19. Die Lokalitäten, die Juda Makkabi jenseits des Jordans bezwungen hat.

[415] So erbärmlich steht's noch mit der Kenntnis der Topographie Peräas, daß in der Erklärung der Lokalitäten, welche im ersten und zweiten Makkabäerbuch bei der Erzählung von Makkabis Kriegszügen daselbst genannt werden, nicht zwei der Ausleger übereinstimmen, ein Beweis, daß keiner von ihnen imstande war, seine Identifizierung und Orientierung auf wissenschaftlichem Wege zu begründen. Man braucht nur die Konfusion bezüglich dieser Lokalitäten bei Fritzsche (zu Makkab. I, 5) und bei Herzfeld und Ewald in der Darstellung der Geschichte zu lesen, um die Überzeugung zu gewinnen, daß zur topographischen Fixierung dieser Ortsnamen noch alles von neuem zu erörtern ist. Der Name Raphon z.B. wird von den Auslegern durchweg mit Raphana, einer der Dekapolis, identifiziert, was eine Unmöglichkeit ist; denn Raphana lag in Syrien und nicht in Peräa, (vergl. Stephanus, de urbibus). Und solchergestalt, ohne die Distanzen zu berechnen, lassen sie Juda Makkabi Kreuz- und Querzüge machen, verlegen den Schauplatz des Krieges bald in den Süden Peräas, bald in den Norden, je nachdem eine Klangähnlichkeit der Namen in ihr Ohr oder eine Buchstabenähnlichkeit in ihr Auge gefallen ist. Versuchen wir wenigstens aus der sicheren Identifizierung einiger dieser Lokalnamen den Schauplatz zu fixieren, auf dem Juda Makkabi die Feinde seiner dort angesiedelten Stammgenossen geschlagen, um diese selbst von dort nach dem diesseitigen Lande zu verpflanzen.

Das erste Makkab. erzählt (5, 9 f.) folgendermaßen. Nachdem Juda die Ammoniter unter dem Führer Timotheos geschlagen und auch Jaëser eingenommen hatte, und heimgekehrt war – man beachte wohl, in dieser Gegend war bereits alles erledigt – vernahm er, daß die Judäer in Gilead von den Nachbarn verfolgt werden, deren Führer abermals Timotheos war, und daß die Judäer sich in die Festung Diathema geflüchtet hätten: καὶ ἔφυγον εἰς Διάϑεμα. Eine andere L.-A. ist Δάϑεμα; so auch die Vulgata Dathema, die syr. Version hat dafür אתמר. Darauf zogen Juda und sein Heer über den Jordan und marschierten drei Tagereisen in der Wüste. Von den Nabatäern erfuhr Juda den ganzen Umfang der die peräischen Judäer bedrohenden Gefahr, daß viele von ihnen gefangen waren in den festen und großen Städten εἰς Βόσσορα καὶ Βοσὸρ ἐν Ἀλέμοις Χασφώρ, Μακὲδ καὶ Καρναΐν, und auch in den übrigen Städten (26-27). Hier hat die Vulgata nur geringe Varianten: Barasa statt Bossora und Mageth und der Syrer las: ארצוב רקמ םילא אריסוב. Hierbei haben die Ausleger und Historiker von vornherein die Konstruktion übersehen: εἰς Βόσσορα.. ἐν Ἀλέμοις oder Variante ἐν Ἀλάμοις kann doch unmöglich bedeuten, daß Alema ebenfalls eine Stadt oder Festung gewesen sei, sonst hätte εἰς stehen müssen oder brauchte gar nicht zu stehen, da das Verhältnis bereits durch das voraufgehende εἰς ausgedrückt ist. ἐν Ἀλέμοις kann demnach nur angeben, in welcher Gegend Bossora und Bosor gelegen haben. Hebräisch muß also der Text gelautet haben אמלאב..רצבב, oder wie die Namen sonst gelautet haben mögen. Im Verlaufe wird auch nicht erzählt, daß Alema von Juda erobert worden wäre. Es war eben keine Stadt, sondern eine Gegend.

