2. Kapitel. (80-118)

[27] Zweites Tannaiten-Geschlecht; Wiederbesetzung des Patriarchats; Einheitsstreben R. Gamaliels; Bannstrenge, Absetzung und Wiedereinsetzung des Patriarchen; erster Anlauf zur Mischna-Sammlung.


War das erste Geschlecht arm an hervorragenden Personen und Ereignissen, so erscheint das nachfolgende um so reicher und kann als die klassische Blütezeit dieser ganzen Epoche gelten. Die Führer des Volkes, – und das waren die Jünger R. Jochanans ben Sakkaï durch die Verhältnisse tatsächlich nicht bloß des kleinern Bruchteils in Judäa, sondern auch der Gemeinden in der Diaspora, in Babylonien, Syrien, Ägypten und aller Orten, wo Juden wohnten – sie hatten nichts Angelegentlicheres zu tun, als das begonnene Werk ihres Meisters fortzusetzen. Politische Gedanken, Pläne für Wiedereroberung der untergegangenen Freiheit, des untergegangenen Staatswesens, scheinen ihnen durchaus fern gelegen zu haben. Sie waren eben Hilleliten, friedfertige, friedliebende Männer, die sich in die Zeit schickten, die nichts so sehr verabscheuten als das Schwert, und auf nichts weiter bedacht waren, als auf die Erhaltung und Pflege der aus dem Schiffbruche geretteten Lehre. Gleich nach dem Tode ihres Meisters hielten seine Hauptjünger Beratung über den Ort, an welchem sie die Lehre fortsetzen sollten. Die meisten waren der Meinung, in Jabne zu bleiben, wo ein Kreis von traditionskundigen Männern lebte. Nur R. Eleasar ben Arach, der Lieblingsjünger Jochanans, bestand darauf, den Sitz des Lehrhauses nach Emmaus zu verlegen, einer wegen ihrer milden Luft und warmen Bäder gesunden und anmutigen Stadt, drei geographische Meilen von Jabne. In dem Wahne, daß er seinen Genossen unentbehrlich sein und sie ihn in kurzem aufsuchen würden, trennte sich Eleasar auf Zureden seiner Frau von ihnen und blieb in Emmaus. Vereinsamt und von dem lebendigen Gedankenaustausche abgeschnitten, soll er seine Kenntnisse so sehr vergessen haben, daß man sich komische Anekdoten von seiner späteren Unwissenheit erzählte. Man wendete [27] auf ben Arachs Ausgang den Spruch an: »Wandere nach dem Orte der Lehre und bilde dir nicht ein, daß deine Genossen dir nachziehen, daß sie die Lehre nur durch deine Vermittelung werden behaupten können; verlaß dich nicht allzusehr auf deine Einsicht.«1 Während ben Arach, der Hoffnungsvolle, derart in Vergessenheit geriet, setzten seine Genossen das Werk ihres Meisters fort und wurden der Ruhm der nachfolgenden Geschlechter. In den Vordergrund treten als hervorragende Persönlichkeiten R. Gamaliel, R. Josua, R. Elieser, später gesellte sich auch R. Akiba dazu. Sie haben insgesamt ihrer Zeit ihren Namen aufgedrückt, während die übrigen zahlreichen Tannaiten dieses Kreises nur gelegentlich und ohne tiefere Spuren in die jüdische Geschichte eingriffen.

Wiewohl die Synhedrialstadt Jabne bereits den Rang eines Vorortes hatte, so hinderte es die Glieder des neuen Kollegiums doch nicht, eigene Lehrhäuser außerhalb Jabnes, jedoch in der Nähe desselben, anzulegen. R. Elieser lehrte zu Lydda2, R. Josua in Bekiin, in der Ebene zwischen Jabne und Lydda3; nur R. Gamaliel wohnte und wirkte in Jabne. Die Lehre war also nach dem Tode des Synhedrialgründers nicht verwaist, sie hatte womöglich noch größere Pflege gefunden; allein die kaum befestigte Einheit drohte zu schwinden. Die Streitigkeiten zwischen der Hillelschen und Schammaitischen Schule, welche vor der Tempelzerstörung blutige Auftritte hervorgerufen hatten und nur durch den Revolutionskrieg zum Schweigen gebracht wurden, brachen neuerdings aus und hatten um so bedenklicheren Charakter, als der Vereinigungspunkt, der früher durch den Tempel bestand, jetzt nicht mehr vorhanden war. Der Gegensatz der Schulen, der sich auf manche streitige Halachas erstreckte, erzeugte eine weitgreifende Verschiedenheit in der Lehre und dem Leben. Mancher Lehrer hielt etwas für gestattet, was nach einem andern verboten, und an einem Orte galt etwas für erlaubt, was an einem andern verpönt war; das Judentum schien zweierlei Gesetze zu haben, oder mit den Worten der Quelle: »Die Eine Thora war zwei geworden«.4 Wichtige Lebensverhältnisse und tiefeinschneidende Fragen mit weitgreifenden Folgen, wie in Ehesachen, waren von diesem Streit berührt. Von der Versöhnung, die früher zwischen den älteren Gliedern dieser zwei Schulen [28] durch gegenseitige Nachgiebigkeit zustande gekommen und vielleicht durch den letzten Krieg zur Notwendigkeit geworden war, mochten die jüngern Mitglieder nichts wissen, sondern warfen die Fragen in ihrer ganzen Schärfe noch einmal auf. Diese Streitigkeiten zu schlichten, die der Auflösung nahe Einheit zu behaupten und gegen fernere Angriffe zu schützen, war die Lebensaufgabe Rabban Gamaliels, wodurch er aber mit seinen Genossen und Freunden in Zerwürfnis und offene Fehde geriet.

Gamaliel II. stammte aus dem edlen, hochverehrten Hillelschen Hause, war der Sohn jenes Patriarchen Simon, der zur Partei der gemäßigten Zeloten gehörte und den Krieg gegen die Römer mit Nachdruck geleitet hatte. Bei dem Untergange des Staates war R. Gamaliel höchstwahrscheinlich noch zu jung und daher untauglich, das erledigte Patriarchat, das den Ernst und die Reife eines Mannes erforderte, zu übernehmen. Auch mochte er wegen der politischen Haltung seines Vaters bei den Machthabern mißliebig gewesen sein. Darum hatte R. Jochanan, eigentlich nur vorübergehend, das Präsidium im Synhedrion geführt; denn es verstand sich von selbst, daß diese Würde den Abkömmlingen Hillels gebühre, die sie durch drei Geschlechter geerbt hatten. Es wird nicht erzählt, wann und durch welchen Akt R. Gamaliel in dieses Amt eingesetzt wurde. Er wird zum Unterschiede vom Namen seines Großvaters, des ältern R. Gamaliel, mit dem Zunamen Gamaliel von Jabne oder der Zweite genannt. Von seinen Privatverhältnissen ist nur wenig bekannt; doch dies Wenige zeugt von seinem hohen sittlichen Charakter und seinem reichen Gemüte. R. Gamaliel besaß Felder, die er an Freigärtner für einen Anteil an dem Ernteertrage zur Benutzung überließ. Diesen lieferte er auch Körner zur Aussaat, verfuhr aber bei deren Rückzahlung so gewissenhaft, daß er sie von ihnen nur unter den billigsten Preisen annahm, um auch den Schein von Zinsnahme zu vermeiden.5 Rührend ist seine Zärtlichkeit für seinen Lieblingssklaven Tabi, dem er so gern die Freiheit geschenkt hätte, wenn er das Gesetz hätte umgehen können, das die Freilassung der Sklaven mißbilligte.6 Beim Tode dieses Sklaven nahm er Beileidsbezeugungen entgegen, wie für einen Verwandten.7 – R. Gamaliel scheint auch einige mathematische Kenntnisse besessen zu haben; überhaupt stand die Mathematik bei einigen Tannaiten dieser Zeit unter dem Namen »Geometria« hoch in Ehren8 und wurde bei der Festsetzung [29] der Festzeiten unter dem Namen Tekufah angewendet. Der Patriarch bediente sich schon eines Fernrohres9 und hatte an der Wand seines Zimmers Abbildungen von Mondscheiben angebracht, um sie bei dem Verhöre der Zeugen über die Wahrnehmung des Neumondes zu gebrauchen und deren Aussagen darnach zu prüfen.10 Von Natur kränklich11, scheute er doch die größten Anstrengungen nicht, wenn es das Wohl seines Volkes galt.

R. Gamaliel führte wie seine Vorfahren den Titel Naßi (Fürst, bei den Römern Patriarch) und hatte wohl auch die politische Stellung, das jüdische Volk bei den römischen Behörden zu vertreten. Die Dauer seines Patriarchats läßt sich nicht bestimmen, nur annäherungsweise dürfte es über dreißig Jahre betragen haben (80-117). Sein Patriarchat war eines der bewegtesten nach innen und außen, und diese Zeitumstände verursachten, daß er seine Würde so unerbittlich streng handhabte, daß man dadurch seinen Charakter verkannt und ihm selbstische, herrschsüchtige Pläne untergeschoben hat. R. Gamaliel richtete sein Hauptstreben dahin, das Patriarchat zum Mittelpunkte des jüdischen Gemeinwesens hinzustellen, um die bedrohte Einheit der Lehre durch die Autorität desselben gegen alle Anfechtungen zu behaupten. In den Streitigkeiten zwischen den Anhängern der Schammaitischen und Hillelschen Schule sollte das Patriarchat gleichsam über den Parteien stehen, um die Einheit der Lehre zu erzielen. Der Plan scheint R. Gamaliel vorgeschwebt zu haben, die Verschiedenheit der Ansichten über streitige Gesetzesfälle derart zu vermitteln, daß jede Halacha, jedes Gesetz erst durch einen Beschluß des Synhedrions Vollgiltigkeit erlangen sollte12, über dessen Vollziehung und Ausführung der Patriarch zu wachen hätte. Das Bedürfnis nach Einheit scheint auch allgemein gefühlt worden zu sein, je mehr der Gegensatz der beiden Schulen sich bis zur Schroffheit steigerte und je mehr die beiderseitigen Anhänger auf den von ihren Lehrern empfangenen Halachas in starrer Konsequenz beharrten. Die Zeitgenossen verhehlten sich nicht, daß die Lehre durch die schroffe Verschiedenheit leicht in Verfall und Vergessenheit geraten könnte. Man sprach die Befürchtung aus, »es könnte bald eine Zeit kommen, in welcher man vergebens eine Entscheidung aus der Schrift oder mündlichen Überlieferung suchen und ein Bescheid dem andern widersprechen würde.« Das jamnensische Synhedrion unterwarf daher die streitigen [30] Punkte der nochmaligen Erörterung und fing mit den Lehrsätzen von Hillel und Schammaï an, um sie durch Abstimmung zu allgemein giltigen Gesetzen festzustellen.13 Allein eine Vereinigung war nicht so leicht zu erzielen; drei und ein halb Jahr soll der Streit in dem Weinberge zu Jabne gedauert haben; die einen wie die andern behaupteten ihre Traditionen als ausschließlich richtig, besonders waren die Schammaiten, starr und unfügig, wie der Urheber ihrer Schule, nicht zum Nachgeben zu bewegen. Da soll eine von ungefähr vernommene Stimme (Bat-Kol), die man in zweifelhaften Fällen und in ratlosen Lagen als einen Wink des Himmels betrachtete, den Ausschlag gegeben haben; man will im Lehrhause zu Jabne eine Stimme vernommen haben, welche die Worte sprach: »Die Lehrsätze beider Schulen sind wohl Worte des lebendigen Gottes, aber in der Praxis sollen die Hillelschen Sätze allein Giltigkeit haben.« Die meisten fügten sich dieser Entscheidung, obwohl sie ohne formellen Beschluß zustande gekommen war. Nur R. Josua, eine nüchterne Natur, äußerte sich gegen eine durch das Bat-Kol herbeigeführte Entscheidung: »Wir brauchen nicht in solchen Dingen auf das Bat-Kol zu hören,« so sprach er, »denn die Lehre ist nicht für die Himmlischen, sondern für die Menschen gegeben, denen in streitigen Fällen nur das einzige Mittel des Mehrheitsbeschlusses zugewiesen ist; ein Wunder kann in solchen Fällen keinen Ausschlag geben.«14 Doch hatte dieser Widerspruch, sowie ein anderer von seiten des Schammaïten R. Elieser, keine Folgen; Hillels Überlieferungen, Auslegungen, Folgerungen und Deutungsregeln, so lange zurückgewiesen, erlangten endlich allein berechtigte Autorität. Wenn die Schammaiten es mit der Zelotenpartei der Römerfeinde, die Hilleliten hingegen mit der Friedenspartei gehalten hatten, so war durch diesen Akt im jamnensischen Synhedrion die Revolution gewissermaßen geschlossen. Doch wollte man den Schammaiten keinen Zwang antun, sich ganz und gar zu fügen und ihre religiöse Lebensweise dem Beschlusse gemäß umzugestalten; man stellte ihnen vielmehr frei, ferner nach ihrer Überzeugung zu leben. »Wer da will, richte sich nach der Schule Hillels oder Schammaïs, nur bleiben[31] die Aussprüche der Hillelschen Schule einzige Norm.«15 R. Gamaliel wachte über diese zustande gebrachte Vereinigung der Parteien, die höchstwahrscheinlich sein Werk war, mit der größten Sorgfalt und hielt jede Auflehnung gegen einen Synhedrialbeschluß auf das strengste nieder. Mit dieser Maßregel scheint eine andere in Verbindung gestanden zu haben, deren Bedeutung jedoch noch nicht klar ermittelt ist. Der Patriarch von Jabne traf die Anordnung, nur solche Personen zum Kreise des Lehrhauses zuzulassen, deren lautere Gesinnung erprobt war, und er stellte zu diesem Zwecke an dem öffentlichen Lehrhause einen Türhüter oder Pförtner auf mit dem Auftrage, die Unzuverlässigen fern zu halten.16 Es scheint, daß er damit der Unlauterkeit der Absichten bei dem Gesetzstudium entgegenarbeiten wollte. Es mochten sich manche aus Eitelkeit oder aus andern niedrigen Interessen zur Lehrhalle gedrängt haben, und solche wollte R. Gamaliel entfernt wissen. Zwei Warnungen, die eine von R. Jochanan ben Sakkaï und die andere von R. Zadok gegen unlautere Motive bei der Beteiligung an der Lehre, scheinen für diese Vermutung zu sprechen. Der erste hatte warnend ausgesprochen: »Wenn du dir vieles aus der Lehre angeeignet hast, so sei nicht stolz darauf, denn du bist ja eben nur dazu geschaffen.«17 Der letztere ermahnte: »Gebrauche die Lehre weder als Krone, damit zu glänzen, noch als Spaten, damit zu graben.«18 Solche niedrige Gesinnungen strebte R. Gamaliel aus dem Lehrkreise auszuschließen.

Beide Maßregeln, die Autorität des Patriarchats für die Aufrechterhaltung halachischer Beschlüsse und die Vorsicht bei der Aufnahme von Mitgliedern und Jüngern, fanden indessen im Kreise der Genossen Widerspruch, welcher jedoch anfangs sich nur heimlich äußerte. Das Mittel, dessen sich Gamaliel bediente, eine Auflehnung niederzuhalten, war nämlich der Bann, den er mit aller Energie und mit der ganzen Rücksichtslosigkeit tieferkannter Überzeugung handhabte. Der Bann (Niduj, Schamta) hatte damals allerdings noch nicht die düstere Strenge späterer Zeiten, sondern bestand in der milden Form, dem Gebannten vertrauten Umgang zu versagen, bis er sich reuig der Aufforderung gefügt hatte. Der Gebannte trug während der Bannzeit – mindestens 30 Tage – schwarze Trauerkleider und beobachtete manche Trauergebräuche19; starb er während dieser Zeit ohne Besserung und Unterwürfigkeit, so ließ [32] der Gerichtshof einen Stein auf seinen Sarg legen.20 R. Gamaliel hatte den Mut, den Bann über die bedeutendsten Personen der Zeit zu verhängen, wodurch er sich freilich erbitterte Feinde zuzog. Er legte einen R. José ben Taddaï aus Tiberias in den Bann, weil derselbe die Schlußfolgerung vom Geringern zum Höhern (Kal wa-Chomer) für rituelle Anwendung durch einen sophistischen Trugschluß lächerlich gemacht hatte. Der Trugschluß des ben Taddaï lautete: »Wenn die Ehe mit der eigenen Tochter unstatthaft ist, wiewohl sie doch mit deren Mutter gestattet ist, um wie viel mehr müßte die Ehe mit der Tochter einer Ehefrau verboten sein, da sie doch mit dieser, als Ehefrau, verpönt ist.«21 – Einen andern mit Namen Eleasar ben Chanoch traf der Bann, weil er an dem religiösen Brauche des Händewaschens vor dem Brotgenusse skeptisch rüttelte, und er starb im Banne.22 R. Gamaliel drohte dem im höchsten Ansehen stehenden R. Akiba mit dem Banne23 und nahm so wenig irgend eine Rücksicht, daß er ihn sogar über seinen eigenen Schwager, R. Elieser ben Hyrkanos, aussprach. Tief durchdrungen von den unheilvollen Folgen jeder Spaltung für das Judentum, an dem ohnehin so vielerlei halbjüdische und halb christliche Sekten rüttelten, scheute R. Gamaliel auch bei geringen Anlässen nicht, mit Strenge zu verfahren, um eine Lockerung der Einheit zu verhüten. Es handelte sich einst um einen Ofen von eigener Struktur (Achnai-Ofen), den ein Majoritätsbeschluß gleich Tongefäßen für verunreinigungsfähig erklärt hatte. R. Elieser, einer eigenen Tradition folgend, wollte sich diesem Beschlusse nicht fügen. Um einer solchen offenen Auflehnung entgegenzutreten, ließ das Kollegium alles, was in diesem Ofen zubereitet wurde, verbrennen und den Widersetzlichen in den Bann legen. Der Bann ist auf R. Gamaliels Antrag verhängt worden, und als einige sich über diese Härte gegen ein Synhedrialmitglied tadelnd äußerten und ihm Herrschsucht vorwarfen, äußerte er, sich der Lauterkeit seiner Absichten bewußt: »Dir, Gott, ist es offenbar, daß ich nicht um meiner und meiner Väter Ehre willen so gehandelt habe, sondern um deiner Ehre willen, damit die Uneinigkeit und Spaltung in Israel nicht überhand nehme.«24

Schon glaubte R. Gamaliel die Lehrparteiungen geschlichtet und die Einheit wiederhergestellt zu haben, als seine Macht an einer Person zerschellte, von welcher er sich keines energischen Widerstandes [33] versah. R. Josua, der geschmeidige, nachgiebige, scheinbar ungefährlichste, wurde des strengen Patriarchen überlegenster Gegner. – R. Josua war, wie bereits angedeutet, mit manchen Maßregeln R. Gamaliels eben so unzufrieden, wie R. Elieser, nur wagte er es nicht, vielleicht wegen seiner ärmlichen, gedrückten Lage, seine Unzufriedenheit laut werden zu lassen, und pflegte, auf einer widersprechenden Ansicht ertappt, schnell wieder einzulenken. Einst hatte R. Gamaliel den Anfang des Monats Tischri, von welchem die Hauptfesttage und namentlich der Versöhnungstag abhing, nach der Aussage zweier verdächtig scheinender Zeugen festgestellt. R. Josua wies in diesem Akte dem Patriarchen einen Irrtum nach und forderte das Kollegium zur Abänderung des Festtages auf. R. Gamaliel, auf seiner Bestimmung beharrend, schickte R. Josua den Befehl zu, vor ihm ganz werktägig, mit Stab, Reisetasche und Geldbeutel an demselben Tage zu erscheinen, auf welchen nach R. Josuas Berechnung, der Versöhnungstag fallen müßte. Dieses diktatorische Verfahren war R. Josua zu hart, er beklagte sich darüber bei den angesehensten Kollegen und schien zum Widerstand geneigt. Allein diejenigen, welche von dem Bedürfnisse nach einer die Einheit vertretenden Autorität durchdrungen waren, rieten ihm zur Nachgiebigkeit. Der alte R. Dossa ben Harchinas bewies ihm, daß die Einrichtungen des religiösen Oberhauptes unangefochten bleiben müßten, selbst wenn sie aus dem Irrtum hervorgegangen wären, und jedermann sich ihnen fügen müsse. R. Josua ließ sich überreden und unterwarf sich der demütigenden Zumutung. Sein Erscheinen erfüllte R. Gamaliel mit Bewunderung, er empfing ihn aufs herzlichste und sagte zu ihm: »Willkommen du mein Lehrer und Schüler; mein Lehrer an Weisheit, mein Schüler an Gehorsam. Glücklich das Zeitalter, in welchem die Großen den Geringeren gehorchen.«25 Aber diese Versöhnung war nicht von langer Dauer.

Die strenge Handhabung des Patriarchats hatte R. Gamaliel eine feindliche Partei geschaffen, die heimlich gegen ihn zu wirken schien. Er wußte von dieser Gegenpartei und nahm bei den öffentlichen Lehrverhandlungen darauf Rücksicht. Es wird von ihm erzählt: Seine Art, die Synhedrialsitzungen zu eröffnen, war verschieden. War unter den Mitgliedern der Versammlung keiner seiner Gegner anwesend, so forderte er sie auf, Fragen zu stellen; hatte er aber Gegner vor sich, so unterließ er diese Aufforderung.26 Die Gegenpartei scheint ihn also bei den Verhandlungen in feindseliger Weise in die Enge getrieben zu haben. R. Gamaliel mochte Grund haben, R. Josua als das Haupt dieser Partei anzusehen und ließ ihn öfter [34] seine höhere Stellung durch verletzendes Anfahren und barsche Behandlung empfinden. Eines Tages führte die gegenseitige Spannung zum offenen Bruch und verursachte eine Umwälzung im Schoße des Synhedrions. – Der Patriarch hatte einst wiederum in harter Weise R. Josua verletzt und ihm seine heimliche Auflehnung gegen eine festgesetzte Halacha vorgeworfen. Als R. Josua die Tatsache anfangs in Abrede stellte, ließ sich R. Gamaliel hinreißen, ihm zuzurufen: »So stehe denn auf, daß Zeugen wider dich aussagen mögen.« Es war dies die Form einer Anklage. Das Lehrhaus war gerade voll von Zuhörern, unter denen ein lärmender Tumult über diese schimpfliche Behandlung eines ehrwürdigen, beim Volke beliebten Mitgliedes entstand. Die Gegenpartei faßte Mut und sprach ihren Unwillen unumwunden aus. Man rief dem Patriarchen die Worte zu: »Wer hat nicht stets deine Härte empfunden!« Das Lehrhaus verwandelte sich in ein Tribunal, und das Kollegium entsetzte R. Gamaliel auf der Stelle der Patriarchenwürde. Mit ihm fielen sogleich die Einrichtungen, die er gegen den Willen vieler getroffen hatte; der Türsteher des Lehrhauses wurde entfernt und jedermann ohne weiteres zu den Lehrversammlungen zugelassen. Die Reihe der Schüler sollen sich sogleich nach einigen um 80, nach andern um 300 Glieder vermehrt haben.27

Die Stimmführer sahen sich sogleich nach einem anderen Patriarchen um, um das wichtigste Amt nicht unbesetzt zu lassen. Sie hatten so viel Takt, R. Josua, den Hauptgegner nicht zu wählen, um dem abgesetzten Patriarchen nicht eine Kränkung mehr zuzufügen. R. Elieser, der Anspruch auf die Würde hatte, lag im Bann und war dazu untauglich. R. Akiba schien wohl durch Geist und Charakter dafür würdig; allein seine Größe war von gestern, er konnte nicht die Ahnenprobe bestehen, die zur Behauptung der Patriarchenwürde nötig schien. Das Kollegium lenkte daher die Wahl auf ein sehr junges Mitglied, auf R. Eleasar ben Asariah, der damals erst im sechzehnten Jahre gestanden haben soll.28 Den Ausschlag gab bei dieser Wahl R. Eleasars edle Abstammung von einer langen Ahnenreihe, die bis auf Esra, den sopherischen Neubegründer des Judentums, hinaufreichte, ferner sein überschwenglicher Reichtum und sein Ansehen bei den römischen Behörden. R. Eleasar stand aber auch an Geist und Gemüt seinen Genossen keineswegs nach und wurde daher würdig befunden, an R. Gamaliels Stelle zu treten. Diese Absetzung und Neuwahl hatte folgenreiche Wirkungen, und der Tag, an dem diese Ereignisse vorgingen, war den spätern so denkwürdig, [35] daß er durch die einfache Bezeichnung »an jenem Tage« kenntlich geworden ist. – Es scheint, daß das Synhedrialkollegium, vielleicht auf Antrag R. Josuas, an demselben Tage diejenigen Gesetzbestimmungen einer nochmaligen Prüfung und Beratung unterworfen hat, welche durch die Autorität R. Gamaliels im Sinne der hillelschen Schule entschieden waren. R. Josua hatte, wie schon oben angegeben, das Mittel, wodurch den Überlieferungen der hillelschen Schule Gesetzeskraft beigelegt wurde, nämlich die Bestätigung durch das Bat-Kol, entschieden gemißbilligt; er mochte daher auf die im Gesetze vorgezeichnete Norm der Entscheidung nach Mehrheitbeschlüssen gedrungen haben. Das Kollegium, damals aus der außergewöhnlichen Zahl von 72 Mitgliedern bestehend, nahm also zur Prüfung der einseitig angenommenen Lehrsätze ein Zeugenverhör auf von denjenigen, welche im Besitze von Traditionen waren. Über zwanzig Personen werden namhaft gemacht, die ihre Zeugnisse über überkommene Traditionen vor diesem Kollegium ablegten, darunter auch zwei Weber, die am Schuttore Jerusalems, in dem ärmlichsten Stadtteile, gewohnt hatten. In vielen Punkten schlug die Mehrheit des Kollegiums einen Mittelweg zwischen den entgegengesetzten Aussprüchen der schammaitischen und hillelschen Schule ein, sie entschied, »nicht wie diese und nicht wie jene«. Bei andern streitigen Lehrsätzen stellte sich das Ergebnis heraus, daß Hillel selbst oder seine Schule von ihrer Ansicht abgegangen war und sich schon früher der schammaitischen zugeneigt hatte. Auch über andere Halachas wurden damals Zeugnisse vernommen. Dieses halachische Zeugenverhör scheint förmlich zu Protokoll genommen worden zu sein, wurde vielleicht gar niedergeschrieben, wie ja auch im älteren Synhedrion bei öffentlichen Verhandlungen die Abstimmungen der Bejahenden und Verneinenden von zwei eigens dazu bestellten Schriftführern aufgenommen wurden.29 Die Sammlung der Zeugnisse von diesem Tage führt den Namen »Edujot« (Zeugenaussagen), auch »Bechirta« (Auswahl), und war ohne Zweifel die allerälteste Halachasammlung. Man erkennt in ihrem Inhalte noch die alte, kunstlose Form der Überlieferung; die Lehrsätze sind da noch ganz ungeordnet, ohne Zusammenhang untereinander hingestellt, und nur durch den Namen des Überlieferers zusammengefügt. Das Bindemittel für den verschiedenartigsten Stoff scheint die Zahl gewesen zu sein. Doch enthält die Sammlung Edujot auch Zusätze aus späterer Zeit.30

[36] Ein Zwischenfall bei dieser Verhandlung gewährt einen sichern Einblick in die Art, den Ernst und die Gewissenhaftigkeit der tannaitischen Bestrebungen. Akabia ben Mahalalel, ein Zeitgenosse dieses Geschlechts, hatte über vier Halachas Zeugnis abgelegt, über welche aber eine andere Tradition im Umlaufe war. Das Kollegium forderte ihn auf, von seiner Überlieferung abzustehen, und man versprach ihm dafür, ihn zum Ab-bet-din, zum Stellvertreter des Naßi, zu wählen. Würdevoll erwiderte Akabia: »Ich will lieber mein lebelang ein Narr genannt werden, ehe denn ich eine Stunde vor Gott als Übertreter stehen sollte.« Bei einer Halacha berief man sich gegen ihn auf ein Beispiel von dem Präsidentenpaare Schemajah und Abtalion aus der vorherodianischen Zeit. Wegwerfend antwortete Akabia: »Was jene zwei getan haben, hatten sie nur zum Scheine (δοκἠμᾳ) getan.« Entweder wegen dieser ehrenrührigen Äußerung gegen zwei hochverehrte Autoritäten oder wegen seiner Widersetzlichkeit überhaupt wurde über ihn der Bann ausgesprochen, den er nach einigen bis in seine Todesstunde geduldig über sich ergehen ließ, ohne von seiner Überzeugung abzugehen. Doch ermahnte Akabia seinen Sohn vor seinem Tode, sich nicht an seine Überlieferung zu halten. Verwundert fragte der Sohn, warum er sie denn nicht selbst aufgegeben habe. Da belehrte ihn der Vater des Rechten: »Siehst du, ich hatte meine Tradition von mehreren vernommen, darum mußte ich darauf bestehen; du aber hörst sie nur von einem einzelnen (nämlich von mir), so bist du verpflichtet, dich der Mehrheit zu fügen.« Der Sohn verlangte noch, an seine Kollegen empfohlen zu sein, was ihm der Vater verweigerte: »Wozu dich empfehlen?« sprach Akabia, »deine eigenen Taten werden dich beliebt oder verhaßt machen.«31

Der Tag der Zeugnissammlung ist auch wegen zweier Fragen von allgemeinem Interesse wichtig, die an demselben zur Sprache kamen. Ein Proselyte von ammonitischer Abstammung trat vor die Versammlung mit der Frage, ob er gesetzlich als Proselyte eine Ehe mit einer Israelitin eingehen könne. R. Gamaliel hatte ihn [37] nach dem Wortlaut des schriftlichen Gesetzes abgewiesen: »Moabiter und Ammoniter dürfen nicht in die Gottesgemeinde aufgenommen werden, nicht einmal im zehnten Geschlechte.« Der anwesende Lehrkreis verhandelte die Frage mit Wärme, und R. Gamaliel bemühte sich mit seiner Ansicht durchzudringen. R. Josua aber machte geltend, daß der Wortlaut des Gesetzes nicht mehr auf die damalige Zeitlage anwendbar sei, da es Ammoniter im alten Sinne nicht mehr gebe, weil durch die Einfälle vorderasiatischer Eroberer alle Völkerschaften vermischt und bis zur Unkenntlichkeit verwischt worden wären.32 – Die zweite Frage betraf die Heiligkeit der zwei, dem König Salomo zugeschriebenen Schriften Kohelet und das Hohelied (Schir Haschirim). Die schammaitische Schule hatte namentlich das Buch Kohelet nicht als kanonisch anerkannt, weil sein Inhalt nicht vom heiligen Geist (Ruach ha-Kodesch) eingegeben und nicht aus dem tiefsten innersten Bewußtsein des Judentums entsprungen, sondern nur die persönliche Philosophie des Verfassers zu sein schien. Diesen alten Streit nahm das neue Synhedrion, das die hillelschen Halachas nicht durchgängig billigte, wieder auf; doch ergibt es sich nicht mit voller Klarheit, wie die Entscheidung ausgefallen ist.33 Der klangreiche Name Salomos, dem die Überlieferung die Verfasserschaft dieser Schriften zuschrieb, trug wahrscheinlich den Sieg über Parteistreitigkeiten davon. R. Akiba nahm sich später des Hohenliedes an, in dessen liebestrunkenen Wechselgesprächen und sehnsuchtsvollen Monologen er allegorische Beziehungen zwischen Gott und dem Volke Israel erkannte. Die ganze Welt, so äußerte er sich, sei des Tages nicht würdig, an dem das Hohelied entstanden ist; wenn die inspirierten Schriften heilig sind, so ist das Hohelied allerheiligst zu nennen.

Es ist ein sehr schöner Charakterzug des R. Gamaliel und wird auch von den Zeitgenossen gebührend hervorgehoben, daß er trotz der vielen Kränkungen, die er an diesem Tage erfahren hatte, auch nicht einen Augenblick einem kleinlichen Rachegefühl Raum gegeben und sich nicht von der Lehrverhandlung zurückzog; er beteiligte sich nach wie vor an ihr, wie wenig Aussicht er auch hatte, in der Mitte der gegen ihn eingenommenen Versammlung seine Meinung durchzusetzen. Doch mochte er sich durch die eifrige Verhandlung dieses Tages überzeugt haben, daß seine allzugroße Strenge ihm die Gemüter entfremdet und auch manche wahre Ansicht unterdrückt hatte; sein Mut war gebrochen und er entschloß sich nachzugeben. Er begab sich daher zu den angesehensten Stimmführern, wegen seines verletzenden Benehmens Abbitte zu tun. Den Hauptgegner [38] R. Josua traf er bei dieser Gelegenheit mit seinem Handwerke beschäftigt, er verfertigte Nadeln. R. Gamaliel, in Reichtum aufgewachsen, konnte sich nicht genug über den beschwerlichen Erwerb dieses Weisen verwundern und fragte ihn: »Also davon gewinnst du deinen Lebensunterhalt?« R. Josua nahm Veranlassung, ihm offenherzig den Fehler der Gleichgültigkeit gegen die sorgenvolle Lage einiger verdienstvoller Männer vorzuhalten. »Schlimm genug, daß du erst jetzt dies erfährst! Wehe dem Zeitalter, dessen Führer du bist, du kennst nicht die Sorgen der Weisen, und wie mühselig sie sich ernähren.«34 Diesen Vorwurf hatte ihm R. Josua bei einer andern Gelegenheit gemacht, als R. Gamaliel seine astronomischen Kenntnisse bewunderte. Bescheiden lehnte R. Josua die Bewunderung ab und verwies auf zwei Jünger, welche bedeutende mathematische Kenntnisse besaßen und doch kaum Brot und Kleidung hatten.35 R. Gamaliel beschwor endlich den erzürnten Gegner die erlittene Beleidigung aus Rücksicht auf das hochverehrte hillelsche Haus zu vergessen; R. Josua zeigte sich hierauf versöhnt und versprach ihm sogar für seine Wiedereinsetzung in die Patriarchenwürde tätig zu sein. Jetzt galt es, den neugewählten Naßi zu bewegen, die kaum erlangte Würde seinem Vorgänger wieder abzutreten. Man fühlte aber eine gewisse Verlegenheit, demselben diese Zumutung zu machen. R. Akiba, der stets Bereitwillige, übernahm den zarten Auftrag, dessen Erledigung ihm jedoch nicht gar zu schwer wurde. Denn kaum erfuhr R. Eleasar, der jüngstgewählte Patriarch, die Versöhnung zwischen R. Gamaliel und seinem Hauptgegner, so war er gleich bereit, ins Privatleben zurückzukehren und erbot sich sogar, den nächsten Morgen mit dem ganzen Kollegium bei R. Gamaliel den Ehrenbesuch zu machen. Doch nahm man auf die einmal getroffene Wahl R. Eleasars insofern Rücksicht, als man ihm die Würde des Stellvertreters verlieh. Das Verhältnis zwischen dem Patriarchen und R. Eleasar wurde in der Weise geordnet, daß der erste immer je zwei Wochen den Vorsitz im Synhedrion führte und den Lehrvortrag eröffnete, der letztere aber immer je eine Woche.36 Auf diese Art wurde der lebhafte Streit beendet, der weder aus Ehrgeiz noch aus Hochmut, sondern lediglich aus einer irrigen Ansicht über die Handhabung des Patriarchats entstanden war. Die Mißhelligkeiten waren schnell verschwunden und von der Zeit an lebte R. Gamaliel in ungestörter Eintracht mit den Synhedrialmitgliedern. Vielleicht hat der Ernst der eingetretenen politischen Umstände unter dem Kaiser Domitian den Sinn von den inneren Verhältnissen abgelenkt [39] und allen die Notwendigkeit der Eintracht, um die äußeren Gefahren abzuwenden, fühlbar gemacht. Von der ferneren Wirksamkeit R. Gamaliels wird später erzählt werden; aus dem Leben seines Mitpräsidenten R. Eleasar ben Asariah hingegen sind im ganzen nur wenig Einzelheiten bekannt. Wiewohl hochgeachtet in seinem Kreise, so daß man von ihm sagte, das Zeitalter sei nicht verwaist, in welchem R. Eleasar lebt,37 verschwindet er doch unter der Masse der begabteren Personen seiner Zeit.


Fußnoten

1 Midrasch Kohelet edit. Frankf., 101 b. Abot de R. Nathan, c. 14. Sabbat, 147 b.


2 Synhedrin 32 b und andere Stellen.


3 Das. Mechilta, Sect. Bo. 16.


4 Jeruschalmi Synhedrin 19 c. Tosifta Synhedrin VII, 7. Jebamot I, 9 ff.


5 Baba Mezia 74 b.


6 Baba Kama 74 b. Jer.: Ketubot III, Ende; Schebuot IV, Ende.


7 Berachot 16 b.


8 Abot, c. III Ende. Horajot 10 a.


9 Erubin 43 b.


10 Rosch ha-Schanah II, 4.


11 Berachot 16 b.


12 Vergl. Tosifta Berachot, c. IV, 12. [Was aus der zitierten Stelle sich ergeben soll, ist aus dem Texte nicht klar. Jedenfalls ergibt sich, daß die Majorität entscheidend war].


13 Vergl. über alle diese Einzelheiten Note 4.


14 [Der Ausspruch R. Josuas geschah, wie der Verf. selbst Note 4 erwähnt, bei einer ganz anderen Gelegenheit, und die gelegentlich in Babli Erubin 6 b hingeworfene Bemerkung kommt umso weniger in Betracht, als diese bloß dienen soll, einen Widerspruch auszugleichen, der auf andere Weise viel einfacher zu beseitigen ist, wie ja der Verf. selbst in den Worten ש"ב ירבדכ תושעל הצורהו eine Konzession sieht. Im übrigen stellt der Talmud selbst die Sache nicht so dar, als ob R. Josua Widerspruch erhoben hätte, sondern sagt nur, daß die eben zitierten Worte im Sinne R. Josuas seien.]


15 Dieselbe Note 4.


16 Berachot 28 a.


17 Abot II, 9.


18 Daselbst IV, 7. Vergl. Matthäus-Evangelium, Kap. 23.


19 Moed Katan 15 b, ff.


20 Edujot V, 6. Jerus. Moed Katan III, 81 d, das.


21 Derech Erez Rabba, c. 1.


22 Edujot das.


23 Jerus. Moed Katan das.


24 Baba Mezia 59 b. Jerus. das.


25 Rosch ha-Schanah 25, a u.b.


26 Sifri debarim I, Nr. 16.


27 Berachot 28 a. Jerus. das. IV, 7 c. d und Taanit IV, 67 d.


28 Jeruschalmi a.a.O.


29 Synhedrin 36 b.


30 Siehe über alles die treffliche Abhandlung von Rappaport, Kerem Chemed, Jahrgang 1841, S. 176, ff. [Vergl. Lewy über einige Fragmente aus der Mischna des Abba Saul, S. 13 ff.]


31 Edujot V, 6 und Kerem Chemed das.] Ich halte noch immer Rappaports Ansicht fest, daß Akabia ben Mahalalel noch zur Zeit Gamaliels gelebt und zu dieser Zeit in den Bann getan wurde. Was Frankel (Darke Mischna, p. 56) dagegen angeführt hat, konnte mich nicht vom Gegenteil überzeugen, der Dialog Negáim V, 3 kann im späteren Lebensalter R. Akibas vorgefallen sein, als die Amtsentsetzung Gamaliels bereits der Vergangenheit angehörte. Man erwäge, daß Akabias Sentenz in Abot III, nach denen von Jochanan ben Sakkaï und seinen Jüngern aufgeführt worden. Er mag allerdings auch zur Zeit des Tempelstandes gelebt haben, aber gewiß auch später, wie Chananja Segan ha-Kohanim.


32 Jadaim IV, 4.


33 Jadaim III, 5. Edujot V, 3.


34 Berachot 28 a. Jeruschalmi Berachot IV, 7 d und Parallelstellen.


35 Horajot 10 a.


36 Berachot das.


37 Mechilta Parascha, Nr. 16. Chagiga 3 b und andere Stellen.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1908, Band 4, S. 41.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Kleist, Heinrich von

Die Hermannsschlacht. Ein Drama

Die Hermannsschlacht. Ein Drama

Nach der Niederlage gegen Frankreich rückt Kleist seine 1808 entstandene Bearbeitung des Hermann-Mythos in den Zusammenhang der damals aktuellen politischen Lage. Seine Version der Varusschlacht, die durchaus als Aufforderung zum Widerstand gegen Frankreich verstanden werden konnte, erschien erst 1821, 10 Jahre nach Kleists Tod.

112 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon