11. Kapitel. (140-164.)

[185] Tätigkeit des dritten Tannaitengeschlechtes. Gegensynhedrion in Babylonien. Spaltung im Synhedrion zu Uscha. Neue Verfolgungen unter den Kaisern Antoninus Pius und Lucius Verus. Die jüdische Gesandtschaft in Rom. Tod des Patriarchen R. Simon.


Während die Gesetzeslehrer in Judäa bestrebt waren, das in Stockung geratene Blut der Nation wieder flüssig zu machen und in Umlauf zu setzen, das aufgelöste Synhedrion wieder herzustellen, den Traditionsstoff durch Anlegung faßlicher Sammlungen zu sichern und zu verbreiten, fehlte nicht viel daran, daß sich die babylonischen Gemeinden von dem Gesamtkörper losgetrennt und eine tief eingreifende Spaltung erzeugt hätten. Die Klugheit des Patriarchen R. Simon hat diesem Risse durch geschickte Unterhandlungen zu begegnen gewußt. – R. Chanina, welchen sein Oheim R. Josua nach Babylonien geschickt hatte, um ihn dem christlichen Einflusse zu entziehen, hatte während des hoffnungslosen Zustandes in Judäa dem Judentum einen Mittelpunkt in Babylonien gründen wollen. In Nahar-Pakod, wahrscheinlich in der Nähe Nahardeas, organisierte er eine Art Synhedrion, dessen Vorsitzender er selbst war; ein gewisser Nechunja (nach einer andern Lesart Achija) scheint die Stelle des Ab-bet-din eingenommen zu haben. Die babylonischen Gemeinden, bisher auf die Verordnungen aus Judäa angewiesen und durch den Untergang aller religiösen Institutionen im Stammlande ratlos gelassen, begrüßten ein Synhedrion in ihrer Mitte als eine freudige Erscheinung und nahmen dessen Beschlüsse und Anordnungen entgegenkommend an. Sofort ordnete R. Chanina Schaltjahre und Festfeier nach denselben Grundsätzen an, wie es in Judäa üblich war. Allein, sobald sich der Gerichtshof in Uscha wieder organisiert hatte, konnte er eine Behörde nicht bestehen lassen, welche die Einheit des Judentums aufhob, und es in ein morgenländisches und abendländisches zu spalten drohte. Um eine [185] solche Spaltung nicht einreißen zu lassen, schickte der Patriarch R. Simon zwei Abgeordnete R. Isaak und R. Nathan an R. Chanina mit schmeichelhaften Sendschreiben an ihn versehen, welche in der Überschrift die ungewöhnliche Formel hatten: »An seine Heiligkeit Chanina.« Der Vorsitzende des babylonischen Synhedrions, welcher ein solches Entgegenkommen nicht erwartet haben mochte, nahm die judäischen Gesandten auf das freundlichste auf und stellte sie mit Lobeserhebungen der Gemeindeversammlung vor. Nachdem sie des Vertrauens des Volkes sicher waren, rückten sie mit dem letzten Zweck ihrer Sendung heraus. Im öffentlichen Gottes dienste las der eine aus dem Gesetzbuche: »Solches sind die Festtage Chananjas« (für »Gottes«); der andere tat etwas ähnliches mit einer Prophetenstelle: »Aus Babylonien geht die Lehre aus, und das Wort Gottes aus Nahar-Pakod« (für »aus Zion und Jerusalem«). Die Anwesenden, durch diese ironische Umdeutung darauf aufmerksam gemacht, daß ein selbständiges babylonisches Synhedrion dem Gesetze zuwider sei und das Band der Einheit zerreiße, fühlten sich in ihrem Gewissen beunruhigt. Vergebens bemühte sich R. Chanina den Eindruck dadurch zu schwächen, daß er die Gesandten verdächtigte; diese sprachen mit erhöhtem Mute, ein Gegensynhedrion in Babylonien heiße ebenso viel, wie einen Altar erbauen, bei welchem Chanina und Nechunja als illegitime Priester fungieren, und gelte überhaupt soviel wie sich vom Gotte Israels lossagen. R. Chanina stellte aber den Bestand eines Synhedrions in Judäa in Frage, weil diejenigen Gesetzeslehrer, welche dort das Heft in Händen hätten, keine Autorität genössen, worauf die Gesandten erwiderten: »Die Kleinen, welche du verlassen hast, sind indessen groß geworden.« Dennoch gab R. Chanina sein Vorhaben nicht eher auf, als bis auch R. Juda ben Bathyra in Nisibis, den er hierbei zu Rate zog, ihn bedeutet hatte, man müsse sich den Verfügungen des allgemeinen Synhedrions unbedingt unterordnen. Als er nirgends Teilnahme und Unterstützung fand, fügte sich R. Chanina und schickte Boten zu Pferde an die zunächst gelegenen Gemeinden, um die von ihm ausgegangene Festfeier zu widerrufen; hiermit hatte das babylonische Synhedrion ein Ende.1

Im Schoße des Kollegiums zu Uscha brach indes ein Zwiespalt aus, welcher beinahe ähnliche Folgen nach sich gezogen hätte, wie der Streit zwischen R. Gamaliel und R. Josua. Der Patriarch R. Simon wollte seine Würde durch die Einführung einer eigenen Etikette erhöhen, um die Gleichheit, die bisher zwischen den Würdenträgern bestanden hatte, aufzuheben. In Abwesenheit des Stellvertreters [186] R. Nathan und des Sprechers R. Meïr führte er eine neue Rangordnung ein, welche ihn als Oberhaupt vor allen andern recht kenntlich machen sollte. Die Ehrenbezeugung, die darin bestand, daß in einer öffentlichen Synhedrialsitzung das ganze Volk beim Eintritte des Präsidenten und der zunächst stehenden Würdenträger sich erhob, sollte von nun an einzig und allein dem Patriarchen erwiesen werden. Zu Ehren des Stellvertreters sollte nur die erste Reihe aufstehen und so lange stehen bleiben, bis er seinen Sitz eingenommen, und dem Sprecher (Chacham) ein noch geringerer Grad von Ehrenbezeugung erwiesen werden. Als R. Nathan und R. Meïr das nächste Mal zur Sitzung kamen und die neu eingeführte Ordnung bemerkten, welche es auf hierarchische Rangerhöhung des Patriarchen und Aufhebung der bisher bestandenen Gleichheit abgesehen hatte, verschworen sie sich gegen R. Simon heimlich, um ihn seiner Würde zu entsetzen. Dazu brauchten sie aber die Zustimmung der Versammlung, weil der Rang des Patriarchats lediglich von der Volksmeinung getragen war. Durch seltene (halachische) Fragen wollten sie R. Simon – welcher überhaupt in Kenntnis des Traditionsstoffes ihnen nachgestanden zu haben scheint – in Verlegenheit bringen und wenn sie seine Schwäche aufgedeckt und die Versammlung gegen ihn eingenommen haben würden, wollten sie durch einen Antrag den letzten Schlag führen, einen Patriarchen nicht zu dulden, welcher nicht auf dem ganzen Gesetzesgebiete heimisch sei. Sie sollen auch schon die Würden unter sich so verteilt haben, daß R. Nathan, der aus der Familie des Exilsfürsten und also aus dem davidischen Geschlechte stammte, als Patriarch, und R. Meïr an dessen Stelle als zweiter im Range eingesetzt werden sollte. Allein dieser Plan wurde R. Simon verraten und die Verschworenen fanden ihn vorbereitet. Der bedrohte Patriarch, die gegen ihn angezettelte Verschwörung enthüllend, setzte es sogar durch, daß beide aus den Synhedrialsitzungen ausgeschlossen wurden. Indessen wußten die Ausgewiesenen der Lehrversammlung ihre Abwesenheit fühlbar zu machen; sie beförderten schwierige Fragen, auf Zettel geschrieben, in die Versammlung und setzten diese dadurch in Verlegenheit. Darauf trug R. José später auf die Zurückberufung der beiden Ausgestoßenen an, indem er bemerkte: »Wir sind im Lehrhause, aber die Lehre ist draußen.« Sie wurden wieder zugelassen, aber R. Simon wußte es dahin zu bringen, daß ihre Namen bei den von ihnen ausgegangenen Gesetzesbestimmungen nicht genannt werden sollten; man sagte anstatt R. Nathan »manche meinen,« und anstatt R. Meïr »andere meinen.« Während sich R Nathan schließlich mit dem Patriarchen aussöhnte, dauerte die Spannung zwischen dem letztern und R. Meïr lange fort. Ohne Zweifel beharrte [187] R. Meïr auf seiner Opposition und machte ihn durch seinen Scharfsinn öfter verlegen. R. Simon trug endlich darauf an, über den Unruhestifter den Bann zu verhängen. Allein R. Meïr war nicht so gefügig wie jene, welche sich unter R. Gamaliel dem Banne ohne Widerstand unterworfen hatten. Mit Berufung auf den frühern Beschluß des Synhedrions in Uscha, daß ein Mitglied nicht gebannt werden dürfe, entgegnete R. Meïr: »Ich kehre mich nicht an euer Bannurteil, bis ihr bewiesen habet, über wen, aus welchem Grunde und unter welcher Bedingung es verhängt werden dürfte.«2 Er scheint sich von dieser Zeit an von dem Sitze des Synhedrions entfernt und dauernd in Kleinasien niedergelassen zu haben, wo er auch starb. Im stolzen Bewußtsein seines Wertes soll R. Meïr vor dem Tode die Worte gesprochen haben: »Verkündet den Söhnen des heiligen Landes, euer Messias ist in einem fremden Lande gestorben.« Seinem letzten Willen gemäß setzte man seine Leiche an der Meeresküste bei.3

R. Simons Patriarchat war nicht frei von Unruhen und Bedrückungen, welche sich wohl die Statthalter oder die römischen Unterbehörden gegen das jüdische Volk erlaubten. Der gegenseitige Haß der Juden und Römer, der den Bar-Kochbaschen Krieg und die hadrianische Verfolgung erzeugt hatte, war zu groß, als daß die starken Sieger ihn nicht die schwachen Besiegten hätten empfinden lassen sollen. R. Simon ben Gamaliel bemerkt daher von den täglich sich wiederholenden Quälereien und Bedrückungen: »Unsere Vorfahren haben die Leiden nur von ferne gerochen, wir aber sind davon so viele Tage, Jahre, Zeiten und Zyklen ganz umgeben; wir hätten mehr Recht als unsere Vorfahren, ungeduldig zu werden.4 Wollten wir wie früher unsere Leiden und zeitweiligen Errettungen davon in eine Gedenkrolle eintragen, wir fänden nicht Raum genug dazu.«5 Die Gehässigkeit der Römer einerseits und die Zähigkeit der Juden anderseits – welche den Verlust ihrer Selbständigkeit nach so langem Ringen und so vielen Niederlagen noch immer nicht verschmerzen konnten – scheinen im letzten Jahre des Kaisers Antoninus Pius (um 161 Frühjahr) einen neuen Aufstand in Judäa6 hervorgerufen zu haben, dessen Entstehung, Verlauf und [188] Schauplatz jedoch unbekannt geblieben sind. Der Versuch einer neuen Schilderhebung scheint mit der Kriegsrüstung zusammenzuhängen, die die Parther in der letzten Zeit dieses Kaisers gegen die Römer ins Werk setzten, um auch ihrerseits aus der halbdemütigen Stellung zu Rom herauszukommen. So oft getäuscht, hoffte man in Judäa immer noch auf Hilfe der Parther, daß von ihnen die Erlösung vom römischen Joche erfolgen werde. R. Simon ben Jochaï, der die Römer mit ihrer heuchlerischen Gesetzlichkeit gründlich haßte, bemerkte: »Wenn du ein persisches (parthisches) Roß an die Grabdenkmäler im Lande Israel angebunden siehst, so hoffe auf den Eintritt des Messias.« Indessen wurde der gewiß nur vereinzelt ausgebrochene Aufstand in Judäa rasch von dem Statthalter in Syrien unterdrückt, ehe noch die Parther zu Hilfe kommen konnten. Der parthische Krieg, der mehrere Jahre dauerte (161 bis 165) begann erst kurz nach dem Ableben des Kaisers Antoninus Pius, als das römische Reich infolge der hadrianischen Verfügung zum ersten Male von zwei Kaisern beherrscht wurde, von dem philosophisch unpraktischen Marcus Aurelius Antoninus und dem wollüstigen Lucius Verus. Im ersten Anlauf drangen die Parther unter ihrem König Vologäses bis nach Syrien vor, schlugen dessen Statthalter Atidius Cornelianus, der vielleicht kurz vorher den jüdischen Aufstand niedergeworfen hatte, mit seinen Legionen in die Flucht und besetzten dieses Land. Eiligst wurde Verus, der zweite Kaiser, mit neuen Truppen gegen sie nach dem Morgenlande gesandt, er, der am wenigsten zu einem ernsten Kriege taugte. Die Besiegung der Parther erfolgte daher durch kriegstüchtige Feldherren, während sich der Kaiser in Antiochien, Laodicea und Daphne im Schlamme viehischer und unnatürlicher Ausschweifungen wälzte. Nichtsdestoweniger nahm er, sowie auch sein Mitkaiser Marcus Antoninus nach Beendigung des parthischen Krieges den Siegertitel Parthicus an.

Vom Kaiser Verus scheinen neue Verfolgungen gegen die Juden Palästinas ausgegangen zu sein. Zunächst verloren sie ihre eigene Gerichtsbarkeit; man weiß nicht recht, ob das jüdische bürgerliche Recht außer Kraft gesetzt wurde oder jüdische Richter beseitigt worden waren. R. Simon ben Jochaï dankte Gott für diesen Eingriff der Römer, weil er wie seine Zeitgenossen sich nicht für befähigt genug hielten, gewissenhaft Recht zu sprechen. Wiewohl die Synhedrialmitglieder keinen Anteil an diesem Aufstande genommen zu haben scheinen, so hatten die römischen Behörden doch Argwohn gegen sie und ließen sie beobachten. Einst wurde ihnen eine Unterredung hinterbracht, welche R. Juda, R. José und R. Simon ben Jochaï, wie es scheint, in öffentlicher Sitzung in Uscha über die [189] letzten Ziele der römischen Politik geführt hatten. R. Juda, der gleich Josua die Gemüter beschwichtigen und sie mit der herben Notwendigkeit versöhnen sollte, hatte die Verdienste der Römer hervorgehoben: »Wie nützlich hat sich doch dies Volk gemacht; es erbaut überall Städte mit Marktplätzen, es schlägt Brücken über die Flüsse, es legt Bäder zur Erhaltung der Gesundheit an.« R. José hatte sich stillschweigend verhalten, ohne sich lobend oder tadelnd zu äußern. R. Simon ben Jochaï konnte seinen Unwillen nicht zurückhalten. »Was die Römer geleistet haben,« sprach er, »haben sie nur aus Eigennutz und Gewinnsucht getan. In den Städten unterhalten sie Schandhäuser7, die Bäder brauchen sie zu Schwelgereien, von den Brücken lassen sie sich Zoll zahlen.« Ein Proselyte, Juda, soll diese Unterredung den Römern, vielleicht in harmloser Weise, zugetragen haben. Darauf wurde R. Juda, der Lobredner, mit Ehren überhäuft, R. José, der Verschwiegene, nach Laodicea verbannt8, und R. Simon, der Tadler, zum Tode verurteilt. Infolge dieser Vorfälle scheint das Synhedrion in Uscha sich aufgelöst zu haben, als die bedeutendsten Mitglieder ihm entzogen waren, und dessen Tätigkeit belauert wurde. R. Simon rettete sich, wie bereits erzählt worden, in eine Höhle, worin er mehrere Jahre, wohl bis nach dem Tode des Kaisers Verus (Januar 169) zugebracht hat. Dieser erneuerte die hadrianischen Edikte gegen das Judentum. Dreierlei Verbote werden besonders namhaft gemacht: Sabbatfeier, Beschneidung und Frauenbäder. Das letzte höchst seltsame Verbot kann nur von einem Wüstling wie Verus ausgegangen sein. – Es wird erzählt, Rëuben ben Strobilos (vielleicht in Antiochien) habe es durch eine List versucht, die kaiserlichen Dekrete, den Gewissenszwang betreffend, zu vereiteln. In römische Tracht gekleidet und das Haar in derselben Art geschnitten, habe sich dieser Rëuben in die Ratsversammlung eingeschlichen, um in anscheinender Judenfeindlichkeit der Sache eine andere Wendung zu geben. »Ihr hasset die Juden,« so soll er gesprochen haben, »nun wohl, so lasset sie doch am Sabbat der Ruhe und dem Müßiggange fröhnen, damit sie verarmen, lasset sie ihre Kinder beschneiden, damit sie sich selbst schwächen, lasset sie endlich sich des ehelichen Umganges enthalten, damit sich ihre Zahl vermindere!« [190] Diese Wendung habe Beifall gefunden, und schon sollten die feindlichen Gesetze der Juden aufgehoben werden, als der unberufene Ratgeber als Jude erkannt wurde. Da dieser Schritt mißlungen war, wurde R. Simon ben Jochaï aufgefordert, nach seiner Rückkehr aus seinem Verstecke, also wohl nach Verus' Tod, sich nach Rom zu begeben, um den milden, wenn auch nicht gerade judenfreundlichen Kaiser Marc Aurel zu bitten, die Ausnahmegesetze gegen die Juden aufzuheben. R. Simon erbat sich zum Begleiter auf dieser Reise den Sohn R. Josés mit Namen Eleasar, vielleicht weil er der römischen Sprache kundig war. In Rom angekommen, mochte es beiden im Verein mit einflußreichen römischen Juden gelungen sein, von Marc Aurel, welcher überhaupt kein Freund harter Verfolgungen war und das von seinem sogenannten Bruder und Mitkaiser Angeordnete überhaupt nicht billigte, die Zurücknahme jener Dekrete zu erwirken. Auch christliche Lehrer haben an diesen Kaiser Schutzschriften gerichtet und ihn um Duldung des Christentums gebeten. Die Sage, die sich an jeden Schritt R. Simons anklammert, läßt ihn durch Wundertätigkeit beim Kaiser Gunst finden. Er befreit nämlich durch ein Wort die Tochter des Kaisers (Lucilla) von dem Dämon Bartholomaion, von dem sie besessen war, und aus Dankbarkeit gestattet der Kaiser ihm und seinem Begleiter, sich aus dem Staatsarchiv anzueignen, was ihnen beliebe; sie nehmen aber nur das judenfeindliche Dekret daraus und vernichten es.9 Indessen scheint dieser Sage doch etwas Tatsächliches zugrunde zu liegen; denn R. Eleasar ben José, R. Simons Begleiter, rühmte sich, in Rom die Tempelgefäße, das Stirnblech des hohen Priesters und den Vorhang des Allerheiligsten, die Titus als Trophäen nach Rom gebracht, gesehen zu haben10, was sicherlich nicht ohne besondere Begünstigung geschehen konnte. So hatten die Rollen gewechselt, in Jerusalem stand ein Jupiterbild, und in Rom konnte man die Reste der jüdischen Heiligtümer schauen, als sollte Rom jüdisch werden, wie Jerusalem römisch geworden war. – Zu dieser Zeit scheint der Patriarch R. Simon nicht mehr am Leben gewesen zu sein, dessen Tod nach einer Andeutung vor dem Eintreffen der Leiden unter dem Kaiser Verus erfolgt ist.11


Fußnoten

1 Siehe Note 21.


2 Horajot Ende. Jerus. Bikkurim III, p. 65 c. Moed Katan III p. 81 c.


3 Jerus. Kilaim Ende.


4 Midrasch Rabba Canticum, p. 18 c, gekürzt in Midrasch Threni vorletzte Seite.


5 Sabbat 13 b, vollständiger erhalten in Simon Kahiras Halachot Gedolot, H Soferim.


6 S. Note 22.


7 Ähnliches berichten die Kirchenväter: ἀγορὰν πορνείας οτἠσαντες (Athenagoras legatio pro Christianis 34).


8 Jerus. Aboda Sara III, p. 42 c. heißt es richtig, daß R. José in Laodicea gestorben ist: רב יסוי 'ר ךמד דכ איקדולב םד תורוניצ וכשמ אתפלח. In Parallelstellen b. Moed Katan 25 b, dagegen unrichtig: ירופיצב. In der Hauptstelle muß man daher mit Jechiel Heilperin lesen: ירופצמ הלגי יסוי 'ר, und demgemäß in b. Baba Mezia 84 a.: איסאל קרע תא איקדולל קרע (יסוי 'ר) ךובא.


9 Meïla 17 a b.

10 Das. Joma 59, b. Jerus. Joma IV, 41, c., öfter in Rabbas. R. Eleasars Anwesenheit in Rom und sein Verkehr mit den dortigen Juden beurkundet die harmlose Notiz Nidda 58 a.: הז רבד יסוי ןב רזעלא 'ר רמא .'וגו םורדבש םימכח לצא יתאבשכו רוסיאל ימור ריעב יתירוה


11 Sota Ende; Note 20.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1908, Band 4, S. 192.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Dulk, Albert

Die Wände. Eine politische Komödie in einem Akte

Die Wände. Eine politische Komödie in einem Akte

Diese »politische Komödie in einem Akt« spiegelt die Idee des souveränen Volkswillen aus der Märzrevolution wider.

30 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon