2. Kapitel. Das Zeitalter des Chasdaï Crescas und Isaak b. Scheschet. (1369-1380.)

[15] Die Juden in Castilien nach dem Bürgerkriege. Verhalten Heinrich II. gegen sie. Joseph Pichon und Samuel Abrabanel. Die judenfeindlichen Cortes und der noch feindseligere Klerus. Die Apostaten, Johannes von Valladolid und Disputationen. Mose de Tordesillas und Schem-Tob Ibn-Schaprut. Ibn-Esra's Ausleger. Menahem b. Zerach, Chasdaï Crescas und Isaak Ben Scheschet. Chajim Galipapa und seine gesunden Ansichten. Vorgänge unter den französischen Juden. Tod des Manessier de Vesou, seine Söhne. Aufstand in Paris gegen die Juden. Der Prévót Aubriot. Der Streit um das französische Oberrabbinat zwischen Jochanan b. Matthatia und Josua b. Abba Mari. Die Einmischung des Wiener Rabbiners Meïr Halevi und der Spanier Chasdaï Crescas und Ben-Scheschet. Entartung des jüdischen Adels in Spanien; Angeberei und Blutgerichte.


Das Herz des jüdischen Stammes war nicht minder wund und siech geworden wie seine Glieder. Auch in Spanien arbeitete äußerer und innerer Verfall daran, den festen Kern der Judenheit, welcher bis dahin allen ätzenden Säuren kirchlicher und staatlicher Elemente getrotzt hatte, aufzulösen. Der Prinz, dem die Juden Castiliens unter der Fahne loyaler Treue so sehr Widerstand geleistet, gegen den sie mit bewaffneter Hand gekämpft hatten, der Bastard Don Heinrich von Trastamara, der Rebell, welcher den Einfall raublustiger Schaaren und den Bürgerkrieg ins Vaterland gebracht, der Brudermörder, welcher die Bande der Natur und des Gesetzes zerrissen hatte, ergriff nach dem Siege bei Montiel mit bluttriefender Hand das Scepter und setzte die geraubte Krone von Castilien auf sein sündhaftes Haupt. Von der zahlreichen jüdischen Bevölkerung war ein großer Theil, Bewaffnete wie Wehrlose, durch den langjährigen erbitterten Bruderkrieg im Felde, in den belagerten Städten und durch Raubschaaren der weißen Compagnie, aufgerieben.

Die größte jüdische Gemeinde der castilischen Hauptstadt »die Krone Israels« im Mittelalter, gewissermaßen das jüdische Jerusalem im Abendlande, Toledo, zählte nach Aufhebung der Belagerung nicht so viele Hunderte, als sie früher Tausende gezählt hatte. Der [15] Ueberrest der Juden in Castilien war durch Plünderung und Brandschatzung von Feind und Freund an den Bettelstab gekommen. Nicht wenige hatten sich aus Verzweiflung dem Christenthume in die Arme geworfen. Ergreifend schildert ein Zeitgenosse (Samuel Çarça) den trostlosen Zustand der castilianischen Gemeinden in dieser Zeit. »In Wahrheit, es folgten Plünderer auf Plünderer, der Pfennig schwand aus dem Beutel, die Seele aus dem Körper, alle Vorwehen der messianischen Zeit sind eingetroffen, nur der Erlöser kommt nicht«1. Hatten nicht die wenigen übriggebliebenen Juden nach Don Heinrich's Siege Grund zu zittern? Er hatte die Begünstigung der Juden von Seiten seines Bruders Don Pedro zum Vorwande seines Krieges gegen ihn gebraucht2. Nun war er Herr ihres Geschickes geworden. Wird er nicht, ein zweiter Vespasian oder Hadrian, den Fuß auf den Rücken der Besiegten setzen? Zwar so schlimm, wie sie es befürchtet hatten erging es ihnen nicht. Don Heinrich II. konnte die Juden ebenso wenig entbehren wie seine Vorgänger und wie die französischen und deutschen Fürsten. Die jüdischen Finanzmänner waren allein im Stande, den Staatshaushalt in Ordnung zu erhalten. Und Don Heinrich hatte sie mehr denn je von Nöthen. Er hatte während des Krieges für die Besoldung der Schaaren, welche ihm du Guesclin zugeführt hatte, Schulden gemacht und anderweitige Versprechungen für geleistete Hilfe gegeben, welche gelöst werden mußten. Das Land war durch die langjährigen Kriege verarmt. Wer sollte die nöthigen Summen beschaffen und für regelmäßige Einnahme der Steuern sorgen, wenn nicht die Juden? Auch war er nicht blind gegen das Verdienst der Juden, welches in ihrer standhaften Anhänglichkeit an seinen Bruder lag. Statt die Besiegten zu bestrafen, schätzte er ihre Treue und äußerte sich: »Solche Unterthanen müsse ein König lieben und belohnen, weil sie die gebührliche Treue ihrem besiegten König bis zum Tode bewahrten und nicht zum Sieger überliefen3. Nichtsdestoweniger legte er der ohnehin verarmten Gemeinde von Toledo aus Rache wegen ihrer Parteinahme für seinen Bruder, aber auch aus [16] Geldverlegenheit eine unerschwingliche Summe von 2000 Golddublonen als Strafgeld auf, mit der Vollmacht für seinen Schatzmeister, die Zahlung durch den Verkauf der Möbel und der Liegenschaften der Juden zu erzwingen; wenn diese nicht ausreichen sollten, von Vermögenden durch Entziehung von Speise und Trank und durch Folterqualen zu erpressen und die Unvermögenden als Sklaven zu verkaufen, bis die Summe vollgezahlt sein würde4; (6. Juni 1369).

Don Heinrich ließ sich indeß dasselbe zu Schulden kommen, womit er seinen Bruder in den Augen der Christenheit gebrandmarkt hatte; auch er verwendete fähige Juden zum Staatsdienste und vertraute ihnen namentlich das Finanzwesen an. Zwei Juden aus Sevilla übergab er wichtige Aemter, Don Joseph Pichon und Don Samuel Abrabanel. Der Erstere war Steuereinnehmer und Almoxarife des Königs und stand bei ihm in hohen Ehren5. Welches Amt Samuel Abraba nel bei Hofe bekleidet, ist nicht bekannt; er hatte jedenfalls bedeutenden Einfluß6. Noch andere durch Gewandtheit oder Geldmittel hervorragende Juden hatten keinen Zutritt zu Don Heinrich's Hof7.

[17] Allein wenn auch der König den Antheil, den die Juden an dem Kriege gegen ihn hatten, ihnen rachsüchtig nicht nachtrug, so vergaß ihn die Bevölkerung nicht. Der Adel und die Bürger konnten es ihnen nicht verzeihen, daß sie ihnen in den belagerten Städten und in offener Feldschlacht als Feinde gegenüber gestanden hatten. Rachegefühl und Judenhaß machten sie blind gegen den Vortheil, welchen die Juden der Wohlfahrt des Staates brachten, und sie sannen nur darauf, ihre Leidenschaften zu befriedigen. Jene waren die Besiegten, darum sollten sie zu einer Art Knechtschaft gedemüthigt werden. Die feindselige Stimmung der Bevölkerung gegen die Juden machte sich gleich bei dem ersten Zusammentritt der Cortes von Toro (1371) Luft. Hier eröffneten die Judenfeinde ihre ersten Angriffe. Die Cortes beklagten sich beim König, daß dieses »schlimme und kecke Geschlecht«, diese Feinde Gottes und der Christenheit, »hohe Aemter« bei Hofe und bei den Granden des Reiches bekleideten, daß ihnen die Steuerpacht übergeben worden sei, und daß sie dadurch schwache Christen in Abhängigkeit und Furcht erhielten. Die Cortes stellten daher bestimmte Forderungen in Betreff der Juden an die Krone: Sie sollten fernerhin zu keinerlei Amt zugelassen werden, in eignen Judenvierteln, gesondert von der christlichen Bevölkerung, wohnen, das Judenabzeichen zu tragen gezwungen werden, nicht in reichen Gewändern öffentlich erscheinen, nicht auf Mauleseln reiten und endlich keine christlichen Namen führen dürfen. Don Heinrich kamen diese Forderungen ungelegen; allein er konnte nicht umhin, ihnen Zugeständnisse zu machen. Zwar verwarf er die meisten Punkte mit der Bemerkung, daß er sich bei der Behandlung der Juden das Verfahren seiner Voreltern und namentlich seines Vaters, Alfonso XI., zur Richtschnur nehmen werde. Aber die zwei Beschränkungen, die er zugestand, waren, wenn auch nicht materieller Natur, doch von sehr schlimmer Wirkung. Die castilianischen Juden sollten das entehrende Abzeichen tragen und die landesüblichen Namen ablegen8. Dadurch war ihr castilianischer Stolz, den sie mit den Granden und Hidalgos theilten, aufs Tiefste verletzt. Anderthalb Jahrhunderte bestand bereits das kanonische Gesetz für das Judenabzeichen, die Ausgeburt päpstlicher Unduldsamkeit und Lieblosigkeit, seit Innocenz III., die Juden Castiliens hatten sich dessen so lange zu erwehren gewußt, [18] und nun sollten auch sie die Brandmarkung an ihren Gewändern zur Schau tragen. Sie, die gewöhnt waren, das Haupt hoch zu erheben und klingende Namen zu führen, sollten gesenkten Blickes, wie die deutschen Juden, einherschleichen und bei den morgenländischen Namen angerufen werden. Sie konnten sich nicht in diese für sie so erbitternde Lage finden. In Folge des Geschreies derer, welche sich durch Darlehen von jüdischen Gläubigern ruinirt hatten und über maßlosen Wucher klagten, machte Don Heinrich auch einen Eingriff in ihr Privatrecht. Er bestimmte, daß die christlichen Schuldner, wenn sie in kurzer Frist ihre Schulden tilgten, nur zwei Drittel des Kapitals zu zahlen hätten9.

Das Elend in Folge des Bürgerkrieges und die neue Demüthigung wirkten niederbeugend auf die castilianischen Juden. Die jüdischen Großen, welche Zutritt zum Hofe, Reichthum und Einfluß hatten, namentlich Samuel Abrabanel, gaben sich zwar Mühe, dem trostlosen Zustand abzuhelfen und besonders die tiefgesunkene, verarmte und zerrüttete Hauptgemeinde in Toledo wieder aufzurichten. Indessen vermochte sie nicht den erloschenen Glanz wieder aufzufrischen; denn die Toledaner Gemeinde verdankte ihre Stellung als Tonangeberin in der Judenheit ebensosehr der kenntnißreichen Bildung und der geistigen Gehobenheit, wie dem Wohlstande ihrer Glieder. Der unglückliche Krieg mit seinen Folgen hatte aber den Sinn stumpf gemacht und das Interesse vom Geistigen auf das Leibliche gelenkt. Die Verkümmerung nahm daher mit Riesenschritten zu. Die Theilnahmlosigkeit an wissenschaftlichen Bestrebungen erzeugte eine so auffallende Unwissenheit, daß Dinge, welche früher jedem Halbgebildeten geläufig waren, in dieser Zeit als eine unerreichbar hohe Weisheit galten, um die man sich auch gar nicht kümmerte10. Als Beispiel der Geschmacklosigkeit, in welche die neuhebräische Poesie gesunken war, zeugen die Verse des Dichterlings Zarak (Zerach) Barfat, welcher das Kunstwerk Hiob durch poetische Umschreibung entstellt hat11. Und gerade damals waren Männer von Geist und Kenntnissen, welche sich vor den Riß hätten stellen können, unentbehrlich. Denn die Vertreter des Christenthums fingen damals an, mit Nachdruck Angriffe auf das Judenthum zu machen, um dessen Bekenner zum Abfall zu bewegen.

Don Heinrich hatte der Geistlichkeit viel zu danken; sie hatte [19] seinen Kronenraub geheiligt und seine Legitimität sanctionirt. Aus Dankbarkeit und auch aus falscher Religiosität machte er ihr Zugeständnisse. Auf seinen Befehl mußten die Juden wieder zu widerlichen Religionsdisputationen herhalten, wobei viel zu verlieren und wenig zu gewinnen war, weil in diesem Wortkampf Licht und Luft ungleich vertheilt waren. Zwei getaufte Juden erhielten vom Könige die Befugniß, in jeder Provinz oder Stadt Castiliens Religionsgespräche veranstalten zu dürfen und die Juden zu zwingen, sich auf ihre Einladung dazu einzufinden.

Einer dieser Apostaten war Johannes von Valladolid12. In Burgos fand die Disputation in Gegenwart des Erzbischofs Gomez von Toledo statt. In Avila mußte sich die ganze Gemeinde in die große Kirche begeben (1375), wo im Beisein vieler Christen und Mohammedaner disputirt wurde. Von Seiten der Juden führte der auch mit den christlichen Religionsquellen vertraute Mose Kohen de Tordesillas das Wort. Der Arme ging mit Zagen an dieses gefährliche Geschäft. Er hatte die christliche Liebe bereits empfunden. Während des Bürgerkrieges hatten ihm christliche Banden alle Habseligkeiten geraubt und ihn auch körperlich mißhandelt, um ihn zur Annahme des Christenthums zu zwingen. Er bestand zwar alle diese Prüfungen mit dem Muthe fester Ueberzeugung, verarmte aber so sehr, daß er von der Gemeinde von Avila Unterstützung annehmen mußte13.

Allzuschwer wurde indeß Mose von Tordesillas das Disputiren nicht gemacht. Denn da der getaufte Johannes von Valladolid sich anheischig machte: Die Dogmen des Christenthums, Jesu Messianität, Göttlichkeit und Menschwerdung, die Dreieinigkeit und die Jungfräulichkeit der »Gottesmutter« aus dem alten Testamente zu beweisen, so war es seinem jüdischen Gegner leicht, die allzuerbärmlichen [20] Beweise zu widerlegen14. Nach vier Disputationen mußte Johannes als besiegt sein Vorhaben aufgeben. Aber damit war die Sache noch nicht zu Ende. Bald darauf erschien ein Jünger des Apostaten Abner-Alfonso (VII2., 318) und forderte Mose de Tordesillas auf, sich mit ihm in eine Disputation über den Talmud und Agada-Sentenzen einzulassen. Im Weigerungsfalle drohte er ihm, öffentlich den Talmud als Fundgrube christenfeindlicher Aeußerungen anzuklagen. So mußte Mose wieder albernen Behauptungen und Angriffen Stand halten und sich durch dornige Gespräche durchwinden. Auf Anrathen der Gemeinde von Avila schrieb er den Hauptinhalt seiner Disputationen nieder (unter dem Titel Ezer ha - Emuna) und überschickte das Werk der Toledaner Gemeinde, damit sie davon Gebrauch machen sollte, wenn dieselbe Zumuthung auch an sie gestellt würde15. Mose de Tordesillas bewahrte in seinen Religionsgesprächen Kaltblütigkeit und Ruhe, so schwer es ihm auch wurde; kein verletzendes oder scharfes Wort entfuhr ihm, und er ermahnte die Toledaner, sich nicht vom Eifer zu kränkenden Worten hinreißen zu lassen: »Denn die Christen besitzen nun einmal die Gewalt und vermögen die Wahrheit mit Faustschlägen zum Schweigen zu bringen«. Toledo, früher die anerkannte Lehrerin in der Judenheit, mußte sich jetzt die Schülerrolle gefallen und sich Formulare für einen Gedankenaustausch vorschreiben lassen.

Als wenn einige tiefer blickende Juden geahnt hätten, daß die schwersten Prüfungen über die spanischen Juden im Anzuge waren, versahen sie ihre Glaubensgenossen für die Zeit des bevorstehenden Kampfes mit Schild und Helm, um nicht von dem unerbittlichen Feinde unbewaffnet überrascht zu werden. Zu gleicher Zeit mit Mose de Tordesillas verfaßte ein anderer spanischer Jude ein polemisches Werk gegen das Christentum zur Abwehr und Angriff, noch viel eingehender als jener. Schem-Tob b. Isaak Schaprut aus Tudela16 wurde schon als junger Mann in die Lage versetzt, seinen Glauben gegen Bekehrungsversuche vertheidigen zu müssen. Der [21] Cardinal Don Pedro de Luna, der später als Papst Benedict XIII. so viel Verwirrung in die Kirche und so viel Unheil über die Juden gebracht hat, war von Bekehrungseifer und von einer unwiderstehlichen Disputirsucht über Glaubensdinge besessen. In Pampeluna forderte er Schem-Tob Schaprut auf, mit ihm über Erbsünde und Erlösung zu disputiren, und dieser mußte sich dazu in Gegenwart von Bischöfen und gelehrten Geistlichen anschicken17. Die Kriegsgräuel18 zwischen Castilianern und Engländern, deren Schauplatz Navarra war, zwangen Schem-Tob Schaprut wie viele andere Juden das Land zu verlassen (1378); er ließ sich in dem nahegelegenen Taragona nieder (in Aragonien). Als er hier gewahrte, daß übergetretene Juden von dem Schlage des Johannes de Valladolid von einer förmlichen Wuth besessen waren, über Glaubenspunkte zu disputiren, Schwachköpfe hinüberzuziehen und die Juden und ihre Literatur bei den Machthabern anzuschwärzen, veröffentlichte er (1380) ein umfassendes Werk (Eben Bochan), um alle Scheinbeweise aus Bibel und Talmud, welche von den christlichen Streithähnen geltend gemacht wurden, in ihr Nichts aufzulösen19. Es ist ein Gespräch zwischen einem Einheits- und einem Dreieinigkeitsgläubigen, dem der Inhalt der polemischen Schrift des Jakob b. Rëuben (angeblich von David Kimchi, VII2. S. 487) zu Grunde liegt. Um die Juden in den Stand zu setzen, sich Waffen aus dem christlichen Arsenal zu holen, übertrug Schem-Tob Schaprut die vier Evangelien auszugsweise in die hebräische Sprache, woran er spitzige Bemerkungen knüpfte. Später fiel ihm die judenfeindliche Schrift des Apostaten Abner-Alfonso in die Hand, und er widerlegte sie Schritt vor Schritt20.

Von allzugroßer Wirkung erwiesen sich die polemischen Schriften in der Zeit der Prüfung nicht, wenigstens leisteten sie nicht das, was [22] sich ihre Verfasser davon versprachen. Es fehlte im jüdischen Spanien gerade nicht an Schriften, aber an Männern, an thatkräftigen Charakteren, an gebietenden Persönlichkeiten und Führern, welche durch Geist, Willensstärke und Haltung, wenn auch nicht die Masse, so doch die Halbgebildeten zu sich zu erheben und auf sie einen Theil ihres eigenen Wesens überzuleiten vermocht hätten. Der Bannfluch gegen die Wissenschaft, welchen die peinliche Angst und die Ueberfrömmigkeit erlassen hatten, rächte sich gar empfindlich; er erzog ein Zwerggeschlecht und raubte die Einsicht in die Zeitverhältnisse, welche nur der durch die Wissenschaft geschärfte Blick zu geben vermag. Selbst die Glaubenstreue litt darunter, daß dem heranwachsenden Geschlechte die geistesnährende Brust entzogen wurde. Nur einen einzigen Juden von tiefer philosophischer Bildung stellte diese Zeit auf, und auch dieser hatte nicht vermöge seines überlegenen Geistes, sondern wegen seiner Stellung und talmudischen Kenntnisse einen, allerdings auch nicht allzu ausgedehnten, Wirkungskreis. Dagegen waren die meisten spanischen Rabbinen dieser Zeit entweder geradezu Feinde der Wissenschaft und namentlich der Religionsphilosophie oder doch gleichgiltig dagegen.

Nur Laien befaßten sich damit, aber ihr Geist war nicht davon durchtränkt und noch weniger schöpferisch. Es ist charakteristisch für diese Zeit, daß sich kein Einziger mit Maimuni's religionsphilosophischem »Führer« beschäftigte, daß dagegen Ibn-Esra in Mode kam. Der bruchstückliche Charakter dieses geistreichen, witzigen, mehr verhüllenden als aufdeckenden Schrifterklärers, seine Gedankensprünge, das Vielerlei, das er in seinen Schriften niederlegte, sagten der Zerfahrenheit des geistesschwachen Geschlechts mehr zu. Schem-Tob Schaprut, Samuel Çarça, Joseph Tob-Elem, Esra Gatiño und noch Andere verfaßten Supercommentarien zu Ibn-Esra's Pentateuch-Auslegung. Auflösung Ibn-Esra'scher Räthsel oder Geheimnisse und Erläuterungen seiner Dunkelheiten wurden als Aufgaben gestellt und beschäftigten größere Kreise ernstlich. Seine Erklärer ließen es sich besonders angelegen sein, von ihm den Makel der Ketzerei und des Unglaubens zu beseitigen und verfielen in das andere Extrem, ihn gar zum Stockgläubigen zu stempeln.

Die Beschäftigung mit dem geistvollen Ibn-Esra hat den Geist seiner Ausleger keineswegs gehoben, vielmehr haben sie ihn lediglich zu ihrer Flachheit herabgezogen. Der Leidlichste unter ihnen war noch Joseph b. Elieser Tob-Elem Sefardi (aus Saragossa? blühte um 1330-137021. Wie sein Vorbild machte auch er viele [23] Reisen, wohnte längere Zeit in Jerusalem und wurde durch Schicksalsschläge nach Damascus verschlagen. In der Gemeinde dieser Stadt bekleidete ein Nachkomme Maimuni's Namens David II. b. Josua22 das Amt des Rabbiners und Oberrichters unter dem altüblichen Titel Nagid (Fürst), den seine Vorfahren geführt hatten. Auf dessen Zureden verfaßte Joseph Tob-Elem eine Erläuterung zu Ibn-Esra's Pentateuch-Commentar. Der späte Nachkomme des großen Maimuni hatte demnach eine Art Interesse an einer Wissenschaft, die nicht gerade im Talmud wurzelt. Ob diese Erläuterung ihm auch ganz und gar zugesagt hat? Denn Joseph Sefardi, welcher astronomische und mathematische Kenntnisse besaß, hat diese Seite in Ibn-Esra's Commentar am meisten hervorgehoben, dabei aber einen kühnen Satz aufgestellt, der unbedingt ketzerisch lautet. Ibn-Esra's verhüllte Andeutung, daß manche Verse und Partien im Pentateuch nicht von Mose selbst stammen, nahm sein Erläuterer an und rechtfertigte sie noch dazu. Es sei im Ganzen gleichgültig, meinte er, ob Mose selbst den ganzen Pentateuch niedergeschrieben, oder ob spätere Propheten Manches hinzugefügt haben. Nur Thoren könnten daran Anstoß nehmen. Wenn es heißt: es dürfte nichts hinzugefügt und nichts [24] hinweggenommen werden, so beziehe sich dieses Verbot lediglich auf Gesetzesvorschriften, aber keineswegs auf Wörter oder Verse, welche nur geschichtliche Nachrichten enthalten23.

Die übrigen Dolmetscher Ibn-Esra's hatten weder diesen kühnen Freimuth, noch erreichten sie Tob-Elems Kenntnisse; sie gehen sämmtlich über die verfänglichen, ketzerisch anrüchigen Aeußerungen mit nichtssagenden Phrasen hinweg, mehr aus Naivetät als aus Heuchelei. Samuel Çarça (Ibn-Senéh, blühte um 1360-138024 aus Valencia war ein oberflächlicher Schwätzer, der ohne Sinn und Verständniß zusammengestoppelt hat, was er irgendwo gelesen. Er war von demselben Schlage, wie Schem-Tob Falaquera, nur hatte er weniger gediegene Kenntnisse als dieser. Eine böse Zunge hat den armen Flachkopf verläumdet: er habe die Schöpfung der Welt geleugnet und habe diese ketzerische Ansicht eines Tages in einem öffentlichen Kreise bei einer Hochzeit laut ausgesprochen. Als einst der Trauungsact vorgelesen wurde mit dem Datum: so und so viel Jahre seit Erschaffung der Welt, soll Çarça dem ärgerlich widersprochen und an den Haaren seines Bartes handgreiflich gezeigt haben, daß die Jahre der Welt unzählig seien. Darauf soll der anwesende Rabbiner, mit witziger Anwendung eines Bibelverses: »Warum wird der Dornbusch (Senéh-Çarça) nicht verbrannt?« ihn zum Scheiterhaufen verdammt haben25. Çarça hat sich aber gerade in seinen Schriften viel Mühe gegeben,[25] den zeitlichen Anfang der Welt zu beweisen26, so weit er es mit seinem mittelmäßigen Kopfe vermochte, war überhaupt streng recht- und talmudgläubig und verfaßte ein weitläufiges Werk, um die talmudischen Agadas zu rechtfertigen. »Man müsse Alles was von den talmudischen Weisen mitgeteilt wird, glauben und für wahr halten, und wenn etwas übertrieben oder übernatürlich darin vorkommt, so müsse man dessen Dunkelheit seiner eigenen Kurzsichtigkeit zuschreiben und nicht darüber spotten; denn in ihren Worten sind tiefe Geheimnisse verborgen«27. Wenn Çarça's Persönlichkeit nicht bedeutender war als seine Schriften, so hat man Mühe zu begreifen, wie er noch unter seinen Zeitgenossen Bewunderer finden konnte. Der Mathematiker und Astronomiekundige Isaak b. Salomo Alchadib (auch Dichterling) hat nämlich ein schwärmerisches Sendschreiben an ihn gerichtet28, und Salomo Rëubeni aus Barcelona besang ihn förmlich29, allerdings in schlechten Versen. – Wo möglich noch geistloser ist die Erläuterung des Esra En-Astrüc Salomo Gatiño aus Agramunt (in Catalonien, geb. um 1310, gest. um 138030). En-Astrüc Gatiño gedachte sich damit im hohen Alter ein Denkmal zu setzen, er hat aber damit nur seine Schwäche bekundet. Er mußte selbst eingestehen, daß ihm die mathematischen und astronomischen Partien in Ibn-Esra's Commentarien unverständlich waren, und über anderweitige tiefere Punkte entlehnte er die Erläuterungen eines älteren Auslegers, des Salomo Franco.

Mit dem Talmudstudium, dem sich natürlich noch immer die bessern Köpfe aus Wißbegier und religiösem Gefühle zuwendeten, [26] war es auch nicht besser als mit den profanen und biblischen Wissenschaften bestellt. Auch hier war ein Stillstand, wo nicht noch Schlimmeres eingetreten. Einige Rabbinen großer Gemeinden waren nicht einmal im Stande, einer ihrer Hauptfunktionen, der Auslegung des Talmud für einen Jüngerkreis, zu genügen, wie Amram Efrati in Valencia und En-Vidal Efraim Gerundi auf Mallorca31. Ein französischer Talmudist Salomo b. Abraham Zarfati, der sich auf Mallorca angesiedelt hatte, durfte sich herausnehmen, die spanischen Rabbinen sammt und sonders, selbst den gefeierten R. Nissim Gerundi, wegen ihrer stumpfen Talmudgelehrsamkeit geringschätzig zu behandeln und sie gegen die französischen und deutschen Rabbinen zurückzusetzen32. Aber auch dieser behandelte das Talmudstudium mehr sophistisch, als scharfsinnig. Den Maßstab für die durchschnittliche Bildung der Rabbinen jener Zeit liefert derjenige, welchen die auch nach ihrer Erschöpfung noch immer bedeutende Gemeinde Toledo zu ihrem geistlichen Führer gewählt hat: Menahem b. Ahron b. Zerach, der auch nach einer anderen Seite die Zeitlage vergegenwärtigt.

Menahem b. Zerach (geb. um 1310, gest. 138533) zählte manche Märtyrer in seiner Familie. Sein Vater Ahron gehörte zu den Unglücklichen, welche durch die Habsucht und Tyrannei eines französischen Königs ausgewiesen wurden (VII2265). Mit den wenigen Mitteln, welche der gesetzlich gewordene Raub der Familie gelassen, hatte sie sich in Estella, einer nicht unbedeutenden navarrensischen Gemeinde, niedergelassen. Dort wurden aber Vater, Mutter und vier Brüder in dem Judengemetzel erschlagen, welches ein Dominikaner angeregt hatte (VII2313), weil jene ihren Glauben nicht verleugnen mochten. Der bereits verheirathete junge Menahem war ebenfalls, aus vielen Wunden blutend, dem Tode nah und verdankte[27] seine Rettung lediglich einem Ritter von seines Vaters Bekanntschaft. Kaum genesen, setzte er seine tägliche Beschäftigung, das Talmudstudium, unter seinem Lehrer Josua Ibn-Schoaib, einem kabbalistischen Prediger, fort und besuchte später das berühmte Lehrhaus des Ascheriden Juda in Toledo. Als Vierziger leitete Menahem b. Zerach selbst, von der Gemeinde Alcala (de Henares) dazu berufen, eine hohe Schule. Während des Bürgerkrieges in Castilien wurde er von den wilden Soldaten gemißhandelt, verwundet und beraubt. Von seinem Vermögen blieb ihm nur Haus, Feld und Büchersammlung. Don Samuel Abrabanel nahm sich in der Noth seiner an, so daß er sich von den harten Schlägen ein wenig erholen konnte. Durch dessen Vermittelung wurde Menahem von Alcala nach dem Rabbinatssitze von Toledo berufen und eröffnete hier ein Lehrhaus. Als Jünger und Nachfolger des Juda Ascheri wäre man berechtigt, von ihm etwas Bedeutendes im talmudischen Fache zu erwarten. Allein Menahem b. Zerach ragte nicht über die Mittelmäßigkeiten der Zeit hervor. Um der einreißenden Unwissenheit in religiösen Dingen zu steuern, verfaßte er ein Compendium der theoretischen und praktischen jüdischen Lehre (Zedà la-Derech, um 137434 ebenso faßlich und leicht verständlich wie kurz, bestimmt für die jüdischen Großen, welche bei Hofe und mit den Granden verkehrten und keine Muße hatten, aus weitschichtig angelegten Büchern Belehrung zu schöpfen. Er hat in dieses Werk auch Wissenschaftliches eingestreut, medicinische, psychologische und religionsphilosophische Elemente. Aber es klingt Alles darin so abgedroschen, matt und fade, lauter Gemeinplätze. Die angehängten Theile passen nicht zum Ganzen und schlottern daran herum wie erborgte Gewänder eines Riesen an einer Zwerggestalt. Auch das Talmudische darin ist weder tief, noch ursprünglich. Die bescheidene Bemerkung des Verfassers: daß er den ganzen Inhalt seines Werkes ältern Autoritäten entlehnt hat, ist ganz überflüssig, weil seine Abhängigkeit ohne weiteres kenntlich ist. Das Einzige, was an Menahem b. Zerach's Werke als verdienstlich hervorzuheben wäre, ist, daß es einen gemüthlichen, warmen Ton anschlägt und dadurch wohlthuend gegen die trockenen rabbinischen Auseinandersetzungen absticht.

Nur zwei Männer erscheinen in dieser Zeit aus dem Flachstande der Mittelmäßigkeit und Alltäglichkeit durch Charakter und Wissen gehoben: Chasdaï Cres cas und Isaak b. Scheschet. Sie lebten [28] allerdings beide im Königreich Aragonien, wo die Juden unter Don Pedro IV. und Juan I. weder so verarmt, noch so gebeugt waren wie ihre Brüder in Castilien. Chasdaï Crescas und Isaak b. Scheschet waren zwar nicht so bedeutend, um ihre Zeitgenossen zu beherrschen und ihnen die Richtung ihres Geistes als Regel vorzuzeichnen, bildeten aber doch Brennpunkte für größere Kreise und wurden nicht selten zur endgültigen Entscheidung verwickelter Verhältnisse angerufen. Beide waren auf die Erhaltung und Förderung des Judenthums, auf Friedensstiftung in den nahen und entfernten Gemeinden, auf Aufrichtung der gebeugten Gemüther bedacht, wie sehr auch ihre Mittel beschränkt und die Zeitumstände ihnen ungünstig waren.

Chasdaï Ben-Abraham Crescas (geb. um 1340 gest. um 141035 zuerst in Barcelona und später bis an sein Lebensende in Saragossa, gehörte, wenn auch talmudisch geschult und gelehrt, nicht dem Stande der bestallten Rabbinen an; sein Wohlstand und seine anderweitige Beschäftigung scheinen ihm keine Muße für dieses Ehrenamt gelassen zu haben. Er stand nämlich dem aragonischen Hofe unter Juan I. nah, wurde öfter in wichtigen Fragen zu Rathe gezogen und verkehrte vielfach mit den aragonischen Granden. Mit den Ergebnissen der verschiedenen philosophischen Schulen war er so sehr vertraut, daß er sie mit einer Selbstständigkeit und einer Gedankentiefe beherrschte, die ihn zu einem originellen Denker stempelten. Freilich war die Religion oder die jüdische Ueberzeugung der Urgrund seiner Ideen; aber diese gestaltete sich in seinem Geiste zu einem eigenen Gebilde. Chasdaï Crescas war der erste, welcher die Schwächen der herrschenden Philosophie – der Aristotelischen Weltweisheit, von Juden, Christen und Mohammedanern gleich als unfehlbar hochgeschätzt – tief erkannte, und er brachte ihr gewaltige Stöße bei, die sie bis auf den Grund erschütterten. Wäre seine Zeit metaphysischen Speculationen günstig gewesen, so hätte sein selbstständiger, die Schulformeln durchbrechender Gedankengang eine Umwälzung hervorbringen können. – Von seiner Jugendgeschichte ist nichts bekannt, und man kann auch nicht angeben, unter welchem Einflusse er sich zu dieser Gedankenreife ausgebildet hat, vermöge welcher er sich nicht blos über Maimuni und Gersonides, sondern selbst über Aristoteles' Autorität hinwegsetzte. Seine Vorfahren waren talmudisch gelehrt, und sein Großvater genoß dasselbe Ansehen wie die gefeierten Ascheriden. Er selbst war ein Jünger des Nissim Gerundi von Barcelona im talmudischen Fache. Von Gemüth war Chasdaï Crescas mild und sanft, [29] ein Freund in der Noth, ein zuverlässiger Anwalt der Schwachen. In den unglücklichen Tagen, welche über die Juden Spaniens zu seiner Zeit hereinbrachen, hat er mit allen Kräften zur Milderung der Uebel beigetragen.

An Charakter ihm ähnlich, aber an Denkart grundverschieden war sein älterer Freund Isaak b. Scheschet Barfat (Ribasch, geb. um 1336, gest. 140836, halb und halb noch Jünger des Ben-Adret, da er wohl aus Barcelona stammte und sich unter dessen Sohn und unmittelbaren Schülern, Perez Kohen und Nissim Gerundi ausbildete. Wie er sich Ben-Adret's Klarheit in Auffassung und Behandlung des Talmud aneignete, so auch dessen feindliche Stellung zur Wissenschaft, ja Ben-Scheschet überbot ihn noch darin. Jener hat sich durch die Zeitumstände dazu drängen lassen, sie lediglich der unreifen Jugend zu untersagen. Ben-Scheschet dagegen war in seiner abgeschlossenen Gläubigkeit der Ansicht, obwohl in seiner Zeit von Ketzerei wenig zu fürchten war, daß selbst reife Männer sich davon fern halten müßten. Die Naturwissenschaft und Philosophie müsse man durchaus meiden, weil sie die beiden Grundpfeiler der Thora, die Schöpfungs- und Vorsehungslehre, erschüttern, weil sie das Wissen höher stellen als den Glauben, und weil sie gegen die Wunder Zweifel anregen. An dem Beispiele von Gersonides und selbst von Maimuni fand Ben-Scheschet die Schädlichkeit philosophischer Forschung. Obwohl diese beiden unvergleichliche Größen gewesen, so hätten sie sich doch von der Philosophie verleiten lassen, manche ketzerische Ansicht aufzustellen und manche Wunder in der Bibel zu verflüchtigen37. Sonst war Ben-Scheschet ein sittlich gehobener Charakter, eine milde Persönlichkeit und brachte öfter sein persönliches Interesse dem allgemeinen Besten und dem Frieden bereitwillig zum Opfer. Aber wo er eine talmudische Satzung oder auch nur einen unwesentlichen Brauch verletzt glaubte, verwandelte sich seine Milde in übermäßige Herbigkeit.

Wegen seiner talmudischen Gelehrsamkeit, seines hellen, durchdringenden Verstandes und seines lauteren Charakters war er eine gesuchte Persönlichkeit. Die bedeutende Gemeinde von Saragossa wählte ihn zu ihrem Rabbinen. Die Gemeinde von Calatajud wollte ihn auch den ihrigen nennen, und da Ben-Scheschet gerade einige Verdrießlichkeiten von Gegnern hatte, nahm er die Wahl an und schickte sich bereits zur Uebersiedelung nach Calatajud an. Indessen gaben sich die Saragossaner viel Mühe, ihren Rabbinen zu [30] behalten. Sie riefen die königlichen Behörden zur Hilfe, ihn zum Bleiben zu nöthigen und machten ihm zuvorkommende Zugeständnisse. Er aber wollte sein der Gemeinde Calatajud gegebenes Versprechen nicht eher lösen, bis diese selbst ihn dessen entbände38. Später wurde er von Valencia und Tortosa zum Rabbinen gewählt.

Gleich bei seinem Amtsantritt in Saragossa zeigte Isaak b. Scheschet sein zähes Festhalten an Allem, was dem Buchstaben gemäß, wenn auch dem Geiste zuwider ist. Er fand nämlich zu seinem Leidwesen den Brauch vor, daß am Purimfeste in den Synagogen die Esther-Rolle für Frauen und andere des Hebräischen Unkundige in spanischer Uebersetzung vorgelesen wurde39. Dieser Brauch war auch in anderen spanischen Gemeinden eingeführt und hatte nicht nur den gesunden Menschenverstand für sich, sondern auch die Zustimmung einiger Rabbinen, welche ihn für talmudisch unanfechtbar hielten. Nichts desto weniger erhob Ben-Scheschet ein Zetergeschrei darüber, als drohte dem Judenthum dadurch der Untergang. Er rief die Autorität seines Lehrers R. Nissim Gerundi zu Hilfe, und beide setzten dem schönen Brauche wortklaubende Klügelei entgegen und scheinen ihn verdrängt zu haben.

Noch charakteristischer für Isaak Ben-Scheschet ist seine Fehde mit einem bereits betagten Rabbinen Chajim b. Galipapa, der von entgegengesetzter Geistesrichtung war. Dieser Mann (geb. um 1310, gest. um 138040), zuerst Rabbiner von Huesca und dann von Pampeluna, war eine originelle Erscheinung im jüdischen Mittelalter, die man gar nicht recht unterbringen kann. Während sich damals, namentlich seit der Herrschaft der ascheridischen Richtung, sämmtliche Rabbinen dem Zuge überließen, Erschwerungen über Erschwerungen zu häufen und in zweifelhaften Fällen immer der Schale der Strenge das Uebergewicht zu geben, ging Galipapa von der entgegengesetzten Ansicht aus: Daß man jeden Anhaltspunkt im Talmud hervorsuchen müsse, [31] um Erleichterungen einzuführen. Er berief sich dabei auf ältere Autoritäten, auf R. Tam und andere, welche das talmudisch Verbotene gestattet hätten. Diese Berechtigung dürfe jeder Rabbiner in Anspruch nehmen. Die Zeiten, meinte er ferner, seien auch gegenwärtig viel günstiger für die Entlastung von allzu peinlicher Stockfrömmigkeit, weil die Unwissenheit im Volke nicht mehr so grell sei, und die Befürchtung wegfalle, daß eine Erleichterung die andere nach sich ziehen könnte. Diese Grundsätze sprach Galipapa nicht blos theoretisch aus, sondern befolgte sie auch praktisch. Freilich betrafen seine Erleichterungen nur unerhebliche Punkte. Er gestattete, am Sabbat das Haar zu schlichten und erlaubte, Käse von Christen zu genießen. Aber in dieser Zeit waren auch solche Kleinigkeiten von Wichtigkeit. Auch sonst hatte Galipapa selbstständige, von dem Schlendrian abweichende Ansichten. Den Messiasglauben, seit Maimuni ein Glaubensartikel geworden, dessen Leugnen Ketzerei sei, beseitigte er kühn. Galipapa meinte, die Prophezeihungen im Jesaia von der wunderbaren Herrlichkeit Israels in der Zukunft, seien bereits in der Makkabäerzeit in Erfüllung gegangen. Die Geheimnisse im Buche Daniel deutete er mit richtigem Verständniß, daß der Mittelpunkt derselben die Frevelthaten des Antiochos Epiphanes verhüllt andeute41. Er verfaßte eine eigene Schrift darüber. Es bedurfte dazu vier Jahrhunderte, bis diese einzig richtige Erklärung Galipapa's von der Bedeutung des Buches Daniel sich Bahn brechen konnte und allgemein anerkannt wurde. Seine verständnißvolle Schriftauslegung wurde wahrscheinlich von seinen im Nebel der Mystik hindämmernden und sich weiser dünkenden Zeitgenossen belächelt, aber gegen seine kühne Neuerung für die Praxis erhob sich ein Sturm. Sein Nachbar-Rabbiner Chasdaï b. Salomo von Tudela, ein Mann von nicht sehr lauterer Gesinnung, spielte den Angeber gegen ihn bei Ben-Scheschet, und dieser kanzelte den greisen Galipapa, der bereits Jünger ausgestellt hatte, wie einen Schüler ab. Er betrachtete es als Vermessenheit, daß Männer der Gegenwart sich den Größen der Vergangenheit gleichstellen wollten. Er beschwor Chajim Galipapa, das Aergerniß zu vermeiden und keine Gelegenheit zur Spaltung in der Judenheit zu geben. Die bescheidenen Reformversuche hatten keine Folgen weiter.

Die peinlich religiöse Richtung entsprang allerdings der Stimmung und dem Seelenbedürfniß jener Zeit; je strenger desto besser. Ben-Scheschet und sein Freund Chasdaï Crescas, der, wenn auch kein Feind der Wissenschaft und kein Geistesbanner, doch derselben Ansicht [32] huldigte und die Philosophie in den Dienst der Orthodoxie nahm, sie beide galten nach dem Tode des R. Nissim Gerundi als die ersten Autoritäten jener Zeit nicht blos für Spanien. Rabbinische Anfragen von weit und breit, nicht blos von Frankreich, sondern auch von Italien und Deutschland aus wurden zumeist an Ben-Scheschet42, aber auch an Chasdaï Crescas43 gerichtet. Die stolzesten Rabbinen und die bedeutendsten Gemeinden riefen sie als Schiedsrichter an und ordneten sich ihrem Urtheil unter. Als die ungerechte Verketzerung eines hochangesehenen Mannes nach seinem Tode eine allgemeine Unzufriedenheit unter den Juden von Navarra hervorgerufen hatte, wandten sich die angesehensten Männer, der Oberrabbiner und Leibarzt des Königs von Navarra, Joseph Orabuena, an Chasdaï Crescas, durch seine Vermittelung die aufgeregten Gemüter zu beschwichtigen44. Auch der aragonische Hof betrachtete sie als Vertreter der Judenheit, freilich zu ihrem Nachtheil. In Folge einer Angeberei Böswilliger von unbekannter Natur ließ der König Don Pedro IV. Chasdaï Crescas, Isaak Ben-Scheschet, auch dessen Bruder Crescas Barfat, den greisen Rabbiner R. Nissim Gerundi von Barcelona und noch zwei andere angesehene Männer in Haft bringen. Sie wurden erst nach einiger Zeit auf Bürgschaft entlassen. Man darf wohl Ben-Scheschet Glauben schenken, wenn er versichert, daß sie sämmtlich unschuldig an den ihnen zur Last gelegten Vergehen oder Verbrechen waren45. Ihre Unschuld muß auch an den Tag gekommen sein, da sie später unbelästigt blieben.

Von Frankreich aus wurde die Autorität Chasdaï Crescas' und Ben-Scheschet's in Anspruch genommen, um in einer sehr wichtigen Streitsache in Betreff des Oberrabbinats der französischen Gemeinden ihre endgiltige Entscheidung abzugeben. Dort waren nämlich in den jüdischen Verhältnissen Veränderungen vorgegangen, welche zum Theil mit der politischen Lage des Landes im Zusammenhang standen. Manessier de Vesou, der eifrige Annehmer und Beschützer seiner Glaubensgenossen, war gestorben (zwischen 1375-7846). Von seinen [33] vier Söhnen, Salomo, Joseph, Abraham und Haquinet wurde der erstere in das Amt seines Vaters als Obereinnehmer und politischer Vertreter der französischen Juden eingesetzt, der zweite ging zum Christenthum über47. Salomo und seine Brüder genossen bei Hofe dasselbe Ansehen wie ihr Vater, waren auch von dem Tragen des schändenden Abzeichens befreit und traten auch für das Interesse ihrer Stammesgenossen ein; allein unter den Juden selbst scheint ihre Stimme nicht dasselbe Gewicht gehabt zu haben, wie die ihres Vaters. Mit dem Tode König Karl's V. hörte überhaupt ihre Bedeutung auf. Der Regent Louis, Herzog von Anjou, bestätigte zwar – für Summen – sämmtliche Privilegien der französischen Juden (14. Oct. 1380) und verlängerte deren Aufenthalt um noch fünf Jahre. Allein sein Schutz reichte nicht weit, oder vielmehr, er zog durch seine Unbeliebtheit die Juden in Mitleidenschaft. Die arme Bevölkerung von Paris, welche durch den Steuerdruck zur Verzweiflung getrieben, von dem unmündigen König und dem Regenten durch Zusammenrottungen stürmisch Abhilfe verlangte, wurde von dem verschuldeten Adel gehetzt, ihr Geschrei auch gegen die Juden zu erheben, daß der König sie, »die schändlichen Wucherer, welche die Familien ruinirten,« aus dem Lande jagen möge. Die Volksmasse blieb aber nicht bei den Verwünschungen stehen, sondern, immer von dem Adel aufgestachelt, stürzte sich (16. November 1380) auf die Häuser der Juden, zerbrach die Kasse der Obereinnehmer (der Familie de Vesou), plünderte die Wohnungen, zerriß die Schuldscheine, eignete sich die aufgehäuften Pfänder an, tödtete auch einige Juden und entriß den fliehenden, klagenden jüdischen Frauen ihre Kinder aus den Armen, um sie sofort zu taufen. Der größte Theil der Gemeinde von Paris entkam dem Tode nur durch die Flucht in die Feste Châtelet. Der Regent war über diese Gewaltthätigkeit sehr aufgebracht, weil ihm dadurch eine Quelle zur Befriedigung seiner Habsucht zu versiegen schien, konnte aber wegen der Aufregung der Volksmassen für den Augenblick die Schuldigen nicht bestrafen. Er ließ vor der Hand die Juden wieder in ihre Häuser einsetzen und ausrufen, daß ihnen die geraubten Güter wieder zugestellt werden mögen. Aber nur wenige kehrten sich daran. Auch der Prevôt von Paris, Ritter Hugues Aubriot – ein thatkräftiger Mann, der sich um die Verschönerung und Vergrößerung der französischen Hauptstadt verdient gemacht hat – nahm sich der Juden eifrig an. Er setzte es namentlich durch, daß die geraubten und getauften jüdischen Kleinen ihren Eltern wieder übergeben [34] wurden. Dafür verfolgte ihn der Haß Derer, welche die Wissenschaft zur Verdunkelung statt zur Erleuchtung des Geistes gebrauchten. Der Prevôt Aubriot hatte sich nämlich durch seine Ordnungsliebe die Universitätslehrer und Studenten von Paris zu Feinden gemacht, und diese schwärzten seine Verwendung zu Gunsten der Juden als Verbrechen an. Er wurde vor dem Bischof von Paris beschuldigt, daß er unkeusche Liebe mit jüdischen Frauen getrieben, und daß er sogar heimlich dem Judenthum anhänglich gewesen. Er wurde auch, als der Ketzerei und des Unglaubens schuldig, verurtheilt und mußte seine Menschlichkeit gegen die Juden mit dem Kerker büßen48. Nicht blos in Paris, sondern auch in anderen Städten, wo das Volk sich gegen den Steuerdruck erhob, fielen manche Juden als Schlachtopfer der Aufregung49. Vier Monate später wiederholten sich solche blutige Scenen in Paris und anderen Städten, als der Aufstand der Maillatins (der mit Hämmern Bewaffneten) gegen die Erneuerung der Verzehrungssteuer losbrach. Juden wurden drei oder vier Tage hinter einander abermals geplündert, gemißhandelt und erschlagen (1. März 138150. Der König Karl VI. oder der Regent bemühte sich zwar, die Juden zu schützen und durch allerlei Mittel zu entschädigen. Aber diese konnten sich nicht mehr von dem Schlage erholen. Die Söhne des Manessier de Vesou büßten bei diesen Aufständen ihr Leben ein oder verloren durch Verarmung ihr Ansehen und ihre Bedeutung51.

Diese Veränderungen hatten im Gefolge einen heftigen Streit, welcher fast sämmtliche Gemeinden Frankreichs in Aufregung versetzte. Der Oberrabbiner Matthatia Provenci (o. S. 8) war nämlich ebenfalls zu seinen Vätern eingegangen; an seiner Stelle hatten die Gemeinden seinen ältesten Sohn Jochanan zum rabbinischen Vertreter erwählt, und der König hatte ihn bestätigt. Als er bereits fünf Jahre als solcher fungirt und auch einem Lehrhause vorgestanden hatte, traf ein ehemaliger Jünger seines Vaters, Namens Astrüc Jesaia Ben-Abba-Mari, [35] aus Savoyen, in Frankreich mit einer Vollmacht von dem deutschen Oberrabbiner Meïr b. Baruch Halevi (o. S. 10) ein, vermöge welcher er allein berechtigt sei, ein Lehrhaus zu unterhalten und Jünger als Rabbinen zu ordiniren. Wer ohne seine Erlaubniß rabbinische Funktionen ausüben und sich namentlich mit Trauungen und Ehescheidungen befassen würde, sollte dem Banne verfallen, und die von einem solchen ausgegangenen eherechtlichen Akte sollten null und nichtig sei. Wie es scheint, fand Astrüc Jesaia, der Schützling des Rabbiners von Wien, manche Anhänger in Frankreich, die seiner Autorität Gewicht verschafften; denn selbst seine Gegner gestanden ihm Ueberlegenheit in Talmudkunde zu. Vermöge seiner Vollmachten entsetzte er auch Jochanan seines rabbinischen Amtes, weil dieser sich ihm nicht unterordnen mochte (zwischen 1380-90). Da die Familie de Vesou entweder nicht mehr existirte oder ohne Einfluß war, so fand der abgesetzte Jochanan keine kräftige Unterstützung. Indessen waren doch Manche unter den französischen Juden mit diesem gewaltsamen und herrischen Verfahren des eingewanderten Rabbinen unzufrieden und beklagten sich namentlich über die Anmaßung des deutschen Rabbinen Meïr Halevi, daß er Frankreich wie eine deutsche Provinz behandelte und den französischen Gemeinden Gesetze vorschrieb, wozu er vermöge des Herkommens, daß jede Gemeinde und besonders jedes Land selbstständig sei, durchaus ohne Berechtigung wäre. Es entstand in Folge dessen eine Aufregung in den französischen Gemeinden, die noch dadurch vermehrt wurde, daß Jesaia die Rabbinatssitze seinen Verwandten zuwies. Im Lande selbst konnte der Streit nicht ausgetragen werden. Jochanan wandte sich daher mit seinen Klagen über die ungerechte Behandlung und Amtsentsetzung an die zwei Hauptvertreter der spanischen Judenheit, an Chasdaï Crescas und Ben-Scheschet. Der erstere wurde bei seiner Anwesenheit in Frankreich von beiden Parteien als Schiedsrichter angerufen52. Beide »catalonische Großen« (wie sie genannt wurden) sprachen sich zu Gunsten des Jochanan aus. Wenn diese Verwendung und Unterstützung ihm auch etwas genützt hat, so genoß er doch die Ruhe nicht lange, denn die Tage der Juden von Frankreich waren gezählt.

Der Sturm, der diesesmal von Spanien ausging, hat den alten Stamm, dessen tiefste Wurzeln in diesem Lande waren – seine Blüthenpracht und sein Laubschmuck waren längst geknickt – bis ins [36] innerste Mark erschüttert. Um ihn ganz zu entwurzeln, mußten sich gewaltige Stöße ein Jahrhundert lang wiederholen. In Frankreich genügte ein Windhauch, um die losen, nur wie in Flugsand eingesetzten Pfropfreiser wegzufegen. Das blutige Drama, dessen erster Akt sich gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts und dessen letzter erst zu Ende des folgenden abwickelte, haben die spanischen Juden zum Theil selbst verschuldet. Wenn die Judenfeinde sie anklagten, daß sie sich an den Hof und die Granden drängten, daß sie Reichthümer durch Wucher häuften, daß sie in seidenen Gewändern rauschten, so war allerdings der Tadel zunächst gegen die jüdischen Großen gerichtet, und die Gesammtheit mußte für deren Unklugheiten und Ueberhebungen mitbüßen. Auch von Sittlichkeit durchdrungene Juden klagten über die Selbstsucht und Habgier der jüdischen Reichen. »An diesem Gebrechen haben die jüdischen Fürsten, Adeligen und Reichen am meisten Schuld; sie sind nur auf ihre Ehre und ihre Reichthümer bedacht, auf das Ansehen ihres Gottes nehmen sie wenig Rücksicht«53. Es war in der That eine Zerfahrenheit unter den spanischen Juden eingetreten, welche das Band der Einheit, ihre bisherige Stärke, lockerte. Neid und Mißgunst der Großen gegeneinander untergruben die Brüderlichkeit, vermöge welcher früher Alle für Einen und Einer für Alle eintraten. Edelmuth und Hochherzigkeit, sonst die glänzenden Eigenschaften der spanischen Juden, waren nur selten anzutreffen. Ein Zeitgenosse schildert diese Entartung mit grellen Farben, und wenn diese Schilderung auch nur zur Hälfte zutreffend wäre, so muß der Verfall schlimm genug gewesen sein.

»Die meisten jüdischen Großen« – so berichtet Salomo Alami in seinem Zuchtspiegel oder Warnungsbrief54 – »welche an den Höfen der Könige verkehren, denen die Schlüssel zu den Staatsschätzen übergeben wurden, thun stolz auf ihre hohe Stellung und ihren Reichthum und gedenken nicht der Armen. Sie bauen sich Paläste, fahren auf Prachtwagen oder reiten auf reichgeschmückten Mauleseln, tragen Prachtgewänder und schmücken ihre Frauen und Töchter wie Fürstinnen mit Gold, Perlen und Edelsteinen. Sie sind gleichgiltig gegen die Religion, verachten die Bescheidenheit, hassen die Händearbeit und fröhnen dem Müßiggange. – Sie denken nur daran, sich steuerfrei zu machen und die Last der Abgaben auf die ärmeren Klassen zu wälzen. – Die Reichen lieben Tanz und Spiel, [37] kleiden sich in Landestracht und gehen mit geglättetem Barte einher. Sie füllen ihren Leib mit Leckerbissen, während die Jünger der Lehre in Brot und Wasser der Noth darben. Daher sind die Rabbinen verachtet; denn alle Klassen wenden ihre Söhne lieber dem niedrigsten Handwerke zu, als sie zum Studium des Gesetzes erziehen zu lassen. – Bei der Predigt überlassen sich die Reichen einem süßen Schlummer oder schwatzen mit einander, und der Prediger wird durch das Lärmen von Männern und Frauen hinter der Synagoge gestört. Wie andächtig sind dagegen die Christen in ihren Bethäusern! – Für Almosengaben haben sie kein Geld, lassen sich zehnmal von den Sammlern mahnen oder geben nur, um sich einen Namen zu machen. – In jeder Stadt leben die Vornehmen in Streit mit einander, wegen niedriger Sache regen sie Zwietracht an. – Noch schlimmer ist der Neid und die Mißgunst, die sie gegen einander hegen; sie verläumden einander bei den Königen und den Fürsten.«

In der That nahmen in dieser Zeit Angebereien, früher eine äußerst seltene Erscheinung unter den Juden, überhand und richteten sich sogar gegen Rabbinen. Wie der greise R. Nissim Gerundi, Isaak Ben-Scheschet, Chasdaï Crescas mit ihren Freunden durch einen elenden Angeber gefährdet wurden (o. S. 33), so schmiedeten andere Nichtswürdige Ränke gegen den Rabbiner von Alkolea de Cinca, En-Zag Vidal de Tolosa (Sohn des berühmten Jom-Tob Vidal de Tolosa VII2. S. 331) bei der Königin von Aragonien, um ihn zu verderben55.

Die Rabbinen, welche mit einigen Beisitzern auch Gerichtshöfe für peinliche Fälle bildeten, verfuhren sehr strenge gegen Angeber und Verräther und verhängten sogar Todesstrafe über sie. In Castilien, Aragonien, Valencia und Catalonien bestand dieser Brauch seit uralten Zeiten56. Die jüdischen Gerichtshöfe bedurften zwar zur Vollstreckung eines Todesurtheils einer besonderen Bestätigung von Seiten des Königs durch ein besonderes untersiegeltes Schreiben (Albalá, Chotam), aber diese war im Nothfalle durch die Vermittelung eines jüdischen Höflings oder durch Geld zu erlangen. Dieses Verfahren vergrößerte aber nur das Uebel, statt es zu heilen; denn mit solchen Angebern wurde kurzer Prozeß gemacht, ohne eingehendes Verfahren und Zeugenverhör57, was nur dazu beitrug, deren Verwandte [38] und Freunde außerordentlich zu erbittern. Dann wurden auch Aeußerungen als verrätherische Angebereien behandelt, die gar nicht diesen Charakter hatten58. Das rücksichtslose Verfahren eines jüdischen Gerichtshofes gegen die angebliche Angeberei eines hochgestellten und beliebten Mannes war, wenn auch nicht die Ursache, doch jedenfalls die Veranlassung zur ersten ausgedehnten blutigen Judenverfolgung in Spanien, und diese hatte die Verbannung der Juden aus der Halbinsel in letzter Verkettung zur Folge.


Fußnoten

1 Vergl. das Citat B. VII2. S. 407 auch Menahem b. Zerach Zeda la Derech Einl. Il. de Lates a.a.O. Ende: דרפסב םיראשנה םידוהיה בור גרה (וקירניא ןוד) רזממה .ןויזבלו יבשלו הפרחל וענ םג וסנ םיראשנהו


2 B. VII2. S. 401.


3 Imanuel Aboab Nomologia p. 290: Estimó en mucho el prudente Rey don Henrique la constancia de los Hebreos, y dixo: que tales vasallos come aquelles devian los reyes amar mucho y premiarlos, quales tenian mas respecto à la fidelidad de vita a su Rey aunque vencido y muerto, que no á la presente fortuna del vencedor, y despues se le entregaron con partidos muy honrosos.


4 Amador de los Rios, historia ... de los Judios de España y Portugal II. 312 f. und die Urkunde Documentos justificativos VIII. p. 571. Der gelehrte Don José Amador de los Rios, welcher zuerst in Spanien die Geschichte der Juden mit Unparteilichkeit behandelt hat, schrieb 1848 Estudios historicos politicos y literarios sobre los Judios de España in einem Band, welchen er als Essais – Ensayos – bezeichnete. Statt einer verbesserten Auflage verfaßte er das umfangreiche Werk historia social, politica y religiosa d.l.J. in drei Bänden 1875-76, wobei er viele neue Quellen benutzt hat. In den Citaten aus diesem letzten Werke bezeichnete ich es kurz Amador. Dagegen das erste Werk A. Estudios.


5 Ayala cronica II. zum Jahre 1379 c. 3.


6 Menahem b. Zerach a.a.O.: ... לאברבא לאומש ןוד ויתאצמו ... הכפהה ךותמ תאצל יורזע רשא איליבשיא יבשותמ יכ יתוארבו ... םהל ביטמו ןברקמו םימכחה בהוא לכש לעב לכ םמע ראשל הנצו ןגמ םה .. ךלמה ונינודא רצחב םיכלודד תלעמ יפל שיא ... Ob unter dem: לינאברבא ינבמ דחא רש והדלומ ץרא איליבשמ אב in dem langen Dialog in Schebet Jehuda (No. 7, p. 10) Samuel Abrabanel zu verstehen sei, ist um so weniger zu entscheiden, als der Dialog jedenfalls fingirt ist (vergl. Note 4). Wenn der Kern historisch sein sollte, so müßte er in Don Heinrich's II. Zeit spielen, und man müßte dann im Anfang lesen: שאמוט םע דרפסמ וסנופלא ךלמה (ןב) ןיב היה חוכיו. Allein der Passus p. 17 setzt das Vorhandensein von vielen jüdischen Zwangstäuflingen voraus, was erst im fünfzehnten Jahrhunderte vorkam: ינא ךלמה רמא םידוהיה חירכהל ושקב רשא ינומדקש םיכלמה תעדמ קוחר םה םתיבשמ ירדחב יכ םדיב התלע אל ףוסבלו ושי תנומאב ימ םה םידונא תומימ השלש יכ ורמא רבכו םהיאנה לכב םידוהי .ןייה לעש םימהו םיב םילפונה םימהו ידודי שיא לע ומשיטבאבה


7 Folgt aus Menahem b. Zerach's Worten oben. Vergl. auch Respp. Isaak b. Scheschet No. 197: ןבואר ןשיה עבטמה ןמ תעקרק לע .הנובשמב םיפלא 'ז יולל בייח היה עיבר הוש היה אלש שדה עבטמ השע קירנא ןוד ךלמה כ"חאו רבש תתל לוכי היה אלש רובעב השע הזו ןושארה עבטממ וק?נ חיה יכ הארו ותוכלמב בשיתנשכ םינש רחאו ... ויתוליחל ןבוארו .ותוא לספו ... אוהה עבטמח ןמ ותוכלמ לכב לודג דספה לוספל ותעדו ךלמה ןוצר ןיבהשכ ךלמה רצחב ךלוה היהש הז .'וכו יול ןוערפל .. םיפלא 'ו םש ... אודה עבטמה


8 Cortes de Leon y Castilla; Lafuente, historia general de España VII. p. 328. Amador das. 316 f.


9 Cortes de Leon etc.


10 Samuel Çarça ללכמ (Ms.) Einl.: יתוארב הז לכ םעו ויה םייולגד םירבד וליפאו לארשימ תחכתשמ הרותהש .'וכו םיימינפה ןכש לכו לארשימ םיחכתשמ


11 Vergl. darüber Carmoly Orient, Jahrg. 1841 Ltb. col. 235 und die Berichtigung des Dr. Beer das. col. 312 ff. Zarak's Gedicht wurde verfaßt 1364.


12 Dieser Convertit wird öfter von Alfonso de Spina in dessen Fortalitium fidei unter dem Namen Johannes conversus oder magnus Johannes citirt und ist verschieden von Alfonso de Valladolid. Er allegirt von ihm, daß er vierzig Jahre nach dem Vorfall des Propheten von Avila 1295 geboren sei, 1335. In consideratio VII theilte er von demselben mit: qui (Johannes) ex praecepto regis in civitate Burgensi coram domino Gomecio, Archiepiscopo Toletano, cui rex negotium commisit, disputavit cum sapientibus Judaeorum. Dasselbe erzählt Mose de Tordesillas in רזע הנומאה (Ms.) Einl. (5135 = 1375 ילהצ תנש) הנשה ותואבו ורימהש םישקו לעילב ינב םישנא ינש ( הליבאל) ןאכל ואב לכב ךלמה ונינודא בתכמ חכב השדח הרות םהל ורחבו ונתרות םוקמ לכל םידוהיה לכ תא ףוסאל םהל השרהש ךלפו זוחמ םהיתדו םחנומאב םהמע חכוההל וצפחיש ןמז לכבו וצריש .הלודגה םתסינכ תיבל הליחתב ונתוא ונימזיו


13 Einleitung zu הנומאה רזע.


14 Einleitung zum selben Werke. Unter Anderem bewies der Convertit Johannes aus dem Schluß-ם im jesaianischen Verse 9, 6 הרשמה הברסל Jesu jungfräuliche Geburt von Maria; das regelwidrige ם soll auf Maria anspielen.


15 Das.


16 Vergl. über ihn und sein polemisches Werk ןחב ןבא die Bibliographen. Wolf und Andere haben ihn mit dem Namen des um ein Jahrhundert früher lebenden Schem-Tob b. Isaak Tortosi (VII2 S. 113) verwechselt, was de Rossi bereits berichtigt hat in seinen Codices No. 347, 760 und in seinem Dizionario storico s.v. Sprat. Isaak b. Scheschet, der mit ihm correspondirte, ertheilt ihm nur den bescheidenen Titel: ,ןוכנה רבחה No. 210, 226, 515.


17 Eben Bochan II. c. 9: תנומא תויהל בוט םש רמא יתיאר ןושארה םדא ןוע רפכל ,םחישמ תאיכב היולת םירצונד הנול יד ודדיפ ןודאה םע יל תיד רשא חוכוה הנה איבהל םיבר םימכחו םינואגה ינפב הנולפמאפ ריעב ןיגדאמ לאנידראק .ותיבב


18 Vergl. Note 2.


19 Der Eingang zu Eben Bochan lautet: רבחמה רמא םינשבו המכחב ריעצה ינא יתיארב הליטת ריעמ ... בי? םש ונללכמ ואצי רשא ונתירב ישנאמ וניניב ובר ... ןמזה תורצ יטושפ ךותמ ונל םילאושו ונמע חכוההל ... ונירחא םיפדור םישובכ ידבד םהמו םתנומאו םתד םויקל םהמ תודגההו םיבותכה שי םג .שקומלו חפל ונל םהו ונינודא םירצונה יניעב ונשיאבהל וניתונועבו .ונמע חכוההל םיצור םירצונד ימכחמ םיבר ונמע הרותו םילדו םיכלוה ונא וירקמו תולגה תורצ תוברל וברש הכלהכו תדכ םהל בישהל םילובי ונא ןיאו .לארשימ תחכתשמ םיסמה לועו ונפטו ונישנ ונתיחמ יקסעב וניתוררט חבסל תבסל ןחב ןבא ... רפס רבחל שימלחכ ינפ יתמש ןכל ונילע. Der Schluß des XIV. Abschnittes lautet: ןבא ... םלשנ הזבו .הנוגארט ריעב הריציל םיעבראו 'ק 'ה תנש רייא שדחב ןחב


20 Das. Abschn. XV.: הז רפס יתרבת םיימ םיבר םימי ירחב ירטשיאמ רבה רשא תוצאנ רפס ינאדיו 'ה די ילע התיה – .'ה תומחלמ רפס לע רמומה ישנופלא


21 Joseph Tob-Elem, Verf. des handschriftlichen Ibn-Esra-Commentars הנעפ תנפצ und des edirten Auszuges daraus ףסוי להא, ist vielleicht identisch mit dem Verf. des תופוקתהמ תוחיל (in der Vaticana bei Bartolocci III. No. 724), wo er als האטסוקארסב ןייד figurirt. Diese Tafeln sind verfaßt 5095 = 1335. Der Ibn-Esra-Commentar ist verfaßt nach 1358, wie aus einem Passus zu הוצת hervorgeht: המכ ונממ לודג ן"במרש יפ לע ףא ותלבק םרה ומצעב אוה הנה הלבק ירבד וידבדש רמאו תולעמ אל חישמהו ח"יק רבע הנהו חישמ אבי ח"יק תנשב רמא רשאב ?יתלבק ריאו .אב


22 Die Genealogie der Maimuniden ist in Einl. des Tob-Elem'schen Comment., in der Edition wie in den Codices, lückenhaft und zwar wegen Gleichheit der Namen. Sie muß lauten: 'ר לודגה דיגנה ינפל יתארקנ איקנ ןב םהרבא 'ר ןב דוד 'ר ןב םהרבא 'ר ןב עשוהי 'ר ןב רוד ם"במ'ר. Vergl. Maskir Ig. I. S. 21 aus einem Codex. Abraham Maimuni II. lebte im ersten Viertel des XVI. saec. (VI.2305, 341), sein Enkel David II. hat demnach in der zweiten Hälfte desselben Jahrh. nach 1358 gelebt. David's II. zwei Söhne sind durch Tamerlan's Heer 1400 in Gefangenschaft gerathen, wie da Rieti als Zeitgenosse berichtet: ונב םהרבא 'ר הנהו וינב ינשו דוד 'ר דילוה הידבוע 'רו הירבוע 'ר דילוה (דוד 'ר לש) (ונירוענ ימיב היה הזו םדל היה המ עדונ אלו היבשב וכלה .. (היבשב ונלרומטה םאשנ Var:) (Vergl. Rieti טעמ שדקמ ed. Goldenthal p. 101 und Einl. p. XXVII). Der Zeit nach waren diese zwei Gefangenen die Söhne desselben David II., auf dessen Antrieb eben dieser Joseph Tob-Elem sein Werk ausgearbeitet hat. Wenn dieser nun dessen Vater Josua nennt, während da Rieti ihm den Namen הידבוע giebt, so kann nur Letzterer sich geirrt haben. Die Genealogie der Maimuniden, wie sie Carmoly aus einem Codex angiebt (Jost's Annalen I. S. 55), beruht wohl auf einem Irrthume, wie auch die dort angegebene Chronologie nicht ganz richtig ist. Vergl. die Genealogie der Maimuniden Joseph Samberi םיטוקל in Neubauers Anecdota Oxonien p. 134 f. mit der Schlußbemerkung: אצמנש המ ןאכ דע

.םירצב םבמרה לש הלעמהו םחיה תלשלשמ


23 תנעפ תנפצ Ms. zum Verse ץראב וא ינענכהו Genesis 3, 5: עשוהי קר ןאכב הלמה תאז השמ בתכ אלש הארנ ךכיפלו ורבדב ןימאהל ונל שיש רחאו ... הובתכ םיאיבנה ראשמ דחא וא רחא איבנ ובתכש וא השמ ובתכש יל המ האובנה ירבדבו הלבק אל בותכ הנה רמאת םאו .האובנב םהו תמא םלכ ירבד ליאוה לע ... תוצמה לע קר... רמאנ אל יכ .... הבושתה ונילע ? ףוסות הוצמ וניאש רבדב יכ ףאו .... תולמה לע אל לבא תו?מה רפסמ םודי ליכשמהו .ןכ ... תפסות ארקי אל .ורבעש םירבד רופס קר .דבכ לע ומישאי םיאתפד קר .קיזי אל הז יכ


24 Çarça's Zeitalter, das Wolf um ein Jahrhundert zu früh angesetzt, ist aus der Einleitung zu seinen Schriften deutlich genug gegeben: םייח רוקמ Supercomment. zu Ibn-Esra, verfaßt 5128 = 1368 (im Münchener Codex und im Abdruck fehlt die Einheit 8) und ללכמ יפוי (Ms.) verfaßt ein Jahr später (B. VII.2 S. 407 Anmerk.). Später schrieb er noch vier Werke, wie der Epilog zum letztgenannten Werke angiebt: הצילמה תאז תנולצרבמ ינביארה קחצי רב המלש 'ר םתוא השע םירבדה הלאו (בוט ופוס ) ט"ס הנם ןבא לאומש 'ר רואמה רבחש םירפסה לע םהרבא ןגמו רומה רורצו תדה םצעו שדוקה תרהטו ... םהו. Die 3 Letztern sind den Bibliographen unbekannt geblieben.


25 Diese Sage hat der erste Editor von Zakuto's Jochasin, Samuel Schullam, man weiß nicht aus welcher Quelle, zuerst mitgetheilt. Die Sagenhaftigkeit ergiebt sich aus der chronologischen Erwägung, daß Isaak Campanton, welcher diese Verdammniß ausgesprochen haben soll, erst 1463 starb, bei Çarça's Abfassung des םייח רוקמ noch ein Kind war, wenn er auch über 100 Jahre alt geworden ist.


26 Vergl. den Anfang seines Mekor Chajim.


27 ופוי ללכמ III. 16.


28 Zu Ende des Mekor Chajim; über Alchadib vergl. Wolf I. No. 1160 und Zunz zur Geschichte S. 423.


29 Oben S. 25 Anmerkung 2.


30 Derselbe hat seinen Supercommentar in zwei Bücher getheilt; das über die leichteren Stellen nannte er תונורכזה 'ס und vollendete es Ellul 1372 im Alter: הנקזה תעל ימצעל יתרבח, das zweite über schwierige und dunkle Partien vollendete er später unter dem Titel דוס ויאריל 'ה. Beide Ms. noch in mehreren Bibliotheken. Gatiño citirt in seinen Schriften öfter den Supercommentar Franco's und einige Male den des Salomo b. Jaisch. Beide sind in der Bodleiana – No. 1258 und 232 – vorhanden. Franco und S. b. Jaisch waren demnach ältere Zeitgenossen Gatiño's und gehören mithin dem 14. Jahrhundert an. – Daß auch Schem-Tob Schaprut einen Commentar zu Ibn-Esra unter dem Titel הנעפ תנפצ – wie Elieser Tob-Elem Sefardi – geschrieben hat, geben Cataloge an: de Rossi Codex No. 1341. Der Vollständigkeit wegen sei noch angeführt, daß Samuel b. Saadia Motot seinen Supercomment. zu J. E. ebenfalls zur selben Zeit verfaßte: 1352; vergl. die Bibliographen.


31 Vergl. Isaak b. Scheschet Respp. No. 445, 375.


32 Das. No. 376.


33 Sein Todesjahr ist auf seiner Grabschrift gegeben (Epitaph. der Toledaner Gemeinde, Abne Sikkaron p. 15 No. 10), nämlich der Zahlenwerth der Buchstaben בא ןיא וניה = 5145 = 1385. Da er daselbst als alt geschildert wird, so ist sein Geburtsjahr ungefähr gegeben. Es wird aber noch durch zwei Momente näher bestimmt. Er giebt selbst an, daß er in Navarra geboren wurde, also nach der Auswanderung seines Vaters in Folge der Judenvertreibung aus Frankreich, nach 1306. Er giebt ferner an, daß er zur Zeit der Navarrensischen Verfolgung von 1328 etwas über 16 Jahr alt war. – Wenn Zacuto sein Todesjahr 1374 ansetzt, so beruht sein Irrthum hier, wie bei vielen andern Daten darauf, daß er das Jahr, welches Menahem b. Zerach als Beispiel in seiner Kalendertasel gebraucht hat, für das Todesjahr aufgestellt hat. – Die biographischen Notizen sind in der Einleitung zu seinem Werke enthalten.


34 Neben dem hebr. Titel ?רדל הדיצ hat es auch einen chaldäischen ןיחראל אדוז; erste Edition Ferrara 1554.


35 Vergl. über ihn Note 2.


36 Vergl. Note 2.


37 Respp. No. 45, 118, 447.


38 Das. No. 192 gegen Ende.


39 Das. No. 388-391.


40 Das Responsum No. 394 das. ist zwischen 1374-1391 erlassen, weil R'Nissim bereits als verstorben citirt wird, Chasdaï b. Salomo aber noch damals in Tudela war (vergl. Note 2). Chajim b. Galipapa wird aber von Ben-Scheschet darin als Greis bezeichnet: לע רמאיש הבישיב בשויו המכח הנקש ?קזל הלילה ןימי אוהש לאמש. Nach dem Jahre des schwarzen Todes verfaßte er ein Werk: םיאפר קמע (Ms. in der Bibliothek Oxford No. 834, 13), worin er auch die Judengemetzel in Catalonien schilderte (VII.2 S. 361). Er verfaßte auch eine Abhandlung הלואגה תרגא. Vergl. Albo Ikkarim IV. 42. תרגאב הפפילג םייח 'רה בתכ ןכ םג ןכו תיב לע' ויה (דיעשי לש) ויתואובנ לכ יכ הלואגה תרגא :הארק 'וגו דבל ינש. Er ist auch Verf. eines Commentars zur Aboda, de Rossi Codex No. 313, p. 171.


41 Albo a.a.O.: (לאינדב) רמאנש המ ... הפפילג םיית .. בתכ .וכו םכויטנא לע רמאנ לכה ... אלבי ןינוילע ישידקלו


42 Vergl. Ben-Scheschet Respp. No. 262: ורחא םא תולאש ינופיקהו ינובבס ינובס יכ ... המתת לא יתבושת ימעפ םיקחרמ ץראמ תוליבח תוליבח; aus Deutschland No. 193, 194, 479; aus der Lombardei No. 127, 171 ff.


43 Vergl. Note 2.


44 Das.


45 Vergl. Note 2.


46 Folgt daraus, daß er in der Ordonnance vom 25. Juni 1375 noch als lebend erwähnt wird, Ordonnances des rois de France ed. Sécousse T. VI. p. 118, dagegen in der vom 9. August 1378 sein Sohn Salomo als commis und receveur des Juifs aufgeführt wird, das. p. 340, verglichen mit der Ordonnance vom 14. Oct. 1380, das. p. 520.


47 Ordonnances a.a.O. Depping histoire des Juifs p. 192.


48 Le moine de St. Denys. Laboureur, l'histoire de Charles VI. chap. 7; Juvénal des Ursins p. 8. Sécousse, Einl. zum T. VI. der Ordonnances p. XIX. f. Depping a.a.O. p. 184 f.


49 Folgt aus Ordonnances VI. p. 562.. la notoire et enorme comocion qui n'aguères a esté faicte à l'encontre d'eulx (des Juifs), tant en notre dicte ville de Paris, comme en plusieurs autres lieux. Das. VII p. 469.. puis notre couronnement ils aient esté pilez et volez en.. Paris e en aucunes autres lieux; auch das. p. 232.


50 Vergl. Sécousse, Einl. zu Ordonnances T. VI. p. XXV. Note 4.


51 Folgt daraus, daß in den Ordonnanzen von 1387 ganz andere Namen: Ysaak, Christofle et Vivant de Montréal als procureurs de Juifs, d.h. als Vertreter, figuriren, T. VII, p. 169 f.


52 Von diesem Streite handeln die Respp. Isaak b. Scheschet No. 268 bis 272. Die Zeit ist oben annähernd bestimmt. In dem Schreiben des Jochanan an Isaak b. Sch. No. 270 wird Jesaia b. Abba-Mari auch קודתשא 'ר genannt. Vergl. noch Note 2.


53 Isaak Ben-Scheschet Respp. No. 373.


54 Salomo Alami רסומ תרגא, verfaßt 1415 in Portugal, erste Edition Constant. 1619; ich citire nach der letzten Edition von Jellinek (Leipzig 1854); die grelle Schilderung von p. 26 an.


55 Isaak b. Scheschet Respp. No. 473.


56 Das. No. 79. Auch bei Ayala Cronicas II. p. 126.. decian (los Judios) que siempre ovieran ellos por costumbre de matar qualquier Judio, que era malsin.


57 Ben-Scheschet das. No. 234 ff.


58 Vergl. dieselbe No. und auch No. 473.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig [1890], Band 8, S. 40.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Holz, Arno

Phantasus / Dafnis

Phantasus / Dafnis

Der lyrische Zyklus um den Sohn des Schlafes und seine Verwandlungskünste, die dem Menschen die Träume geben, ist eine Allegorie auf das Schaffen des Dichters.

178 Seiten, 9.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon