCH, Die organischen Regulationen. K. C. SCHNEIDER, Vitalismus, 1903. E. v. HARTMANN, Mechan. u. Vitalism. in d. mod. Biologie, Arch. f. system. Philos. S. 139 ff., 331 ff., u. a. – Vgl. Leben, Lebenskraft.

Quelle:
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 2. Berlin 1904, S. 651.
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