I. Charakteristik des Sadducäismus und Pharisäismus.

[690] Suchen wir zuerst die Differenzen des Pharisäismus und Sadducäismus aus den Faktoren jener Zeit, denen sie ihr Entstehen verdankten, zu ermitteln und verfolgen wir sie bis zu den letzten Ausläufern. Wenn Josephus auch Hauptquelle für diese Erscheinung wie für die ganze nachhasmonäische Zeit bleibt, so muß nichtsdestoweniger die andere, und eben, weil ohne Intention gehalten, um so glaubwürdigere talmudische Quelle hinzugezogen werden. Josephus stellt folgende Differenzpunkte zwischen Pharisäern und Sadducäern auf:

1) Die Pharisäer nahmen für die meisten menschlichen Lebensäußerungen die εἱμαρμένƞ an, die Sadducäer leugneten sie. Man sieht es dem Worte, wie es öfter erläutert wird, an, daß es dem Geschichtsschreiber Mühe gekostet hat, ein passendes für die eigentümliche judäische Anschauungsweise zu finden, und daß er froh war, ein leidlich zutreffendes aus der hellenischen Gedankenwelt [690] gefunden zu haben. Man würde daher sich irren, wenn man, von der gangbaren Bedeutung dieses Wortes in der nacharistotelischen Zeit verleitet, annehmen wollte, die Pharisäer seien Fatalisten gewesen, und ihre Gegner hätten das Fatum geleugnet. Josephus selbst verwahrt sich gegen ein solches Mißverständnis und bringt die εἱμαρμένƞ ausdrücklich mit Gott in Verbindung Φαρισαῖοι ... εἱμαρμένς τε καὶ ϑεῷ προσάπτουσι πάντα (jüd. Kr. II, 8, 14). Entkleiden wir diesen Gedanken seines hellenischen Gewandes, was Josephus Darstellung der Kritik oft genug zur Pflicht macht, und sehen wir uns nach dem demselben entsprechenden judäischen Gedanken um, so wird die Differenz ganz anders lauten. Sie hat zu ihrem Inhalte den Umfang und die Grenzen der göttlichen Einwirkung auf menschliche Handlungen oder das Verhältnis der menschlichen Freiheit zu der Vorsehung. Der Pharisäismus führt alles menschliche Tun, mit Ausnahme der unter Sittlichkeit fallenden Handlungen, auf Gott zurück; der Mensch sei nicht Herr seines Geschickes, sondern alles werde von Gott dem sich rein passiv verhaltenden Menschen zugeteilt; die Sadducäer hingegen behaupteten, Glück und Unglück seien Folgen seiner Handlungen, und die göttliche Vorsicht habe keinen Einfluß darauf. Am deutlichsten sind diese Ansichten von Josephus entwickelt in einem Nachtrage zur Schilderung der Pharisäer (Altert. XVIII, 1, 3): πράσσεοϑαί τε εἱμαρμένς τὰ πόντα ἀξιοῠντες (οἱ Φαρισαῖοι), οὐδὲ τοῠ ἀνϑρωπείου τὸ βουλόμενον τῆς ἐπ᾽ αὐτοῖς όρμῆς ἀφαιροῠνται. δοκῆσαν τῷ ϑεῷ κρᾶσιν γενέσϑαι κτλ. und von den Sadducäern (das. XIII, 5, 9) οὐδέ κατ᾽ αὐτὴν (τὴν εἱμαρμένƞν) τὰ ἀνϑρώπινα τέλος λαμβάνειν κτλ Ein Nachhall der pharisäischen Ansicht findet sich in einer talmudischen Stelle, daß jedes den Menschen betreffende Ereignis in Gottes Hand sei, mit Ausnahme der religiös-sittlichen Handlungen םימש תארימ ץוה םימש ידיב לכה. Wenn diese Ansicht auch von einem Spätern tradiert wird, so zieht sie sich doch wie ein Faden durch den den Pharisäismus reflektierenden Talmud hindurch. Es ist aber ganz undenkbar, daß die Hauptdifferenz, die von Josephus als erste aufgestellt wird, sich um abstrakte Begriffe gedreht habe, oder daß die Sadducäer die göttliche Vorsehung überhaupt geleugnet hätten. Mir scheint daher die Differenz eine konkret-politische Tragweite gehabt zu haben. Denn wie die Chaßidäer, die leiblichen Väter der Peruschim, sich äußerten: »Verflucht der Mann, der Fleisch zu seiner Hilfe nimmt und sein Herz von Gott abwendet« (o. S. 6), ebenso scheint die pharisäische Partei stets einen Widerwillen gegen die Anknüpfung diplomatischer Verbindungen mit Heiden empfunden zu haben. Gegen diese Staatsweisheit war wohl zunächst das pharisäische Prinzip gerichtet, daß jeder Erfolg so wie jedes Mißlingen einzig und allein von Gott abhänge, und die menschliche Tat nicht das Geringste dazu beitrage. Und in der Tat, wenn die Prämisse zugegeben wird, konnte die politische Verbindung mit Heiden eher für gefährlich als förderlich für den Bestand des Judentums erachtet werden. Der Pharisäismus hat demnach keine neue Theorie aufgestellt, sondern hat nur die alte von Propheten und Psalmisten scharf genug betonte Anschauung, »daß das Kriegsroß eitel sei zum Siege, und auch mit großer Heeresmacht man sich nicht retten könne, sondern daß Gottes Auge über seine Treuen wache, ihr Leben dem Tode zu entziehen«, auf die Situation seiner Zeit angewendet.

So naiv-gläubig konnte allerdings die Anschauungsweise der Sadducäer, dieser reichen oder reich gewordenen, in den Schlachten gegen die Syrer ergrauten Kämpfer, nicht sein. Daß die reiche judäische Aristokratie die Trägerin des Sadducäismus war, wiederholt Josephus öfter (z.B. Altert. XVIII, 1, 4): [691] εἰς ὀλίγους δὲ ἄνδρας οὗτος ὁ λόγος (τῶν Σαδδουκαίων) ἀφίκετο, τοὺς μέντοι πρώτους τοῖς ἀξιώμαοι Diese Aristokratie hat es daher vermieden, sich außerhalb ihres Kreises ehelich zu vermischen (j. Kr. II, 8, 14): αἵ τε ἐπιμι$ίαι πρὸς τοὺς ὁμοίους (ὁμοεϑνεῖς) ἀπƞνεῖς ὡς πρὸς ἀλλοτρίους. Sogar die sehr junge Quelle des Abot di R. Nathan hat noch eine versprengte Nachricht, daß die Sadducäer zu den Reichen gehört und auf ihren Tafeln silberne und goldene Geräte hatten: בהז ילכבו ףסכ ילכב (ןיקודצה) ןישמתשמ ויהו ןהימי לכ (c. 5). Ebenso deutet Josephus an, die Sadducäer seien von den hasmonäischen Feldherren wegen ihrer Leistungen in den Kriegen mit Ehren und Reichtümern beschenkt worden, und ihr Name schon habe den Feinden Judäas Schrecken eingeflößt (Altert. XIII, 16, 2). Solchen geübten Kriegern und Diplomaten mußte allerdings die pharisäische Ansicht kindisch erscheinen, Gott als den Lenker der Schlachten zu betrachten und die Benutzung günstiger Verhältnisse durch diplomatischen Verkehr mit Nachbarstaaten fahren zu lassen. Demnach war die Hauptdifferenz zwischen Pharisäismus und Sadducäismus ursprünglich eine praktisch-politische, die wohl erst im Verlaufe der Zeit eine theoretische Fassung und eine Art metaphysischer Formulierung angenommen hat.

2) Als zweite Differenz führt Josephus die Belohnung und Bestrafung nach dem Tode an; aber hier hat der Geschichtsschreiber noch mehr nach griechischer Schablone gearbeitet, wobei er den Sadducäern Unrecht getan hat. Er faßt diesen dogmatischen Streitpunkt so auf, als wenn die Pharisäer mit der Annahme einer jenseitigen Vergeltung auch die Unsterblichkeit der Seele behauptet, ihre Gegner aber mit der Leugnung der jenseitigen Vergeltung auch die Vergänglichkeit der Seele gelehrt hätten: Ψυχῆς τε τὴν διαμονὴ$ καὶ τὰς καϑ᾽ Ἀιδου τιμωρίας καὶ τιμὰς ἀναιροῠσι (jüd. Kr. II, 8, 14). Allein es ist anderweitig nur das eine bekannt, daß die Sadducäer die Vergeltung nach dem Tode geleugnet haben. Talmudische und evangelische Quellen sprechen nur davon, daß die Sadducäer die Auferstehung geleugnet haben (Sanhedrin 16, 4): ןמ םיתמה תיחת ןיא ןירמוא ןיקודצ הרותה; Marc. 12, 12); Σαδδουκαῖοι ... οἵ τινες λέγουοιν ἀνάστασιν μὴ εἶιαι. Die ganze eschatologische Differenz des Pharisäismus und Sadducäismus reduziert sich demnach bloß auf das Dogma, ob die Toten wieder erweckt werden, um ihren Lohn oder ihre Strafe zu empfangen, was der erstere gelehrt und der letztere geleugnet hat, aber dieses Dogma berührt die Unsterblichkeitslehre gar nicht. Man hat also keinen haltbaren Grund, die Sadducäer als dogmatische Materialisten zu stempeln oder gar mit der Apostelgeschichte anzunehmen, sie hätten das Dasein von Engeln und Geistern geleugnet (23, 8): Σαδδουκαῖοι μὲν λέγουσι μὴ εἶναι ἀνάοταοιν, μƞδὲ ἄγγελοι, μƞδὲ πνεῠμα. Nun hängt diese eschatologische Theorie, wie wir sie entwickelt haben, mit der providentiellen aufs engste zusammen und scheint eine Konsequenz derselben zu sein. Weil der Pharisäismus ein Mißverhältnis zwischen der sittlichen Tat des Menschen und seinem Geschicke statuierte – in jener sei er frei, in diesem hingegen sei er der göttlichen Waltung unterworfen – so brauchte er eine Kompensation, um die göttliche Gerechtigkeit zu retten, da doch die Erfahrung oft genug an die Hand gab, daß die Frommen an einem herben Geschicke leiden, während die Sünder sich des besten Gedeihens erfreuen. Die Auferstehung sollte also dieses grelle Mißverständnis ausgleichen. Der Sadducäismus dagegen, der die menschliche Selbstbestimmung betonte und das Geschick von dem eigenen Tun abhängig machte, also Belohnung und Bestrafung schon hienieden annahm, brauchte die Auferstehung nicht.

[692] 3) Als dritte Differenz nennt Josephus die Gültigkeit der religiösen Gesetze, die nicht in der Schrift enthalten sind, welche die Sadducäer geleugnet haben. (Josephus Ant. XIII, 10, 6): ὅτι νόμιμά τινα παρέδοσαν τῷ δἠμῳ οἱ Φαρισαῖοι ἐκ πατέρων διαδοχῆς. ἅπερ οὐκ ἀναγέγραπται ἐν τοῖς Μωϋσέως νόμοις, καὶ διὰ τοῠτο ταῠτα τὸ Σαδδουκαίων γένος ἐκβάλλει, λέγον ἐκεῖνα δεῖν ἡγεῖσϑαι νόμιμα τὰ γεγραμμέια, τὰ δ᾽ ἐκ παραδόσεως τῶν πατέρων μὴ τƞρεῖν (auch XVIII, 1, 4). Da sie auf Tradition keinen Wert legten, so hielten sie sich auch nicht in der Schriftauslegung an eine Autorität, vielmehr betrachteten es die Jünger als ein Verdienst, wenn sie anderer Meinung als ihre Lehrer waren, mit ihnen zu disputieren (das.): Πρὸς γὰρ τοὺς διδασκάλους οοφίας, ἣν μετίασιν, ἀμφιλογεῖν ἀρετὴν ἀριϑμοῠσιν.

Es unterliegt keinem Zweifel, auch wenn Josephus es nicht ausdrücklich bezeugte, daß das Trihäresion erst in Jonathans Zeit auftauchte (das. 5, 9), daß die heterodoxe Opposition der Sadducäer nicht der vormakkabäischen Zeit angehört. Vor dieser Zeit konnte sich wohl durch Berührung mit dem Hellenismus eine antijudäische Partei bilden, aber keine Mittelpartei, die gewissermaßen zwischen Aßidäern und Hellenisten in der Mitte stand. Hierzu kommt noch, daß das erste Makkabäerbuch die Sadducäer auch nicht mit einem Hauche andeutet, und daß Talmud und Josephus den Ausbruch der Spannung zwischen Sadducäern und ihren Gegnern erst in Hyrkans Zeit verlegen. Alles spricht also dafür, daß diese Opposition erst unter den Hasmonäern sich gebildet hat und in den religiösen Zuständen dieser Zeit ihre Wurzel gehabt haben muß. Um es mit einem Worte auszusprechen: nur die durchgreifende Reaktion gegen den antinationalen judäischen Hellenismus konnte eine Oppositionspartei hervorrufen, die wider allzuscharfe Übertreibungen protestieren wollte. Die brutalen Angriffe auf das Judentum von Seiten der Hellenisten und des Syrerkönigs hatten den Pharisäismus (auch wohl den Essenismus) ins Leben gerufen, und wiederum erweckte die Maßlosigkeit der vom Drucke befreiten Frömmigkeit den Sadducäismus, wie andererseits die Ausschreitungen des Sadducäismus, als er zu Macht gelangte, dem Pharisäismus Nahrung gab. Solche Oszillationen und Reaktionen haben sich in der Völkergeschichte schon so oft wiederholt, daß sie als ein geschichtliches Axiom gelten können. Die syrische Verfolgung des Judentums hat bei den Treuen jeden frommen Brauch, jede religiöse Sitte ohne Rücksicht auf deren Berechtigung und Alter um so heiliger und teuerer gemacht, und was früher bloß skrupulöse Observanz einzelner war, das wurde, weil es bedroht war, religiöse Norm für alle. Das Märtyrertum steigert nicht bloß die Anhänglichkeit an die Religion, sondern vergrößert auch den Kreis der religiösen Observanzen. Auch die Abtrünnigkeit der Hellenisten wirkte als Faktor dabei mit; um nicht zu den Apostaten gezählt zu werden, war man um so peinlicher in der Religionsübung. Der Pharisäismus war also weiter nichts, als die energische Reaktion gegen die Abtrünnigkeit von Gesetz und Sitte, und stempelte alles als religiöses Gesetz, was irgend nur an das als religiös Anerkannte anstreifte. Und das Judentum, das auf religiösen Übungen beruht, bot der Skrupulosität ein weites Feld. Als Beispiel können die Observanzen gelten, die sich an den Tempel knüpfen. Das Heiligtum, das in der pentateuchischen Gesetzgebung gegen jede levitische Verunreinigung geschützt wird, wurde, nachdem es von den Syrern profaniert worden war, der Augapfel der Nation, von dem jeder Hauch der Verunreinigung fern gehalten werden sollte. Da man beim Volke die Beobachtung der vorgeschriebenen[693] Reinheitsgesetze nicht voraussetzen konnte, setzte sich der Brauch fest, alle Gefäße des Tempels nach den Feiertagen der Lustration zu unterwerfen, da sie von unreinen Händen berührt worden sein könnten (Chagiga II, 8): הליבט ןינועט שדקמב ויהש םילכה לכ. Und als die Skrupulosität so weit ging, einst einmal sogar den goldnen Leuchter zu lustrieren, so verfehlten die Sadducäer nicht, sich darüber spottend zu äußern »die Pharisäer werden noch einmal den Sonnenball der Lustration unterwerfen« (Tossefta Chagiga das. Jerusch. das.) םישורפ ואר :ןיקודצ ורמא הרונמה תא וליבטה תחא םעפ המח לגלג ןיליבטמ. Ist es auch nicht erwiesen, daß dieser Vorfall der ersten Zeit des Schisma angehört, so erläutert er doch den verschiedenen Gesichtspunkt, nach dem die beiden Parteien das religiös Geltende beurteilt haben. Der Pharisäismus wollte die Rückkehr apostatischer Zeiten, wie die der Hellenisten, durch die skrupulöseste Beobachtung alles dessen verhüten, was im Volke als religiös eingeführt war. Der Sadducäismus wies dagegen solche Übertreibungen zurück, ohne dadurch dem Judentum minder anhänglich zu sein. Sehr gut charakterisiert Josephus das pharisäische Prinzip mit wenigen Worten: Φαρισαῖοι, σύνταγμά τι Ἰουδαίων, δοκοῠν τοὺς νόμους ἀκριβέστερον ἀφƞγεῖσϑαι (j. Kr. I. 5, 2). Durch diese Akribeia, dieses nicht blos fromm, sondern frömmer sein wollen, differierte der Pharisäismus von seinem Widerpart; er setzte seine Strenge der gesetzesverachtenden Laxheit der Hellenisten entgegen und holte die Berechtigung dazu aus der schon vor dem Beginne der judäisch-hellenistischen Bewegung empfohlenen Maxime, eine Umzäunung um das pentateuchische Gesetz zu machen. Wir werden eine noch weiter fortgesetzte Konsequenz dieses Prinzips in dem Bestreben der schammaïtischen Schule finden. Wollte der Sadducäismus gegen die Überhandnahme dieser Strenge protestieren, so mußte er sich auch seinerseits nach einem Prinzip umsehen, und nichts lag so nahe, als an das pentateuchische Gesetz zu appellieren. Er machte daher dieses Prinzip in einem so ausgedehnten Maße geltend, daß er durch die Konsequenzmacherei oft einer noch größeren Erschwerung das Wort redete, als sein gegnerisches System. Namentlich waren die Sadducäer in der Auslegung der pentateuchischen Strafgesetze äußerst strenge, wie Josephus von ihnen berichtet: οἵπερ (Σαδδουκαῖοι) εἰσὶ περὶ τὰς κρίσεις ὠμοὶ παρὰ πάντας τοὺς Ἰουδαίους (Altert. XX, 9, 1). Doch darf man wohl auch bei den Sadducäern eine allmähliche Ausbildung ihres Systems annehmen; nicht auf einmal werden sie die Konsequenz aus der Prämisse gezogen haben, sondern eine Abzweigung derselben, die Boëthusäer, scheint den Sadducäismus weitergeführt und konsequent ausgebildet zu haben. Viele Tatsachen in der inneren Entwicklung würden deutlicher hervortreten, wenn man die Differenz zwischen Sadducäern und Boëthusäern ermitteln könnte100. Die Boëthusäer stammen entschieden von [694] Boëthos ab, der aus Alexandrien eingewandert war, und mit dessen Sohn Simon sich Herodes verschwägerte (Alterth. XV, 9, 3). Er war der Stammvater mehrerer Hohenpriester (das. XIX, 6, 2). Dieser Boëthos hat gewiß aus seiner Heimat Alexandrien eine von den Schulen Palästinas abweichende Schriftauslegung mitgebracht, die sich mit der des Sadducäismus wohl berührt haben, aber nicht mit ihm identisch gewesen sein mag. Allein bei der gegenwärtigen Beschaffenheit der talmudischen Texte muß man darauf verzichten, einen Unterschied zwischen Pharisäern und Boëthusäern zu statuieren. In demselben werden nämlich die beiden verwandten Sekten so zusammengewürfelt, als wenn sie vollkommen identisch wären. Setzen wir vor der Hand die Identität der םיקודצ und םיסותייב voraus, so belaufen sich die durch das Chronikon des Megillat Ta'anit, die beiden Talmude und das Scholion zu Megillat Ta anit bekannt gewordenen gesetzlichen Differenzpunkte zwischen den Pharisäern und Sadducäern auf elf, die sich teils auf juridische, teils auf rituelle Verhältnisse beziehen.


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1906, Band 3.2, S. 690-695.
Lizenz:
Faksimiles:
690 | 691 | 692 | 693 | 694 | 695
Kategorien:

Buchempfehlung

Gryphius, Andreas

Papinianus

Papinianus

Am Hofe des kaiserlichen Brüder Caracalla und Geta dient der angesehene Jurist Papinian als Reichshofmeister. Im Streit um die Macht tötet ein Bruder den anderen und verlangt von Papinian die Rechtfertigung seines Mordes, doch dieser beugt weder das Recht noch sich selbst und stirbt schließlich den Märtyrertod.

110 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Hochromantik

Große Erzählungen der Hochromantik

Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon