6. Kapitel.

[106] Politische Lage der Juden unter Domitian. Verfolgung von Juden und Proselyten. Flavius Clemens und Domitilla. Nervas günstige Gesetze. Unglückliche Aufstände der Juden unter Trajan. Die jüdischen Feldherren Andreias in Kyrene, Artemion auf Cypern.


Aus dem bluttriefenden jüdischen Staatskörper hatte sich eine religiöse Gemeinschaft herausgearbeitet, welche sich zur Aufgabe setzte, die Wunden zu heilen, die verzweifelten Gemüter zu trösten, die sich lostrennenden Glieder wieder einzufügen, überhaupt der Lockerung, Zerrissenheit und Zerfahrenheit zu steuern; der Erhaltungstrieb gab der halbverwesten Nation die Energie, sich wieder aufzuraffen. Sie bildete sich eine Einheitsspitze im Patriarchat und kraftvolle Träger in dem Synhedrion; sie fesselte das Interesse und die lebendige Teilnahme durch den Ausbau der Lehre, sie formulierte ein festes Prinzip ihrer Überzeugung zur Abwehr neuerungssüchtigen und fremden Einflusses, sie war sogar imstande, Proselyten an sich heranzuziehen. Diese innere Tätigkeit der jüdischen Nation hatte ihren Verlauf während der Regierungszeit der vier Kaiser Titus, Domitian, Nerva und Trajan. Die Regierungsdauer des ersteren war zu kurz, als daß sie störend auf die jüdischen Verhältnisse hätte einwirken können. Titus' frühzeitiger Tod hat ihm das Lob eingebracht, daß er die Wonne des Menschengeschlechts gewesen sei; hätte er länger gelebt, so wäre er wohl in die Laufbahn vieler römischer Kaiser getreten, welche mit der Tugend begonnen und mit dem Laster geendet haben. Anlage hatte er dazu, und die unumschränkte Herrschaft, die Kriecherei des Senats, die Zuvorkommenheit der verführerischen Umgebung hätten diese Keime zur Entwicklung gebracht.1 In jüdischen Kreisen galt er als ausgemachter Bösewicht (Titus ha-Rascha), der zur Zerstörung des Tempels den Hohn hinzugefügt habe.2 Die Sage [106] deutete sein Liebesverhältnis zur jüdischen Prinzessin Berenice um, als habe er mit einer Buhlerin im Allerheiligsten Unzucht getrieben, den Vorhang vor demselben mit gezücktem Schwerte zerschnitten und den Gott Israels lästernd herausgefordert. Sie läßt Titus zur Strafe für seine Missetat von einer Mücke, die ihm ins Gehirn gefahren, sich ausgedehnt und ihm bei Tag und Nacht keine Ruhe gelassen, bis an sein Lebensende geplagt sein.3 Sein Bruder Domitian, dieser blutdürstige und gelangweilte Kaiser, versprach nicht minder beim Regierungsantritte das goldene Zeitalter wiederzubringen, und er bildete sich zu einem jener Regenten aus, die an der Gottähnlichkeit des Menschen zweifeln machen. Der Kaiser war aber seines Volkes ganz würdig, dessen Lasterhaftigkeit und Gesunkenheit Geschichtsschreiber und Dichter nicht genug geißeln können, und von dem der Satiriker Juvenal sagt, es sei schwer, keine Satire von dieser Zeit zu schreiben. Auf dem von Verbrechen aller Art gedüngten Boden des Hofes und des Reiches wucherte die Giftpflanze der Spione und Angeber, welche beim Kaiser und seinen Räten stets ein offenes Ohr fanden. Wer einen persönlichen Feind oder einen Meinungsgegner hatte, brauchte nur von ihnen ein wahres oder ein falsches Wort, welches sie gegen den Kaiser oder seine Lieblinge wirklich oder angeblich gesprochen haben, zu hinterbringen, um sich ihrer auf die leichteste Weise von der Welt zu entledigen.

