Lange, Konrad

[383] Lange, Konrad, geb. 1855 in Göttingen, Prof. in Tübingen. L. ist ein Gegner aller »metaphysisch-transzendentalen« Ästhetik, aber auch die Einfühlungs- und Assoziationstheorie bekämpft er. Der Kern des Ästhetischen ist die »bewußte Selbsttäuschung« (Illusionstheorie). »Die ästhetische Lust beruht lediglich auf der Stärke und Lebhaftigkeit der Illusion.« Der ästhetische Genuß ist die Folge des Schwankens zwischen Wirklichkeits- und Scheinbewußtsein (»Schaukeltheorie«). Das Schöne ist das, »was Menschen mit richtiger und intensiver Naturanschauung in Illusion versetzt«. Die Kunst hat sich aus dem Spiel entwickelt, sie trägt zur Erweiterung und Vertiefung[384] unseres geistigen und körperlichen Lebens und dadurch zur Erhaltung und Vervollkommnung der Gattung bei.

SCHRIFTEN: Gedanken zu einer Ästhetik auf entwicklungsgeschichtlicher Grundlage, Zeitschr. f. Psychol. der Sinnesorgane, Bd. 14. – Die bewußte Selbsttäuschung, 1895. – Das Wesen der Kunst, 1902, 2. A. 1908. – Über die Methode der Kunstphilosophie, Zeitschr. f. Psychol. der Sinnesorgane, 1904. – D. Wesen d. künstler. Erziehung, 1902, u. a.

Quelle:
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. Berlin 1912, S. 383-384.
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