[415] Bei dem Kriegszug Judas wird zuerst Bosor erwähnt (28): εἰς Βοσὸρ ἀφνώ. Diese Stadt hat er eingenommen, verbrannt und die Einwohner umbringen lassen. Welcher der zwei ähnlich klingenden Namen ist darunter zu verstehen? Der Syrer las die ersteren: ארצוב, die Vulgata die zweite Bosor: Josephus Βοσσοῤῥάν. Er ist also noch zweifelhaft. Von da begab sich Juda in der Nacht bis zur Festung (29): ἕως ἐπὶ τὸ ὀχύρωμα. Welche Festung? Nun, dieselbe, wohin die bedrängten Judäer sich geflüchtet hatten, d.h. Diathema oder Ramtha. Sie muß also nur wenige Stunden von Bosor entfernt gewesen sein. Bei Judas Annäherung entflohen Timotheos und seine Belagerungsschar. Die Festung, worin die Judäer eingeschlossen waren, wurde dadurch frei. Von da bog Juda seitwärts ab: ἀπέκλινεν εἰς Μασφά (35). Diese L.-A. ist gesichert durch die verdorbene L.-A. im Alexandrinus Μααφά und durch die Vulgata: divertit. – in Maspha gegen die L.-A. Μάλλƞ bei Josephus (Altert. XII, 8, 3 und gegen םילא in der syr. Version). Es ist also הפצמ. Dieses kann nicht auf dem Wege von Diathema, der befreiten Festung nach der nächsten gelegen haben. Auch dieses Maspha zerstörte Juda. Von da begab er sich nach Χασφών = Χάσφωμα, bei Josephus (das. 4 רופסכא beim Syrer), nahm sie ein, nebst Mazed, Bosor (אירסב) und die übrigen Gileaditischen Städte (36). Diese drei müssen also nahe beieinander gewesen sein. Darauf bezog Timotheus ein anderes Lager von Ῥαφών jenseits eines Baches (37). Da Juda und die Seinigen über den Bach setzten, warfen Timotheos' Leute die Waffen weg und entflohen in den Tempel von Καρναΐν (43). Juda zerstörte Tempel und Stadt von Karnain ebenfalls (44). Diese Stadt muß also nicht gar zu weit von Raphon gewesen sein. Darauf sammelte Juda sämtliche peräische Judäer, um sie nach Judäa zu führen. Er mußte aber durch die Stadt Ἐφρών (S. ארפוע) ziehen. Sie war fest und lag auf dem Wege, von dem aus die Judäer weder rechts noch links ausweichen konnten. Die Einwohner gestatteten ihnen aber nicht den Durchzug, und so mußte sie Juda einen ganzen Tag und eine ganze Nacht berennen, und eroberte sie endlich (46-51). Von da setzte er über den Jordan und gelangte nach Baitsan (52). Ephron muß also jenseits des Jordans, ungefähr gegenüber Baitsan-Skythopolis gelegen haben.

Im zweiten Makkabäerbuche (12, 13 f.) wird ebenfalls von Judas Siegen jenseits des Jordans erzählt. Zuerst wird eine große Stadt Κάσπιν genannt (Chasphin in der Vulgata, אפצק beim Syrer). Sie hatte eine Brücke und war durch Mauern geschützt. Juda eroberte sie und füllte sie mit Leichen. Von da begab er sich 750 Stadien (16 Meilen) nach Χάρακα = אכרכ zu den Tubiner genannten Judäern. Juda verfolgte Timotheus, und dieser schickte Frauen und Kinder nach Καρνίον; gegen diese Festung und τὸ Ἀταργατεῖον zog Juda und richtete dort ein Blutbad an (17-26). Dann bekämpfte er Ephron und zog von da nach Skythopolis (27-29). Die letzte Angabe stimmt vollständig mit der im ersten Makkabäerbuche. Alles übrige ist eben im Makkab. II unbestimmbar, nur daß Kaspin wohl identisch mit Chasphon und Karnion mit Karnain ist.

Die Lage aller dieser peräischen Lokalitäten ist so unbestimmt, daß nicht eine einzige zum Ausgangspunkte genommen werden kann. Allenfalls ist Ephron bestimmbar, wo das Ende der Expedition war, nämlich ungefähr Baitsan-Skythopolis gegenüber. Diese Stadt kommt auch bei Polybius (5, 7) vor. Er erzählt, Antiochos der Große, nachdem er Skythopolis und[416] Atabyrion diesseits unterworfen, habe Pella, Kamun und Gephrun genommen, παρέλαβε Πέλλαν καὶ Καμοῠν καὶ Γεφροῠν. Der Name ist also gut hebräisch mit stark gutturalem ע, nämlich ןורפע, und kann nicht weit von Pella gewesen sein, an der östlichen Seite des Jordans gegenüber Baitsan. Weiter erzählt Polybius, daß Antiochos auch Galaditis (Γαλάτις) und Abila eingenommen, und als auch Gadara gefallen war, zog er südlich nach Rabbatammon (Ῥαββατάμανα), d.h. von Nord nach Süd. Juda hatte also zuletzt Karnain und Ephron oder Gephron am Jordan genommen. Die Frage entsteht also: lag Karnain, das nicht gar zu weit von Ephron oder Gephron entfernt war, nördlich oder südlich davon?

Suchen wir zunächst die ungefähre Lage für Karnain. Denn schwerlich ist es mit Astarot-Karnain identisch, wie einige annehmen, weil diese Stadt in dieser Zeit Bostra genannt wurde, (vergl. w. unten). Karnain oder Karnion ist vielmehr ohne Zweifel identisch mit םינרק רפכ, das mehrere Male in der talmudischen Literatur genannt wird. Von Hiobs gefangenen Herden durch Sabäer oder von den Sabäern heißt es (Pesikta Rabba zu Nr. 17: תואצוי :םחקתו אבש לפתו ועיגהש ןויכו (ןילבא) ןילבואה לכ תא תוכלוהו םינרק-רפכמםש ותמ איעבצ לדגמל (Ebenso lautet der Passus Leviticus Rabba Nr. 17 und Ruth Rabba zu 1, 5 mit nur geringer Variante םונירק oder םוניירק statt םינרק. Sonst ist noch in der Agada angegeben: Hamans Vater sei Scherer und Bader in Kephar-Karnaim gewesen (Midrasch Abba Gorion ed. Jellinek. Bet hamidrasch I, p. 10): םונוירק רפכב... רפסו יאנלב ארבג יאהד אבא (Midrasch zu Esther gegen Ende): םונוירק רפכב. Im babli Megilla p. 16b korrumpiert םוצרק11 רפכ. Es ist zu lesen םינרק-רפכ. Im jerus. Traktat Demai (II, p. 22d) wird die Frage aufgeworfen: ןכיה דע, d.h. wie weit reicht das Territorium von Baitsan, das abgabenfrei sein soll, weil es von Heiden bewohnt wurde? Die Antwort lautet: .םינרק-רפכ דע היטונפיד השפנו אתפיצרו אתשרפ ןאש תיבכ םינרק רפכו. Aus diesem Passus geht hervor, daß Kephar-Karnaim nicht gar zu weit von Baitsan gelegen haben muß. Aus dieser Stelle könnte zwar gefolgert werden, daß Kephar-Karnaim dieseits im Territorium von Baitsan gelegen habe. Es wäre aber übereilt. Denn die Agada von Hiob, welche sein Anwesen in diesem Orte ansetzte, kann unmöglich den Dulder aus dem Lande Uz diesseits des Jordans gedacht haben. Dazu kommt noch eine bei Eusebius erhaltene Tradition, welche mit der agadischen Angabe übereinstimmt, daß Hiob in Karnaim jenseits des Jordans heimisch gewesen sei (Onomasticon ed. Lagarde p. 268). Καρναεὶμ Ἀσταρώϑ ἐστι νῠν κώμƞ μεγίστƞ τῆς Ἀραβίας, ἥτις ἐστὶν ἡ Βαταναία λεγομένƞ, ἐπέκεινα τοῠ Ἰορδάνου ἔνϑα ὡς ἐκ παραδόσεως τοῠ Ἰὼβ τὸν οἶκον ἐπιδεικνύουσιν. Hieronymus' Übersetzung lautet: Carnaim nunc vicus est grandis in angulo Batanaeae et appellatur Carnaea transfluenta Jordanis, traduntque ibi fuisse domum Job. Diese Angabe identifiziert zwar Karnaim mit Astaroth-Karnaim. Eine andere Stelle gibt aber deutlich an, daß diese Identifizierung falsch sein muß, da es in Batanäa zwei Lokalitäten mit Namen Karnaim zwischen Adara (Edreï) und Abila gegeben habe; sie setzt ihre Distanz voneinander 9 röm. Meilen (das. p. 209): Ἀσταρώϑ-Καρναείμ$ καί εἰσιν εἰς ἔτι νῠν δύο κῶμαι ἐπὶ τῆς Βαταναίας τῆς καὶ Βασανίτιδος ἀλλἠλων διεστῶσαι σƞμείους ϑ' μεταξὺ Ἀδάρων καὶ Ἀβίλƞς πόλεως. Eine dritte Stelle (das. p. 213) gibt ebenfalls diese Lage an und [417] bestimmt die Entfernung von Astaroth-Karnaim bis Adara auf 6 röm. Meilen und die Distanz von Adara und Bostra auf 25 röm. Meilen; aber das. (p. 253) auf 24 röm. Meilen.