Es läßt sich denken, das auch die Juden unter dieser Blutregierung das Ihrige gelitten haben. Domitian ließ die Judensteuer mit der seiner Familie eigenen Geldgier eintreiben. Diejenigen, welche durch List der lästigen Steuer entgehen wollten, wurden auf das verletzendste untersucht. Die römischen Beamten scheuten sich nicht, das Schamgefühl zu verletzen, an dem Körper derer, welche ihnen als Juden oder Proselyten angezeigt wurden, Untersuchungen anzustellen, ob dem wirklich so sei. Der Geschichtsschreiber jener entarteten Zeit, [107] Sueton,4 erzählt, er habe es selbst erlebt, wie ein achtzigjähriger Greis schamlos untersucht wurde, ob er das jüdische Zeichen an seinem Leibe habe. Wer dabei ertappt wurde, seine jüdische Abstammung oder die Zugehörigkeit zum Judentume zu verleugnen, dessen Vermögen wurde für den kaiserlichen Schatz eingezogen. Domitian, eine argwöhnische Natur, dem überhaupt noch in frischem Andenken lebte, wie schwer seinem Vater und Bruder der Sieg über die Juden geworden, scheint einen Abfall der Juden gefürchtet zu haben. Eine christliche Nachricht erzählt, der Kaiser habe Nachforschungen über die Nachkommen Davids anstellen lassen, um sich zu überzeugen, ob sie nicht einen Aufstand gegen ihn erregen würden. Die Verwandten Jesu als Abkömmlinge vom Hause David seien vor ihn geführt worden, und er habe sich erst dann beruhigt, als er an ihren schwieligen Händen bemerkt habe, daß sie zum Handwerkerstande gehörten und keiner gefährlichen Unternehmung gewachsen seien.5 Jüdische Quellen erzählen etwas Ähnliches. Ein römischer Herrscher habe zwei Abgeordnete zu R. Gamaliel geschickt, um sich die Überzeugung zu verschaffen, ob die jüdischen Gesetze nichts Gefährliches für den Staat enthalten. Und als sie die verschiedenen Teile der Lehre angehört hatten, sollen sie geäußert haben, sie fänden alles in der jüdischen Lehre vortrefflich, nur die feindseligen Ausnahmegesetze gegen Heiden, unter anderm, daß ein Raub an Heiden zu begehen dem Juden nicht eben so streng verboten sei, wie an Stammgenossen, erschienen ihnen ungerecht. Sie sollen jedoch zuletzt versprochen haben, keine Anzeige von diesen heidenfeindlichen Gesetzen zu machen. Es ist kein Zug in dieser Nachricht, welcher irgendwie gegen die geschichtliche Wahrheit verstieße, und ihre ganze Haltung hat nichts von dem Charakter der Sage an sich. Ihr Inhalt wird noch durch den Zusatz bestätigt, daß der Patriarch R. Gamaliel infolge der Ausstellungen der römischen Abgeordneten eine Verordnung erließ, welche den Raub an Heiden ebenso streng wie an Juden verpönte.6

War Domitian gegen die Juden feindselig, so verdoppelte er diese Feindseligkeit gegen die Proselyten und ließ sie die ganze Wut seines tyrannischen Sinnesempfinden. Er schien die Zuneigung der Römer zum Judentume als einen Verrat an Staat und Kaiser zu betrachten. Es waren derer nicht wenige, welche dem jüdischen Bekenntnisse heimlich oder offen ergeben waren, und zwar Personen von Stand und Würde. Solche, welche der Anhänglichkeit am Judentume angeklagt wurden, schleppte man auf des Kaisers Verordnung [108] vor das Tribunal, und wurden sie des ihnen zur Last Gelegten überwiesen, so verfielen sie der schweren Strafe, die das römische Gesetz über Gottesleugner verhängte. Denn das Vorurteil der Römer stellte das Judentum sowie das junge Christentum, weil beide das römische Götterwesen verwarfen, auf gleiche Stufe mit Gottesleugnung (Atheismus). Proselyten wurden daher ihres Vermögens beraubt oder ins Exil getrieben oder gar zum Tode verurteilt.7 Am grausamsten zeigte sich Domitian in seinen letzten Regierungsjahren, als Hinrichtungen, wie Tacitus in seiner unnachahmlichen Weise erzählt, nicht bloß zeitweise und in langen Zwischenräumen, sondern in einem fort, gleichsam mit einem Schlage, vorkamen. In diese Zeit, nämlich in das letzte Regierungsjahr Domitians fällt die Verurteilung des Flavius Clemens zum Tode und die seiner Frau Domitilla zum Exil, von welchen, wie bereits erzählt, jedenfalls der erstere dem Judentume zugetan war. Obwohl beide Blutsverwandte des Kaisers, ihre Kinder als Thronfolger bestimmt waren, und Clemens mit dem Kaiser in demselben Jahre die Würde des Konsulats geteilt hatte, so schützte ihn weder die Verwandtschaft, noch der hohe Rang vor des Wüterichs Blutdurst; er fügte ihn zu den tausend Schlachtopfern hinzu, die ohne das geringste Verschulden dem Tode geweiht wurden. Um den Schein zu retten, ließ Domitian gegen Clemens und Domitilla die Anklage wegen Gottesleugnung, d.h. Hinneigung zum Judentume erheben. Clemens wurde hingegerichtet (95 oder 96) und Domitilla auf die Insel Pontia Pandataria verwiesen.8 Auch eine jüdische Quelle weiß von einem mit dem flavianischen Kaiserhause verwandten Proselyten Kleonymos (Clemens) zu erzählen, welcher von Häschern auf des Kaisers Befehl verfolgt wurde.9 Auch der jüdische Geschichtsschreiber Josephus, der sich in seinem römerfreundlichen Behagen selbst unter Domitian wohl gefühlt und erst kurz vorher sein großes Geschichtswerk, »Die Altertümer«, vollendet hatte, scheint in dieser Zeit mit seinem Freunde Epaphroditas hingerichtet worden zu sein.10

Mit diesen Vorgängen scheint eine Nachricht aus einer jüdischen Quelle zusammenzuhängen, welche erzählt, daß über dem Haupte sämtlicher Juden im römischen Reiche das Schwert der Vernichtung geschwebt habe. Diese Quelle überliefert, der Kaiser habe einen Senatsbeschluß durchgebracht, daß sämtliche Juden, insoweit sie in [109] den Rom unterwürfigen Ländern wohnten, binnen dreißig Tagen vertilgt werden sollten. Die Kunde von diesem drohenden Unglücke sei auch nach Judäa gedrungen und habe den Patriarchen mit den drei angesehensten Männern, dem Stellvertreter Eleasar ben Asaria, R. Josua und R. Akiba bewogen, sich nach Rom zu begeben. Die Reise dieser vier jüdischen Weisen nach Rom ist übrigens auch aus andern glaubwürdigen Quellen bestätigt.11 Als sie unweit der Welthauptstadt das tausendstimmige Getöse vom Kapitol hörten, wurden sie auf das schmerzlichste davon ergriffen, indem sie damit die öde Stille verglichen, die auf dem Tempelberge in Jerusalem herrschte; sie konnten sich bei diesem Kontraste der Tränen nicht erwehren. Nur R. Akiba behauptete seine heitere Stimmung und tröstete die trauernden Genossen mit den Worten: »Warum darüber weinen? Wenn Gott soviel für seine Widersacher tut, was wird er erst seinen Lieblingen gewähren!« Noch andere Nachrichten erzählen, daß dieselben vier Tannaiten eine Reise nach Rom zu Wasser in so großer Eile unternommen, daß sie die für die Schiffahrt günstige Jahreszeit nicht erwarten mochten, sondern im Beginn des Herbstes sich den Meeresstürmen ausgesetzt hätten. Ihre Reise nach Rom muß demnach sehr dringend gewesen sein, vielleicht eben, um die über ihrer Nation schwebende Gefahr abzuwenden. In Rom angekommen, so fährt die erste Quelle fort, sollen sie sich mit einem hochangesehenen jüdischgesinnten Senator beraten haben, wie dem Unglücke zu begegnen sei. Darauf habe die Frau des Senators, die gleich ihrem Manne gottesfürchtig gewesen, demselben geraten sich zum [110] Heile des jüdischen Volkes zu opfern. Er sollte nämlich das Gift, das er wie alle römischen Großen in einem Siegelringe stets bei sich zu tragen pflegte, um sich gegebenenfalls vor einem schmählichen Tode infolge einer blutdürstigen Laune des Kaisers zu schützen, einschlürfen, damit durch seinen plötzlichen Tod der Senatsbeschluß zur Vertilgung der Juden rückgängig gemacht werde, da es Brauch sei, einen Senatsbeschluß nicht auszuführen, wenn einer der Senatoren eines plötzlichen Todes gestorben. Jener jüdischgesinnte Senator sei auf den Rat seiner Frau eingegangen, habe sich durch Gift das Leben genommen, aber vor dem Tode an sich selbst die Beschneidung vorgenommen, um als Jude zu sterben. Dieselbe Nachricht kommt auch in einer andern jüdische Quelle vor, nur mit dem veränderten Zuge, der Kaiser habe jenen Senator hinrichten lassen, weil er zugunsten der Juden gesprochen hätte. Hinzugefügt wird noch, daß dieser Freund der Juden sein ganzes Vermögen R. Akiba und seinen Genossen hinterlassen habe. Dieser Senator wird mit dem Namen Ktia bar Schalom genannt. Kaum ist hierbei zu verkennen, daß diesen zwei Nachrichten die Tatsache von dem gewaltsamen Tode des Flavius Clemens zugrunde liegt, die nur sagenhaft überarbeitet scheint. Wenn, wie aus allen diesen Nachrichten mindestens hervorgeht, der Plan Domitians wirklich gewesen war, die Juden hart zu verfolgen, so mögen sie vielleicht dieser Verfolgung durch seinen gewaltsamen Tod entgangen sein.

Einen auffallenden Kontrast zu Domitians Charakter bildete sein Nachfolger, der ehrwürdige Nerva. Gerecht, weise, menschenfreundlich, fehlte ihm nur die Frische und der Mut der Jugend, um seinen weisen Anordnungen Nachdruck zu geben und das durch Domitians Grausamkeit und Launenhaftigkeit zerrüttete römische Reich wiederherzustellen. Die Juden und die Proselyten empfanden sogleich die Folgen dieses Thronwechsels. In der kurzen Zeit seiner Regierung, die nicht länger als sechzehn Monate (Sept. 96 bis Januar 98) dauerte und in der soviel Mißbräuche und Gebrechen im Staate zu beseitigen waren, nahm sich Nerva doch Zeit, sich mit den Juden zu beschäftigen. Er gestattete jedermann, sich zum Judentum zu bekennen, ohne in die Strafe eines Gottesleugners zu verfallen. Auch die Judensteuer wurde, wenn nicht ganz aufgehoben, doch nur mit Milde und Nachsicht eingezogen. Beschuldigungen wegen Umgehung dieser Steuer wurden nicht angehört. Dieser Akt Nervas scheint eine so große Bedeutung gehabt zu haben, daß eine Denkmünze zu seiner Verewigung geprägt wurde. Diese Münze, welche noch erhalten ist, stellt auf der einen Seite den Kaiser Nerva dar, auf der andern einen Palmbaum (Symbol für Juden) mit der Inschrift: »Fisci judaïci calumnia sublata«, Anklagen wegen Judensteuer [111] sind aufgehoben.12 Es ist möglich, daß die vier Haupttannaiten, die wohl damals beim Tode Domitians und der Thronbesteigung Nervas noch in Rom anwesend waren, diesen günstigen Umschwung herbeigeführt haben, indem sie die Anschuldigungen gegen das Judentum widerlegten und den Machthabern eine bessere Meinung von ihm beibrachten. Es war Brauch, den Kaisern Schutzschriften wegen einer verfolgten Lehre oder Religion zu übergeben, und in einer solchen mochten die vier Gesetzeslehrer die jüdische Lehre gegen die darüber herrschenden Vorurteile gerechtfertigt haben. Die allzu kurze Regierungszeit Nervas hemmte die fernere Wirkung der wohlwollenden Stimmung für die Juden; mit seinem Nachfolger kehrte die alte Gehässigkeit zwischen Römern und Juden wieder, und bald standen beide Völker zum zweiten Male mit den Waffen in der Hand einander gegenüber.

Nerva hatte den Spanier Ulpianus Trajan zum Nachfolger erwählt. Der Kaiser, beinahe ein Sechziger, Sieger gegen die Dazier an der Donau, ging ans Werk, seinen Lieblingstraum zu verwirklichen, auch Asien, die Länder zwischen Euphrat und Tigris, Indus und Ganges dem römischen Reiche zu unterwerfen, um die Lorbeeren Alexanders des Großen um seine Schläfen zu winden (114). In den parthischen Ländern hatte er leichtes Spiel, weil dieses alte Reich, halb griechischen, halb persischen Ursprungs, gespalten durch schwache Kronprätendenten, dem Eroberer nur einen halben Widerstand entgegensetzte. Nur die Juden, die in dieser Gegend äußerst zahlreich wohnten, ganze Städte und Distrikte innehatten und eine gewisse politische Selbständigkeit unter ihrem Fürsten der Gefangenschaft oder Exilarchen (Resch Golah) besaßen, traten dem römischen Eroberer aus religiöser Abneigung entgegen. Die babylonischen Juden erblickten in Trajan den Nachkommen derer, welche den Tempel zerstört und ihre Brüder zu schmählicher Knechtschaft verdammt hatten, und rüsteten sich ihrerseits zu einem heiligen Kampfe. Die Stadt Nisibis, welche von jeher eine zahlreiche jüdische Einwohnerschaft in ihren Mauern hatte, entwickelte einen so hartnäckigen Widerstand, daß sie erst nach langer Belagerung eingenommen werden konnte, dafür aber hart büßen mußte. Die Landschaft Adiabene am mittleren Lauf des Tigris, wo der große Alexander den entscheidenden Sieg über den letzten Perserkönig erkämpft hatte, gehorchte einem Herrscher, dessen Vorfahren vor kaum einem Jahrhundert das Judentum angenommen hatten. Der adiabenische König Mebarsapes war vielleicht selbst noch dem jüdischen Bekenntnisse zugetan. Er kämpfte mutig gegen Trajan, erlag aber ebenfalls der [112] römischen Übermacht.13 Wie keiner seiner Vorgänger aus der republikanischen und der Kaiserzeit sah Trajan in der kürzesten Zeit die Erfolge seines Kriegszuges. Die Siege fielen ihm sozusagen in den Schoß. Sämtliche Könige und Fürsten Armeniens und der Euphrat-Tigris-Gegend legten ihm ihre Diademe zu Füßen und empfingen von ihm ihre Erbländer zu Lehen oder mußten sie den Römern als besiegten Boden überlassen. Als er sich zum Winterquartier nach Antiochien zurückzog (Winter 115-116), um dort Huldigungen entgegenzunehmen, konnte er den Hauptfeldzug als beendet betrachten. Das Erdbeben, welches gerade während seiner Anwesenheit in der syrischen Hauptstadt diese fast in Trümmerhaufen verwandelte, viele Tausende darunter begrub, seinem Mitkonsul Pedo das Leben raubte und auch sein Leben bedrohte, war ihm nicht Vorbedeutung genug, daß der morgenländische Boden unterirdische Gefahren für ihn beherberge. Im Frühjahr zog er, um den noch vorhandenen Widerstand zu brechen und zur vollständigen Unterwerfung dieser Gebiete, die er als Vorland für die geträumte Eroberung Indiens betrachtete, zum zweiten Male aus. Doch kaum hatte sich Trajan der Freude über seine Siege überlassen, zur Erhöhung seiner Triumphe den persischen Meerbusen befahren, sehnsüchtige Blicke nach Arabien und Indien geworfen und dem Senate eine lange Liste der unterworfenen Völker zugeschickt, deren barbarische Namen man in Rom nicht einmal aussprechen konnte, so fielen die eroberten Länder der Zwillingsflüsse wieder ab. An diesem Abfall hatten die Juden den größten Anteil, und sie verbreiteten den Aufstand über einen großen Teil des römischen Reiches. Nicht nur die babylonischen Juden, sondern auch die Juden in Ägypten, Kyrene, Lybien und auf der Insel Cypros faßten den großen Gedanken, das römische Joch abzuschütteln. Wie von einem überwältigenden Geiste, die feindlichen Quellen sagen, von einer Raserei getrieben, griffen die jüdischen Einwohner dieser so weit auseinander liegenden Länder zu den Waffen, als wollten sie den Feinden zeigen, daß ihre Kraft noch nicht gelähmt, ihr Mut noch nicht gebrochen, und daß sie nicht gewillt seien, die Schwäche und die Gesunkenheit der Zeit zu teilen und ohne Widerstand unter der Masse der unterjochten Völker spurlos unterzugehen. Eine solche Einmütigkeit setzt einen wohlberechneten Plan und kräftigen Führer voraus. Auch Judäa bereitete sich zum Aufstande vor und leitete [113] ihn in den Nachbarländern am Euphrat und Ägypten (Herbst 116, Winter 117). In dem halben Jahrhunderte seit dem Untergang des jüdischen Staates durch die Römer war ein neues Geschlecht herangewachsen, welches den zelotischen Geist seiner Väter geerbt hatte, noch ein frisches Gedächtnis für die ehemalige Selbständigkeit besaß und die Erniedrigung in der Gegenwart um so mehr fühlte. Die Hoffnung der tannaitischen Lehrer: »Bald wird der Tempel wieder erbaut werden«, hatte den Freiheitsgeist der Jugend genährt und wach erhalten;14 sie hatte in den halachischen Lehrhäusern Kriegsmut und Handhabung der Waffen nicht verlernt. Wahrscheinlich hat der Übermut der rücksichtslosen römischen Behörden zum Aufstand gereizt. Eine Sage erzählt, Trajans Gattin, Plotina, habe gerade am neunten Ab während der Trauer der Juden um den Tempel ein Kind geboren und es am Weihnachtsfeste während der Freudenfeier der Juden zur Erinnerung an die Siege der Hasmonäer verloren, und sie habe deren Trauer als feindliche Mißgunst und deren Feier als Schadenfreude gedeutet. Die Kaiserin habe infolgedessen an Trajan geschrieben: »Statt die Barbaren zu unterwerfen, solltest du lieber die Juden züchtigen, die von dir abfallen«.15 In Judäa scheinen zwei mutige Männer oder zwei Brüder, die Alexandriner Julianus und Pappos,16 den Aufstand geschürt und geleitet zu haben. Der Schauplatz der Versammlung der aufständischen Scharen war die Rimmon-Ebene oder die große Ebene Jesreël. Indessen ist weder der Anfang, noch der Verlauf der Erhebung genau bekannt, man hat lediglich ein ganz unbestimmtes Bild von den Vorgängen und kennt mit Gewißheit nur den Ausgang des Aufstandes der Juden. In Kyrene, dessen jüdische Bewohner von den flüchtigen Zeloten schon einmal unmittelbar nach der Zerstörung des Tempels zum Kampfe gegen die Römer ermutigt worden waren, war der Hauptaufstand. Trotz des unglücklichen Ausganges jenes Krieges schreckten die kyrenäischen Juden doch nicht vor einem neuen zurück. Sie hatten einen Anführer, der nach einigen Andreias, nach andern Lucuas hieß[114] (vielleicht war einer dieser Namen symbolischer Natur). Auch die ägyptischen Juden, in früherer Zeit mit treuer Gesinnung den Römern ergeben, machten diesmal gemeinschaftliche Sache mit den Aufständischen. Der Anfang glich jedem Volksaufstand.17 Zuerst griffen sie die Nachbarn ihrer Stadt an, töteten die Römer und Griechen und rächten den Untergang ihrer Nationalität an ihren nächsten Feinden. Durch den Erfolg ermutigt, sammelten sie sich in Scharen und nahmen es mit dem römischen Heere und dem römischen Feldherrn Lupus18 auf, der die Legionen gegen die Juden führte. In dem ersten Treffen siegte die wilde Begeisterung der Juden über die römische Kriegskunst; Lupus wurde zurückgeschlagen. Die Folgen dieses Sieges waren Szenen der Unmenschlichkeit und der Barbarei auf beiden Seiten, die natürlichen Begleiter eines Rassenkrieges, wenn ein uralter, lang in der Brust verschlossener Grimm zum Ausbruch kommt und sich nur durch Blut besänftigen läßt. Die Heiden, die nach der Niederlage des römischen Heeres die Flucht ergriffen hatten, warfen sich auf Alexandrien, nahmen die jüdischen Einwohner, deren kriegsfähige Jugend bei dem Aufstande war, gefangen und töteten sie unter grausamen Martern. Die siegende jüdische Schar sah sich dadurch zur Wiedervergeltung herausgefordert. Wie Verzweifelte warfen sie sich auf das ägyptische Gebiet, zerstörten die Kastelle, nahmen die Einwohner gefangen und erwiderten Grausamkeit mit Grausamkeit. Die Juden sollen das Fleisch der gefangenen Griechen und Römer [115] gegessen, sich mit deren Blut bestrichen und in deren geschundene Häute sich eingewickelt haben.

Wenn diese Scheußlichkeit dem jüdischen Charakter und den jüdischen Sitten fremd und unangemessen ist, also übertrieben scheint, so enthält doch die Quelle, welche diese Nachricht erzählt, wiederum manche glaubwürdige Züge. Die Juden zwangen die Griechen und Römer, mit wilden Tieren und gegeneinander in der Arena zu kämpfen.19 Es war dies die traurige Repressalie für die blutigen Schauspiele, zu denen Vespasian und Titus die gefangenen Juden verurteilt hatten. In Kyrene sollen 200 000 Griechen und Römer von den Juden erschlagen worden sein, und Lybien, d.h. der Küstenstrich östlich von Ägypten, war durch sie so sehr entvölkert worden, daß einige Jahre später neue Kolonien dahin geschickt werden mußten.20

Auf der Insel Cypern, wo von jeher viele Juden wohnten und Synagogen besaßen, leitete ein gewisser Artemion die Erhebung der Juden gegen die Römer. Die Zahl der Aufständischen, wahrscheinlich verstärkt durch unzufriedene heidnische Einwohner der Insel, war außerordentlich groß. Die cyprischen Juden sollen Salamis, die Hauptstadt der Insel, zerstört und 240 000 Griechen umgebracht haben.21 Trajan, der sich in Babylon aufhielt, fürchtete die Ausbreitung dieses Aufstandes in hohem Grade und sandte eine Truppenmacht ab, die im Verhältnis zu der Größe der Gefahr stand. Einem seiner Hauptfeldherrn, Marcius Turbo, übergab er eine bedeutende Land- und Seemacht, die hochauflodernde Kriegsflamme der Juden in Ägypten, Kyrene und auf der Insel Cypern zu löschen. In der Euphratgegend, wo die Juden trotz der Nähe des Kaisers mit einer erdrückenden Militärmacht, eine drohende Haltung angenommen hatten, übergab er den Oberbefehl seinem Lieblingsfeldherrn Lucius (oder Lusius, Lysius) Quietus, einem maurischen Fürsten von grausamer Gemütsart, den er zu seinem Nachfolger bestimmt hatte. Wer der Anführer den Juden in Babylonien war, ist nicht bekannt. Ein römischer Feldherr namens Maximus verlor sein Leben in der Schlacht. Trajan hatte Quietus eingeschärft, die Juden seines Distriktes ganz zu vertilgen; so groß war die Furcht und das Rachegefühl des Kaisers gegen eine Nation, deren Kräfte er gar nicht in Anschlag gebracht zu haben schien. Auf drei Seitenhatte [116] also Trajan gegen die Juden zu kämpfen, und wenn diese drei Brennpunkte der Empörung sich zu einem einzigen vereinigt und gegenseitig unterstützt hätten, so würde vielleicht schon damals der Riesenkoloß des römischen Reiches den Stoß erhalten haben, den er einige Jahrhunderte später durch die nordischen Barbaren erlitten hat.

Marcius Turbo, der den ägyptischen und kyrenäischen Aufstand zu bekämpfen hatte, eilte mit vollen Segeln nach den bedrohten Punkten und war in fünf Tagen an Ort und Stelle. Er vermied mit kluger Berechnung der feindlichen Kräfte jeden ungestümen Angriff, der für Volksmassen, welche mehr durch die Begeisterung einer Idee, als durch Kriegsordnung zusammengehalten wurden, günstig gewesen wäre und sie zum Siege geführt hätte. Er rieb vielmehr die Scharen der Aufständischen durch kleine Scharmützel auf, die sie allmählich müde machten und ihre Reihen lichteten. Doch erlagen die Juden nicht ohne tapfere Gegenwehr; die heidnischen, gegen die Juden parteiischen Quellen räumen ein, daß es erst nach vielen, lange dauernden Kämpfen den Römern gelang, Herren des Aufstandes zu werden.22Den Römern mußte zuletzt der Sieg bleiben, weil sie mit überlegener Zahl, überlegener Kriegskunst und besonders weil sie mit Reiterei gegen halbbewaffnete Fußtruppen kämpften. Gegen die Gefangenen benahm sich Turbo mit einer Grausamkeit, welche bei den Römern nicht weiter auffiel. Die Legionen umringten die Gefangenen und hieben sie in Stücke, die Frauen wurden genotzüchtigt, die Widerstrebenden getötet.23 Die Stadt Alexandrien hatte durch diesen Krieg bedeutende Verwüstungen erlitten.24 Die uralte, alexandrinische Synagoge, ein Wunderwerk der ägyptisch-griechi schen Baukunst, von welcher die Zeitgenossen sagten: »Wer sie nicht gesehen, hat noch nicht das Schönste gesehen«, wurde bis auf den Grund zerstört. Die Zeitgenossen konnten nicht genug die Größe und die Pracht dieser Synagoge rühmen. Sie war wie eine Basilika gebaut, mit rings herum laufenden Säulengängen. Siebzig goldene Sessel, deren Zahl und Ordnung ein Nachbild des Synhedrions waren, waren darin für die Ältesten Alexandriens aufgestellt. Jedes Gewerk und Gewerbe hatte in dieser Synagoge eine eigene Abteilung, an welche sich die fremden, zugereisten Gewerksleute wenden und anschließen konnten. In der Mitte war eine Balustrade von Holz, worauf der Aufseher stand. So groß war der Umfang der Synagoge, daß einer dazu ernannt werden mußte, eine Fahne zu schwingen, so oft die Zuhörer auf den Segensspruch des [117] Vorbeters mit Amen einfallen sollten. Diese Synagoge oder Proseuche – wie sie die Einwohner nannten – zerstörte Turbo. Seit der Zeit, fügte die jüdische Quelle hinzu, ist der Glanz Israels erloschen.25Von dem Gemetzel, welches Marcius Turbo unter den afrikanischen Juden anrichtet, erzählte dieselbe Quelle, sei das Blut der Erschlagenen ins Meer bis zur Insel Cypern geflossen. Dieser Zug ist eine Andeutung des Blutbades, das derselbe römische Feldherr auch unter den cyprischen Juden anrichtete. Turbo führte nach Beendigung des afrikanischen Aufstandes seine Legionen gegen diese Insel. Über die Einzelheiten dieses Krieges schweigen die Quellen ganz und gar, nur soviel ist sicher, daß die Juden gänzlich aufgerieben wurden. Indessen muß der Kampf auch hier so erbittert gewesen sein, daß sich in Cypern ein leidenschaftlicher Haß gegen die Juden vererbte, der sich in einem barbarischen Gesetze verewigte, nach welchem keiner dieses Stammes, nicht einmal im Notfalle, wenn er durch Schiffbruch an die Küste verschlagen würde, die Insel Cypern betreten durfte.26

Der Vertilgungskrieg, den Lucius Quietus gegen die babylonischen und mesopotamischen Juden zu führen hatte, ist in seinen einzelnen Zügen eben so wenig bekannt. Nur soviel weiß man, daß in diesem Kriege viele Tausende von ihnen aufgerieben und die auch von Juden bewohnten Städte Nisibis und Edessa zerstört wurden. Die Häuser, Straßen, Wege und Stege waren von Leichen besäet.27Als Belohnung für den großen Dienst, den jener Feldherr ihm bei der Bekämpfung der Juden geleistet, ernannte ihn Trajan zum Statthalter von Palästina (mit ausgedehnter Vollmacht),28 ohne Zweifel, um den Aufstand im jüdischen Stammlande ebenso zu unterdrücken, da auch hier ein Aufstand, wenn auch nicht in der Ausdehnung wie in Ägypten und Kyrene, ausgebrochen war. Die Leiter desselben waren die Alexandriner Julianus und Pappos.

Doch während Quietus seine Blutarbeit in Palästina ausführte, mußte Trajan selbst Parthien verlassen, die Belagerung der Stadt Atra, wahrscheinlich in der Gegend von Nahardea,29 wo ebenfalls Juden wohnten, aufgeben, und auch den Gedanken fahren lassen, das parthische Land in eine römische Provinz zu verwandeln. Durch das Scheitern seines Lieblingsplanes zusammengebrochen, erkrankte der [118] Kaiser, wurde in diesem Zustand nach Antiochien gebracht und starb nach einigen Monaten in Cilicien. Nicht einmal sein letzter Wunsch, seinen treuen Feldherrn Quietus zum Nachfolger zu haben, wurde erfüllt; seine schlaue Gemahlin Plotina vereitelte seinen letzten Willen und machte dem Heere weis, Trajan habe vor seinem Tode seinen Verwandten Älius Hadrianus zum Sohn und Thronfolger angenommen.


Fußnoten

1 Vergl. Dio Cassius, c. 66, 18.


2 [Als einen Hohn empfanden die Besiegten nicht allein die Darstellung

der unglücklichen und verzweifelten Judäer auf den Münzen – cf. Graetz, Bd. III., 5. Aufl., p. 549 – sondern auch die unaufhörliche Prahlerei der Römer mit dem über die Juden errungenen Sieg. Charakteristisch dafür ist die folgende, dem Titus im Jahre 81 gewidmete pomphafte und zum Teil sogar unwahre Inschrift eines im Zirkus maximus errichteten Titusbogens, welche lautete: Senatus populusque Romanus imp. Tito Caesari divi Vespasiani f. Vespasiano Augusto. ... quod praeceptis patri(is) consiliisque et auspiciis gentem Judaeorum domuit et urbem Hierosolymam omnibus ante se ducibus regibus gentibus aut frustra petitam aut omnino intemptatam delevit!S. Darmesteter, Revue des études juives I, p. 34 ff. und Schürer, Gesch. des jüd. Volkes 2. Aufl., I, p. 534. Note 128].


3 Sifri zu Abschn. Haasinu Nr. 328. Midrasch Kohelet, p. 96, 97 b.

Gittin, p. 56 b. Es geht daraus hervor, daß es eine Sage war, die schon im zweiten Jahrhunderte im Um lauf war.


4 Siehe oben, S. 79.


5 Hegesipp, in Eusebius' Kirchengeschichte III, 20.


6 Sifre Deut. Nr. 344. Baba Kama 38 a. Jerus. das. IV, p. 4 b.


7 Dio Cassius, 67, 14; s. Note 12.


8 Daselbst.


9 Vergl. dieselbe Note.


10 Dio Cassius, a.a.O. Dodwell, zu Josephus' Lebensbeschreibung, vermutet,daß Josephus zugleich mit Epaphroditas umgekommen sei.


11 Mischna Erubin IV, 1; Maa'sser Scheni V, 9. Dahin gehört auch

die Nachricht von den Bemerkungen der Weisen beim Anblick des Kapitols, Midrasch Threni Ende; b. Makkot Ende; ferner die Notizen über ihren Aufenthalt auf dem Schiffe, b. Sukka, p. 23 a; jer. das. II, p. 52 d., Tosifta Sukka II, Ende, endlich Exodus Rabba Nr. 30, Derech Erez, c. V. Überall ist von diesen vier Tannaiten die Rede, nur sind die Namen zuweilen verwechselt, und zuweilen fehlt der eine oder der andere. Ich kann daher Frankels Ansicht nicht zustimmen, daß diese oder einige derselben zweimal die Reise nach Rom gemacht hätten (Darke ha-Mischna, p. 84). Es ist überall von einer und derselben Reise die Rede und zwar im Herbste 95 oder 96 zur Zeit der Hinrichtung Clemens' oder Domitians Tod. – Ohne Zweifel waren es dieselben םינקז in Rom, welche einen Dialog über den Bestand der Götzen führten (Aboda Sara IV, 7). Von R. Josuas Anwesenheit in Rom wird in den Talmuden öfter erzählt. [Wie ich von Herrn Seminarrabbiner Dr. Lewy hörte, so läßt sich das Jahr der Reise genau bestimmen. Nach der angeführten Stelle, Maa'sser Scheni V, 9, muß diese stattgefunden haben in einem Jahre, in welchem die Zehnten aus dem Hause geschafft werden müssen (לועבג תנש). Ein solches war das Jahr 96 und die Reise war wahrscheinlich eine Folge der Thronbesteigung Nervas].


12 Eckhel, doctrina nummorum VI, p. 404.


13 Dio Cassius 68, 22, 26. Ich habe in der ersten Auflage angenommen,

daß die Münze bei Ekhel VI, 463: Assyria et Palaestina in potestatem populi Romani redactae, sich auf den adiabenischen Krieg bezöge. Indessen ist die Echtheit dieser Münze bezweifelt worden. S. Volckmar, Einl. in die Apokryphen I, S. 44.


14 [Über die allgemeine Verbreitung dieser religiösen Stimmung und Hoffnung

geben uns die um diese Zeit von jüdischen Verfassern stammenden Apokalypsen des Esra und Baruch eine unmittelbare, lebhafte und sichere Kunde. Über die Zeit ihrer Abfassung s. Rosenthal: Vier apokryphische Bücher usw., p. 40 ff. und Schürer das. Bad. II, p. 638 ff.].


15 Über den Aufstand s. Note 15. Die angeführte Sage in jer. Sukka V,

p. 55 b; Rabba Threni, p. 67 b; Rabba Esther Anfang.


16 [Graetz, Volksausgabe II, 2. Aufl., p. 60 hat den Zusatz: »mit ihrem

hebräischen Namen wohl Simon und Schemaja«. Die Belege dafür s. Graetz III, 5. Aufl., p. 842 ff.].


17 [Über die dunklen Anfänge dieses Aufstandes könnte uns wahrscheinlich

der Papyrus Parisiniensis Nr. 68, herausgegeben von Brunet de Presle, Paris 1865, bedeutende Aufschlüsse geben, wenn man denselben aus seinem trostlosen Zustande erst zur richtigen Lesung bringen könnte. Wilcken hat im »Hermes«, Bd. 27 (1892), p. 464 ff. die Fragmente von neuem ediert und gründlich behandelt. Darnach enthalten diese Fragmente einen Bericht über eine zwischen dem Kaiser Trajan und einer Abordnung der Juden Alexandriens stattgehabte Unterredung, in welcher die Juden über den Statthalter Lupus Klage führen. Nach Wilckens Lesung ist ein Jude namens Paulus der Führer dieser jüdischen Abordnung. Er verliest ein den Judenkönig betreffendes Edikt des Statthalters Lupus, in welcher dieser den Juden befiehlt, daß sie ihm den König, den er als einen Theaterkönig (ἀπὸ σκƞνῆς καὶ ἐκ μίνου βασιλέα) verspottet, vorführen sollten. Die Juden berühren auch Straßenkrawalle und beklagen sich, daß man Leute in die Gefängnisse gezerrt und mißhandelt habe. Mit diesem »König« könnte nur der obengenannte Andreas oder Lucuas gemeint sein, welchen die Juden nach Euseb. VI, 2 zum Könige ausgerufen hatten. Die Beschwerde der Juden hat bei dem Kaiser kein Gehör gefunden. Die Juden Alexandriens scheinen also nicht leichten Herzens zu den alsdann mit großer Erbitterung geführten Waffen gegriffen zu haben, sondern erst nach erlittenen Mißhandlungen und nachdem sie mit ihren Beschwerden abgewiesen wurden].


18 [Nach Corp. inscr. Graec N. 4948 war Marcus Rutilius Lupus am

24. Mai 116 Statthalter von Ägypten. S. Schürer das. I. 558].


19 Dio Cassius 68, 32. Eusebius' Kirchengeschichte IV, 2. Appianus, bellumcivile II, 90.


20 Eusebius' Chronik aus dem Armenischen II, p. 283 zum 14. JahreHadrians, auch bei Syncellus und Orosius. S. Münther, d. jüd. Krieg, S. 35.


21 Dio Cassius das.


22 Dio Cassius das. Eusebius' K.-G. das.


23 Jerus. Sukka V, das. Midrasch Threni I, 45 und Esther das.


24 Eusebius' armenische Chronik das. zum ersten Jahre Hadrians.


25 Sukka 51 b. Jerus. das. 55 a.


26 Dio Cassius das.


27 Siehe Note 14.


28 Dio Cassius das.


29 Jer. Sabbat I, p. 4 a, אעדרהנל הרטוח ןמכ.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1908, Band 4, S. 120.
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