13. Das Exilarchat und Gaonat in ihrem gegenseitigen Verhältnisse.

[450] Die politische Macht des Exilarchats begann, wie sich aus manchen Momenten (Nr. 11) ergab, mit Bostanaï. Für den Anfangspunkt des Gaonats gibt es aber keine Spur von Zeugnis, ja nicht einmal die eigentliche Bedeutung des Wortes ןואג läßt sich, so weit jetzt unsere Kenntnis des Semitischen reicht, ermitteln. Es ist schwerlich hebräischen Ursprungs; denn dann würde es nach der festen Bedeutung, die es im biblischen und talmudischen Sprachkreise hat, Hochmut bedeuten69. So viel ist aber gewiß, daß es ein Ehrentitel sein soll. Man muß, um den historischen Anfang zu ermitteln, davon ausgehen, daß offiziell nur der Präsident der suranischen Hochschule diesen Titel führte, die Schwesterakademie in Pumbadita dagegen, [450] die überhaupt in vielen Punkten einen niederen Rang einnahm, nur ein Schulhaupt (הבישי שאר, אתביתמ שיר), aber keinen Gaon an ihrer Spitze hatte. Dieses bezeugt Nathan der Babylonier aus eigener Anschauung. In den Zuschriften mußte der Präsident von Pumbadita dem von Sura den Titel Gaon beilegen, ohne Gegenseitigkeit: תבישי שאר הזל הז תורגא ןיחלשמ ויהשכ דועו שירו ארוסד ןנברו ןואג ימק אקסיד ןידה ירקתי :בתוכ אתידבמופ וניאו אתידבמופד ןנבר ימק אקסיד ןידה ירקתי :ארוס תבישי ןואג ול בתוכ (Nathan Babli in Jochasin). Ursprünglich durfte Pumbadita sein Schulhaupt nicht einmal aus dem eigenen Kollegium wählen, sondern es wurde ihm von Sura zugewiesen: לאומש 'ר דיגנל דומלתה אבמב :אתידבמופ תבישי לע ארוס תבישי םהב האשנש תולעמב יולה ןיאיבמ אלא אתידבמופמ הבישי שאר ןינממ ויה אל הנושארב ןהילע הבישי שאר ארוס תבישימ (Jochasin, ed. Filipowski, p. 85a). Dasselbe tradiert auch Nathan Babli: אהי אלש הלש הבישיה שאר יפ לע ארוסמ אלא אתידבמופמ ןואג. Das untergeordnete Verhältnis Pumbaditas gegen Sura wird auch von der alten Urkunde, auf die ich später zurückkommen werde, bezeugt. Wenn die pumbaditanischen Schulhäupter öfter mit dem Titel »Gaon« figurieren, so rührt dieses teils von Ausländern her, welche von dem Rangunterschiede nichts wußten, teils aus der Zeit, als sich Pumbadita die Parität errungen hatte (seit 917), teils endlich aus der Zeit, als Sura untergegangen und Pumbadita allein sich behauptet hat (945-1038). In dieser Zeit wurden die Bezeichnungen »Gaon« und »Resch-Metibta« promiscue gebraucht; bis dahin aber war Gaon ein privilegierter Titel der suranischen Schulhäupter. Dieser Würdentitel war nicht ein leerer Schall und bedeutete nicht bloß einen Vorrang, sondern hatte einen realen Gehalt. Bei der Vakanz des Exilarchats fungierte der Gaon von Sura als Exilarch und bezog dessen Einkünfte: שארל ונתני ולש תויושרה לכ תולג שאר תומישכ דועו ... ללכ קלח אתידבמופ תבישי שארל ןהב ןיאו ארוס (תבישי) ארוס תבישי שארל ונתני ולש תויושרה לכ תולג שאר תומישכו (zweimal bei Nathan)70. Von den Geldspenden aus dem Auslande hatte die Hochschule von Sura zwei Teile, und die schwesterliche nur einen Teil71. Ein solcher Titel, verbunden mit solchen Privilegien, kann nur von außen erteilt worden sein, sonst hätte sich Pumbadita, das an Lehrkräften überlegen war, die Parität nicht nehmen lassen.

Merkwürdig ist es, daß Scherira diesen Vorrang Suras vollständig verschweigt, ja bei manchen Gelegenheiten zu verstehen gibt, die Metibta von Pumbadita habe die von Sura übertroffen. Es war dieses eine Parteinahme pro domo. Es läßt sich aber folgern, wer der Hochschule von Sura Rang und Privilegien erteilt, und zu welcher Zeit das Gaonat begonnen hat. Da sicherlich der Rangunterschied zwischen den beiden Metibtas in der talmudischen [451] Zeit nicht vorhanden war, ebensowenig wie der Titel Gaon, die persischen Könige in der nachtalmudischen Epoche den Juden nicht so günstig waren, um eine besondere Würde zu verleihen oder auch nur zu bestätigen, so bleibt nur der Beginn des Islam als die gelegene historische Situation für das Verleihen einer Stellung an ein korporatives Gemeinwesen. Ich erinnere daran, daß nicht bloß die Katholici der nestorianischen Kirche, sondern auch einzelne Klöster ihre Privilegien auf Omar oder auf Ali zurückführten. Nun erzählt uns Scherira, daß R' Isaak Gaon dem Kalifen Ali mit vielen tausend Juden entgegenging, als derselbe Firuz-Schabûr (Anbar) einnahm (Mai 657, vgl. o. S. 399): 'ר רמו יבא ןב ילע השבכש תע רובאש זוריפב היהש אוהו ןואג קחצי תא ליבקהו ותארקל רובאש זוריפ ןמ קחצי 'ר רמ אציו בלאט העש ותואב רובאש זוריפב ויהו תופי םינפ רבסב ילע לבקו וינפ לארשימ ףלא םיעשת. Der Text scheint sogar auszusagen, daß R' Isaak mit den Tausenden von Juden in Anbar Ali die Eroberung dieser Stadt erleichtert habe. Jedenfalls sagt die Notiz deutlich, daß Ali ihn sehr freundlich empfangen habe. Sollte Ali nicht diesem R' Isaak für die Dienstleistung, oder auch nur für die Huldigung – während der Schwiegersohn Mohammeds von Feinden umringt war – ein Privilegium erteilt haben! Freilich schweigt Scherira darüber, und wie es scheint geflissentlich, weil dieser R' Isaak ein Suraner war, und Scherira nur die Metibta von Pumbadita verherrlichen wollte. Das ist aus dem ganzen Verlaufe klar. Vom Jahre 900 Sel. = 589 gibt Scherira nämlich die gleichzeitigen pumbaditanischen und suranischen Schulhäupter an. Zur Zeit von Mohammeds Auftreten war Chanina aus Be-Gihara in Pumbadita und R' Chananja oder Chaninaï in Sura: ירחאו דמחמ אצי וימיבו ארהיג יב ןמ אנינח 'ר רמ ךלמ ירמ 'ר רמ ונרוה איננח 'ר םימיה ןתואב ארוסב הוהד ןירמאו םלועל (עגושמ) var.) יאנניח). Darauf will Scherira deren Nachfolger aufzählen; es scheint hier im Texte ein Wort zu fehlen: ןוהירתבו »und nach ihnen«: אתידבמופ ןואג אנח בר רמ 'מו רובאש זוריפב היהש אוהו ןואג קחצי 'ר רמו. Der Passus ןואג קחצי 'ר רמו, wie die Lesart in der Schulamschen Edition lautet, hat keinen Sinn, wenn man nicht zu ןואג das Wort ארוס ergänzt, so daß das Ganze lauten muß: ארוס ןואג קחצי 'ר רמו parallel dem ןואג אנח 'ר אתידבמופ72 Wenn auch Scherira hier den Ausdruck »Gaon« farblos für Schulhaupt gebraucht, so scheint es doch, daß dieser Titel erst mit R' Isaak begonnen hat. Der Kalife Ali war es wohl, der ihm diesen Titel und damit den zweiten Rang nächst dem Exilarchen eingeräumt hat. Auch dafür bietet die Verfassung der nestorianischen Hierarchie eine vollständige Analogie (vgl. Assemani, dissertatio de Syris nestorianis, T. III, pars 2, p. 648). R' Isaak war demnach der erste Gaon, d.h. das erste Schulhaupt vou Sura, dessen Würde und Stellung vom Kalifate privilegiert waren. Der Anfang des Gaonats fiele demnach ins Jahr 657, während Alis Kalifat.

Über das Ernennungsverhältnis der Exilarchen und der Schulhäupter ist in den Quellen nichts Bestimmtes angegeben. Sie lassen nämlich ungewiß, ob das Exilarchat erblich oder wählbar, und wie die Nachfolge der Gaonen beschaffen war. Die beiden Hauptquellen, welche über den Huldigungsakt [452] des Exilarchen berichten, ein altes gutachtliches Responsum (תבושת םינושאר םינואג, zitiert von Ibn-Verga, Schebet Jehuda, Nr. 42) und Nathan, der Babylonier, gebrauchen in betreff der Ernennung des Exilarchen unbestimmte Ausdrücke: אישנ םהילע םיקהל םישקבמ ויה לארשיש העשב הלוג שאר ארקנה אוהו (bei Ibn-Verga): 'ר דוע רמאש המו םא רבדה אוה ךכ הנמתיש העשב תולג שאר ירבד לע ןהכה ןתנ תובישי ישאר ןיצבקתמ ותונמל להקה תעד המיכסה. Indessen läßt sich aus des letzteren Worten: »Wenn die Gemeinde sich geeinigt, ihn zu ernennen,« schließen, daß der Exilarch gewählt wurde. Seine Wählbarkeit ist auch historisch konstatiert. Anan wurde abgesetzt und ein anderer an seine Stelle ernannt. Im Anfang des neunten Jahrhunderts hatte die eine Partei David ben Jehuda, die andere Daniel erwählt. Im darauffolgenden Jahrhundert wurde Ukba abgesetzt und später David ben Sakkaï erwählt. Auch der Ausdruck im Edikt des Kalifen Almamun in betreff der Bestätigung des Exilarchen spricht für Wählbarkeit: si decemviri in unum congregati antistitem sibi creare vellent (o. S. 445). Auf der anderen Seite war aber die Nachfolge im Exilarchate auf die Familie beschränkt, welche von Davidischer Abstammung gehalten wurde, und näher auf Bostanaïs Nachkommen. Man sollte also meinen, daß hier der Sohn auf den Vater in der Würde folgte, und eine Wahl dabei nicht anwendbar war. Um diese Schwierigkeit aufzuheben, muß man wohl annehmen, daß ursprünglich die Exilarchenwürde erblich war. Als Anan aber dem talmudischen Judentum gefährlich schien, und dessen Vertreter sich anstrengten, ihn zu beseitigen, wurde wohl die Würde durch Wahl erteilt, damit nur solche Personen zugelassen werden, welche dem Bestehenden nicht gefährlich schienen. Über den Wahlkörper und Wahlmodus ist nichts bekannt. Nathan drückt sich auch darüber unbestimmt aus »wenn die Gemeinde beschließt, einen Exilarchen zu ernennen«: ותונמל להקה תעד המיכסה םא. Man könnte vermuten, daß dieselben Klassen, welche sich zur Huldigung des zu ernennenden Exilarchen einfanden, auch das aktive Wahlrecht hatten. Bei der Huldigung beteiligten sich nämlich offiziell die Schulhäupter samt ihren Kollegien, die Gemeindevorsteher, die Richter und andere angesehene Männer: ישאר ינש ןיצבקתמ םינקזהו להקה ישאר לכ ןהיתובישי ינב םע תובישי (Nathan): םינקזי םיבידנ םע ישארו תובישי ישאר לכ םיצבקתמ ויה תוכלמב רשא םיטפושו (Responsum bei Ibn-Verga). Jedenfalls hatten wohl die zwei Schulhäupter eine gewichtige Stimme bei der Wahl.

Die Ernennung und Amtseinsetzung der Exilarchen geschah unter einem feierlichen Zeremoniell, worüber wir zwei Urkunden besitzen (das schon genannte Responsum bei Ibn-Verga und den Bericht Nathans des Babyloniers). Es sei hier bemerkt, daß die erstgenannte Quelle älter sein muß als Nathan, nämlich aus der Zeit, als noch die Schulhäupter von dem Exilarchen abhängig waren (vor dem Streite zwischen David ben Jehuda und Daniel, vor 825). Denn die beiden Berichte differieren wesentlich nur in einem Punkte. Das Responsum gibt an, am Huldigungssabbat habe der Exilarch zuerst aus der Thorarolle gelesen und nach ihm die Schulhäupter ihrer Rangordnung nach: ןיאיצומו שיר בשומ) לדגמה לא ותוא ןיאיבמו לכיהה ןמ הרות רפס תובישיה ישאר וירחאו ןישאר ארקו ארקל (אתולג. Nathan dagegen tradiert, die Schulhäupter haben nicht nach dem Exilarchen gelesen, weil es unter ihrer Würde war, einem andern, d.h. dem Exilarchen, nachzustehen: ... ארוקו ... תולג שארל הרות רפס דירומ תסנכה ןזחו ותואב ןירוק ןניא ןמצע תובישיה ישאר לבא תולכ ישאר וירחאו רחא ןמדקש ינפמ םויה[453] . Unter ihrer Würde konnte das nur sein, als sie sich vom Exilarchate unabhängig gemacht und die Wahl der Exilsfürsten in Händen hatten73. – Eine Art Huldigungszeremoniell fand auch jedes Jahr an einem Sabbat statt, wie Nathan berichtet: ץראב תולג שאר לצא ןהיתש תובישיה ישאר וצבקתי םאו ארוס תבישי שאר וילא ץבקתהל ןיליגרש תבשב לבבב הקיתע שארו ותלודג ינפמ הרות רפס תולג שאר לע ןירוק וידימלתו ולאמשל אתידבמופ תבישי. An welchem Sabbat die Huldigung stattfand, darüber belehrt uns Scherira, nämlich am dritten Sabbat nach den Hüttenfeiertagen (also im Monat Marcheschwan): אתולג ישארד ילגיר וניקתאד ןויכ ךל ךל תבשב ןמת לזימל אתידב םופמ אתאוושר ןיכירצ ווהו אתאולג ישארד אלגיר אוהד (Scheriras Sendschreiben, ed. Goldberg, S. 37). Diese Huldigung scheint auch den Namen יתבר הלכ, »große Versammlung« geführt zu haben. Vgl. Scherira (das. 40): יבב ומרתיאו דאדגבל ותא יתבר הלכב אלשאנ רבד אתשינכ. Der Ausdruck kommt in den gaonäischen Responsen öfter vor (vgl. Frankels Monatsschrift, Jahrg. 1858, S. 222). Aus Scherira geht hervor, daß diese Huldigung anfangs in Sura vor sich ging: (ארוסב) הוגב אתולג שירד אלגירל איוש ... ישא 'ר (ארוסב) בר יבב אלגיר עבקד אתולג שיר אזח דכ אתש לבבו ... אתידב םופד ןנברו התאושר הימקל ןילזא. Er gibt aber selbst an, daß dieses nur so lange dauerte, als die Exilarchen mächtig waren. Nach dem Sinken derselben unter David ben Jehuda begaben sich die Pumbaditaner nicht mehr nach Sura, sondern, wenn der Exilarch eine Versammlung zusammenberufen wollte, mußte er sich nach Pumbadita begeben: הדוהי ןב דוד ימיב םופד אתאושר ולזא אלו אתוכלמד אתונטלש ןמ וליפתשא אישנה ילגיר ןוהל יוהמל םיאישנל ןוהל אחינ דכ אלא ןוהירתב אתידב ןועבקו םתהל ןיתא אתידב םופב (das. S. 37). Aus Nathans Äußerung sehen wir aber, daß der Huldigungssabbat in Atikah stattfand. Atikah war ein Städtchen, das später zu Bagdad geschlagen wurde (Weil, Kalifen, II, S. 77, Note 1). Der Brauch muß sich also später festgestellt haben, daß die Versammlung um den Exilarchen weder in Sura, noch in Pumbadita, sondern in Bagdad stattfand. In Bagdad residierten auch die Exilarchen zuletzt, wie aus Nathans Bericht hervor geht74.

Wie die Ernennung der Exilarchen, so ist auch die der suranischen Gaonen und der pumbaditanischen Schulhäupter nicht ganz klar75. Aus Scherira scheint hervorzugehen, daß ein Avancement stattfand, so daß der Zweite in der Rangstufe nach dem Schulhaupte, der Oberrichter, mit der Würde bekleidet [454] wurde. Der Dajan-di-Baba oder Ab-Bet-Din hatte die Anwartschaft auf das Präsidium. Von der Nachfolge vom Jahre 1125 = 814 berichtet Scherira, Joseph ben Abba sei zum Schulhaupt befördert worden, obwohl nicht ihm die Stelle gebührte (היתכוד תוה אלו), sondern dem R' Aaron, der Oberrichter war: (ןורהא בר רמ הוהו ןיד תיב בא הוהד הימק). Ebenso deutet er an, daß im Jahre 1144 = 833 die Ordnung gestört wurde, als R' Isaak zum Schulhaupte ernannt wurde, und die Stelle dem Josef ben Rabbi gebührte, der Oberrichter war: 'ר רמל היל ישק קחצי 'ר רמל אישנ הדוהי ןב דוד היכמס דכו אבבד אנייד הוחד ףסוי (der Text emendiert nach beiden Rezensionen). Vom Jahre 1254 = 943 berichtet Scherira, Aaron Ibn-Sarǵadu habe sich das Präsidium angemaßt, »obwohl der Platz dem R' Amran ben Meswi gebührte«: ןואנ רתב תונואגל יואר (ןורהא 'ר) אוה הוה אלו שיר יושמ 'ר רמד הירב םרמע 'ר רמל תוה אתכוד אלא וניבא הלכ. Scherira selbst war zuerst Oberrichter 1271 = 960 und dann wurde er Gaon im Jahre 1279 = 968: ט"ער תנשבו (א"ער תנשב) ןיד תיב בא אנדיע איההב אניוהו תוגואגב אנכימתסא. Anderseits wissen wir, daß die Exilarchen die Schulhäupter ernannten. Der Exilarch Salomo berief für Sura zwei Schulhäupter aus dem pumbaditanischen Kollegium. David ben Sakkaï beriet sich mit Nissi, ob er Saadia oder Zemach ben Schahin ernennen sollte (Nathan): גוהני ימ ץעיתמ תולג שאר היהו ןיהש ןב חמצ לעו ימויפ הידעס 'ר לע ובל ךלמנו (ארוסב) הב. Endlich berief er Saadia aus Fajûm nach Sura, und nach seiner Amtsentsetzung ernannte er einen andern. Man kann beide Tatsachen dahin vereinigen, daß allerdings der Dajan-di-Baba (oder auch der erste Resch-Kallah) die Anwartschaft hatte, daß aber die Bestätigung dem Exilarchen zustand. Dadurch ist Scheriras Anklage gegen die Willkür mancher Exilarchen verständlich, sie bestand darin, daß diese außerhalb der Rangstufe Schulhäupter ernannten.

Die Amtseinsetzung der Gaonen von Sura und der Schulhäupter von Pumbadita geschah ebenfalls mit einem feierlichen Zeremoniell (Nathan): גהנמ ןכ ומכו ןישועש ךרדכ ול תושעל םגהנמ ןכ םהמ דחא הנמתישכ תובישי ותוא ןידירומ ןיאש הרות רפסמ ץוח ותוא ןינממשכ תולג שארל וילא. Jede der beiden Hochschulen hatte ein Kollegium um sich, dessen Zusammensetzung und Stufenreihe aus Nathans Bericht und dem Bruchstücke eines Responsum vom Gaon Amram ben Scheschna erkennbar sind. In der ersten Reihe vor dem Metibta-Haupte saßen zehn Männer, wovon sieben den Titel »Häupter der Lehrversammlung« führten, und drei »Genossen« hießen (Nathan): שאר םתבישי רדס הזו םהינפו אמק ארד תארקנ איהו םישנא הרשע וינפלו בשוי הבישי םהמ (העבש 1.) וינפל ןיבשויש הרשעהו ... הבישיה שאר לא םירבח השלשו תולכ ישאר. Jeder der sieben Resch-Kallah hatte unter sich zehn untergeordnete Glieder, die den Titel םיפולא (Lehrer) führten76. Diese siebzig, welche in sieben Reihen zu je zehn saßen, bildeten das große Sanhedrin (Nathan): לכש תולכ ישאר םמש וארקנ המלו םיפולא םיארקנה םהו ןירדהנסה ןמ הרשע לע הנוממ םהמ דחא תורוש 'ז םהש ןירדהנס םיעבשהו ...77. Das Verhältnis der drei םירבח, und ob sie auch untergeordneten [455] Gliedern vorstanden, ist bei Nathan nicht klar. Aus dem Eingange des genannten gaonäischen Responsum läßt sich aber entnehmen, daß es im Lehrhause neben dem großen Sanhedrin auch ein kleines gegeben hat. Bestand das große aus 70 Mitgliedern, so mußte das kleine mindestens 23 haben78. Dieses war nun sicherlich zusammengesetzt aus den drei םירבח und wahrscheinlich mindestens zwanzig untergeordneten Gliedern. Das Responsum nennt diese ימויק ינב, eine rätselhafte Benennung. Die Stelle lautet: רב םרמע ראשו ןוהידימלתו ןנבר לכל איסחמ אתמד אתביתמ שיר אנשש םידבכנו םירקי אנולצרב תנידמב םירדה לארשי תיב וניחא אבבד אנייד חמצ בר רממו ינממ םולש ולבק ... ונינפל םיבוהאו הלודג ירדהנס םוקמב םהש םיכומסה םימכח לכמו הלכ ישיר ןמו םיאנתו םימכח ראשמו הנטק ירדהנס םוקמב םהש ימויק ינב ןמו ונינפל םתלאשש תולאשה ... הלוכ הבישיבש םימכח ידימלתו םיפולאו ןיד תיב בא ונינפל םיבשוישכ ונינפל םתוא וארקו וניוצ םידימלת לכו םימכחו79 (mitgeteilt von Luzzatto in dessen Sammelwerk Bet ha-Ozar, p. 48)80. Dabei ist zu bemerken, daß Amram Gaon hier die םיפולא Ordinierte nennt (םיכומסה םימכח); daraus würde folgen, daß die ימויק ינב nicht ordiniert waren. Bemerkenswert ist noch, daß nach Nathans Bericht, die Stellen der Resche Kallah, der Chaberim und der Allufim erblich vom Vater auf den Sohn übergingen: םא םגהנמ היה ךכו םוקמ שרוי ומוקמ תא אלממה ןב ול שיו תולכ ישארמ דחא רטפנ ןיאו ... םירבחה ןמ ןכו םינשב ןטק היה וליפאו וב בשויו ויבא תא ריכמ דחא לכ תורוש 'זהו ... .ורבח ןתפמ לע גלוד ןהמ דחא 'זה ןמ םהמ דחא היהי םאו ורבח םוקמב ןהמ דחא ןיאו ומוקמ ינפמ ומוקמב ותוא ןיבישומ ןיא דחאה ןמ המכחב לודג תורוש ותמכח ינפמ וקחמ רתוי ול תתל ןיפיסומ לבא ויבאמ השרי אלש. Das Kollegium der Metibta bestand demnach aus 1 Gaon, 1 Dajan-di-Baba, 7 Resche-Kallah, 3 Chaberim, 70 Allufim und 20 oder 30 Bene-Kijumé81. Jünger gab es noch in Nathans Zeit (920 bis 48) in der suranischen Hochschule 2400: ד"כ םהש םידימלתה ראש שיא תואמ, wenn die Zahl nicht korrumpiert ist, statt 'דכ תואמ = 400.


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Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1909, Band 5, S. 450-457.
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