Wir sind demnach über die Lage der Lokalitäten, welche Karnaim genannt wurden, so ziemlich orientiert. Sie ist westlich von Hauran zwischen Abila und Adara = Edreï (Derat) zu suchen. Was Eusebius' Identifizierung des einen Karnaim mit Astaroth-Karnaim betrifft, so ist sie schon darum falsch, weil dieses in seiner Zeit bereits unter dem, von ihm selbst angegebenen Namen Bostra bestand, verstümmelt aus הרתשעיב, und dieses war eine Abkürzung von תורתשע םינרק. Vergl. Wetzstein, Reisebericht über den Hauran S. 110, welcher dieses Sachverhältnis lichtvoll auseinandergesetzt und nachgewiesen hat, daß Hieronymus oder richtiger seine Quelle Eusebius sich geirrt hat. Wir dürfen also das Καρναΐμ oder Καρνίον in den Makkab. ebensowenig mit Astaroth-Karnaim identifizieren, sondern mit einem der beiden Karnaim, welches östlich von Abila gelegen hat. Dasselbe gibt ja auch die Agada an, daß das Kephar-Karnaim, in welchem Hiobs Wohnort gewesen sein soll, bei Abila gelegen hat. Diese Agada sagt nämlich aus, wenn wir die Lesart in Leviticus Rabba ןיליבא festhalten statt ןילבוא: die von Hiob abgetriebenen Gegenstände der Beute oder die Sabäer seien von Kephar-Karnaim ausgezogen, seien durch ganz Abilene gewandert und bei der Ankunft in Migdal-Zebaim umgekommen. ןיליבא ist ganz unstreitig Abilene, das Territorium des peräischen Abila. Das nach Eusebius (das. p. 225) 12 röm. Meilen von Gadara entfernte Abila bildete nämlich ebenso, wie das zwischen Paneas und Damaskus gelegene, den Mittelpunkt einer Toparchie (Josephus jüd. Kr. II, 13, 2, die Parallele Altert. XX, 7, 1 ist danach zu berichtigen), und diese Toparchie hieß Abilene, hebr. ןיליבא. Das Karnaim lag also östlich von Abila und nicht weit davon entfernt Ephron-Gephrun gegenüber Skythopolis.

Wir können uns jetzt sicherer auf dem Schauplatz der Kriege, die Juda in Peräa geführt hat, orientieren. Wir haben die Gewißheit, daß sie keineswegs im Süden, etwa in der Gegend von Ammonitis stattgefunden haben, sondern im Norden, sozusagen zwischen dem südwestlichen Hauran und dem Jordan. Der Krieg muß sich demnach auf der Linie Karnaim – Abila–Jordangegend verbreitet haben. Nach Makkab. I bildete die Einnahme von Karnaim das Ende des Krieges; denn von hier zog Makkabi nach Ephron-Gephrun und von hier über den Jordan. Die anderen Lokalitäten, welche aufgezählt werden, müssen also mehr entfernt vom Jordan gelegen haben. Erinnern wir uns, daß Juda Makkabi mit seiner Schar drei Tage in der Wüste gezogen ist, drei Tage in Eilmärschen bezeichneten eine weite Entfernung.

Es ist bereits erwähnt, daß das biblische Astarot-Karnaim oder Beeschtera in späterer Zeit Bostra genannt wurde. Dieses war zu einer dominierenden Zentralstadt aufgestiegen. In einem Verzeichnis der Grenzstädte des heiligen Landes, so weit sie in der nachexilischen Zeit von Judäern besetzt waren: ימוחת לבב ילוע וקיזחהש לכ לארשי ץרא wird aufgeführt אנוכדטו הרצובל םחתמד (die Quellen zusammengestellt bei Neubauer, Géographie de Palestine p. 11 f.) d.h. Trachonitis, das an Bosra grenzt. Es gehörte also zum heiligen Lande. Einige talmudische Gesetzeslehrer haben indes Bostra nicht dazu gerechnet (jerus. Schebiit VII, p. 36d): die Judäer von Bosra haben von Simon Ben-Lakisch einen Gemeindebeamten empfohlen gewünscht, und als er einen [418] Babylonier empfohlen und dieser R' Jochanan um Rat angegangen ist, ob er diese Stelle annehmen sollte, da sie doch zum heiligen Lande gehöre, riet dieser ihm davon ab, weil Bosra nicht zum heiligen Lande gehöre: לזא שיקל ןב ש"ר לבבל לבב ןמ ןנחוי 'ר היל רמא... הרצובל. Statt הרצוב kommt auch daselbst c und an anderen Stellen die L.-A. היירצוב vor. Entschieden ist dieser Ortsname identisch mit Bostra und zwar unter der Doppelform הרצוב und היירצוב. Hier haben wir entweder das Bóssora oder Bosor des Makkabäerbuches, nämlich das basanitische oder hauranitische Bostra. Es ist jedenfalls ein Irrtum, eines derselben in dem idumäischen רצב wieder erkennen zu wollen. Beide lagen aber in einer und derselben Gegend Alema oder Alama (ἐν Ἀλέμοις); der Name scheint übrigens korrumpiert zu sein.

Gleichviel ob Bossora oder Bosor mit Bostra identisch ist. muß jedenfalls die Festung Diathema oder Dathema oder Ramtha, wohin sich die bedrohten Judäer geflüchtet hatten, nördlich oder östlich von Bostra gelegen haben. Denn erst nachdem Juda das eine genommen hatte, konnte er zum Angriff und zur Belagerung der Festung schreiten.

Die Lage von Maspha (הפצמ), das Juda nach einer Digression genommen, sowie der Lokalitäten Chasphon (Chasphor, Kaspin), ferner Maked (Mageth) und Raphon bleiben noch unentdeckt. Das Maspha kann weder das moabitische, noch das gileaditische, noch das am Hermon sein. Diese und die übrigen Lokalitäten müssen jedenfalls entweder in Batanäa (Basanitis) oder im südlichen Hauran gelegen haben. Erst nachdem Juda diese Städte erobert und zerstört hatte, gelangte er nach Karnaim, einer der beiden Städte dieses Namens zwischen Bostra östlich und Adra (Edreï) westlich. Von da näherte er sich dem Jordan, erzwang sich den Durchmarsch durch Ephron (Gephrun) und gelangte, über den Jordan setzend, nach Baitsan-Skythopolis.

Das Land Tobiene muß ebenfalls in der Gegend von Batanäa gelegen haben. Denn das erste Makkabäerbuch, welches doch erzählt (5, 13), daß Juda erfahren habe, daß die Juden in dem Gebiete von Tobion (οἱ ὄντες ἐν τοῖς Τωβίου) von den Heiden umgebracht worden seien, und die zu rächen Juda wohl nicht unterlassen hatte, schweigt über die Eroberung dieser Landschaft. Eine der unbekannt gebliebenen Städte muß also in Tobiene gelegen haben. Nur das zweite Makkabäerbuch nennt eine Stadt in dieser Gegend: εἰς τὸν Χάρακα πρὸς τοὺς λεγομένους Τουβιἠνους Ἰουδαίους. Das wäre etwa eine Stadt ךרכ oder אכרכ, d.h. Festung. Es kann aber keineswegs identisch sein etwa mit Kerak im Moabiterland im Süden; denn Judas Kriegsschauplatz war, wie schon angegeben, im Norden. Die Landschaft Tubiene oder Tobiene kommt übrigens auch in der talmudischen Literatur vor (Tosifta Schebiit c. 7, Pesachim p. 53a und Erubin p. 28b): אינבוטד יניהא, kleine Datteln von Tobiene. Ob diese identisch ist mit בוט ץרא und mit אתיסוס Hippos muß noch eine offene Frage bleiben.

Noch zwei Punkte in dieser Relation von der Bedrängnis der Judäer in Galaditis oder Batanäa und von Judas Kriegszug dahin mögen hier besprochen werden. Von den judäischen Boten, welche mit Klagen und Bitten um Hilfe zu Juda gekommen waren, erfuhr er zweierlei, daß die Judäer in dieser Gegend sich in die Festung Diathema geflüchtet hätten, und daß diese bedroht sei, und zweitens, daß die Judäer in Tobiene bereits von den dortigen Heiden niedergemetzelt worden seien. Von den Nabatäern dagegen, denen er auf seinem Befreiungszuge begegnete, erfuhr er, daß Judäer von Galaditis in den Städten Bossora usw. gefangen gehalten worden seien (5, 26 f.) ὅτι [419] πολλοὶ ἐξ αὐτῶν συνειλƞμμένοι εἰσὶν εἰς Βόσσορα κ. τ. λ. καὶ ἐν ταῖς λοιπαῖς πόλεσι τῆς Γαλααδίτιδός εἰσι συνειλƞμμένοι. Die Judäer dieser Gegend hatten also nur die eine Festung Diathema, oder wie sie sonst gelautet hat, in dieser Gegend. Die übrigen hier genannten festen Städte dagegen gehörten der heidnischen Bevölkerung dieser Gegend an, und die Judäer sind nur von offenen Plätzen dahin in Gefangenschaft gebracht worden. Daher mußte Juda zunächst diese Städte mit Sturm nehmen, um die Brüder zu befreien. Dagegen die Festung (τό ὀχύρωμα) brauchte er nicht zu erobern, sondern sie lediglich von den sie belagernden Heiden zu entsetzen. Sobald Timotheos bei der Nachricht von Judas Zug mit seiner Schar die Flucht ergriffen hatte, waren die in Diathema eingeschlossenen Judäer frei.

Das erste Makkab. erzählt, daß die von Juda bei Raphon geschlagenen Heiden sich in den Tempel von Karnaim geflüchtet hätten (ἔφυγον εἰς τὸ τέμενος ἐν Καρναΐν), und daß Juda die Stadt genommen und den Tempel verbrannt habe. Das zweite Makkab. (12, 26) erzählt, Juda sei gegen Karnion (Karnaim) und das Atargateion gezogen und habe da ein Blutbad unter den Heiden angerichtet: ἐξελϑὼν δὲ ἐπὶ τὸ Καρνίον καὶ τὸ Ἀταργατεῖον. Dieses Atargateion war ohne Zweifel ein Tempel der Göttin Atargatis, oder Derketo = אתערת. Der Verf. oder Epitomator des II. Makkab. scheint ihn aber für einen Ortsnamen gehalten zu haben.


Fußnoten

1 Da sich ein Teil dieser Noten auch auf den Inhalt des zweiten Bandes erster Hälfte bezieht, und beide Bände überhaupt zusammengehören, so bilden hier die Nummern eine Fortsetzung derer der ersten Hälfte.


2 So nach der Keri, des Khethib falsch: ןימינב.


3 Vergl. o. S. 358 über diese Namen.


4 Vergl. darüber o. das.


5 Vergl. darüber o. S. 360.


6 Vergl. o. S. 358 über diese Namen.


7 Vergl. darüber o. S. 360.


8 In diesem V. ist das Wort הדוהי einmal ausgefallen, wie LXX andeuten ולגה הדוהיו הדוהיו לארשי יכלמ. Ebenso Könige I, 4, 19-20 הדוהי הדוהי ץראב רשא דהא ביצנו םיבר לארשיו. Bertbeau hat es gezwungen erklärt.


9 Es ist nicht wenig auffallend, daß dieses Verzeichnis wiederholt ist. Man kann nicht einmal annehmen, daß es einmal durch einen verschobenen Pergamentstreifen an die unrechte Stelle geraten wäre. Denn es paßt zu beiden Stellen. Bei der ersten ist vorausgehend von den Benjaminiten die Rede und von den Häuptern, welche sich in Jerusalem niedergelassen haben. םלשוריב ובשי הלא םישאר ,םתודלתל תובא ישאר הלא darauf folgt als Gegensatz: ובשי ןועבגבו. Bei der anderen St. ist von den Leviten die Rede, die ebenfalls in Jerusalem dauernden Sitz genommen: תובא ישאר הלא םלשוריב ובשי הלא םישאר ,םתודלתל םיולל und darauf folgt ebenfalls 'וגו ובשי ןועבגבו. Möglich, daß dem Chronisten zwei Verzeichnisse vorgelegen haben, das eine in Verbindung mit den Benjaminiten und das andere in Verbindung mit den Leviten, und er beide eingereiht hat.


10 Diese an drei Stellen erhaltene Tradition bezüglich der Abteilung Bilgah ist höchst interessant. Zunächst scheint es, als wenn Bilgah als Femininum angesehen wurde. In der Mischna das. heißt es: תקלוה םלועל הגלב המותס הנולהו העובק התעבטו םורדב. Indessen hierbei könnte man das Subst. תרמשמ ergänzen. Allein in der Tosiphta und Jerus. a.a.O. wird von der Abteilung Bilgah stets im Femin. gesprochen. Es werden zwei Gründe angegeben, warum Bilgah zurückgesetzt oder gar gebrandmarkt wurde, das.: םורדב תקלוה םלועל הגלב יכלממ דהא טוידרסל תאשנו הדמתשנש הגלב תב םירמ ונפמ... הרמא ,הבזמ לש וגג לע החפטו התאב לכיהל םיוג וסנכנשכו ןוי םהל תדמע אלו לארשי לש בנוממ תברהה התא !סוקול סוקול :יל בבשי סנכנ .תורמשמ בוכע ינפמ םירמוא שיו .ןתרצ תעשב הגלב לש הנכש... היתהת. Ebenso Jerus. mit einigen Varianten: עיגהש ידי לע א"יו (Delend) .תלע אלו תולעל הנמז הלודג הנוהכב היתחת שמשו בבשי סנכנו. In Babli fast ebenso, nur ungenau ויתחת שמשו ומע ויהא בבשי סנכנו (statt היהא - היתחת). Daraus folgt, daß Bilgah stets als ein Femininum gebraucht wird, als wenn die Abteilung ihren Namen von einer Frau erhalten hätte. – Bezüglich des Vergehens, welches sich diese Abteilung zuschulden kommen ließ, werden zwei verschiedene Gründe angegeben, der eine, daß eine Tochter aus dieser Abteilung zu den Hellenisten übergegangen sei, und sich mit einem griechischen Stratioten verheiratet habe. Der andere wirft der Abteilung nur Lässigkeit im Tempeldienste vor. Aus dem Umstande, daß man dieser Abteilung den Ring und das Behältnis im Vorhofe entzogen hat: הנולה תא ומתסו התעבט תא ועבק, geht jedenfalls hervor, daß das Vergehen dieser Abteilung ein schweres gewesen sein muß. Mit Recht wirft der jerus. Talmud die Frage auf, warum man wegen dieses Vergehens die Abteilung Bilgah nicht ganz und gar kassiert hat, und beantwortet sie richtig. daß von den 24 Abteilungen keine fehlen dürfte, weil die Zahl durch die uralte Einrichtung geheiligt sei: דיוד דסו המה ביתכד לכי תיל ?שלשו םיושע ןתוא ושעיו לאומשו. Dieser Tradition scheint die Tatsache zugrunde zu liegen, daß nicht bloß eine Frau, sondern mehrere Hauptglieder dieser Familie zur Zeit des Religionszwanges zu den Hellenisten übergegangen waren. Darum hat man sie äußerlich gebrandmarkt, keinen eigenen Ring und kein eigenes Behältnis im Vorhofe zu haben, und bei der Verteilung der Opfergaben als zurückgesetzt markiert zu werden. Der Grund der שיו םירמוא scheint eine Milderung des Vergehens angeben zu wollen.


11 Vielleicht ist jerus. Berachot VIII. p. 12b ןנחוי ר' ןויצרקד korrumpiert für ןינרקד.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1905, Band 3.1.
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