Viertes Kapitel.

Strategie.

[333] Der Übergang von der Strategie des Mittelalters in die Gedanken und die Kriegführung der Neuzeit ist bei Machiavelli behandelt worden. Wir haben gefunden, daß die neue Entwicklung beginnt mit dem Wiedererscheinen des taktischen Körpers der Infanterie mit blanker Waffe. Erst von da an gibt es auch wieder in vollem Sinne des Wortes Strategie383. Das oft wiederholte Wort, im Mittelalter sei der Krieg Anwendung der brutalen Gewalt gewesen, seit der Renaissance sei er zur Wissenschaft geworden, erzeugt Vorstellungen, die in jeder Beziehung als unrichtig abgewiesen werden müssen. Weder war der Krieg im Mittelalter nichts als brutale Gewalt, noch ist er seitdem zur Wissenschaft geworden. Der Krieg ist immer Kunst und kann nie Wissenschaft werden. Die Beziehung der Kunst zur Wissenschaft kann immer nur darin bestehen, daß sie durch theoretische, also wissenschaftliche Erwägungen über sich selbst zur Klarheit gebracht und dadurch umso befähigter wird, ihre Meister auszubilden. Wir haben gesehen, daß die Taktik in der Tat durch wissenschaftliches Studium in ihrer Fortbildung beeinflußt worden ist, ohne deshalb freilich zur »Wissenschaft« geworden zu sein. Ob das auch für die Strategie zutrifft oder, wie weit dies zutrifft, wird der Fortgang unserer Untersuchung lehren.[333]

Schon in dem Machiavelli-Kapitel haben wir gesehen, daß das Wesen der Strategie auf ein Zentralproblem führt, das Problem der doppelten Form der Strategie, der Niederwerfungs- und Ermattungs-Strategie, das notwendig alles strategische Denken und Handeln beherrscht.

Das erste natürliche Grundgesetz aller Strategie ist, die Kräfte zusammen zu nehmen, die Hauptmacht des Feindes aufzusuchen, sie zu schlagen und den Sieg zu verfolgen, bis der Besiegte sich dem Willen des Siegers unterwirft und seine Bedingungen annimmt, äußersten Falls also bis zur Besetzung des ganzen feindlichen Landes. Eine derartige Kriegführung setzt die genügende Überlegenheit voraus; es mag sein, daß die Überlegenheit genügt, einen ersten großen Sieg zu erfechten, trotzdem aber nicht hinreicht, das ganze Land einzunehmen oder auch nur die feindliche Hauptstadt zu belagern. Die Kräfte können auch so weit im Gleichgewicht stehen, daß von vornherein nur mäßige Erfolge zu erwarten sind, und man seine Hoffnung nicht sowohl darauf setzen darf, den Feind niederzuwerfen, als ihn durch Schläge und Schädigungen aller Art soweit zu zermürben und ermatten, daß er es endlich vorzieht, die Bedingungen des Siegers, die in diesem Falle immer eine gewisse Mäßigung zeigen müssen, anzunehmen. Das ist das System der Ermattungsstrategie, deren großes Problem immer auf die Frage geht, ob eine taktische Entscheidung, eine Schlacht mit ihren Gefahren und Verlusten angestrebt werden soll oder nicht, ob der in Aussicht stehende Gewinn aus einem Siege den Einsatz lohnt. Ist es in dem einen Falle die Hauptaufgabe des Feldherren, seine ganze Geisteskraft und Energie aufzuwenden, um der eigenen Armee bei der Entscheidung die möglichsten Vorteile zuzuwenden und den Sieg so hoch wie möglich zu steigen, so geht in dem anderen Falle keine Überlegung darauf, an welche Stellen und in welcher Art er den Feind empfindlich treffen, das eigene Heer, Land und Volk vor Schaden bewahren kann. Er wird sich fragen, ob er eine Festung belagern, eine Provinz einnehmen, dem Feinde die Zufuhr abschneiden, einen vereinzelten Heeresteil überfallen, einen Bundesgenossen abspenstig machen, selber einen Bundesgenossen gewinnen, besonders ab, ob eine Veranlassung und eine gute Gelegenheit gegeben ist, der feindlichen Hauptmacht eine Niederlage[334] beizubringen. Die Schlacht spielt also sowohl in der Niederwerfungs-wie in der Ermattungs-Strategie eine Rolle, der Unterschied aber ist, daß sie in jener das eine, alles andere überragende, alles andere in sich aufsaugende Mittel ist, in dieser nur als ein Mittel anzusehen ist, das neben anderen zur Wahl steht. Die Möglichkeit, den Feind auch ohne Schlacht so weit zu bringen, daß er die von unserer Seite erstrebten Bedingungen annimmt, führt in ihrer letzten Konsequenz zu einer reinen Manöver-Strategie, die den Krieg führen möchte ohne Blutvergießen. Eine solche reine Manöver-Strategie ist jedoch nur eine dialektische Spielerei, keine reale Erscheinung in der Weltkriegsgeschichte. Selbst wenn die eine Seite sich wirklich solche Kriegführung vorsetzen sollte, so weiß sie doch nicht, ob die andere Seite ebenso denkt und bei solchen Gedanken bleibt. Die Möglichkeit einer Schlachtentscheidung bleibt daher selbst bei sehr blutscheuen Feldherrn immer im Hintergrunde, und die Ermattungs-Strategie ist also durchaus nicht gleichzusetzen mit einer reinen Manöver-Strategie; sie ist vielmehr als eine mit einem inneren Gegensatz behaftete Kriegführung anzusehen. Ihr Prinzip ist ein polarisches oder doppelpoliges.

Schon im Altertum haben wir den Gegensatz der Niederwerfungs- und der Ermattungs-Strategie kennen gelernt und sofort mit dem Auftauchen der neuen Kriegsform tritt auch dieses Problem wieder in die Erscheinung. Als die Schweizer aus ihren Bergen in die umliegenden Landschaften hinabstiegen, hatten sie naturgemäß keinen anderen Grundsatz, als den Feind so schnell wie möglich aufzusuchen, ihn anzugreifen und zu schlagen. Aber grade dieser Grundsatz konnte gegen sie gewandt werden. Man wußte, daß sie immer wünschten, bald wieder nach Hause zu gelangen; auch wurde es den Kriegsherrn immer schwer, auf lange Zeit den Sold für sie aufzubringen. Wenn es also gelang, ihrem Angriff auszuweichen und sie in unangreifbaren Stellungen auszudauern, so konnte man hoffen, den Feldzug ohne Risiko und ohne Schlacht zu gewinnen. So rechnete La Tremouille, als er 1513 Novara belagerte und gemeldet wurde, daß ein Schweizer Entsatzheer nahe. Er hätte diesem Heer entgegengehen können, um es zu schlagen, ehe es sich mit der Besatzung von Novara vereinigte. La Tremouille verwarf diesen Gedanken, zog ab, um die Schweizer mit Manövrieren[335] hinzuhalten, wurde aber von ihnen eingeholt und geschlagen. Aber sehr bald lehrte die Erfahrung, daß mit einem solchen Sieg der Krieg noch keineswegs immer gewonnen war. War es also zweckmäßig gewesen, die Schlacht zu liefern? Wir haben gesehen, wie selbst die Denkerkraft Machiavellis vor diesem Problem halt gemacht und es nicht zu lösen imstande gewesen ist. Seine eigene Logik führte ihn auf die Niederwerfungsstrategie; die antike Überlieferung, vertreten durch Vegez, empfahl die Ermattungsstrategie. In der Praxis wie in der Theorie behielt diese die Oberhand. Die stärkste unmittelbare Wirkung hatte der Sieg der Kaiserlichen bei Pavia; der gefangene König Franz mußte im Frieden von Madrid die allerschwersten Bedingungen eingehen. Aber binnen wenigen Jahren waren doch zwar nicht alle, aber doch sehr wesentliche Stücke dieses Erwerbes wieder verloren, und man konnte die Frage aufwerfen, ob der Einsatz gelohnt habe.

So ist denn die Schlacht bei Pavia 1525 die letzte ganz große Entscheidung in dieser Kriegsepoche geblieben. Die Kriege rissen nicht ab, aber ganze Feldzüge verlaufen ohne eine wirkliche Schlacht, und wenn eine solche stattfindet wie bei Cerecole (1544), so hat sie keine Folgen.

Dem Feldherrn, der die Schlacht vermeiden will, wird es nicht schwer, Stellungen zu finden, an die so schwer heranzukommen ist, daß der Gegner, auch bei erheblicher Überlegenheit, lieber auf das Wagnis verzichtet. Natürliche Vorteile im Gelände werden durch Feldbefestigungen verstärkt. Eine strategische Offensive gipfelt daher nicht selbstverständlich in einer Schlacht, sondern erschöpft sich häufig in einem bloßen Raumgewinn, der Okkupierung eines Gebietes, das man ausnutzen kann. Das beliebteste Objekt ist die Belagerung und Einnahme einer Festung, deren Besitz dann erlaubt, eine ganze Landschaft zu beherrschen und den Gegner vor die Aufgabe stellt, sie wieder zu erobern, wenn er sie im Frieden zurückhaben will. Das alles um so mehr, je mehr die Anschauung von der Bedenklichkeit der Herausforderung des Schlachtenglücks sich in der herrschenden Meinung festgesetzt hat und von dem Gegner ein gewaltsamer Angriff auf eine auch nur leidlich gute Stellung nicht zu erwarten steht. Solcher Besitz, solche Stellungen konnten aber auch durch glückliche Manöver erlangt werden, während der Feind sich von[336] dem direkten Verlust der Schlacht, wenn diese nicht zugleich erhebliche Verluste an Land oder Festungen im Gefolge gehabt hatte, verhältnismäßig bald wieder erholte. Schon das bloße Hinhalten des Kriegszustandes, der beide Teile zwingt, schwere Kosten aufzuwenden, kann dem Kriegszweck näherführen, indem der eine Teil früher als der andere auf den Grund des Beutels sieht und dadurch zur Nachgiebigkeit bewegen werden kann. Denn der Krieg, schreibt ein schweizer Kriegsschriftsteller 1664, »hat ein groß loch und ein weit maul, und wo sich das gelt endet, da endet auch das spiel«384. Jeder Krieg ist stark durch das wirtschaftliche Moment bestimmt, da ohne Ausrüstung und Verpflegung nicht gefochten werden kann; die Kriege mit Söldnerheeren sind aber in eminentem Sinne Wirtschaftskriege, da die Heere überhaupt keine andere Basis haben, als die wirtschaftliche. Von Machiavelli bis Friedrich hören wir daher den Satz wiederholen, daß derjenige den Krieg gewinne, der den letzten Taler in der Tasche behalte385. Aber schon Machiavelli kehrte den Satz um und sagte, daß, wer Soldaten habe, sich auch Geld verschaffen könne. Der eine Satz ist so richtig und so falsch wie der andere. Ist es das Geld, was die Oberhand hat, so tendiert die Strategie zum Manöver; ist es der Soldat, so tendiert sie zur Schlacht. Es ist dieselbe Polarität, die gegeben ist in der Tatsache, daß das Instrument, vermöge dessen der politische Zweck erreicht werden soll, die Armee immer selbst aufs Spiel gesetzt und unter allen Umständen mehr oder weniger schwer geschädigt wird. In der Niederwerfungs-Strategie braucht man auf diese Schädigungen nicht zu achten, da man hofft, daß der Sieg den vollen Erfolg und das baldige Ende bringen werde, und den Rückschlag nicht fürchtet. In der Ermattungs-Strategie jedoch muß[337] die eigene Schädigung sehr sorgsam mit in Rechnung gezogen werden. Denn wenn der Sieg und auch der wiederholte Sieg dem Kriege kein Ende macht, so fragt sich, ob die Wiederherstellungskosten der durch den Sieg geschädigten Armee den Sieg nicht wieder wettmachen. Die Kriegsherren mahnen daher sehr häufig die Feldherren, nicht zu viel zu wagen und stellen das vornehmstes Ziel nicht den positiven Erfolg, sondern, wie der Kurfürst Max von Bayern seinem Feldmarschall Meren schrieb, die »saluirung der Armada« hin. Dem Markgrafen Ludwig von Baden warfen, als er die Türken rücksichtslos angriff, die kaiserlichen Minister vor, er opfere die Truppen leichtsinnig und bedürfe für jeden Feldzug eines neuen Heeres. Ganz besonders knauserig war mit dem Einsetzen ihrer Truppen die kaufmännische Regierung der Generalstaaten, aber auch Friedrich der Große schreibt in seinen General-Prinzipien im ersten Artikel, nachdem er die wundervolle Leistungsfähigkeit und Tüchtigkeit seiner Armee geschildert: mit dergleichen Truppen würde man die ganze Welt gewinnen, wenn die Siege ihnen nicht ebenso fatal wären, als ihren Feinden.

Am allerstärksten fällt die Erwägung bei Koalitionskriegen ins Gewicht, wo der Sieger das Opfer gebracht hat und sich vielleicht nachher sagen muß, daß der Gewinn nicht ihm, sondern dem Bundesgenossen zugefallen ist, vielleicht gerade um so mehr, daß der Sieger nun nicht mehr die Kraft hat, seine eigenen Interessen voll zu wahren.

Ein Haupthilfsmittel in der doppelpoligen Strategie ist die Feldbefestigung. Schon Karl der Kühne bei Murten und Nancy hatte sich gegen die Schweizer durch eine Befestigung zu decken gesucht. Der erste, eigentlich moderne Schlacht Cerignola (1503) zwischen Franzosen und Spaniern in Unteritalien spielte sich ab um einen Wall und Grabe, den die Spanier in aller Eile vor ihrer Front angelegt hatten. Von da an bis zum Ende der alten Monarchie spielt die Feldbefestigung ihre Rolle, oft eine entscheidende. In den Hugenottenkriegen, als die Kavallerie wieder aufgekommen war, verschanzte man sich nach de la Noue jede Nacht, um sich gegen Überfälle von weit her zu decken. Auch Gustav Adolf befestigte jedes Lager, wo er mit seiner Armee länger als eine Nacht blieb. Nicht selten kam es darauf an, ob[338] es einer Partei gelang, der anderen um einige Stunden zuvorzukommen und eine Befestigung herzustellen, gegen die diese dann nicht mehr zu stürmen wagte. Die Schlacht am Weißen Berge 1620 ging verloren, weil die nötigen Spaten aus Prag nicht schnell genug herangeschafft wurden. Daun operierte gegen Friedrich immer mit dem Spaten in der Hand. Friedrich war ursprünglich gegen Feldbefestigungen, da seine Truppen durch ihre Schnelligkeit gegen Überfälle gesichert seien und er das Gefecht immer angriffsweise zu führen wünschte, wobei Befestigungen ihm nur hinderlich gewesen wären. Geradezu mit einer gewissen Leidenschaftlichkeit spricht er sich zu weilen gegen sie aus386 – einer der wenigen Punkte, wo er sich nicht nur praktisch, sondern auch prinzipiell von seinen Zeitgenossen unterscheidet – und wenn er trotzdem in den General-Prinzipien angibt (Art. VIII), »wir retranchiren unsere Lage, wie ehedem die Römer«, so erklärt er es damit, daß dadurch nächtliche Unternehmungen der leichten Truppen, die bei dem Feinde so zahlreich seien, und dazu die Desertion verhindert werden sollten. Als Rückendeckung bei einer Belagerung (Circumvallation) will der König die »Retranchierung« zulassen, aber auch da würde es besser sein, dem zum Entsatz anrückenden Feind entgegenzugehn. In der äußersten Not, nach einer verlorenen Schlacht oder gegen dreifache Überlegenheit müsse man seine Zuflucht dazu nehmen und so hat er sich ja im Jahre 1761, als es endlich den russischen und österreichischen Herren gelungen war, sich in Schlesien gegen ihn zu vereinigen, durch die Verschanzungen bei Bunzelwitz gerettet. Wohl auf Grund dieser Erfahrung hat er dann in den Schriften nach dem Siebenjährigen Krieg sich auch zu grundsätzlicher Empfehlung der Feldbefestigungen bekehrt387.

Ob Schlagen oder nicht, wurde bei dieser Stärke der taktischen Defensive zuweilen eine Frage, die nicht an Ort und Stelle, sondern daheim von der Regierung entschieden wurde, obgleich Tage und Wochen vergehen konnten, ehe Frage, Bericht und Antwort hin- und hergegangen waren. Im Jahre 1544 schickte der Herzog von[339] Enghien seinen Maitre de Camp Monluc aus Oberitalien nach Paris zum König, um die Erlaubnis zu einer Schlacht zu erbitten. Gegen die Minister legte Monluc die Erlaubnis durch; Enghien siegte bei Cerecole; der Sieg aber hatte keine Folgen.

Ähnlich wurde im Siebenjährigen Kriege zwischen Daun und Wien, den russischen Feldherrn und Petersburg verhandelt.

Als Typus eines kraftlosen Manöverfeldzuges gilt der Feldzug der Schmalkaldener im Jahre 1546, und sicher ist, daß die verbündeten protestantischen Fürsten, namentlich im Beginn, als der Kaiser noch keine Truppen hatte, viel zu ängstlich vorgegangen sind388. Aber schon Ranke hat gesagt, das zornige Wort Schärtelins über den Landgrafen Philipp, er habe den Fuchs nicht beißen wollen; alle Furten und Gräben seien ihm zu tief, alle Moräste zu breit gewesen – dürfte man nicht immer wiederholen. Wenn sich einmal solche strategische Anschauungen gebildet haben, wie wir für diese Epochen kennen gelernt haben, so ist es sehr schwer, ein von vielerlei Interessenten komponiertes Heer mit geteiltem Oberbefehl zu einer großen Aktion zu führen. Auch der Kaiser, als er die Übermacht hatte, begnügte sich doch mit Manövrieren und siegte schließlich nicht durch Gefecht, sondern durch Politik, indem er Herzog Moritz bewog, in die Lande des Kurfürsten von Sachsen einzufallen, – und nun die lockere Bundesverfassung der Schmalkaldener nicht genügte, ein Heer zum Schutz Süddeutschlands zurückzulassen und zusammenzuhalten. Der Historiker dieses Krieges, Avila, schreibt darüber389: »Der Kaiser hatte nie Gelegenheit, mit gleichen, geschweige denn mit vorteilhaften Bedingungen zu schlagen. Auch unter gleichen Bedingungen hätte er aber nicht schlagen dürfen, denn solch ein Sieg ist verlustreich, und ein geschwächtes, wenngleich siegreiches Heer wäre nicht imstande gewesen, Deutschland – namentlich die Städte – zum Gehorsam zu bringen«390.[340]

In den Hugenottenkriegen finden sehr blutige Schlachten statt, aber strategisch haben sie doch nur den Wert von Gefechten, da die katholische Partei, wennschon die weitaus stärkere und wennschon siegreich auf dem Schlachtfelde, doch nicht stark genug ist, den Krieg bis zur völligen Bezwingung ihrer Gegner durch Einnahme aller ihrer festen Plätze durchzuführen.

Eben daran scheitert auch alle Anstrengung der Spanier, die aufständischen Niederlande wieder zu unterwerfen.

Die Strategie des 30jährigen Krieges ist bestimmt durch die sehr komplizierten, häufig wechselnden politischen Verhältnisse, durch die zahlreichen befestigten Städte und die im Verhältnis zu den großen Räumen immer noch numerisch schwachen Heere. Ein Mann, wie Gustav Adolf, der die grandiose Kühnheit hatte, von dem fernen, kleinen Königreich Schweden aus dem Kaiser zu Leibe zu gehn, der ganz Deutschland unter seine Füße gebracht hatte, ein Held von solcher Autorität und Initiative, sah sich doch genötigt, nur vorsichtig tastend und Schritt für Schritt vorwärts zu gehen. Clausewitz nennt ihn »einen gelehrten Feldherrn voller vorsichtiger Kombinationen«. »Ein kühner Invasions- und Schlachtenfeldherr, sagt er an anderer Stelle, war Gustav Adolf überall nicht, er liebte mehr den künstlichen, manövrierenden, systematischen Krieg«. Erst Fünfvierteljahr nach seiner Landung in Deutschland kam es zu der entscheidenden Schlacht bei Breitenfeld. Wallenstein, an dem Clausewitz die »fast fürchterliche Energie« rühmt und die »fürchtende Verehrung, welche sein ganzes Heer für ihn hatte«, hat doch niemals eine Offensiv-Schlacht geschlagen. Umgekehrt strebt Torstenson unausgesetzt nach der Schlacht, ohne daß deshalb doch seine Strategie grundsätzlich aus dem Rahmen der Ermattungs-Strategie herausträte oder hätte heraustreten können. Durch die Fülle der Gegensätze ist der Dreißigjährige Krieg strategisch sehr interessant und bietet auch in sich Abwandlungen, die noch nicht genügend erforscht sind. Die Stärke der aufgestellten Truppenmassen ist zeitweilige sehr groß, z.B. verfügte der Kaiser im Jahre 1627 über volle 100000 Mann, ebenso wieder im Jahre 1630. Ende[341] 1631, als Wallenstein wiederkam, waren vorhanden 30000 bis 40000, und im Frühjahr 1633 waren es 102000, wovon die Hauptarmee bei Münsterberg 43000. Ende des Feldzuges noch 74000 im ganzen391.

Trotzdem sind die operierenden Heere, die die Schlachten schlagen, nur klein. Das vereinigte kaiserlich-liguistische Heer zählte am Weißen Berge etwa 28000 Mann; Gustav Adolf hatte bei Breitenfeld mit den Sachsen 39000, bei Lützen 16300 Mann. Wallenstein hatte im Lager bei Nürnberg nicht, wie häufig angegeben wird, 50-60000 Mann, sondern nur 22000392. Torstensons Heere waren nicht stärker als 15000-16000 Mann. Ein sehr großer Teil der vorhandenen Streitkräfte wurde eben verbraucht für die Besatzungen der zahllosen befestigten Städte. Die Teilstärke der Kavallerie in den Feldheeren wächst, bis zur Hälfte, ja bis zu Zweidritteln des Ganzen. Bei Jankau (1645) zählten die Kaiserlichen auf 10000 Reiter 5000 Mann zu Fuß.

Wiederholt schwankt der Kriegsschauplatz von der Ost- und Nordsee bis zur Donau und bis zum Bodensee, von Wien, ja von Siebenbürgen, bis in die Nähe von Paris. Die weitesten Märsche sind ausführbar, da die Heere bei ihrer Kleinheit sich von den Landschaften, die sie durchziehen, ernähren lassen können, und Protestanten wie Katholiken im Süden wie im Norden Anhänger finden, die ihnen Stützpunkte bieten. Das Strategische ist also immer in hohem Maße mitbestimmt durch politische Gesichtspunkte, so daß eine Geschichte der Kriegskunst davon absehen darf, das Einzelne zu verfolgen, so weit es nicht bei der Analyse der einzelnen besonders markanten Schlachten zur Darstellung kommt.

Ein neues Zeitalter zieht für die Strategie herauf mit den Kriegen Ludwigs XIV., die bestimmt sind durch die wachsende Größe[342] der Heere und das daraus entspringende Verpflegungsproblem. Die mittelalterlichen Heere waren so klein, daß die Verpflegung entweder ohne gar zu große Schwierigkeit mitgeschleppt oder den durchzogenen Landschaften entnommen werden konnte. Auch umgekehrt, aus den Märschen und den wenig bedeutenden Verpflegungsmaßnahmen dürfen wir schließen, daß die Heere sehr klein gewesen seien. Mit dem Wachsen der Heere hören wir mehr und mehr von der Verpflegung reden393. Im »Ämterbuch«, oder der »Kriegsordnung«, die Ende der 30ger Jahre des 16. Jahrhunderts verfaßt wurde, sehr verbreitet war und viel benutzt wurde394, heißt es: »dieweil das Proviant das recht gar gros principall Stück im Krieg ist«, und es folgt ein sorgfältiger Anschlag über die Verpflegung. Ein solcher Anschlag findet sich auch in dem »Kriegsbuch« des Herzogs Albrecht von Preußen. Er geht auf ein Heer von 90801 Kombattanten und berechnet dafür auf fünf Tage 490 Brotwagen, 383 Wagen mit Speck, Butter, Salz, Erbsen, Grütze, 433 Wagen mit 100 Fudern Wein und 1000 Faß Bier. Dazu der Hafer für 45664 Pferde395. Ein Nürnberger Kriegsteilnehmer, Joachim Imhof, klagt in einem Brief aus dem Lager Karls V. im Jahre 1543, daß alles so teuer sei, weil die Soldaten die Bürger und Bauern, die etwas zuführen wollten, auf der Straße ausplünderten; nur das Fleisch sei billig, weil man das Vieh mit Gewalt wegnahm396. Die französische Armee führte schon 1515 Feldbacköfen mit397. Herzog Maximilian von Bayern ließ für seinen Feldzug in Böhmen i. J. 1620 Magazine anlegen; er erbeutete in Linz 300 Fässer Mehl mit 70000 Metzen Inhalt, zu deren Beförderung ihm die Österreicher 220 Wagen mit 4 Pferden stellen mußten. Chemnitz in seiner Geschichte des 30jährigen Krieges ist voll von den Verpflegungsrücksichten bei den Operationen und schon Herzog Albrecht weist auf die Bedeutung der Wasserwege dafür hin398.[343]

Unter Ludwig XIV. wuchsen nun die Heere auf das Drei- und Vierfache der Heere des 30jährigen Krieges. Man möchte zunächst wieder meinen, daß größere Heere den Feldherren die Möglichkeit geben, Größeres zu tun und größere Räume zu beherrschen. Wenn aber beide Seiten gleichmäßig wachsen, so tritt das Gegenteil ein. Das größere Heer ist schwerfälliger, nicht nur in seinen Bewegungen, sondern auch weil es nicht mehr unmittelbar und ohne weiteres vom Lande leben kann – es sei denn, daß es sehr schnell vorwärtsschreite –, sondern einer organisierten, nachgeführten Verproviantierung bedarf. Dieses Bedürfnis wird verschärft dadurch, daß die wachsende Stärke, wie wir gesehen haben, den Heeren viele sehr wenig zuverlässige Elemente zuführt, die nur durch die Disziplin und Aussicht bei der Fahne festgehalten werden können. Ließe man diese Truppen vom Lande leben, sie würden sich zum großen Teil verlaufen. Auch aus diesem Grunde ist also die regelmäßige Magazinal-Verpflegung notwendig geworden, Magazine aber legen der Bewegung der Truppen Fußschellen an. Die Folge wirkt dann wieder auf die Ursache zurück; je schwerfälliger die Bewegung wird, weil man an das Magazin gebunden ist, desto weniger kann man vom Lande leben, desto mehr bedarf man der Hilfe des Magazins.

Die Theoretiker berechneten, daß ein Heer sich nicht weiter als fünf Märsche von seinem Magazin entfernen dürfe; in der Mitte, zwei Märsche von der Armee, drei vom Magazin entfernt, sollte sich die Bäckerei befinden. Neun Tage blieb das in den Feldbäckereien gebackene Brot nur genießbar; wenn nun die Wagen sich hin- und herbewegten und ein Tag für Ruhe und Aufladen eingelegt wurde, so konnten die Truppen alle fünf Tage frisches Brot erhalten und es blieb ein Spielraum für unvorhergesehene Zufälle, was sehr nötig war, da ein anhaltender Regen die Wege für Lastfuhrwerke unpassierbar machen konnte.

Westphalen schildert den Zustand in einer Regenzeit 1758: »Im Angesicht der Magazine und Backanstalten fing das Heer an, Not zu leiden. Die Brotwagen brauchten zu einem Wege von einer Stunde Tage und Nächte und hatten dann noch unterwegs die Hälfte der Ladung abwerfen müssen.«399[344]

1692 konnte Luxemburg in Belgien nicht, wie er wollte, bis Enghien vorrücken, sondern mußte bei Soignies 3 Wochen lang stehen bleiben, weil sein Fuhrpark nicht zum Nachführen der Lebensmittel von Mons, wo sein Magazin war, genügte. Mons–Enghien sind kaum 4 Meilen, Soignies 2 Meilen.

Nich ich kommandiere, sagte Friedrich der Große (1745), sondern Mehl und Fourage, oder ein andermal an den Feldmarschall Keith (8. August 1757): »Ich bin der Meinung Homers: das Brod macht den Soldaten«.

Gleichzeitig mit dem äußeren Wachsen und der inneren Wandlung der Heere verändern sich die Kriegsschauplätze, indem man die große Mehrzahl der Städte entfestigt und statt dessen einige so stark ausbaut, daß sie nur in schwerer, langwieriger Belagerung genommen werden können. Die dabei ersparten Garnisonen kamen wieder der Stärk der Feldheere zugute400.

Karl V. hatte noch mehrfach Feldzüge unternehmen können, die ihn von Italien, von Deutschland, von den Niederlanden aus tief nach Frankreich hineinführten. So geschah es auch noch im Dreißigjährigen Kriege. Seitdem Ludwig XIV. durch Bauban ganze Reihen von Grenzstädten hatte neu befestigen lassen, waren solche Invasionen nicht mehr möglich. Ganz ähnlich baute Friedrich nachher das System der schlesischen Festungen aus, um sich diese Neuerwerbung zu sichern.

Mehrfach, besonders als Torstenson die Schweden kommandierte, bildeten sich im Dreißigjährigen Kriege Situationen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit strategischen Situationen in den Friderizianischen Kriegen haben. Torstenson aber mit seinem Heere[345] von 15000 Mann ist erheblich weiter gekommen, als später Friedrich. Der Vergleich, zum ersten Mal aufgestellt und durchführt in HOBOHMS Habilitations-Vorlesung an der Berliner Universität401, ist überaus lehrreich, und ich werde bei der Untersuchung der Friderizianischen Strategie darauf zurückkommen. Der Unterschied besteht nicht etwa, wie gleich zu bemerken, darin, daß Gustav Adolf oder einer seiner Nachfolgen, sei es Bernhard von Weimar, Baner, Torstenson, Wrangel oder Karl Gustav eine andere Auffassung vom Wesen der Strategie, im besonderen von dem Werte und der Bedeutung der Feldschlacht gehabt hätten, als Friedrich, sondern entspringt allein der Verschiedenheit der Verhältnisse, der politischen sowohl wie der militärischen, den Unterschieden in der Größe, dem Charakter und auch der Fechtart der Heere.

Die Entwicklung ist also auch nicht etwa die, daß man aus einem Zeitalter vorwiegender Manöver allmählich zu einer Strategie vorwiegender Schlachtentscheidung fortschreitet, sondern Theorie wie Praxis nähern sich bald mehr dem einen Pol, bald dem anderen.

Während man im 30jährigen Kriege bis zuletzt noch sehr heftige Kämpfe geführt hatte, stellen sich die ersten Kriege Ludwigs XIV. als reine Manöver-Feldzüge dar. Die einzige wirkliche Schlacht, bei Seneffe (1674) war nicht beabsichtigt und blieb unentschieden, weil Condé die Armee nicht aufs Spiel setzen wollte und den Kampf nicht fortsetzte. Sonst gab es in dem Kriege von 1672 bis 1679 nur Belagerungen, Märsche und einige Gefechte.

Der dritte Krieg Ludwigs, 1688-1697, zeigt schon wieder stärkere Spannungen und Entladungen, aber die einzige Schlacht, die wesentliche Folgen hat, ist die Schlacht an der Boyne in Irland, 1690, wo Jakob II. von Wilhelm III. besiegt wurde und die Stuarts endgültig ihren Thron verloren, während Fleurus (1690), Steenkerken (1692), Neerwinden (1693) bei großem Blutvergießen kaum irgend eine Wirkung hatten.

Als neues, fürchterliches Kriegsmittel tritt auf die systematische Wüstlegung eines ganzen Grenzlandes, der Pfalz im Jahre 1689, um dem Feinde den Angriff auf dieser Front zu erschweren und[346] den Franzosen die Verteidigung der festen Plätze, die sie zu behaupten gedachten, Mainz und Philippsburg zu erleichtern. So grausam die Maßregel war, so erreichte sie doch nicht einmal ihren Zweck, da die Deutschen Mainz dennoch belagerten und zurückeroberten. 1704 beabsichtigten die Verbündeten dasselbe in Bayern und haben auch schon mit der Ausführung begonnen. Prinz Eugen schrieb: »So sehe ich letztlich, daß kein anderes Mittel, als daß endlich das ganze Bayernland, samt allen umliegenden Bezirken totaliter verhext und verwüstet werden müßte, um fürs künftige denen Feinden die Gelegenheit zu benehmen, daß sie weder aus dem Bayerland, noch sonsten dort herum den Krieg nicht länger prosequieren können«.

Nun folgt der Spanische Erbfolgekrieg mit den gewaltigen Schlachten von Höchstädt (1704), Turin (1706), Ramillies (1706), Dudenarde (1708), Malplaquet (1709), die es doch nicht weiter bringen, als die Franzosen auf ihre Grenzen zurückzudrücken.

Gleichzeitig versucht Karl XII. von Schweden mit immer wiederholten Gewaltstößen seine Gegner niederzuzwingen.

Im polnischen Thronfolgekrieg wiederum, 1733-1735, sind die Spannungen nur gering und der Krieg verläuft ohne große Entscheidungen.

Die Tatsache, daß die Schlachtentscheidungen, die im Spanischen Erbfolgekrieg zwar einige Male ganz gewaltig, aber nur selten gewesen waren und nach Malplaquet überhaupt nicht mehr Platz gegriffen hatten, verglichen mit den immer wiederholten Schlachten, die seit dem Auftreten Friedrichs des Großen einsetzten, hat zu der Auffassung Veranlassung gegeben, daß Friedrich überhaupt nicht der doppelpoligen Strategie zuzuteilen, sondern sozusagen als der Entdecker und Schöpfer der Niederwerfungsstrategie anzusehen sei, die nachher von Napoleon auf die Höhe geführt worden ist. Diese Auffassung ist, wie wir noch näher feststellen werden, irrtümlich. Die Häufigkeit der Schlachtentscheidung der fridericianischen Kriegführung hat ihren letzten Grund nicht in einem besonderen neuen Prinzip, sondern in der titanenhaften Charakteranlage des Königs, die großen Entscheidungen zustrebte. Das Mittel aber, vermöge dessen er glaubte, die Entscheidung, die er wünschte, erzwingen zu können, und das er sich zu diesem Zwecke ausbildete, ist die schräge Schlachtordnung.[347] Mit einer Armee von 30000 Mann, schrieb er, könne man 100000 Mann besiegen, wenn man sie in der Flanke fasse. Die alle anderen Heere Europas weit übertreffende Manövrierfähigkeit und Schnelligkeit der Preußen gab dem Krieg die Aussicht, solche Flankenbewegungen aus führen zu können, ehe der Feind sich dagegen zu decken vermochte. Hier ist die Steigerung der überlieferten Kriegskunst zu suchen, die den König dem Schlachtpol zuschrieb und das Bild des Siebenjährigen Krieges so wesentlich nicht nur von früheren schlachtenlosen Feldzügen, sondern auch von den Kriegen Gustav Adolfs, Malboroughs, Eugens unterscheidet. Nichtsdestoweniger bleibt auch die fridericianische Kriegführung innerhalb der Grenzen die Ermattungsstrategie und treibt sogar bis nah an den Manöverpol zurück, als die Feinde in der Stellungswahl der Feldbefestigung und der Artillerie-Vermehrung die Mittel gefunden hatten, der Gefahr des unvermuteten Flankenangriffs durch die schräge Schlachtordnung zu begegnen.

Die Momente, die den König von Preußen auch in der Zeit seiner qualitativen und zum Teil auch quantitativen Überlegenheit fesselten und es ihm unmöglich machten, den Sieg bis zur Erzwingung des Friedens zu verfolgen, d.h. zur Niederwerfungs-Strategie überzugehen, werden im Laufe unserer Darstellung hervortreten und herausgearbeitet werden. Einiges sei schon an dieser Stelle bezeichnet.

Da ist zuerst der überaus große Satz der Unzuverlässigen in seiner Armee, der ihn zwang, immer die Desertionsgefahr zu berücksichtigen. Seine größte Lehrschrift, die »General-Prinzipien vom Kriege« (1748) beginnt er mit 14 Regeln, wie die Desertion zu verhüten sei: man solle nicht in der Nähe eines Waldes kampieren; man soll, wenn man durch einen Wald marschiert, Husaren-Patrouillen neben der Infanterie reiten lassen; man solle Nachtmärsche möglichst vermeiden; man soll die Soldaten immer in Pelotons marschieren lassen; man soll, wenn ein Défilé zu passieren ist, am Eingang und Ausgang Offiziere aufstellen, die die Truppen gleich wieder formieren.

Mit Entschiedenheit verbot er nächtliche Angriffe.

Ganz ausgeschlossen ist es, die Truppen aufzulösen und auf Requisition ins Land zu schicken. Nur ganz ausnahmsweise[348] hat Friedrich seine Truppen auf schnellen Märschen durch die Einwohnerschaft ernähren lassen. Die Märsche durften auch nicht gar zu lang und anstrengend sein; sonst blieben einzelne zurück und das hätte ansteckend gewirkt.

Unausführbar ist mit einer solchen Armee die strategische Verfolgung. Selbst die unmittelbare Verfolgung ist sehr beschränkt dadurch, daß als höchstes Gebot die Aufrechterhaltung der Ordnung gilt. In der Disposition für die Schlacht bei Zorndorf402 ist es ausdrücklich vorgeschrieben, daß zwar das erste Treffen sich nicht »mit Totstechen aufhalten, sondern seinen ordentlichen Marsch kontinuieren und solches dem zweiten Treffen überlassen« soll, aber es wurde ausdrücklich verboten, wenn der Feind zurückgetrieben ist, ihn im Laufe zu verfolgen, sondern es soll »mit ordentlichen Schritten nachmarschiert werden«. Die weitere Verfolgung geschah grundsätzlich nur mit Detachements, die den Rückmarsch des Gegners zu begleiten, sich an seine Marschkolonnen zu hängen, ihm die Zufuhr wegzunehmen hatten. Das siegreiche Heer als solches aber sammelte sich erst. Wohl hat ein Feldherr wie Friedrich die ungeheure Bedeutung der Verfolgung nach dem Siege erkannt und besonders nach Hohenfriedberg und Leuthen sich darum bemüht, aber nach Hohenfriedberg mit gar keinem, nach Leuthen nur mit mäßigem Erfolg, obgleich Zieten das Kommando hatte. Der Marschall von Sachsen wagte es, in seinen »Rêveries« sich zu dem Satz zu erheben »après la victoire tous les manoeuvres sont bons, hors les sages«, Friedrich aber, realistischer mahnte grade bei Verfolgungen zur Vorsicht, da nur zu leicht Rückschläge einträten403. »Niemals«, schreibt er, »ist eine Armee weniger zum Schlagen geeignet, als unmittelbar nach einem Siege. Alle Welt ist außer sich vor Freude, die große Menge ist entzückt, den großen Gefahren, denen sie ausgesetzt war, entronnen zu sein, und kein Mensch hat Lust, ihnen sofort wieder die Stirn zu bieten.«

Die Unmöglichkeit einer vernichtenden Verfolgung wirkte wieder auf den Entschluß zur Schlacht selber zurück. Das Risiko war[349] auf jeden Fall sehr groß, die Verluste schmerzlich, der zu erwartende Gewinn aber mangels der Verfolgung mehr oder weniger beschränkt. Steigerte man nun gar die Besorgnis vor Rückschlägen zu dem Rat, dem fliehenden Feinde goldene Brücke zu bauen, so leuchtet um so mehr ein, daß der Feldherr nicht leicht es der Lage der Dinge entsprechend finden wird, daß es rätlich sei, eine Schlacht zu schlagen. Als Franz I. im Jahre 1536 Karl V., der bis in die Nähe von Marseille gekommen war, durch bloßes Ausdauern gezwungen hatte, Frankreich zu räumen und über die Alpen zurückzuziehen, tadelten ihn die Franzosen, daß er dem Kaiser auf dem Rückzug nicht mehr Schaden zugefügt habe. Jovius hat den König später darüber befragt und er hat ihm geantwortet, daß er seinen Landsknechten nicht ganz getraut, daneben aber habe er sich auch an den Grundsatz der Alten gehalten, daß man dem fliehenden Feinde nicht bloß Brücken bauen, sondern sie auch noch mit Gold bedecken müsse.

Friedrich kannte derartige Erwägungen nicht, aber die strategische Offensive ist auch unter seinen Verhältnissen kurz. Höchstens einmal von weit her hat er gegen Wien demonstriert, die feindliche Hauptstadt aber niemals als Operationsziel ins Auge gefaßt. Prag (12 Meilen von den Pässen des Erzgebirges) oder Olmütz (8 Meilen von der oberschlesischen Grenze) waren die eigentlichen Objekte, auf die er es absah. Schon bis Brünn zu gehn, 10 Meilen südlich von Olmitz, schien etwas sehr großes, und daß er im Jahre 1744 noch 15 Meilen über Prag hinausging, bis Budweis, hat er sich selber als einen Fehler angerechnet.

Die Franzosen sind allerdings im Österreichischen Erbfolgekrieg bis nach Linz und Prag gekommen. Aber ihre Basis war nicht Frankreich, sondern das mit ihnen verbündete Bayern.

Ist die strategische Offensive zu kurz und langsam, so folgt daraus, daß sie sehr leicht wieder in die Defensive fällt oder gedrängt wird. Offensive und Defensive wechseln schnell miteinander ab und gehn ineinander über. Der strategische Angriff ist nicht fähig, in einem Zuge die Lage mächtig und dauernd zu beherrschen404.

Fast die wichtigste aller Konsequenzen dieses Grundverhältnisses[350] ist die regelmäßige Winterruhe. Die Leiden, die ein Winterfeldzug über die Truppen verhängt, sind überaus hart. Zu den Verlusten durch die Strapazen und Krankheiten kommen die Verluste durch die gesteigerte Desertion, wenn die unzuverlässigen Söldner finden, daß ihnen zu viel zugemutet werde. Wenn der Feldherr glaubt, bei Fortsetzung der Kriegshandlung zum Abschluß, zum Frieden zu gelangen, so nimmt er solche Verluste auf sich. Ist das nicht in Aussicht, so erwägt er, ob die Verluste nicht größer werden, als die zu erwartenden Gewinne, und da man auf beiden Seiten diese Erwägung anstellt, so schläft die Kriegshandlung allmählich ein und man geht in die Winterquartiere, indem man sich beiderseits etwas mit den Hauptkräften zurückzieht und sich durch Vorposten und Beobachtung vor etwaigem Überfall sichert, ja, zuweilen wird sogar ein Abkommen geschlossen, für bestimmte Zeit beiderseits Angriffe zu unterlassen. Die Schlacht bei Lützen, wie die Schlacht bei Leuthen sind beherrscht durch den Gedanken des Winterquartiers. Wallenstein wie Karl von Lothringen glaubten, daß der Feldzug für dies Jahr zu Ende sei, als gemeldet wurde, daß der Gegner anrücke, worauf man dann, ohne einen eigenen positiven Schlachtgedanken das Heer zu einer Defensiv-Stellung aufmarschieren ließ (6. November und 5. Dezember). Nicht bloß bis in den Dezember, sondern auch bis in den Januar ist zuweilen, um noch diesen oder jenen Vorteil zu erlangen, ein Feldzug fortgesetzt. Der neue Feldzug begann häufig erst im Juni, um für die Pferde Grün-Fouragierung auf den Feldern zu finden. Die Winter-Feldzüge, die dennoch vorkommen, sind als Ausnahmen zu betrachten405. Die Winterruhe wurde benutzt, um die Armee in jeder Beziehung wieder herzustellen, namentlich neue Rekruten auszuheben, zu werben und zu pressen – war man in Feindesland auch in diesem – und sie auszuexerzieren, so daß sie bei Beginn des neuen Feldzuges eingestellt werden konnten. Die Regimenter hatten keine besonderen Truppenteile zur Ausbildung des Ersatzes; deren Funktionen werden so zu sagen ersetzt durch die Winterruhe, und man hatte den Vorteil, alle Kampffähigen zugleich ins Feld stellen zu können.

In jeder Kriegführung spielt eine große Rolle das Unberechenbare, der Zufall, und die Beherrschung dieses dunklen Elements[351] der Ungewißheit durch Entschlossenheit ist eine der wesentlichsten Eigenschaften des Feldherrn. Ganz besonders stark wurde dieses Moment in der Friderizianischen Epoche dadurch, daß die langgestreckten, dünnen Linien der Infanterie so überaus spröde waren. In kurzer Zeit, in einem Augenblick konnte eine Schlacht entschieden sein; man hatte nicht die Möglichkeit, durch hinhaltendes Gefecht längere Zeit zu gewinnen, um Verstärkungen heranzuziehen, Fehler zu reparieren oder ohne wesentliche Verluste abzubrechen406. Selten ist das Gelände so übersichtlich, daß der Feldherr von weit her es völlig erkennt; es können Hindernisse darin stecken, Teiche, Moräste, Abhänge, die seine Disposition zerreißen, wie Ordnung der Truppen zerstören und die Schlacht verloren gehn lassen müssen. Soll er es darauf ankommen lassen? Ein solcher Entschluß ist sehr schwer. Ich werde unten darüber Beispiele zusammenstellen.

Selbst wenn der Feind einen Fehler macht oder sich sonstwie eine günstige Gelegenheit zur Schlacht bietet, so ist es doch im Friderizianischen Zeitalter schwer, die Gelegenheit zu benutzen, da ja die Schlachten der Linear-Taktik einen vollständigen, geschlossenen Aufmarsch verlangen, sich also nicht ohne weiteres improvisieren lassen. Sind Soor und Roßbach improvisierte Schlachten, so sind sie eben deshalb als besondere Zeugnisse sowohl für den Genius des königlichen Feldherren, wie für die taktische Schulung feines Heeres anzusehen.

Überblicken wir die Ansichten der Theoretiker vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.

G. DU BELLAY, 1535, rät, daß ein General niemals eine Schlacht wage, wenn er nicht völlig überzeugt sei, im Vorteil zu sein. Sonst solle er temporisieren.

Lazarus SCHWENDI (geb. 1522, † 1584) will, daß man im Kriege auf Sicherheit spiele und auch bei guten Chancen nicht zu viel wage. »Wer den Feind mit Gewalt ausharren oder aushungern kann, der handelt töricht, wenn er seine Sache auf eine Schlacht stellt. Wer aber gegen einen Stärkeren kriegt, gegen den er nicht lange ausdauern kann, der muß sein Tun desto mehr auf Glück[352] und auf eine Schlacht stellen«. »Wer sich auf die Defensive beschränkt, der hat viel zu verlieren und wenig zu gewinnen«.

Der Spanier MENDOZA lehrt 1595 (Kriegskunst, D. Übers. S. 146): »Weitter soll man sich auch zum fleissigsten fürsehen, daß man nicht den Anfang zu einer Schlacht mache, man werde dann durch die eusserste Noth dazu getrieben, und daß man auch die Squadronen nicht alle also hinan führe, daß wenn man schon den Sieg erlanget, man doch desselbigen nicht viel sich zu freuwen habe, dieweil er so theuwer und so viel Volks gekostet hat: Sondern man soll langsam, bedachtsam, um mit einem bleyern Fuß zur Schlacht schleichen.«

Wilhelm LUDWIG v. Oranien rät seinem Vetter Moritz 1607407 »nous devons conduire nos affaires, qu'elles ne soyent pas subjettés à l'hazard d'une bataille« ... »ne procéder à bataille, sinon par extrême nécessité«. Er beruft sich dafür auf Fabius Maximus vor der Schlacht bei Cannä.

DILICH, Kriegsbuch 2. Teil, erstes Buch (1607) warnt »ohne große Noth und schier gewissen Vortheil sich der Schlachten als einen ungewissen und mißlichen Ausgang immer untergebe, denn es viel besser ist, nichts erobert als Schaden gelitten und etwas verloren«. Er will aber darum nicht sagen, daß man gar nicht schlagen solle; das wäre Torheit. Man könne aber mit Vorteil schlagen nach getanem Gebet; guter Jahreszeit; wenn nicht feuchte Luft das Pulver naß mache; wenn der Feind ermüdet, man selber aber noch frisch ist oder sonst eine gute Gelegenheit.

J. de BILLON 1612 (die fürnembsten Hauptstücke der Kriegskunst, deutsche Übersetzung 1613 S. 160) empfiehlt dem Feldherrn: »Er fuchre auch seine Soldaten niemahlen in eine Feldtschlacht, so es gesein mag, er habe sie dann zuvor offtermahlen erfahren und erkennet, sondern er solle viel eher durch auff- und umbziehen und den Feindt abmatten, überwinden und obsigen, dann durch das ohngewisse Glück einer Schlacht, welches so ein gefährliche sach ist, das mann sich darzu nit alß nottrunglich und nachdem die Soldaten in den Streitten und Gefahren gewohnt, und verhärtet seindt, einlassen solle, dann solches ist ein fembliches Epyl, darinnen sich die neuw ankommenen sehr entsessen befinden«.[353]

»Conde de BUCQUOI hat dieses Lob, daß er seine Soldaten nicht gern auf die Fleischbank führe«, rühmt eine Flugschrift vom Jahre 1620408.

NEUMAIR V. RAMSLA, ein sehr fruchtbarer Militärschriftsteller zur Zeit des 30jährigen Krieges, warf die Frage auf, wann denn nun eine Schlacht zu liefern sei und zählt 55 Ursachen dafür auf. Darunter »daß man gesehn, es sei kein anderes Mittel, den Sachen zu helfen«.

MONTECUCCOLI (geb. 1609, † 1681) schreibt: »Wer da meint, ohne Schlachten Fortschritte zu machen und etwas Namhaftes erobern zu können, der widerspricht sich selbst oder sagt doch wenigstens eine so wunderliche Meinung, daß er den Spott herausfordert. Zwar weiß ich, daß Lazarus Schwendi, ein berühmter General, behauptete, man solle niemals ein Treffen wagen und daß er nur verteidigungsweise vorgehen und dem Feinde die Vorteile gewissermaßen abstehlen wollte. [So weit ist Schwendi denn doch nicht gegangen in der Vorsicht!] Aber wenn das die Truppen erst merken: wie groß würde ihre Furcht, wie groß des Feindes Kühnheit werden! Es ist schlechterdings notwendig, daß man bereit sei zu fechten und das Feld zu behalten. Freilich soll man sich nie leichtsinnig und verwegen auf eine Schlacht einlassen, noch weniger sie sich aufzwingen lassen, sondern den richtigen Augenblick dazu erkennen. Fabius Cunctator floh die Schlacht keineswegs, aber er wollte nur dann fechten, wenn er gegründete Hoffnung hatte auf den Sieg.« Und an anderer Stelle (I, 328): »Wer eine Schlacht gewinnt, gewinnt nicht allein den Feldzug, sondern auch ein großes Stück Landes. Wenn daher Jemand nur in guter Verfassung zur Schlacht zu erscheinen weiß, so sind die Fehler, die er früher im Manövrieren gemacht hätte, zu ertragen, wenn er aber gegen die Lehre von den Schlachten gefehlt hat, so wird er, wenn er sich auch in anderen Einzelheiten bewährt hätte, den Krieg doch nicht mit Ehren zu Ende führen.«

TURENNE gab Condé einmal den Rat, lieber den Feind im Felde durch viele Gefechte zu schädigen, als Städte zu belagern und zu nehmen.[354]

Daniel DEFOE in seinem »Essay on Projects« (1697; übers. v. Fischer, S. 118) will, daß man im englischen Bürgerkrieg noch die Maxime gehabt habe. »Schlage den Feind, wo du ihn triffst«, jetzt aber heiße es »Kämpfe nie ohne offenbaren Vortheil«. Daher zögen sich die Kriege in die Länge und die Folge sei, daß nicht der, welcher das längste Schwert, sondern der, welcher den längsten Beutel habe, den Krieg am besten aushalte.

Im Feldzugsjournal des Markgrafen LUDWIG V. BADEN vom Jahre 1694 heißt es über eine Operation: »Se. Durchlaucht waren fest entschlossen, im Falle der Feind Luft haben würde, sich mit ihm in ein entscheidendes Treffen einzulassen. Man hat also den Feinden durch diesen Wunsch die Erklärung getan, daß man lieber zu fechten entschlossen sei, als das ohnedies entkräftete Vaterland in das ganze Verderben stürzen lassen«. Der Erfolg waren einige Rekognoszierungen.409

FEUQUIÈRES (geb. 1648, † 1711) schrieb militärische Denkwürdigkeiten, die Friedrich der Große so hoch schätzte, daß er sie an seine Offiziere zur Lektüre verteilen ließ und befahl, daß den Kadetten daraus bei den Mahlzeiten vorgelesen werden solle. Seine eigenen militärischen Schriften schließen sich oft eng an Feuquières an. Dieser schreibt: »Weil die Schlachten Haupt-Actiones einer Armee sind und oftmals dem ganzen Kriege oder wenigstens fast allezeit dem Feldzug den Ausschlag geben, so soll man solche nicht anders liefern, als wenn es die Nothdurft erfordert und wichtige Ursachen dazu vorhanden sind. Die Gründe, den Feind aufzusuchen und mit ihm zu schlagen sind: Wenn man ihm an Anzahl und Güte der Truppen überlegen; wenn die feindlichen Generale uneinig sind oder verschiedenes Interesse haben oder wenig geschickt sind und sich unachtsam zeigen; wenn es gilt, einen belagerten Platz zu entsetzen; wenn zu befürchten ist, daß die Armee auseinanderginge, dafern man dem nicht durch einen Erfolg zuvorkäme, ferner wenn dem Feinde Sucurs bevorsteht; wenn man bereits Vorteile davon getragen, und endlich, wenn man gemeinet ist, den ganzen Krieg vermittelst einer Schlacht auf einmahl zu entscheiden. Hingegen wird man zur Vermeidung eines Treffens bewogen, wenn man von einem Sieg weniger Nutz zu erhalten als Nachtheil von einer Niederlage[355] zu befürchten hat, wenn man dem Feind weder an Zahl noch Tüchtigkeit der Truppen gleicht, wenn man selbst Hilfe erwartet, wenn man den Feind vorteilhaft postiret findet oder aber Ursache zu hoffen hat, die feindliche Armee durch Verzug und Vermeidung des Treffens zu zerstreuen.«

Der spanische Marquis von SANTA CRUZ (geb. 1687, † 1732) schrieb ein großes militärisches Werk (Reflexionen), in dem er spricht »von den Gelegenheiten, wo man zu schlagen suchen muß«. Weder die Überlegenheit in der Zahl noch in der Qualität der Truppen, meint er, seien ein sicheres Mittel wider die verschiedenen Zufälle, die eine Niederlage verursachen können. »Nichts ist ungewisser als der Ausgang einer Schlacht«. »Ihr dürft keine Schlacht wagen, wenn der Platz nicht sehr günstig ist oder wenn ihr die Stärke beider Heere nicht genau kennt«.

PRINZ EUGEN spendete diesem Theoretiker seinen Beifall und Friedrich rechnete ihn zu den »klassischen« Autoren der Militärliteratur.

Der Marschall PUYSÉGUR (geb. 1654, † 1743) hat in seiner »Art de la guerre« (herausgegeben von seinem Sohn 1748), die wegen ihrer systematischen Behandlung sehr geschätzt wurde, doch keine grundsätzliche Erwägung, wenn eine Schlacht geschlagen werden müsse, angestellt. Charakteristisch aber für seine Betrachtung ist, daß er Turenne als Feldherrn mit Cäsar zusammengestellt und den wesenhaften Unterschied zwischen der Strategie des einen und des anderen nicht bemerkt.

FOLARD (geb. 1669) schrieb und Friedrich der Große übernahm die Stelle in den Auszug, den er machte, »Die größten antiken und modernen Führer haben niemals die Feinde gezählt, sondern nur gefragt, wo sie standen, um auf sie loszumarschieren und sie zu bekämpfen (pour marcher à eux et les combattre).«410

Graf KHEVENHÜLLER (geb. 1683, † 1744), österreichischer Feldmarschall, schrieb einen »Kurtzen Begriff aller militärischen Operationen«, worin er die Ursachen »eine Schlacht zu geben oder zu evitieren« entwickelt. I.1. Die Hoffnung der Victorie. 2. Eine belagerte Stadt zu entsetzen. 3. Ein attaquirtes Corpo zu secundiren. 4. Aus Mangel an Lebensmitteln oder Abgang anderer Notwendigkeiten.[356] 5. Dem Feinde nicht Zeit zu lassen, daß er sich renforcire. 6. Eine Avantage über den Feind zu nehmen, da er im Morsche erwann seine Flanque präsentirt, bei einem Paß oder da er seine Armee geteilet hat, und andere mehr Ursachen halber. II. Ursachen, die Schlacht zu evitiren: 1. Da aus Verlust der Schlacht größerer Verlust entstehen kann, als nutzen mit Erhaltung der Victorie. 2. Da der Feind mit der Stärke überlegen ist. 3. Da man seine ganze Macht nicht beisammen hat. 4. Da der Feind avantageux postiert ist. – NB. Der Feind gehet oft für sich selbst zu Grund durch einige Mängel oder Uneinigkeit der Generalität. Und an anderer Stelle: »Wenn der Feldherr durch seine Mouvements den Feind von einem Posten in den anderen, von einem Lager in das andere herumwandern und herum drehen kann und zu rechter Zeit seinen Vorteil ersieht, ihn übern Haufen zu werfen, alsdann verspürt man, was Kriegskunst ist.«

Die Polarität der Ermattungs-Strategie tritt besonders deutlich in die Erscheinung in den verschiedenen Äußerungen FRIEDRICHS DES GROSSEN. Sie bewegen sich sein Leben hindurch wellenförmig, sich bald mehr dem einen, bald mehr dem andern Pol nähernd.

Vor der Schlacht bei Hohenfriedberg (1745) schreibt er, er müsse sie schlagen, da ihm kein anderer Ausweg bleibe.

In einem Brief an den Marschall von Sachsen (3. Oktober 1746) bekennt er sich schuldig, durch gar zu kühnes Vorgehen den Feldzug von 1744 verloren zu haben; er werde das aber durch die Erfahrung gewitzigt, nicht wieder tun. »Aus einem Fabius kann immer ein Hannibal werden; aber ich glaube nicht, daß ein Hannibal imstande ist, das Verfahren eines Fabius zu verfolgen«.

In den »General-Prinzipien vom Kriege« (1748) heißt es in dem Kapitel »Wann und wie man Bataillen liefern soll«: »Die Bataillen decidiren von dem Schicksal eines Staates; wenn man Krieg führt, so muß man allerdings zu decisiven Momenten kommen, entweder, um sich aus dem Embarras des Krieges zu ziehen, oder um seinen Feind darin zu setzen, oder um die Querelles auszumachen, die sonsten niemahls zu Ende kommen würden.«

»Ein vernünftiger Mann muß niemahlen eine Demarche thun, sondern einen guten Beweggrund dazu zu haben; noch viel weniger aber muß der General von einer Armee, jemahlen Bataillen[357] liefern, ohne daß er einen importanten Zweck dadurch suche.«

»Die Ursachen also, wegen welcher man Bataillen liefert, seynd, um den Feind zu zwingen, die Belagerung eines euch zuständigen Orts aufzuheben, oder aber um ihn aus einer Provinz zu jagen, deren er sich bemächtigt hat; ferner um in seine eigenen Lande zu penetriren, oder auch, um eine Belagerung zu thun, und endlich um seine Hartnäckigkeit zu brechen, wenn er keinen Frieden machen will, oder aber auch, um ihn wegen eines Fehlers zu strafen, welchen er begangen hat.«

»Man obligirt den Feind zu schlagen, wenn man einen forcirten Marsch thut, wodurch Ihr ihn in den Händen kommet und ihn von den so hinter ihn lieget, abschneidet, oder auch, wenn man einer Stadt drohet, an deren Confersation ihn zum höchsten gelegen ist. Man nehme sich aber sehr wohl in acht, wenn man dergleichen Arten Manövres mit der Armee machen will, und hüte sich nicht weniger, daß man sich nicht in dasselbige inconveniens bringe, noch sich dergestalt postire, daß der Feind seines Ortes, Euch von Eueren Magazinen abschneiden kann.« –

»Allen diesen Maximen füge ich noch hinzu, daß Unsere Kriege kurtz und vives seyn müssen, maßen es uns nicht conveniret, die Sachen, in die Länge zu ziehen, weil ein langwieriger Krieg ohnvermerkt Unsere admirable Disciplin fallen machen, und das Land depeupliren, Unsere Ressources aber erschöpfen würde.« – »Mit einem Wort, in Sachen so Bataillen betreffen, muß man der Maxime des Hebräischen Sanhedrin folgen, daß es besser sey, daß ein Mensch sterbe, als daß das ganze Volck verderbe.«

In der Art de guerre (etwa 1750) heißt es (X, 268):

»Et n'engagez jamais sans de fortes raisons

Ces combats où la mort fait d'affreuses moissons.«

In den »Pensees et règles générales pour la guerre« (1755), wohl schon im Hinblick auf den sich vorbereitenden Sturm geschrieben, ist ein direkter Rath, die Schlachtentscheidung zu suchen, gar nicht enthalten. Dagegen ist in dem Artikel von den Feldzugs-Entwürfen gesagt, daß ein guter Feldzugsplan den Krieg entscheiden könne durch die Vortheile, »welche Euch entweder Eure Streitkräfte, oder die Zeit, oder eine Stellung, die Ihr zuerst in Besitz[358] nehmt, gewähren.« »Das Gute eines Kriegsplans«, heißt es weiter, »besteht darin, daß Ihr selber wenig wagt, den Feind aber in Gefahr bringt, Alles zu verlieren.«

Im Jahre 1753 ließ Friedrich jenen Auszug aus dem großen Folardschen Werke für seine Offiziere anfertigen und schrieb dazu selber eine Einleitung, in der es heißt: man habe nur wenig klassische Werke, in denen man Kriegskunst studieren könne. »Cäsar lehrt uns in seinen Komentaren wenig mehr als daß wir im Pandurenkriege sehen; sein Zug nach Groß-Britannien ist kaum etwas anderes und ein General unserer Tage könnte aus ihnen nur die Anordnung seiner Kavallerie am Tage von Pharsalus gebrauchen.« Der Ausspruch klingt so widersinnig, daß man zunächst gar nicht weiß, was man damit anfangen soll. Sucht man ihn zu verstehen, so erkennt man in ihm die Reaktion eines klaren praktischen Geistes, eines Geistes, der sich von Überlieferungen nicht fesseln läßt, gegen einen falschen Doktrinarismus. Die Theoretiker der Epoche wollten, wie wir gesehen haben, Cäsar einzwängen in das Schema der Ermattungsstrategie. Friedrich hat bemerkt, daß das nicht ging; er fühlte den Fehler, konnte seine Quelle natürlich nicht auffinden und reagierte gegen das Unbehagen, in das in tiefe Erkenntnis versetzte, mit dem Panduren-Gleichnis.

In dem im Herbst 1759 niedergeschriebenen Betrachtungen über das militärische Talent und den Charakter Karls XII. heißt es, der König habe bei mancher Gelegenheit sparsamer mit Menschenblut sein können. »Es gibt allerdings Lagen, wo man sich schlagen muß; man soll sich aber nur dann darauf ein lassen, wenn man weniger zu verlieren, als zu gewinnen hat, wenn der Feind, sei es beim Lagern, sei es beim Marsch, nachlässig ist, oder wenn man ihn durch einen entscheidenden Schlag gewinnen kann, den Frieden anzunehmen. Es steht übrigens fest, daß die meisten Generale, welche sich leicht auf eine Schlacht einlassen, nur deshalb zu diesem Auskunftsmittel greifen, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. Weit davon entfernt, dieses ihnen als Verdienst anzurechnen, sieht man es vielmehr als ein Zeichen von Mangel an Genie an.«

In der Einleitung zur Geschichte des Siebenjährigen Krieges bezeichnet der König die Methode Dauns als »die ohne Widerspruch gute« und fährt fort: »– ein General würde Unrecht haben,[359] wenn es darauf losgeht, den Feind in Gebirgstellungen oder kupiertem Terrain anzugreifen. Der Drang der Umstände hat mich bisweilen gezwungen zu diesem Äußersten zu schreiten; aber wenn man Krieg mit gleichen Kräften führt, so kann man sich sicherer Vorteile durch List und Geschicklichkeit verschaffen, ohne sich so großen Gefahren auszusetzen. Häuft viele kleine Vorteile, ihre Summe bringt große zusammen. Übrigens ist der Angriff eines gut verteidigten Postens ein hartes Stück Arbeit; man kann leicht zurückgeworfen und geschlagen werden. Man siegt mit einem Opfer von fünfzehn-bis zwanzigtausend Mann; das legt eine schwere Bresche in eine Armee. Die Rekruten, selbst angenommen ihr habt deren genug, ersetzen die Zahl aber nicht die Qualität, der Soldaten, welche ihr verloren habt. Das Land entvölkert sich, indem es die Armee erneuert; die Truppen degenerieren, und wenn der Krieg lange währt, findet man sich endlich an der Spitze von schlecht exerzierten, schlecht disziplinierten Bauern, mit denen ihr kaum wagt vor dem Feinde zu erscheinen. In einer bösen Situation mag man sich von den Regeln emanzipieren, die Notwendigkeit allein kann uns zu verzweifelten Mitteln treiben, wie man den Kranken ein Brechmittel gibt, wenn kein anderes Heilmittel bleibt. Aber diesen Fall ausgenommen, muß man einer Meinung nach mit mehr Schonung vorgehen und nur mit guter Berechnung agieren, weil im Kriege der, der das Wenigste dem Zufall überläßt, der geschickteste ist.«

Dieselben Gedanken mit noch viel stärkerer Betonung der Vorteile der Manöver-Strategie entwickelt der König fünf Jahre später (1768) in seinem militärischen Testament. »Es ist ein großer Irrtum«, sagt er hier, »zu glauben, die Schlachten in der Ebene seien nicht ebenso gewagt wie in festen Stellungen. Die Kanone wirkt in freier Ebene fürchterlich, und das Schlimme ist, wenn Ihr den Feind angreift, sind alle seine Batterien bereits errichtet und er kann auf Euch feuern, wenn Ihr die Eurigen erst ansetzt: das ist ein ungeheurer Unterschied.« Den nächsten Krieg gegen die Österreicher, sagt er, würde er folgendermaßen führen: »Ich würde zunächst so viel Land erobern, daß das Herbeischaffen der Lebensmittel mir gestatten würde, auf Kosten des Feindes zu leben und das für mich günstigste Terrain zum Kriegsschauplatz auswählen; ich würde[360] mich beeilen, meine Verteidigungslinie zu befestigen, bevor der Feind in meiner Nähe erschiene. Ich würde das Terrain von allen Seiten so weit rekognoszieren lassen, als man Streifparteien vorschicken kann; ich würde schleunigst Karten von allen Terrainstrecken aufnehmen lassen, die geeignet wären, unsern Gegnern zum Lager zu dienen, auch von allen Wegen, die dorthin führen können. Auf diese Weise würde ich mir Kenntnis des Landes verschaffen und meine Karten gäben mir Aufklärung über die angreifbaren oder unangreifbaren Stellungen, wo die Österreicher im Begriff wären sich aufzustellen. Ich würde es mir nicht angelegen sein lassen, allgemeine Gefechte zu gewinnen, weil man eine Stellung nur mit beträchtlichen Verlusten erobern kann und weil in gebirgigem Lande die Verfolgungen nicht entscheidend werden können; aber ich würde mein Lager gut sichern; ich würde es mit aller Sorgfalt befestigen und alle meine Absichten darauf richten, gründlich die Detachements des Feindes zu schlagen, denn wenn Ihr eines seiner detachierten Korps vernichtet, bringt Ihr Verwirrung in seine ganze Armee, da es viel leichter ist, 15000 Mann zu erdrücken, als 80000 zu schlagen; und während Ihr weniger wagt, tut Ihr doch fast dasselbe.« Einen Feind in einer guten Stellung anzugreifen, sei, als wenn man Bauern mit Stöcken gegen Bewaffnete führen wollte.

In den »Projets de campagne« von 1775 schrieb der König: »Liefert niemals eine Schlacht, nur um den Feind zu besiegen, sondern um Pläne zu verfolgen, die ohne diese Entscheidung verhindert sein würden«.

Es existierten keinerlei Äußerungen des Königs, mit denen er aus der Polarität der Ermattungsstrategie herausräte. Der französische Minister Choiseul, der französische Bevollmächtigte im österreichischen Hauptquartier, Montazet, der österreichische Minister Kaunitz und der Kaiser Franz selber haben verschiedentlich den Grundsatz ausgesprochen, daß es darauf ankomme, die Fridericianische Armee zu zerbrechen, und man kann das als ein Bekenntnis zur Niederwerfungsstrategie auffassen. Kaiser Franz schrieb an seinen Bruder, Karl von Lothringen (31. Juli 1757): »Wir müssen nicht an die Eroberung des Landes denken, sondern allein an die Zerstörung seiner Armee, denn wenn man ihm diese ruinieren kann, lassen uns die Ländern von selbst zu«. Bei Friedrich finden[361] wir eine derartige Äußerung niemals. Umgekehrt haben der General Lloyd und Andere damals den Satz aufgestellt, man könne Kriegsunternehmungen mit geometrischer Strenge einleiten und beständig Krieg führen, ohne jemals in die Notwendigkeit zu kommen, schlagen zu müssen. Auch diese Auffassung begegnet uns bei Friedrich nicht. Er nähert sich dem Schlachtpol seiner Strategie mit dem Satz, daß Preußens Kriege kurz und viv sein müßten und daß das Schicksal der Kriege in den Schlachten entschieden werde; er nähert sich wieder dem Manäverpol, indem er seine Schlachten als verzweifelte Auskunftsmittel schildert, sich den Satz aneignet, daß das Schlachtenliefern ein Zeichen von Ungeschicklichkeit sei und statt der Schlachten auf das Abfangen von Detachements verweist. Es wäre aber durchaus falsch, in dieser Diskrepanz etwa einen Selbstwiderspruch sehen zu wollen. Bei Machiavelli, der gleichzeitig die Grundsätze der Niederwerfungsstrategie und der Ermattungsstrategie verkündigt, liegt ein wirklicher, ungelöster Widerspruch vor. Friedrich vertritt völlig klar und einwandfrei die Anschauungen der Ermattungsstrategie, in deren Wesen es liegt, daß je nach den Umständen, vielleicht sogar bloßen Stimmungen mehr die eine oder die andere Handlungsweise betont oder angewandt wird. Friedrich selber hat mehrfach ausgesprochen, daß er ganz dieselben Grundsätze befolge, wie die großen französischen Feldherren Turenne, Condé, Catinat, Luxemburg oder der Prinz Eugen und Leopold von Dessau411; wir dürfen hinzusetzen, alle Feldherren und alle Theoretiker von Vegez ab, mit einziger Ausnahme Machiavelli, der sich in Widerspruch mit sich selbst bewegt.

Sucht man nach einem theoretischen Unterschied zwischen Friedrich und seinen Zeitgenossen, so ist er darin zu finden, daß Friedrich sich auf dem Höhepunkt seiner kriegerischen Tätigkeit, in den Jahren 1757-1759, dem Schlachtpol mehr nähert als die meisten. Man darf nicht sagen mehr als alle. Denn wir haben gesehen, daß sogar Äußerungen vorliegen, die über die seinigen hinausgehen.

Die reine Theorie aber war geneigt, dem Manöver den Vorzug zu geben. »Eine Bataille«, sagt das kursächsische Reglement[362] von 1752 »ist die wichtigste und gefährlichste Kriegsoperation. In einem offenen Lande ohne Festung kann der Verlust derselben so dezisif sein, daß sie selten zu wagen und niemals zu raten ist. Das Meisterstück eines großen Generals ist, den Endzweck einer Kampagne durch scharfsinnige und sichere Manöver ohne Gefahr ohne Gefahr zu erhalten.«

Im Mai 1759 machte Prinz Heinrich auf Betreiben des Königs einen Einfall in Franken und zerstörte die Magazine der Reichsarmee. RETZOW bemerkt dazu, dieser Erfolg »mußte dem Könige mehr wert sein als eine gewonnene Schlacht. Denn nach einer solchen kann ein zwar geschlagener, jedoch unternehmender Feldherr dennoch gleich so viel Kräfte sammeln, um den erlittenen Schimpf zu rächen; allein nach dem vollständigen Verlust hinlänglicher Verpflegungsmittel ist keine Operation von Wichtigkeit denkbar.«

Die Taktik aller Waffen hat von der Renaissance bis zu Friedrich dem Großen Wandlungen durchgemacht, die ihr von Epoche zu Epoche ein ganz neues Gesicht gegeben haben. Aus den dicken, tiefen Gevierthaufen der Infanterie sind lange, dünne Linien geworden, aus den schweren Rittern auf gewaltigen Pferden, die turnierartig zu kämpfen suchen, sind in der Carriere angreifende, geschlossene Kavallerie-Schwadronen geworden, die Artillerie ist an Zahl und Wirkung verhundertfacht. Die Strategie aber ist sich in diesen drei Jahrhunderten in ihren Grundzügen gleich geblieben. Wenn Guicciardini uns schildert, wie vor der Schlacht bei Ravenna 1512 der spanische Vizekönig manövrierte, um die Städte der Romagna gegen die Franzosen zu decken und diesen den Weg nach Rom zu verlegen, welche Rolle die Verpflegung dabei spielt, wie es endlich zur Schlacht kommt und wie der große Sieg der Franzosen schließlich doch keine dauernde Wirkung hat, daß alles könnte ebenso gut von einem Feldzug des 17. oder 18. Jahrhunderts erzählt worden sein.

Um eine andere Strategie erscheinen zu lassen, mußte das politische Weltbild im ganzen und in der Tiefe eine Abwandlung erfahren.[363]

Quelle:
Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Berlin 1920, Teil 4, S. 333-364.
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