3. Kapitel. Die Reuchlin-Pfefferkornsche Fehde oder der Talmud, ein Schibolet der Humanisten und der Dunkelmänner.

[63] Das Aufblitzen einer bessern Zeit; Pfefferkorn und die Cölner Dominikaner, Hochstraten, Ortuin Gratius und Arnold von Tongern. Viktor von Karben und seine erzwungenen Angriffe auf den Talmud. Pfefferkorns oder der Dominikaner Schmähschriften gegen Juden und Talmud. Die Herzogin-Äbtissin Kunigunde, Hilfsgenossin der Dominikaner gegen den Talmud. Erstes Mandat des Kaisers Maximilian gegen denselben. Konfiszierung der Exemplare in Frankfurt. Einmischung des Erzbischofs von Mainz. Das Augenmerk der Judenfeinde auf Reuchlin. Reuchlin und seine hebräischen und kabbalistischen Studien. Vereitelung der Konfiszierung durch die Juden. Wühlerei der Dominikaner. Mandat des Kaisers, ein Gutachten von den Universitäten, von Reuchlin, Viktor von Karben und Hochstraten über das jüdische Schrifttum einzuholen.


(1506 bis 1510.)

Wer hätte das damals ahnen können, daß gerade von dem plumpen, allerwärts für dumm gehaltenen deutschen Volke, von dem Lande der Raubritter, der täglichen Fehden um die nichtigsten Dinge, der Zerfahrenheit politischer Zustände, wo jeder zugleich Despot und Knecht war, nach unten unbarmherzig tretend und nach oben erbärmlich kriechend, wer hätte es damals ahnen können, daß gerade von diesem Volke und diesem Lande eine Bewegung ausgehen würde, welche die europäischen Zustände bis in ihre Tiefen erschüttern, eine neue Gestaltung der politischen Verhältnisse schaffen, dem Mittelalter den Todesstoß versetzen und dem Anbruch einer neuen Geschichtsperiode das Siegel ausdrücken würde? Eine Reformation der Kirche und des politischen Zustandes, welche erleuchtete Geister damals geträumt haben, hätte man am allerwenigsten von Deutschland erwarten können. Sollte von diesem Lande der größten Ohnmacht, wo der Kaiser selbst, der sich den Herrn der Welt nannte, vergebens befahl und drohte, und wo nur die kleinen Tyrannen, aber auch nur für kurze Augenblicke, etwas zu sagen hatten, von diesem Lande sollte eine Kraftanstrengung ausgehen, welche die europäischen Völker verjüngen sollte! Gewiß, das schien den damals Lebenden als eine baare Unmöglichkeit. Und [63] doch schlummerten in diesem Volke stille Kräfte, welche nur geweckt zu werden brauchten, um eine Wiederverjüngung herbeizuführen. Unter den Deutschen herrschte noch die alte Lebenseinfachheit und Sittenstrenge, allerdings pedantisch und mit lächerlicher Außenseite, während in den tonangebenden romanischen Ländern, in Italien, Frankreich und Spanien, bereits Überfeinerung, Übersättigung und sittliche Fäulnis eingetreten waren. Gerade weil sich bei den Deutschen die urgermanische Plumpheit am längsten behauptet hatte, konnte es den sittenverderbenden höheren Geistlichen nicht ganz gelingen, sie mit dem Gifte ihrer Lasterhaftigkeit zu verderben. Die niedrige Geistlichkeit war hier im Verhältnis zu der der übrigen europäischen Länder keuscher und verschämter. Der angeborene Sinn für das Familienleben und gemütliches Anschließen, welches die Deutschen mit den Juden gemein haben, bewahrte sie auch vor jener Zuchtlosigkeit, welcher die romanischen Völker damals bereits verfallen waren. Und gerade weil der deutsche Volksstamm schwerer zum Begreifen und unbeholfen zum Denken war, hatte er auch seinen Glauben und den Sinn für Recht und Wahrheit bewahrt und sie sich nicht gleich den übrigen Völkern durch Klügelei abhanden kommen lassen. In Rom und Italien verlachte man in den gebildeten Kreisen und am meisten am päpstlichen Hofe das Christentum und seine Glaubenslehren und klammerte sich nur an die daraus entsprungene politische Macht.1 In Deutschland dagegen, wo man außer in den Trinkstuben wenig lachte, machte man mit dem Christentume mehr Ernst, dachte es sich noch als ein Ideal, das einmal lebendig gewesen und wieder lebendig werden müßte.

Aber diese sittlichen Keime im deutschen Volksstamme waren so sehr verborgen und vergraben, daß es günstiger Umstände bedurfte, sie ans Licht zu treiben und als geschichtliche Mächte hervortreten zu lassen. Einen großen Anteil an der Erweckung der schlummernden Kräfte hatte – wie sehr es auch die Deutschen selbst verkennen – mittelbar der Talmud. Man darf kühn behaupten, daß der Streit für und wider den Talmud das Bewußtsein der Deutschen wachgerufen und eine öffentliche Meinung geschaffen hat, ohne welche die Reformation, wie so viele andere Versuche in ihrer Geburtsstunde gestorben, ja gar nicht zur Geburt gelangt wäre. Ein geringfügiges Gerölle hatte einen erschütternden Lawinensturz herbeigeführt.

Das unscheinbare Sandkörnchen, welches diesen Sturz herbeiführte, war ein unwissender, grundgemeiner Mensch, der Abschaum der Juden, welcher nicht verdient hat, daß von ihm in der Geschichte die Rede sei, den aber die Vorsehung bestimmt zu haben scheint, wie den Stinkkäfer, ein nützliches Werk wider Willen zu vollbringen.

[64] Joseph Pfefferkorn2 aus Mähren war seines Handwerkes ein Metzger und selbstverständlich unwissend. Allenfalls verstand er Hebräisch zu lesen, aber nicht mehr als jeder Jude der damaligen Zeit, der nicht zum Gelehrtenstande gehörte. Mit der Verlogenheit, worin er eine Meisterschaft erlangte, behauptete er später von seinem Vetter Meïr Pfefferkorn talmudische Gelehrsamkeit erworben zu haben; er konnte aber nur des Hebräischen unkundige Christen damit täuschen. Seine sittliche Verworfenheit war aber noch größer als seine Unwissenheit. Pfefferkorn beging einen Diebstahl mit Einbruch, wurde ertappt, dafür von dem Grafen von Guttenstein mit Kerkerhaft bestraft und nur auf dringendes Bitten seiner Verwandten und Erlegung von Strafgeld davon befreit. Diese Schmach, so scheint es, hatte er mit Taufwasser abwaschen wollen, und die Kirche war nicht sehr wählerisch, sie nahm auch einen solchen gemeinen Wicht auf, als er sich zur Annahme des Christentums im sechsunddreißigsten Lebensjahre mit Weib und Kindern meldete. Als Christ nahm er den Namen Johannes an (um 1505?). In Cöln scheint er die Taufe empfangen zu haben; jedenfalls wurde er dort von den unwissenden, hochmütigen und fanatischen Dominikanern gehegt und gepflegt. Hatten sie in ihm ein brauchbares Werkzeug erkannt, oder hat ihnen sein niedliches, lebhaftes, nicht allzu sprödes Weibchen gefallen?3 Genug, die Cölner Dominikaner zeigten ihm sehr viel Wohlwollen und bewirkten für ihn vom Bürgermeister den Posten eines Hospitalaufsehers und Salzmessers. Er hatte den Christen das Märchen aufgebunden, daß er ein Abkömmling des Stammes Naphtali wäre. Cöln war damals ein Eulennest lichtscheuer Großsprecher, welche den Anbruch [65] einer hellen Zeit mit den finstern Wolken wissensfeindlicher Dummgläubigkeit verdunkeln zu können meinten. An der Spitze desselben stand Hochstraten (Hoogstraten), Inquisitionsrichter oder Ketzermeister ein gewalttätiger, rücksichtsloser Mensch, der sich nach Brandgeruch verkohlter Ketzer förmlich sehnte, humanistisch gebildete Männer aus Cöln verbannen ließ und in Spanien einen brauchbaren Torquemada abgegeben hätte. Ihm ähnlich war Arnold aus Tongern (Tungern), Professor der Dominikaner-Theologie, der einmal in seiner Vaterstadt ein Verbrechen begangen hatte und darum seine Herkunft vergessen machen wollte. Der dritte im Bunde war Ortuin de Graes aus Deventer, mit seinem lateinischen Namen Ortuinus Gratius,4 der Sohn eines Geistlichen, der es darin seinem Vater nachtun wollte. Er hatte von den schönen Wissenschaften nur ein wenig gekostet, wurde nichtsdestoweniger von seinen Freunden und Gesinnungsgenossen als Poet und Magister der schönen Künste über die Maßen gepriesen.

Ortuin de Graes hegte einen so glühenden Haß gegen die Juden, daß er nicht bloß aus Glaubenseifer entstanden sein konnte. Er verlegte sich förmlich darauf, durch judenfeindliche Schriften den Haß der Christen gegen sie rege zu machen. Allein zu unwissend, um ein judenfeindliches Buch oder auch nur eine Flugschrift zustande zu bringen, zog Ortuin Gratius getaufte Juden heran, die ihn mit Stoff versehen sollten. Ein Jude, der bei irgend einer Verfolgung oder aus anderen Gründen in seinem fünfzigsten Lebensjahre zum Christentum übergetreten war und den Namen Viktor5 von Karben (geb. 1442, gest. 1515) angenommen hatte, wurde zum Rabbiner gestempelt – er verstand nur wenig Hebräisch und Rabbinisch – um dessen Bekämpfung des Judentums und Anerkennung des Christentums mehr ins Gewicht fallen zu lassen. Um seine Christgläubigkeit zu prüfen, hatte der damalige Erzbischof und Kurfürst von Cöln, Herrmann, Landgraf von Hessen, gelehrte Juden des Rheinlandes zu einem [66] Religionsgespräche mit ihm nach Poppelsdorf (bei Bonn) berufen, welches in Gegenwart vieler Hofleute, Geistlicher und Ritter geführt wurde. Man weiß nicht recht, ob freiwillig oder gezwungen, Viktor von Karben (der es mit Schmerz aussprach, er habe beim Übertritt Frau, drei Kinder, Brüder und liebe Freunde verlassen),6 machte dabei den Juden zum Vorwurfe, daß sie voller Bosheit gegen die Christen wären und alles Christliche schmähten. Als der Erzbischof Hermann das Gespräch darauf führte, wie die Juden über Jesus und seine Mutter dächten, klagte der sogenannte getaufte Rabbiner seine ehemaligen Genossen der schändlichsten Lästerungen gegen dieselben an, und die Folge war, daß sämtliche Juden aus der Niederrheingegend ausgewiesen wurden.7

Von diesem Viktor von Karben ließ sich Ortuin Gratius das Material zu Anklagen gegen die Juden, ihren Talmud, ihre Irrtümer und ihre Abscheulichkeiten liefern und machte ein Buch daraus. Die erste Anklage in dieser Schrift »Von dem Leben und den Sitten der Juden« (verfaßt 1504 lateinisch und ins Deutsche übersetzt) lautet, »daß sie nicht um alle Schätze der Welt vom Judentum lassen möchten. Und wenn man dem Ärmsten unter ihnen tausend Goldgulden böte, seinem Glauben zu entsagen oder auch nur vor einem Kruzifix etwas von der Erde aufzuheben, so würde er darauf Verzicht leisten und lieber in Dürftigkeit bleiben. Auch der Unwissendste unter den Juden würde sich lieber tausendmal verbrennen lassen, als Jesus zu bekennen«.8 Darum, weil dieses für geldgierig verschriene Volk nicht um Schätze seine Überzeugung aufgeben wollte, weil dieses für feige gehaltene Volk dafür die brennendsten Schmerzen ertrug, darum brandmarkte es Viktor von Karben oder Ortuin als das schlechteste und verderbteste. Absonderliche Gespräche der Juden und agadische Erzählungen im Talmud werden besonders in dieser Schrift lächerlich gemacht. Die Anschuldigung, daß die Juden in ihrem Gebete die getauften und von ihnen abgefallenen Juden verfluchen, fehlt darin nicht; aber vollständig erlogen ist die Behauptung darin, daß die Juden stets dahinter wären, solche durch List und Gewalt zu töten, wovon schauderhafte Märchen erzählt werden.9 Natürlich ist an aller [67] Schlechtigkeit der Juden der Talmud Schuld, den sie höher als die Zehngebote verehrten.

Viktor von Karben scheint doch nicht recht brauchbar oder schon zu alt gewesen zu sein, um einen von langer Hand angelegten Plan ausführen zu helfen, damit dem Dominikanerorden, als dem Ketzergericht über Menschen und Schriften, einträgliche Geschäfte zufielen. Sie brauchten aber einen Juden dazu, denn ihre eigene Firma war nicht lange vorher in außerordentliche Mißachtung geraten. Die Dominikaner und Franziskaner waren von jeher Todfeinde. Was die einen lobten, verlästerten die andern. Folgten die erstern der Scholastik des Thomas von Aquino und nannten sich Thomisten, so hielten sich die andern an einen andern Patron der scholastischen Theologie und waren Scotisten oder Occamisten. Die Franziskaner verteidigten das Dogma, daß nicht bloß Jesus, sondern auch seine Mutter unbefleckt von einer jungfräulichen Mutter geboren sei. Darum eiferten die Dominikaner gegen die unbefleckte Empfängnis Marias. Dieser Streit hatte im Anfang des sechzehnten Jahrhunderts einen hohen Grad von Bitterkeit erreicht. Die Dominikaner wollten ihre Ansicht durch Wunder beweisen. In Bern hatten sie zu diesem Zweck einen Schneidergesellen gewonnen und ihrem Orden zugesellt, der sich anfangs dazu gebrauchen ließ, auszusagen, nächtliche Unterredung mit Maria gehabt und von ihr selbst die Wahrheit ihrer befleckten Geburt erfahren zu haben. Zuletzt verriet der Schneidergeselle den Betrug der Dominikaner, und infolgedessen wurden der Prior, Subprior und noch zwei hochgestellte Personen dieses Ordens als Ketzer verbrannt. Die Franziskaner verfehlten nicht, die Schmach ihrer Gegner durch populäre Schriften in deutscher und lateinischer Sprache zu verbreiten, um ihren Gegenorden verhaßt zu machen. Daher wagten es die Dominikaner nicht, unter eigenem Namen gegen die Juden zu wühlen, sondern stachelten dazu den getauften Pfefferkorn auf.

Gefügig und brauchbar war Pfefferkorn ganz besonders. Er gab seinen Namen zu einer neuen juden feindlichen Schrift her, welche wiederum Ortuin Gratius zuerst lateinisch ausgearbeitet hat. Einen »Spiegel zur Ermahnung«,10 sich zum Christentum zu bekehren, hielt er den Juden vor. Diese erste judenfeindliche Schrift unter Pfefferkorns Namen tut noch freundlich mit den Juden, streichelt sie noch ein wenig und läßt sich sogar angelegen sein, die häufigen Anschuldigungen gegen sie von Stehlen und Schlachten von Christenkindern als unwahr und verläumderisch zu erklären. Sie richtet noch die Bitte an die Christen, die Juden nicht auszuweisen, da sie bisher stets von einem Exil ins andere gehetzt wurden, ihnen auch keinen [68] allzu unerträglichen Druck aufzulegen, da sie doch gewissermaßen auch Menschen wären. Aber diese Freundlichkeit war nur Maske, es war ein ausgestreckter Fühler, um sichern Boden zu gewinnen. Der »Mahnungsspiegel« stellt die Hoffnung der Juden auf die messianische Erlösung als nichtig dar und beruft sich auf den schmählichen Ausgang der jüngsten messianischen Bewegung unter Lämmlein.11 Daher kämen viel mehr Bekehrungen von Juden zum Christentum vor als früher.12 Dieses Anzeichen, verbunden mit anderen, wies darauf hin, daß sich eine neue Ordnung der Dinge, die Zeit von einem Hirten und einer Herde oder das Ende der Welt vorbereite. Diese Schrift war lediglich eine bloße Plänkelei vor einer Hauptschlacht gegen die Juden.

Die Cölnischen Dominikaner hatten es nämlich darauf angelegt, auf Konfiszierung der talmudischen Schriften zu dringen, wie zur Zeit Ludwigs des Heiligen von Frankreich. Darauf zielte von weitem die erste Flugschrift Pfefferkorns. Sie ging nämlich darauf aus, den Talmud zu verdächtigen. Sie machte abwechselnd mit zärtlichen Anrufungen und boshaften Schmähungen den Juden zum Vorwurf, daß sie Jesus nicht als Messias und Gott anerkennen, mehr noch, daß sie Maria nicht verehren und anbeten. Sie gab für den hartnäckigen Unglauben von seiten der Juden drei Gründe an, daß sie dem Wucher ergeben seien, zum Kirchenbesuch nicht zwangsweise angehalten würden und dem Talmud anhingen. Würden diese Hindernisse beseitigt werden, so würden die Juden sich massenhaft zur Kirche drängen. Die Flugschrift ermahnte daher die Fürsten und Völker, dem Wucher der Juden zu steuern, sie zum Kirchenbesuche und zum Anhören von Predigten zu zwingen13 und den Talmud zu verbrennen. Sie gestand zwar ein, [69] daß es nicht billig wäre, das Eigentumsrecht der Juden auf ihre Schriften zu verletzen. Allein da die Christen sich doch nicht scheuen, den Juden allerlei Gewalt anzutun, sie durch Steuern und Erpressungen aller Art zu bedrücken, und zwar nicht aus Bosheit oder Habsucht, sondern zugunsten der Juden, damit sie von ihrem Unglauben ließen, so sei dagegen die Konfiszierung ihrer talmudischen Schriften eine unschuldige Sache. Darauf ganz allein hatte es diese unter Pfefferkorns Namen erschienene Schrift abgesehen. Es war damals ein weit verbreitetes Urteil in Deutschland, daß die Cölner Nachteulen mit Pfefferkorn dabei ein Geschäft machen wollten. Wenn sie auf die Fürsten und die öffentliche Meinung einwirken könnten, die Talmudexemplare mit Beschlag zu belegen – worüber dann die Dominikaner als gesetzliche Inquisitionsrichter die Verfügung hätten – so würden die deutschen Juden, die den Talmud nicht missen konnten, mit vollen Händen kommen, um die Konfiszierung rückgängig zu machen.14 Darum traten sie wieder unter Pfefferkorns Schild im nächsten Jahre mit dem gehässigen Inhalt einer Schrift »die Judenbeichte« (1508)15 auf, worin zuerst die religiösen Bräuche der Juden lächerlich gemacht werden, wie sie den Hähnen und Hühnern und Fischen beichten und dann ihre Beichtväter verzehrten. Dann aber werden die Christen vor dem Umgang mit ihnen, »als noch gefährlicheren Wesen, denn der Teufel selbst« gewarnt. Die Juden werden als Bluthunde bezeichnet, welche sich von dem Schweiße und dem Blute der Christen nährten. Es sei daher die Pflicht der Fürsten, sie zu verjagen; sind sie doch aus vielen Ländern, Frankreich, Spanien, Dänemark und [70] jüngst auch aus Nürnberg, Ulm und Nördlingen vertrieben worden. Welcher Schaden und welcher Nachteil ist den Christen daraus erwachsen? »Billig sollt ihr jenen bei eurem Seelenheil nachfolgen.« Wenigstens sollte die Obrigkeit ihnen Geldgeschäfte zu treiben verbieten und sie zur Arbeit und zum Besuche der Kirche zwingen. Der Refrain des giftigen Büchleins von der »Judenbeichte« ist, daß das jüdische Schrifttum an der Verstocktheit derselben Schuld sei, weil es die christliche Kirche schmähte. Eigen ist es, daß Pfefferkorn darin seine Genossen, die getauften Juden, zu geißeln für nötig hielt. »Man findet manchen bösen Juden, der läuft in ein Land und läßt sich taufen, nicht daß er wäre Christ geworden, sondern um Geld zu verdienen, in Freuden und Wollust zu leben und seine Gunst besser verwerten zu können.« Zuletzt kämen die Getauften wieder zu den Juden und sprächen: »Ich will nicht länger Christ sein. Und obschon einige derselben bei den Christen bleiben, halten sie es doch heimlich mit den Juden.« Wollte Pfefferkorn damit etwaigen Widerspruch gegen seine Gehässigkeiten von seiten anderer getaufter Juden verdächtigen? Jedenfalls hat er selbst Veranlassung gegeben, daß man seine aufrichtige Gläubigkeit stark bezweifelt hat.

Nicht lange darauf (um Februar 1509) erschien unter Pfefferkorns Namen wieder in deutscher Sprache eine Flugschrift, über das jüdische Osterfest,16 die an das Volk gerichtet ist und es geradezu zur Gewalttätigkeit gegen die Juden hetzt. Im Widerspruche mit der ersten Schrift klagt sie die Juden an, daß sie es als Verdienst betrachteten, die Christen nicht nur zu betrügen, sondern auch ums Leben zu bringen. Es sei daher Christenpflicht, die räudigen Hunde zu verjagen. Sollten die Fürsten nicht darauf eingehen, so möge das Volk die Sache in die Hand nehmen, zuerst die Fürsten angehen, den Juden alle Bücher mit Ausnahme der Bibel und alle Pfänder mit Gewalt zu nehmen, noch mehr, ihnen auch die Kinder zu entreißen und sie christlich erziehen zu lassen und die Erwachsenen als unverbesserliche Schelme ins Elend zu jagen. Es sei keine Sünde, den Juden das Schlimmste zuzufügen, da sie nicht Freie, sondern als Hörige mit Leib und Gut Eigentum der Fürsten seien. Sollten diese auf das Gesuch des Volkes nicht gutwillig eingehen, so möge dieses sich in Massen versammeln, ja, einen Aufruhr machen und mit Ungestüm die Erfüllung der Christenpflicht zur Schädigung der Juden verlangen. Die Massen sollten sich zu Rittern Christi aufwerfen und sein Testament vollziehen. Wer den Juden Leids zufügt, sei ein Glied Christi, wer sie aber begünstigt, der sei noch schlimmer als sie und werde jenseits mit ewigem Weh und höllischem Feuer bestraft werden.

[71] Aber Pfefferkorn, Ortuin Gratius und die Cölner Judenfresser kamen doch etwas zu spät. Aufläufe zum Totschlagen der Juden waren nicht mehr an der Zeit, wenn diese auch damals nicht weniger als zur Zeit der Kreuzzüge und des schwarzen Todes gehaßt und verachtet waren. Die Fürsten waren noch weniger zu bewegen, die Juden zu vertreiben, da mit ihnen auch ein regelmäßig einlaufender Einnahmeposten weggefallen wäre. Um Bekehrung der Juden war man damals auch nicht sehr eifrig, vielmehr wiesen manche Christen höhnisch und spottend auf getaufte Juden. Es hatte sich damals ein Gleichnis unter den Christen gebildet: Ein getaufter Jude gleiche weißer reiner Leinewand. So lange sie frisch ist, erfreut sich das Auge daran, einige Tage im Gebrauche, wird sie beseitigt und zum Schmutze geworfen. So wird ein übergetretener Jude nach frischer Taufe von den Christen gehegt; gehen dann Tage vorüber, wird er vernachlässigt, gemieden, ausgeschlossen und dann gar verspottet.17

Die deutschen Juden, welche von Pfefferkorns Eifer neue Gefahren für sich fürchteten, arbeiteten ihm, soviel sie vermochten, entgegen. Jüdische Ärzte, welche an den fürstlichen Höfen beliebt waren, scheinen ihren Einfluß bei ihren Gönnern geltend gemacht zu haben, um Pfefferkorns Anschuldigungen als erlogen darzustellen und unwirksam zu machen. Selbst Christen zeigten ihre Unzufriedenheit mit den Wühlereien des getauften Juden und äußerten laut, Pfefferkorn sei ein nichtsnutziger Mensch und Heuchler, dem man keinen Glauben schenken dürfe. Er wolle die Einfältigen nur täuschen und sei nur darauf bedacht, seinen Beutel zu füllen. Wenn er seinen Zweck erreicht haben werde, werde er plötzlich verschwinden und dann entweder zum Judentume zurücktreten oder auf einem andern Schauplatze unter einem andern Namen durch eine neue Taufe seinen Gewinn suchen.18 Er sah sich daher veranlaßt (März 1509) alsbald eine neue Flugschrift in die Welt zu senden, die er geradezu »Judenfeind«19 betitelte. Diese giftige Schmähschrift widmete er dem judenfeindlichen Fürsten Philipp von Cöln, den er beschwor, ihn gegen die Juden, die einen Anschlag auf sein Leben gemacht hätten, zu schützen. Pfefferkorn wiederholte darin alle seine früheren Anschuldigungen gegen die [72] Juden, setzte handgreiflich auseinander, wie sehr sie durch Zins von Zins die Christen verarmen machten. Er schwärzte darin die jüdischen Ärzte an, daß sie nur Quacksalber wären und das Leben ihrer christlichen Patienten gefährdeten. Es sei daher notwendig, die Juden auszuweisen, wie es der Kaiser Maximilian mit den Juden in Österreich, Steiermark und Kärnthen getan.20 Wenigstens sollten sie gezwungen werden, vom Wucher zu lassen und sich mit Arbeit zu beschäftigen, nicht etwa mit edlen und ehrenhaften Hantierungen, sondern mit schändenden und schmutzigen, sie sollten Straßen reinigen, Schornsteine fegen, Unrat aus führen, zum Wegschaffen der Äser und ähnlichen Tätigkeiten angehalten werden.21 Ganz besonders sollten ihnen die Talmudexemplare und überhaupt jedes mit ihrer Religion zusammenhängende Buch, außer der Bibel, genommen und Haussuchung danach gehalten werden; sie sollten sogar durch die Folter zum Ausliefern derselben gezwungen werden. Auch bei der Abfassung dieser Schrift hatte der Magister der schönen Wissenschaft, Ortuin Gratius, die Hand im Spiele. Er übersetzte sie ins Lateinische und ließ ihr ein Epigramm in schlechten Versen vorangehen über die Halsstarrigkeit, Unbeugsamkeit und Schlechtigkeit des Geschlechts der Juden.

Aber diese giftigen Flugschriften in deutscher und lateinischer Sprache waren immer nur noch Mittel und Vorbereitungen zu einem Plan, welcher die Hoffnung der Cölner Dominikaner verwirllichen sollte, Scheiterhaufen für die religiösen Schriften der Juden anzünden zu können oder eine Einnahmequelle davon zu haben. Auf den Kaiser Maximilian hatten sie es abgesehen, ihn wollten sie bestürmen, auf ihn, der nicht leicht zu einer Gewalttat die Hand bot, geradezu einen Druck ausüben, damit er die Juden samt deren Schriften und Geldbeutel ihrer Willkür überliefere. Sie bedienten sich dazu der Bigotterie einer unglücklichen Fürstin als Helferin.

Die schöne Schwester Maximilians, Kunigunde, Lieblingstochter des Kaisers Friedrich III., um deren Hand mächtige Könige geworben, hatte ihrem greisen Vater in ihrer Jugend viel Herzleid verursacht. Hinter dem Rücken ihres Vaters hatte sie sich mit dessen erklärtem Feinde, dem bayrischen Herzog Albrecht von München, verheiratet, auf dessen wachsende Macht Friedrich außerordentlich eifersüchtig war und der erst jüngsthin die wichtige Stadt Regensburg der kaiserlichen Unmittelbarkeit entzogen und sie an sich gebracht hatte. Noch mehr; Kunigunde trug selbst zur Vergrößerung Bayerns bei, [73] indem sie ihm Tirol und Vorderösterreich als Brautschatz zubrachte. Lange Zeit mochte der tiefgekränkte Vater nicht einmal ihren Namen nennen hören. Es war gar zum Krieg zwischen Friedrich und seinem ihm feindlichen Schwiegersohne, Albrecht von Bayern-München gekommen, der nur durch Maximilians Klugheit in seinem für Deutschland unheilvollen Verlaufe gehemmt worden war. Maximilian hatte auch endlich eine Versöhnung zwischen Vater und Tochter zustande gebracht. Als der Herzog Albrecht im Mannesalter starb (1508), war die verwitwete Kunigunde, vielleicht aus Reue über ihren Jugendfehler, aus ihren herzoglichen Gemächern bald nach der Bestattung ihres Gemahls in ein Franziskanerkloster zu München getreten. Sie war Äbtissin der Klarissinnen geworden und kasteite ihren Leib. Auf das verdüsterte Gemüt dieser Fürstin spekulierten die Cölner Dominikaner.22 Sie versahen Pfefferkorn mit Empfehlungsschreiben an Kunigunde. Er sollte ihr mit giftiger Zunge das schändliche Treiben der Juden, ihre Schmähungen gegen Jesus, Maria, die Apostel und die Kirche überhaupt schildern; auch sollte er ihr an die Hand geben, daß die Judenschriften samt und sonders all diese Schändlichkeiten enthielten und abgetan zu werden verdienten. Die Cölner Dominikaner hatten richtig berechnet, daß die Anklage, von einem geborenen Juden gegen seine Glaubensgenossen erhoben, mehr Gewicht haben würde, als wenn sie von Christen erhoben worden wäre. Wie leicht ist nicht ein Weib, und noch dazu ein stockgläubiges, in Klostermauern verdumpftes, zu überreden? Kunigunde schenkte den Verläumdungen gegen die Juden und ihr Schrifttum um so mehr Glauben, als sie aus dem Munde eines ehemaligen Juden kamen, der doch deren Gewohnheiten und Bosheiten kennen müsse, besonders auf dessen Versicherung, mit der Vertilgung der jüdischen Schriften würden sich sämtliche Juden nach und nach zum Christentum bekehren.

Pfefferkorn erlangte von der bigotten fürstlichen Nonne leicht, was er gewünscht. Sie gab ihm ein dringendes Schreiben an ihren kaiserlichen Bruder mit, worin sie denselben beschwor, den Lästerungen der Juden gegen das Christentum zu steuern und einen Befehl zu erlassen, daß ihnen sämtliche Schriften mit Ausnahme der Bibel entrissen und verbrannt werden sollten. Sonst würden die Sünden der Gotteslästerung, welche täglich von den Juden begangen würden, auf sein gekröntes Haupt fallen. Mit diesem Schreiben versehen, begab sich Pfefferkorn stracks nach Italien ins Lager des Kaisers, der damals vor Padua gegen die Venetianer im Felde lag.

Dem fanatischen Schreiben Kunigundens und Pfefferkorns mündlichen Anschwärzungen gelang es, Maximilian, der, damals mit Krieg und diplomatischen Wirren vollauf beschäftigt, nicht Muße hatte, die[74] Sache reiflich zu überlegen, ein Mandat, (vom 19. August 1509) zu erpressen, worin er dem getauften Bösewicht Vollgewalt über die Juden einräumte. Er sollte das Recht haben, die jüdischen Schriften überall im deutschen Reiche zu untersuchen und alle, deren Inhalt gegen die Bibel und den Christenglauben gerichtet wäre, zu vernichten. Jedoch sollten die Pfarrer des Ortes und Stadträte dabei zugegen sein. Den Juden schärfte das Mandat ein, bei Vermeidung von schwerer Strafe an Leib und Gut, keinen Widerstand zu leisten und ihre Schriften zur Prüfung vorzuzeigen.

Triumphierend eilte Pfefferkorn mit dem Vollmachtsschreiben des Kaisers in Händen, das ihn zum Herrn über die Juden gemacht, nach Deutschland zurück, um Jagd auf die jüdischen Schriften oder jüdischen Säckel anzustellen. Er begann sein einträglich zu werden versprechendes Geschäft mit der damals bedeutendsten deutschen Gemeinde Frankfurt, wo es viele Talmudkundige, folglich viele Talmudexemplare und auch wohlhabende Juden gab. Dort lagerten auch Ballen jüdischer Schriften fremder Druckereien zum Verkauf in der Messezeit aufgehäuft. Auf Pfefferkorns Veranlassung versammelte der Rat sämtliche Juden in der Synagoge und verkündigte ihnen des Kaisers Befehl, ihre Schriften auszuliefern.

Im Beisein von drei Geistlichen des Bartholomäusstiftes und zweier Räte wurden sogleich sämtliche Gebetbücher, welche sich in der Synagoge befanden, konfisziert. Es war gerade am Vorabende des Hüttenfestes (Freitag, 28. Sept. 1509). Aus eigener Machtvollkommenheit, aber mit dem Vorgeben, auch dazu vom Kaiser ermächtigt zu sein, verbot Pfefferkorn den Besuch der Synagoge für den Feiertag; er beabsichtigte an demselben Haussuchung zu halten, denn ihm lag viel daran, der Talmudexemplare habhaft zu werden, die jeder Kundige in seinem Hause hatte. Indessen waren die anwesenden Geistlichen nicht so rücksichtslos, das Fest der Juden in Trauer zu verwandeln, und verschoben diese Nachforschung nach den Büchern bei den einzelnen auf den folgenden Montag. Was taten die Juden? Auch das zeugt für das Weben einer neuen Zeit, daß sie es wagten, Einspruch gegen diesen gewalttätigen Eingriff zu tun. Sie ließen nicht mehr, wie früher in Deutschland, Beraubungen, Plünderungen und selbst den Tod mit stummer Lammesgeduld über sich ergehen. Sie beriefen sich auf ihre auch von Kaisern und Päpsten verbrieften Rechte, welche ihnen Religionsfreiheit zusicherten, und der Besitz ihrer Gebet- und Lehrbücher sei darin eingeschlossen. Sie verlangten Aufschub der Bücherkonfiskation, um an den Kaiser und das Kammergericht zu appellieren. Der Vorstand der Frankfurter Gemeinde sandte sofort einen Deputierten an den Kurfürsten und Erzbischof von Mainz, Uriel von Gemmingen, nach seinem Sitz Aschaffenburg, um [75] ihn, dem die deutsche Judenheit unterstand, und zu dessen Sprengel Frankfurt gehörte, zu bewegen, den Geistlichen ihre Mittätigkeit an der ungerechten Sache zu verbieten. Als Pfefferkorn am Montag (1. Okt.) die Haussuchung begann, protestierten die Juden so energisch dagegen, daß sie aufgeschoben wurde, bis der Rat darüber Beschluß gefaßt haben würde, ob deren Einspruch Folge gegeben werden solle oder nicht. Der Beschluß des hochweisen Magistrats fiel zwar ungünstig aus, aber im Augenblick, als zur Konfiskation geschritten werden sollte, langte ein Schreiben vom Erzbischof an, welcher zunächst den Geistlichen verbot, Pfefferkorn Beistand zu leisten. Dadurch wurde der Anschlag vereitelt, denn auch die Ratsherren zogen sich von der Sache zurück, sobald sie von der Teilnahme des höchsten geistlichen Würdenträgers in Deutschland für die Juden Kunde hatten. Diese legten aber nicht die Hand in den Schoß. Denn, wenn sie auch nicht wußten, daß die mächtigen Dominikaner hinter Pfefferkorn standen, ahnten sie doch, daß Judenfeinde sich dieses boshaften Wichtes bedienten, um Verfolgungen über sie heraufzubeschwören. Sie sandten sofort einen Anwalt für ihre Sache an den Kaiser und einen andern an die nahen und fernen deutschen Gemeinden, zu gemeinsamer Beratung auf einem Gemeindetage für den folgenden Monat zusammenzukommen, um Schritte zur Abwendung der Gefahr zu tun und Gelder zusammenzuschießen.

Für den Augenblick schien die für die Juden so peinliche Angelegenheit für sie eine günstige Wendung zu nehmen. Der Rat von Frankfurt verhielt sich leidend; er legte allenfalls Beschlag auf die Bücherballen der jüdischen Buchhändler und verbot sie zu veräußern. Am günstigsten war für sie das Verhalten des Erzbischofs von Mainz. Sei es aus Rechtsgefühl – er war ein billig denkender Mann – oder aus Judenfreundlichkeit oder aus Abneigung gegen die dominikanische Ketzerriecherei – er war nämlich den humanistischen Bestrebungen zugetan und ein Feind der Dummgläubigkeit und des religiösen Übereifers – oder endlich aus Eifersucht, daß der Kaiser in seine Befugnisse eingegriffen und einem solchen Wicht geistliche Gerichtsbarkeit in seinem Sprengel übertragen hatte, genug, Uriel von Gemmingen nahm geradezu Partei für die Juden. Er richtete sofort ein Schreiben an den Kaiser (5. Okt.), worin er einen leisen Tadel aussprach, daß der Kaiser einem so unwissenden Menschen, wie Pfefferkorn, Vollmacht in dieser Angelegenheit erteilt hatte, behauptete, daß seines Wissens dergleichen lästerliche und christenfeindliche Schriften unter den Juden seines Stiftes nicht vorhanden seien, und gab zu verstehen, wenn der Kaiser durchaus auf der Untersuchung und Konfiskation des jüdischen Schrifttums bestehen sollte, er einen Sachkenner damit betrauen müßte. So eifrig nahm er sich der Juden an, daß er an seinen Anwalt beim [76] kaiserlichen Hofe, den Freien von Hutten, sofort Mitteilung von seinem Schreiben an den Kaiser machte und ihm ans Herz legte, den Juden förderlich zu sein, damit ihr Gesuch beim Kaiser erhört werden könnte.23 Pfefferkorn ließ der Erzbischof nach Aschaffenburg kommen, um seine Parteinahme nicht zu verraten und gab ihm zu verstehen, daß sein vom Kaiser mitgebrachtes Mandat einen Formfehler enthielte, wodurch es unwirksam würde, da die Juden die Gültigkeit desselben anfechten könnten.

Bei dieser Unterredung tauchte zum ersten Male der Name Reuchlins auf, sei es, daß Pfefferkorn oder der Erzbischof ihn zuerst genannt hatte. Es wurde nämlich dabei besprochen, den Kaiser anzugehen, Reuchlin (und auch Viktor von Karben) zu Richtern über die Schriften der Juden zugleich mit Pfefferkorn zu ernennen.24 Der geschäftige Täufling gürtete alsbald seine Lenden, um eine zweite Reise zum Kaiser anzutreten. Ohne Zweifel hat er vorher seinen Beschützern, den Cölner Dominikanern, Kunde davon gegeben und sich von ihnen neue Empfehlungsbriefe an den Kaiser einhändigen lassen. Mit ihrer Zustimmung sollte Pfefferkorn bei dem Kaiser den besten Kenner des Hebräischen unter den Christen als Mitrichter in dieser Angelegenheit in Vorschlag bringen. In allzukluger Berechnung begingen diese Schlauen einen Mißgriff, der ihnen den bereits errungenen Erfolg streitig machte. Pfefferkorn oder die Cölner Dominikaner glaubten sich nämlich der Mithilfe eines Mannes versichern zu müssen, der vermöge seiner Gelehrsamkeit, seines Charakters und seiner geachteten Stellung die Maßregel wirksamer zu machen versprach. Reuchlin, der Stolz Deutschlands, sollte ihr Bundesgenosse werden, um ihre etwaigen Gegner von vornherein zu entwaffnen. Es soll auch im Plane gelegen haben, diesen von den Finsterlingen scheel angesehenen Mann, welcher zu ihrem Verdrusse die hebräischen Sprachstudien wie das Griechische zuerst in Deutschland und in Europa überhaupt unter den Christen angeregt hat, so oder so zu kompromittieren.25 Aber eben durch diese feinen Kniffe haben Pfefferkorn und seine Führer nicht nur ihre Sache vollständig vereitelt, [77] sondern einen Sturm erzeugt, welcher in kaum einem Jahrzehnt das ganze Gebäude der katholischen Kirche tief erschüttert hat. Mit Recht sagte man später der halbjüdische Christ habe dem Christentum mehr geschadet, als es sämtliche unflätige Schriften der Juden vermocht hätten.26 Johannes Reuchlin ist eine Persönlichkeit, welche das Mittelalter in die neue Zeit hat hinüberleiten helfen und darum einen klangvollen Namen in der Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts hat; ihm gebührt aber auch in der jüdischen Geschichte ein glänzendes Blatt.

Johannes Reuchlin aus Pforzheim (geb. 1455, gest. 1522), oder wie ihn die bewundernden Liebhaber der humanistischen Studien nach einer schlechten Hellenisierung seines deutschen Namens nannten, Capnio, hat mit seinem jüngern Zeitgenossen Erasmus von Rotterdam die Schmach der Barbarei von Deutschland genommen und durch ihr Beispiel und ihre Anregung auf weitere Kreise bewiesen, daß die Deutschen in Kenntnis der altlateinischen und griechischen Sprache, in geschmackvoller Darstellung und überhaupt in humanistischer Bildung mit den Italienern, den alleinigen Inhabern dieses Faches in jener Zeit, wetteifern und sie noch dazu übertreffen konnten. Neben einer erstaunlichen Gelehrsamkeit in der klassischen Literatur und einem eleganten Stile besaß Reuchlin einen lautern Charakter, edle Gesinnung, eine in jeder Versuchung bewährte Rechtschaffenheit, eine bewunderungswürdige Wahrheitsliebe und ein weiches Gemüt, welches ihn zum aufopfernden Freunde, zum mitleidvollsten Helfer in der Not machte. Nach dieser Seite hin hatte Reuchlin wenig seines Gleichen in seiner Zeit, und wenn er Huttens Unerschrockenheit und mehr Gedankenklarheit damit verbunden hätte, so wäre er ein viel geeigneterer Reformator der Kirche und der Gesellschaft gewesen, als selbst Luther. Vielseitiger als Erasmus, sein jüngerer Genosse für die Anbahnung und Verbreitung der humanistischen und ästhetischen Bildung in Deutschland, verlegte sich Reuchlin auch auf die Kenntnis des Hebräischen, um die gottbegnadigte Sprache inne zu haben und es darin dem Kirchenvater Hieronymus gleich zu tun, der sein Vorbild war. Freilich hatte er in Deutschland und Frankreich keine Gelegenheit, die heilige Sprache gründlich zu lernen. Die deutschen Juden verstanden selbst zu wenig davon, um sie einem lernbegierigen Christen beizubringen. Reuchlins Lehrer, Wessel in Basel, der ihm Liebe dafür eingeflößt und die ersten Elemente beigebracht hatte, konnte ihn nicht weiter darin bringen. Reuchlins Liebe zur hebräischen Sprache wurde zur Schwärmerei, als er bei seiner zweiten Reise nach Rom (Anfangs 1490) den gelehrten Jüngling, das Wunderkind Italiens, Pico de Mirandola, [78] in Florenz kennen gelernt und von ihm erfahren hatte, welche tiefe wunderbare Geheimnisse in den hebräischen Quellen der Kabbala verborgen lägen. Reuchlin hatte seit der Zeit einen wahren Durst nach der hebräischen Literatur; aber er konnte ihn nicht löschen. Nicht einmal eine gedruckte hebräische Bibel konnte er erlangen.27 Bei seiner Rückkehr nach Deutschland wendete sich Reuchlin, der damals bereits Rat des Herzogs von Württemberg war, an den Rabbiner Jakob Margoles in Regensburg mit der Bitte, ihm einige namhaft gemachte kabbalistische Schriften zu besorgen. Dieser antwortete ihm darauf, er könne ihm damit nicht dienen, weil solche in Regensburg nicht aufzutreiben seien, und riet ihm überhaupt unter höflicher Form ab, sich mit der Kabbala einzulassen, weil sie dunkel und tief sei und mehr Schaden als Nutzen gewähre.28

Erst im reifen Alter gelang es Reuchlin, tiefer in die Kenntnis der hebräischen Sprache eingeführt zu werden. Bei seinem Aufenthalte in Linz, am Hofe des greisen Kaisers Friedrich III., den er mit seinem Herrn, dem Herzog Eberhard, besuchte, lernte er den kaiserlichen Leibarzt und jüdischen Ritter Jakob Loans kennen, und dieser jüdische Gelehrte wurde sein Lehrer in der hebräischen Sprache und Literatur. Jede Stunde, die Reuchlin den Geschäften bei Hofe abgewinnen konnte, widmete er diesem Studium und arbeitete sich so gründlich ein, daß er bald auf eigenen Füßen stehen konnte. Sein Sprachgenie kam ihm zustatten, um die Schwierigkeiten zu überwinden. Auf Loans' Anregung schenkte der greise Kaiser kurz vor seinem Tode dem lernbegierigen, sprachgewandten Mann, an dem er seine Freude hatte, eine kostbare hebräische Bibel, welche auf mehr als 300 Dukaten geschätzt wurde. Ein herzliches Verhältnis bestand seitdem zwischen dem jüdischen Lehrer Loans und dem christlichen Jünger. Reuchlin nannte ihn »seinen Freund«.29 An dem kaiserlichen Hofe hatte Reuchlin Gelegenheit, auch mit anderen gebildeten Juden zu verkehren.30

Seine mit so viel Eifer erworbenen hebräischen Kenntnisse suchte Reuchlin alsbald zu verwerten. Er arbeitete ein Werkchen aus von dem wunderbaren Worte,31 das eine begeisterte Lobrede [79] auf die hebräische Sprache, ihre Einfachheit, Tiefe und Göttlichkeit ist. »Die Sprache der Hebräer ist einfach, unverdorben, heilig, kurz und fest, in welcher Gott mit den Menschen und die Menschen mit den Engeln unmittelbar und ohne Dolmetsch von Angesicht zu Angesicht verkehren, nicht durch das Rauschen der kastalischen Quelle oder durch die typhonische Höhle oder durch den dodonischen Wald oder den delphischen Dreifuß, sondern wie ein Freund mit dem andern zu sprechen pflegt«.32 Ein für seine Altertümer eingenommener Jude könnte nicht begeisterter davon sprechen. Dieses Werk, welches Reuchlin dem Bischof Dalberg von Worms gewidmet hat, bildet einen Dialog zwischen einem epikuräischen Philosophen, einem jüdischen Weisen (Baruchias) und einem Christen (Capnio), die in Pforzheim, Reuchlins Geburtsort, zusammengekommen wären. Es stellt sich die Aufgabe, nachzuweisen, daß die Weisheit aller Völker, die Symbole der heidnischen Religion, die Formen ihres Kultus nichts weiter als Anerkennung oder Entstellung der hebräischen Wahrheit seien, welche in den Worten, Buchstaben, ja selbst in den Figuren der hebräischen Buchstaben geheimnisvoll und tief enthalten sei.33 Eigentlich hat Reuchlin damit mehr die Sprache der Kabbalisten in schönen lateinischen Wendungen und mit klassischer Gelehrsamkeit verherrlicht, um sie dem christlichen Publikum warm zu empfehlen. Die kindische Auslegung der Namen und Buchstaben in der heiligen Schrift von seiten der Kabbalisten war es, die Capnio anstaunte, und er wendete sie auf die Dogmen des Christentums an.34 So schwärmte auch Reuchlin für die Zahlendeutung der Buchstaben des Gottesnamens (Tetragrammaton), wie die Kabbalisten,35 für die zehn Sefirot der Geheimlehre36 und suchte für alle diese Spielereien pompöse Belege aus der klassischen Literatur. Dieses mystische Kinderspiel übertrug er auf das Christentum, sah in den ersten Worten der Schöpfungsgeschichte die Andeutung der christlichen Dreieinigkeit von Vater, Sohn [80] und heiligem Geist.37 In den Buchstaben von Jesu Namen im Hebräischen, die er sich mißverständlich zusammengesetzt hat, erblickte Reuchlin die Spitze aller Wesenheit und aller Geheimnisse.38

Reuchlin mochte übrigens fühlen, daß seine hebräischen Kenntnisse noch manche Lücke hatten, und so ließ er es sich nicht verdrießen, als Gesandter des Kurfürsten von der Pfalz in Rom, um dessen Sache am Hofe des Papstes Alexander VI. zu vertreten (1498 bis 1500), sich in der hebräischen Literatur weiter zu bilden.

Obadja Sforno39 aus Cesena, zur Zeit in Rom (später Arzt in Bologna) wurde Reuchlins zweiter Lehrer im Hebräischen. Sforno verstand auch Lateinisch und vermittelst dieser damaligen Weltsprache konnte er sich mit Reuchlin verständigen. Er besaß noch einige mathematische und philosophische Kenntnisse und schrieb später Kommentarien zu den meisten biblischen Schriften. Er war zwar kein feiner Kenner der hebräischen Literatur, sah sie vielmehr durch die Brille der Agada und der Kabbala an aber für Reuchlin wußte er genug. So saß der deutsche Humanist, der bereits ein gefeierter Mann war, dessen lateinische Reden von Italienern bewundert wurden, zu den Füßen eines Juden, um sich durch ihn im Hebräischen zu vervollkommnen.40 Wo Reuchlin auch sonst Gelegenheit hatte, sich von einem Juden unterweisen zu lassen, verschmähte er es nicht,41 so sehr war ihm das Hebräische eine hochwichtige Angelegenheit. Aber nicht alle Juden, namentlich nicht die deutschen, mochten sich dazu herbeilassen, einen Christen im Hebräischen zu unterrichten; sie beriefen sich vielmehr auf eine mißverstandene Stelle im Talmud, daß es verboten sei, Worte der Lehre einem Nichtjuden zu überliefern42

[81] Da er nun in Deutschland, ja man kann sagen, in ganz Europa der einzige Christ war, der sich mit der heiligen Sprache vertraut gemacht hatte, und die Sehnsucht nach Kenntnis derselben, sowie des Griechischen allgemein war, so drängten ihn seine zahlreichen Freunde, eine hebräische Grammatik auszuarbeiten, welche die Lernbegierigen in den Stand setzen sollte, sich selbst darin zu belehren. Die erste hebräische Sprachlehre von einem Christen ausgearbeitet, die Reuchlin als ein »Denkmal, dauernder als Erz« bezeichnete (vollendet März 1506),43 war freilich dürftig genug ausgestattet. Sie lieferte lediglich das allernotwendigste zur Aussprache und zur Formlehre und damit zugleich ein Wörterbuch, dessen Unvollkommenheit von einem Anfänger nicht überraschen darf. Aber diese Grammatik hatte eine bedeutende Wirkung; sie regte die hebräischen Studien bei einem großen Kreis der Humanisten an, die sich seitdem mit allem Eifer darauf warfen, und bei der lutherischen Kirchenreformation erzeugten diese Studien einen neuen Gärungsstoff. Eine Reihe von Jüngern Reuchlins, Sebastian Münster, Widmannstadt, traten in seine Fußtapfen und hoben die hebräische Sprache zur Ebenbürtigkeit mit der griechischen. Freilich kam auch von einer andern Seite Anregung. Fast um dieselbe Zeit lehrte in Padua Elias Levita44 – der erste deutsche Jude, welcher sich mit diesem von seinen jüdischen Landsleuten verachteten, wenigstens ungekannten Fache beschäftigte – die hebräische Sprache vor einem Schülerkreise. Bei seiner Auswanderung aus dieser Stadt nach Rom wegen der Kriegsunruhen nahm ihn der damalige Ordensgeneral der Augustiner, Egidio (Ägidius) de Viterbo, in sein Haus, sorgte für alle seine Bedürfnisse und ließ sich von ihm im Hebräischen unterrichten. Diese beiden Beförderer der hebräischen Sprache unter den Christen, Reuchlin und Egidio de Viterbo, wollten sie aber nicht um ihrer selbst willen, auch nicht zur Hebung der Bibelstudien und einer vernünftigen Schriftauslegung gepflegt wissen, sondern lediglich um dadurch in den Stand gesetzt zu sein, in den Abgrund der kabbalistischen Geheimlehre ohne Schwindel blicken zu können. Durch den Kabbalisten Baruch von Benevent ließ Egidio den Sohar (oder Teile desselben) ins Lateinische übersetzen.45 So hat die Kabbala, von Hause aus eine Feindin grammatischen Verständnisses, gegen ihren Willen dieses angebahnt. Hatte doch der Papst Sixtus IV. angelegentlichst empfohlen, daß kabbalistische Schriften durch die Übersetzung ins Lateinische den Christen zugänglich gemacht werden sollten.46

[82] Wenn Reuchlin in die Judengasse hinabstieg, um einen daselbst vergrabenen Schatz zu heben, so war er darum anfangs doch nicht weniger als seine Zeitgenossen von dickem Vorurteil gegen den jüdischen Stamm befangen. Uneingedenk seines ehemaligen Glanzes und ohne Blick für dessen gediegenen, wenn auch von einer abschreckenden Schale umgebenen Kern, betrachtete Reuchlin ihn nicht nur als barbarisch und alles Kunstsinnes bar, sondern auch als niedrig und verworfen.47 Er beteuerte aufs feierlichste, daß er weit davon entfernt sei, die Juden zu begünstigen. Mit dem zerfahrenen Kirchenvater Hieronymus, seinem Musterbilde, bezeugte er, daß er die jüdische Nation gründlich haßte.48 Er arbeitete, zugleich mit seiner hebräischen Sprachlehre, für einen Ritter, der mit seinen Juden ein Religionsgespräch einleiten wollte, ein Sendschreiben (Missive) aus,49 worin er alles Elend der Juden aus ihrem verblendeten Unglauben herleitete, statt es in der Lieblosigkeit der Phristen gegen sie zu suchen. Reuchlin beschuldigte sie nicht weniger als Cfefferkorn der Lästerung Jesu, Marias, der Apostel und der Christen überhaupt. Er berief sich dabei auf die gegenchristlichen Schriften (Lipmanns Nizachon)50 und auf die Gebetformel der Juden gegen die Ketzer.51 Später hatte es Reuchlin zu bedauern, diese judenfeindliche Schrift verfaßt zu haben. Denn sein Herz teilte nicht das Vorurteil seines Kopfes. Wo er mit einzelnen Juden zusammentraf, wendete er ihnen seine Liebe oder wenigstens seine Achtung zu; er mochte finden, daß sie besser waren, als das Bild, welches sich die Christen von den Juden entworfen hatten. Sein Rechtsgefühl konnte es nicht über sich bringen, den Juden geradezu Unrecht tun zu lassen oder gar die Hand dazu zu bieten.

Als Pfefferkorn und die Cölner Dominikaner mit Reuchlin anbanden, stand er bereits auf der Höhe seines Lebens und Ruhmes. Von Hoch und Niedrig wegen seiner Biederkeit geschätzt, vom Kaiser Friedrich in den Adelstand erhoben, vom Kaiser Maximilian zum Rat und Richter des schwäbischen Bundes ernannt und auch persönlich hochgeachtet, von dem Humanistenkreise, gewissermaßen dem Orden freier Geister innerhalb und außerhalb Deutschlands, verehrt, geliebt und fast vergöttert. Obwohl sich Reuchlin bis dahin auch nicht einmal einen Schatten von Ketzerei hatte zuschulden kommen lassen, mit dem Dominikanerorden [83] auf bestem Fuße stand und ihr Sachwalter in weltlichen Angelegenheiten ohne Vergütung war, so sahen die Finsterlinge doch in ihm instinktmäßig ihren geheimen Feind. Das Pflegen der Wissenschaft, die Beschäftigung mit der klassischen Literatur, die Sorgfalt für einen eleganten lateinischen Stil, die Begeisterung für die griechische Sprache, welche Reuchlin in Deutschland zuerst geweckt – in den Augen der Stockkatholiken die Sprache der Schismatiker – und nun gar die Einführung der hebräischen Sprache, die Bevorzugung der »hebräischen Wahrheit«, des hebräischen Textes, vor der verdorbenen, in der Kirche als kanonisch und unverbrüchlich geltenden lateinischen Vulgata, das alles galt den Finsterlingen als eben so viele Sünden, gegen die zwar nicht sofort von seiten der Ketzergerichte eingeschritten werden konnte, die ihm aber einen Platz in ihrem schwarzen Buche sicherten.

Der Auftrag an Pfefferkorn, den geheimen Agenten der Cölner Dominikaner, Reuchlin bei der Untersuchung der lästerlichen jüdischen Schriften heranzuziehen, war, wie bereits angedeutet, eine schlau berechnete Falle. Auf seiner zweiten Reise in des Kaisers Lager suchte Pfefferkorn daher Reuchlin in dessen Behausung geradezu auf, zeigte ihm des Kaisers Mandat, bemühte sich, ihn zum Bundesgenossen seiner giftigen Pläne gegen die Juden zu machen. Reuchlin lehnte dieses Ansinnen halb ab, lobte zwar das Bestreben, die jüdischen Schmähschriften gegen das Christentum zu vertilgen, meinte aber, das Mandat des Kaisers habe einen Formfehler, wodurch das Einschreiten gegen die jüdischen Schriften ungesetzlich erschiene, und die Behörden daher nicht willig dazu die Hand bieten würden. Reuchlin soll ihm damals auch zu verstehen gegeben haben, sich dabei zu beteiligen, wenn er dazu aufgefordert werden sollte. Pfefferkorn begab sich infolgedessen zum Kaiser, um ein zweites formgerecht eingerichtetes und unanfechtbares Mandat von ihm zu erwirken. Die Juden waren aber auch nicht müßig gewesen, um vom Kaiser den Widerruf des Mandats und Zurückerstattung der ihnen genommenen Bücher zu erlangen.

Die Frankfurter Gemeinde hatte indes einen eifervollen Mann aus ihrer Mitte, Jonathan Levi Zion, zu ihrem Anwalte beim Kaiser ernannt. Auch die Regensburger Gemeinde hatte einen Anwalt zum kaiserlichen Hofe abgeordnet. Ein bei der Umgebung des Kaisers beliebter Mann, Isaak Triest, wendete allen Eifer an, um mit diesen zusammen Pfefferkorns Plan zu vereiteln. Diese jüdischen Anwälte wurden von angesehenen Christen unterstützt, zunächst von dem Vertreter des Erzbischofs, dann von dem Markgrafen von Baden und endlich von einem »Marschall« Goldecker. Die jüdischen Anwälte machten zunächst die Privilegien geltend, daß den Juden von Kaisern und Päpsten Religionsfreiheit verbrieft sei, wonach es auch [84] dem Kaiser nicht gestattet sei, Eingriffe in ihre inneren Angelegenheiten, in den Besitz ihres religiösen Schrifttums zu machen. Diese Privilegien wurden von einer Person aus der Umgebung des Kaisers geprüft und für bindend befunden. Die jüdischen Anwälte verfehlten auch nicht, dem Kaiser ein beglaubigtes Schreiben zu unterbreiten, daß ihr Ankläger ein verworfener Mensch, ein Dieb und Einbrecher sei. Schon glaubten sie am Ziele ihrer Wünsche zu sein. Der Kaiser hatte ihr Gesuch in einer Audienz angehört und ihnen baldige Antwort versprochen. Der freundliche Empfang erweckte in ihrer Brust die Hoffnung, daß ihr Erzfeind Pfefferkorn zuschanden werden, die ihn abgenommenen Schriften ihnen wieder zurückgegeben werden und die ganze peinliche Angelegenheit abgetan sein würde. Uriel von Gemmingen, ihr Gönner, sollte zum Kommissar in dieser Sache ernannt werden. War das nicht ein günstiges Vorzeichen?

Allein sie kannten Maximilians wankelmütigen Charakter nicht. Sobald Pfefferkorn von neuem bei ihm mit einem eigenhändigen Schreiben von seiner Schwester erschien, worin die überfromme Nonne ihn beschwor, das Christentum nicht durch Rücknahme des Mandats zu schädigen, neigte sich das Zünglein der Wage gegen die Juden.52 Ohnehin wurmte es den Kaiser, daß die so tief stehenden Juden es gewagt hatten, seinem Mandat zuwider, die Auslieferung der Bücher in ihren Häusern zu verweigern.

Darauf hin erließ er ein zweites Mandat (10. November 1509). Darin machte Maximilian den Juden zum Vorwurf, daß sie sich erkühnt, Widerstand zu leisten, befahl die Konfiskation fortzusetzen, ernannte allerdings den Erzbischof Uriel zum Kommissar, gab ihm aber an die Hand Gelehrte von den Hochschulen Cöln, Mainz, Erfurt und Heidelberg und auch gelehrte Männer wie Reuchlin, Viktor von Karben und auch den im Hebräischen völlig unwissenden Ketzerrichter Hochstraten hinzuzuziehen. Diese Männer sollten die von Pfefferkorn eingezogenen Bücher prüfen, die unschuldigen ihnen lassen, dagegen bezüglich der verdächtig befundenen kundige Juden zu einer Disputation darüber berufen. So glaubte Maximilian beiden Teilen Gerechtigkeit widerfahren gelassen zu haben.

Mit diesem Mandat in der Tasche eilte Pfefferkorn nach dem Schauplatz seiner Tätigkeit in die Rheingegend zurück. Der Erzbischof Uriel ernannte darauf den Regens der Universität Mainz, Hermann Heß, zu seinem Delegierten, um die Bücherkonfiskation seitens der Juden zu leiten. Mit ihm zusammen begab sich Pfefferkorn abermals nach Frankfurt, und die Jagd auf hebräische Schriften begann von neuem. So wurden den Frankfurter Juden 1500 handschriftliche[85] Werke abgenommen (mit den bereits früher eingezogenen) und in dem Rathaus niedergelegt. Auch in anderen Städten, Worms, Lorch, Bingen, Lahnstein, Mainz (eigentlich Wiensau bei Mainz) und Deutz betrieb Pfefferkorn sein Geschäft mit vielem Eifer. Er behauptete später, die Juden hätten ihm bedeutende Summen geboten, von seiner Anklägerschaft abzustehen, er sei aber den Versuchungen des Satans nicht erlegen.53

Schlimmer noch als des Kaisers wankelmütiges Verhalten war die Teilnahmlosigkeit der größeren Gemeinden Deutschlands für die Beschickung eines Gemeindetages und Beratung zur Vereitlung der boshaften Anschläge Pfefferkorns oder richtiger der Dominikaner. Kleinere Gemeinden hatten allerdings ihre Beiträge zu den Ausgaben für diese so peinliche Sache beigesteuert; aber die größeren und reicheren, Rothenburg an der Tauber, Weißenburg und Fürth, auf welche die Frankfurter am meisten gerechnet hatten, zeigten einen gleichgültigen Sinn. Da die erste Frist zur Versammlung nicht eingehalten worden war, hatte die Gemeindevertretung von Frankfurt eine neue angesetzt; aber auch die Zusammenkunft an diesem Tage vereitelten die drei Gemeinden.54

Als aber infolge des zweiten Mandats des Kaisers von neuem die jüdischen Bücher nicht bloß in Frankfurt, sondern auch in anderen Gemeinden konfisziert wurden, rafften sich die Gemeinden zu gemeinsamem Eifer auf. Der Rat von Frankfurt wurde zu ihren Gunsten umgestimmt, er brachte die Angelegenheit auf dem Reichstage zu Worms zur Sprache, sandte die bei ihm eingereichte Beschwerdeschrift der Juden an den Kaiser55 und begleitete sie mit einer Bittschrift, daß der Kaiser Pfefferkorn die Vollmacht entziehen möge, weil dieser »mit Verschweigung der Wahrheit und Behauptung von Unwahrheit« in der Sache vorgegangen sei. Der Rat machte ebenfalls die Privilegien der Juden geltend und setzte auseinander, daß das Schrifttum der Juden auch für Christen von Nutzen sei, und der Papst Clemens angeordnet habe, daß an den Hochschulen und Universitäten darüber Vorlesungen gehalten werden sollten.56

Dazu kam noch ein anderer Umstand. Zur Frankfurter Frühjahrsmesse pflegten jüdische Buchhändler ihre Bücherballen zum Verkauf zu bringen. Da nun Pfefferkorn auch diese zu konfiszieren drohte, so weigerte sich der Rat von Frankfurt zu diesem Ansinnen die Hand [86] zu bieten, weil er das Meßrecht nicht verletzen lassen mochte. Ohnehin hatten die jüdischen Buchhändler Geleitschriften von den Fürsten und Herren ihrer Heimat, welche nicht bloß ihre Person, sondern auch ihr Gut schützten, allerdings gegeben im eigenen Interesse, um nicht durch die Schädigung ihrer Juden Verlust an Einnahmen zu erleiden.57 Und der Erzbischof Uriel verhielt sich schmollend, und war mehr den Juden zugeneigt. Er berief die vom Kaiser bezeichneten gelehrten Männer zur Prüfung der jüdischen Bücher nicht zusammen, sondern tat nur, was er nicht unterlassen konnte. Auch von seiten mancher Fürsten, welchen die Juden über die Tragweite dieser seltsamen Konfiskation die Augen geöffnet hatten, scheinen Beschwerden an den Kaiser gelangt zu sein.58 Die öffentliche Meinung war besonders gegen Pfefferkorn eingenommen.

Dieser und die Dominikaner ruhten aber auch nicht, sondern machten Anstrengungen, den Kaiser und die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen, – und es war wunderbar, daß die Feinde der Öffentlichkeit der bis dahin stummen Richterin den Mund geöffnet und ihr zur Macht verholfen haben. Zu diesem Zwecke erschien wiederum unter Pfefferkorns Namen eine neue Schmähschrift gegen die Juden: »Zu Lob und Ehren des Kaisers Maximilian«, in deutscher Sprache.59 Diese Schrift blies dem Kaiser ganze Wolken von Weihrauch ins Gesicht und bemerkt mit Bedauern, daß die Anschuldigungen gegen die Juden in christlichen Kreisen aus Leichtfertigkeit und Unverstand so wenig beachtet würden. Es wird darin wiederholt, daß der Talmud, der Wucher der Juden und ihr leichter Erwerb Schuld an ihrer Schroffheit gegen ihre Bekehrung zum Christentum wären. Pfefferkorn verhehlte darin nicht, wie seine feindseligen Schritte gegen die Juden von der Herzogin Kunigunde gefördert worden waren, und diese den Kaiser bewogen hatte, das Mandat zur Konfiskation der jüdischen Schriften zu erlassen. In dieser Schmähschrift machte er die außerbiblischen, nach seiner Behauptung von Schmähungen gegen das Christentum strotzenden Bücher der Juden namhaft (worin er jedoch nur seine Unwissenheit an den Tag legte) und stempelte die Juden zu Ketzern, weil sie einige Bräuche und abergläubische Praktiken hätten, welche im Widerspruche zur heiligen Schrift stünden. Der boshafte Verläumder machte es gar den Juden zum Vorwurf, daß sie ihre Töchter lieber an einen Talmudkundigen als an einen Unwissenden zu verheiraten pflegten, und rechnete es den Frommen als Unkeuschheit an, weil sie aus religiösen Gründen in der Ehe enthaltsam wären. Der[87] Messiasglaube der Juden, ihre Ausschmückung des Paradieses, ihre Gebräuche bei Beerdigungen, ihre unschuldigen Sagen (z.B. von einem alten Leichensteine der Wormser Gemeinde), all das wird in dieser Schmähschrift nicht als Torheit verlacht, sondern als Verbrechen gebrandmarkt.

Pfefferkorns Schmähschrift »zum Lob des Kaisers Maximilian« fordert die durchlauchtigsten Fürsten, gnädigen Herren und alle Stände der Christenheit auf, sich die Lästerungen in den jüdischen Schriften gegen den Allmächtigen und seine lobwürdige Mutter zu Herzen zu nehmen, und widerlegt sophistisch alle Einwände gegen die Errichtung von Scheiterhaufen für den Talmud. Dem Haupteinwand, daß die Maßregel nutzlos sein würde, weil die Juden so manches Exemplar verbergen oder die verpönten neu kopieren oder aus dem Auslande beziehen dürften, wollte Pfefferkorn durch ein Verfahren begegnet wissen, welches die ganze Tücke seiner oder der Dominikaner Bosheit verrät. Man sollte den Juden einen feierlichen Eid auflegen, und zwar nachdem man sie einen Tag zu fasten gezwungen, indem man vor sie dampfendes, wohlschmeckendes Fleisch, gesottene Fische, Gläser mit Wein, Öl, Honig und Milch hinstelle, und sie entblößten Hauptes mit Aussprechen des geheiligten Gottesnamens schwören lassen, daß sie sämtliche Schriften ausliefern, keine behalten, kopieren oder von außen beziehen würden. Wenn einer dann noch im Besitz eines Talmudexemplars betroffen würde, sollte er als Meineidiger an Leib und Gut bestraft und von den übrigen Juden mit dem Banne belegt werden. So sollten die Juden selbst durch Körper- und Seelenpein als Werkzeuge der Bosheit gebraucht werden.

In derselben Schmähschrift suchte er auch die Stimmen, welche sich zugunsten der Juden vernehmen ließen, zum Schweigen zu bringen und sie von vornherein zu verdächtigen Wenn sich getaufte Juden gegen seine Verläumdungen aussprechen sollten, so möge man sie nicht als aufrichtige Christen betrachten; es würden nur solche sein, welche sich nur aus fleischlicher Lust haben taufen lassen, den jüdischen Glauben noch im Herzen trügen und nicht wünschten – diese verruchten und ungöttlichen Herzen –, daß die Schalkheit der Juden an den Tag käme. Solche getaufte Juden, welche seine Schrift Lügen strafen könnten, seien von den Christgläubigen wie die Teufel zu fliehen. Die Christen, die sich etwa günstig für die Juden vernehmen lassen sollten, würden entweder vom Gelde der Juden bestochen oder durch den Umgang mit Juden verderbt worden oder in ihrem Innern vom Christenglauben abgefallen sein. Aber auch auf die Stimme unbescholtener, frommer Christen zugunsten der Juden sei nichts zu geben, denn es würden nur solche sein, die auch das edelste Streben verdächtigten und zum Schlimmsten auslegen, d.h. solche Christen, welche seine gemeinen Absichten durchschauten.

[88] Zum Schluß drohte Pfefferkorn, falls die Juden in ihrer Verstocktheit verharren sollten, werde er noch neue Schriften veröffentlichen, gegen welche die bisher erschienenen Anklageschriften sich kaum wie eine Vorrede ausnehmen würden. Er drohte, den ganzen Köcher seiner vergifteten Pfeile gegen die Juden zu erschöpfen. Er würde das verschollene Machwerk von Jesu Geburt60 in hebräischer Sprache veröffentlichen und mit Hilfe der getauften Juden Viktor von Karben, Fischel von Krakau und anderer die Christenfeindlichkeit und Gemeinschädlichkeit der Juden aufdecken. Diese deutsch geschriebene Schrift wurde von einem Friesen, Andreas Ruder, ins Lateinische übersetzt, um die ganze christliche Welt, das deutsch und latein lesende Publikum, gegen die Juden zu hetzen.

Damit begnügte sich Pfefferkorn noch nicht, sondern richtete ein besonderes Sendschreiben61 an Geistliche und Weltliche, worin er den Stand der Angelegenheit auseinandersetzte, daß der Kaiser, dem das Recht zustände, die Juden an Leib und Gut zu bestrafen, in Gnaden sich damit begnügt habe, bloß ihre lästerlichen Schriften durch ihn konfiszieren zu lassen, und daß er schon in mehreren Gemeinden den Befehl ausgeführt habe. Die Juden hätten ihn aber durch Geld gewinnen wollen, von der Sache abzustehen. Da er aber der Versuchung widerstanden, hätten sie ihn an Leib, Ehr und Glimpf (Ruf) verfolgt, und zwar nicht in eigener Person, sondern durch von ihnen bestochene Christen, damit die Sache rückgängig gemacht werde, was natürlich dem Christentum zum großen Schaden gereichen würde. Darum wolle er »mit diesem Briefe« alle christgläubigen Menschen ermahnen, dem Märchen der Juden, als sei der Kaiser ihr Freund, keinen Glauben zu schenken. Jeder Christ sei vielmehr gehalten, dabei behilflich zu sein, daß das christenfeindliche Schrifttum der Juden vertilgt und vernichtet werde. Zum Schlusse des Sendschreibens werden die angeblichen Schmähworte wiederholt, deren sich die Juden über die Urheber und Sakramente des Christentums bedient haben sollen. So versuchten die Cölner Dominikaner von neuem – sie standen stets hinter Pfefferkorn – durch die öffentliche Meinung einen moralischen Druck auf Maximilian auszuüben.

Diese muß indessen so sehr gegen die Finsterlinge gesprochen haben, daß Maximilian sich bewogen fühlte, einen für einen Kaiser ungewöhnlichen Schritt zu tun, seine früheren Befehle gewissermaßen zu widerrufen und dem Rat von Frankfurt zu befehlen, den Juden ihre Schriften zurückzustellen (23. Mai 1510) »bis zur Vollendung unseres Vornehmens und Beschau der Bücher«.62 Die Freude der [89] Juden war groß, wie sich denken läßt. Waren sie doch einer großen Gefahr entronnen; denn es handelte sich nicht bloß um ihr Schrifttum, das ihrem Herzen so teuer war, sondern um ihre Stellung im deutsch-römischen Reiche. Wie leicht hätten sich daraus andere Nachteile für sie entwickeln können? Die Dominikaner hätten es nicht an Aufreizung fehlen lassen, neue Demütigungen und Verfolgungen über sie herbeizuführen.

Aber sie hatten zu früh triumphiert. Die Dominikaner und ihr Bundesgenosse und Werkzeug Pfefferkorn, gaben die bereits errungenen Erfolge nicht so leicht auf. Ein trübseliger Vorfall in der Mark Brandenburg gab ihren feindseligen Bestrebungen neue Nahrung und einen Anhaltspunkt zu Anklagen. Ein Pommer hat in einer Kirche ein Ziborium mit einer vergoldeten Monstranz gestohlen. Über die Hostie befragt, machte er Geständnisse, sie an Juden in Spandau, Brandenburg und Stendal verkauft zu haben. Natürlich schenkte man dem Diebe vollen Glauben, und der Bischof von Brandenburg betrieb die Verfolgung der Brandenburger Juden mit glühendem Fanatismus. Daraufhin ließ der Kurfürst Joachim I. von Brandenburg, ein Hauptketzerverfolger, die des Verbrechens Angeklagten nach Berlin bringen. Zu der Anschuldigung der Hostienschändung kam bald eine andere, die des Kindermordes, hinzu, wie früher in Breslau unter Capistrano und anderwärts. Joachim ließ die Angeklagten foltern und dann auf einem Roste achtunddreißig verbrennen. Mit Standhaftigkeit und mit Lobgesang im Munde waren diese Märtyrer von Brandenburg zum Feuertode gegangen (19. Juli 1510), bis auf zwei, welche vor Todesangst die Taufe genommen hatten und scheinbar ehrenvoller, nur enthauptet wor den waren. Das ist die erste Kunde von den Juden in Berlin und Brandenburg. Siebenundzwanzig Jahre später kam die Unschuld der Märtyrer an den hellen Tag. Für den Augenblick beuteten die Judenfeinde den Fall aus und veröffentlichten, als wenn die Anschuldigung auf Wahrheit beruht hätte, eine Schrift darüber,63 mit häßlichen Holzschnitten versehen, welche die [90] Qualen der Juden veranschaulichen. Dieser Vorfall machte viel Aufsehen in Deutschland, und die Cölner Dominikaner benutzten ihn,64 um den Kaiser zu bewegen, ein neues Mandat zur Konfiszierung des jüdischen Schrifttums zu erlassen, da der Talmud allein an der angeblichen Christenfeindlichkeit der Juden schuld sei. Zwar auf gradem Wege konnten sie es von ihm nicht erlangen, denn er war nachgerade von der Lügenhaftigkeit der Anklage überzeugt. Aber sie schoben wieder dieselbe Mittelsperson vor, die bigotte Herzogin-Äbtissin Kunigunde, welcher die grauenhafte Schlechtigkeit der Juden durch diesen Vorfall noch greller geschildert wurde; sie sollte abermals auf den Kaiser einwirken. Die Dominikaner wußten ihr beizubringen, zu welchem Nachteil es dem Christentum gereichen würde, und bereits gereiche, daß die hostienschänderischen und kindermörderischen Juden sich rühmen könnten, ihre Schriften seien ihnen auf des Kaisers Geheiß wieder zugestellt worden, der Kaiser billige gewissermaßen die darin enthaltenen Schmähungen gegen die christliche Religion. Darauf bestürmte sie ihren Bruder förmlich und tat bei ihrer Zusammenkunft mit ihm in München einen Fußfall, ihn unter Tränen beschwörend, die Angelegenheit der jüdischen Schriften wieder aufzunehmen65. Auch Pfefferkorn belästigte den Kaiser während seines Aufenthaltes in Bayern mit Anschwärzungen. Maximilian war in Verlegenheit. Er mochte einerseits seiner geliebten Schwester einen so innig gehegten Wunsch nicht versagen, anderseits war er von Pfefferkorns Lügengewebe gegen die Juden nicht sehr erbaut. Er fand indes eine Auskunft, um nach beiden Seiten hin billig zu erscheinen. Er erließ ein neues Mandat, das vierte in dieser Angelegenheit (6. Juli 1510), an den Erzbischof Uriel, die Sache wieder aufzunehmen, aber unter einer andern Gestalt. Er wollte sich erst vergewissern, ob es göttlich, löblich und wirklich dem Christentum förderlich sei, die talmudischen Schriften zu verbrennen, wie Pfefferkorn so hartnäckig behauptet hatte. Die Sache sollte nicht als erwiesen angenommen, sondern erst gründlich untersucht werden. Der Erzbischof von Mainz sollte Gutachten darüber [91] von den genannten deutschen Universitäten und von den namhaft gemachten Personen Reuchlin, Viktor von Karben und Hochstraten einholen, denen der Kaiser eine besondere Aufforderung in offizieller Form zugehen ließ. Der Ausfall des Urteils oder der Urteile über den Wert des jüdischen Schrifttums sollte ihm durch Pfefferkorn, als Anreger der Sache, übermittelt werden.66 Die Juden hatten Ursache, mit bangem Gefühle dem Ausfalle der Gutachten entgegenzusehen. Ihr Weh und Wohl hing davon ab.


Fußnoten

1 Vergl. weiter unten.


2 Vergl. über Pfefferkorn Note 2. Seinen jüdischen Namen Joseph gibt er in der Einleitung zu seiner ersten judenfeindlichen Schrift »Judenspiegel« an. Daß er aus Mähren stammte, folgt aus einer Notiz in epistolae obscurorum virorum I, Nr. 36: Vester Johannes Pfefferkorn in Colonia est unus pessimus trufator; nihil scit in Hebraeo; ipse factus est Christianus, ut suam nequitiam occultaret. Quando fuit adhuc Judaeus in Moravia, percussit unam mulierem in faciem, quod non videret in bancis ... et accepit plus quam ducentos florenos aufugiens. Er gestand selbst ein, des Diebstahls angeklagt gewesen zu sein, in Defensio contra famosas epistolas obscurorum virorum, Nr. 2 b: fuerunt duo Judaei qui mihi furti infamiam imponere voluerunt. ... Nomine igitur meo ad cameram imperialem citati etc. Indessen ist aus einer Urkunde bekannt, daß er Diebstahl und Einbruch begangen hat (Aktenstücke zur Konfiskation der jüdischen Schriften. Frankel-Graetz, Monatsschrift, Jahrg. 1875, S. 340).


3 Pfefferkorn, Defensio contra famosas epistolas das. Nicht bloß die Spötter der Dunkelmännerbriefe spie len oft auf die Geschäftigkeit von Pfefferkorns Weibchen an, sondern auch der ernste Reuchlin in Defensio contra Colonienses bei v.d. Hardt, historia literaria Reformationis II, p. 57. – In der Defensio 2a sagt Pfefferkorn: ego ex laudabili tribu Nephtalim genitus.


4 Die Reuchlinisten und Humanisten gaben ihm den Spitznamen Ortu-Vino.


5 Vergl. über ihn Wolf, Biblioth. hebr. I p. 354, III. p. 238, IV. p. 268 ff. und 216. Derselbe stellt richtig auf, daß dessen angebliches Werk unter verschiedenen Titeln: de vita et moribus Judaeorum, confutatio Judaeorum, opus aureum novum, zuerst in Cöln 1504 erschien; die ed. von 1509 ist die 2. Auflage. Dasselbe nimmt auch Panzer an, Annalen der deutschen Literatur I, S. 291, Suppl. S. 108, und zwar laut der Identität des opus aureum von 1504 und de vita von 1509. Ein Jahr vorher war bereits eine deutsche Übersetzung davon erschienen. Auffallend ist jedoch, daß die Widmung der Schrift de vita an Erzbischof Philipp vom 8. Febr. 1509 datiert ist, vielleicht die zweite Ausgabe. Raimann hat mit Recht angenommen, daß der eigentliche Verfasser dieser judenfeindlichen Schrift nicht Viktor, sondern Ortuin war; der erstere hat nur das Material dazu geliefert.


6 De vita et moribus Judaeorum c. I. Daß Viktor von Karben kein Eingeweihter im Talmud war, verrät die genannte Schrift an vielen Stellen. Er nennt die Verfasser oder Rektoren des Talmud das. c. 9: Rabbi Asse et Rabbi Akifo deducerunt (Thalmut); ein kundiger Rabbiner hätte gesagt: Rabbi Jehuda, Rabbi Asse et Ravina oder Rabina. Als Beleg für eine Agada vom Raben wird das. c. 10 Nicolaus de Lyra zitiert, statt den Talmud selbst als erste Quelle anzugeben. Dieses Zitat stammt wohl von Ort. Gratius.


7 Das. c. 24.


8 Das. c. 3.


9 Das. c. 2-21.


10 Vergl. Note 2.


11 Vergl. weiter unten.


12 In der Tat hatten damals, vielleicht infolge der Lämmleinschen pseudomessianischen Enttäuschung, mehrere halbgelehrte Juden Heil im Christentume gesucht. Pfefferkorn nennt zu Ende seines: in Lob des Kaisers Maximilian, als Konvertiten Fischel aus Krakau, Josephus Treumundt mit drei Brüdern und Leo Hellig. In Italien lebte damals der gelehrte Konvertit Paulus Riccio (vergl. über ihn weiter unten). Galatinus führt einen gelehrten Konvertiten, Libertus Cominto, an (de arcanis catholicae veritatis, B. III c. 6). Es ist vielleicht derselbe, von dem der Verfasser Meo rat Olam berichtet: םינפל ומשו ותד רימהש דחא ידוהי ןאטלוס דבל ודי לעו ץראה תורע תא הלגמ וטנימוק לארשיב םידור תא ןאמילוס (p. 17 a). Erasmus bediente sich öfter der hebräischen Kenntnisse eines Konvertiten, Adrian von Löwen, bei seinen biblischen Arbeiten (Erasmi epistolae III, Nr. 36, 40). Dagegen bemerkt Reuchlin im Augenspiegel: »So ist bey meynen Lebtagen ein Jud in teutschen Landen nie getauft worden, der den Talmud haben kinden, weder verstehen noch gar lehren, ußgenommen der Hochmeister von Ulm, der gleich darauf bald wieder Jud' in der Türkei worden ist« (bei v.d. Hardt a.a.O. II, 22b).


13 Speculum hortationis L. II. c. 4, col. 4 ff. Fateor verum esse, nemini suum per vim rapiendum esse, ne Judaeo etiam. Interrogo nunc vos: quare Judaeis tam gravis et multa per vim persecutio infertur? Notorium est, quod magnis vectigalibus, censibus, teloneis pecunia pro tuitione et securitate onerantur, quasi servum pecus ... et falsos illos libros, quibus seducuntur et detinentur a veritate, auferte ab eis, in quibus blasphemantur etc.


14 Sehr drastisch schildert dieses Motiv ein Brief der epistolae obscurorum virorum (II, Nr. 7): Ipse (Pfefferkorn) instigavit Theologos Coloniae et ipsi instigaverunt eum, et voluerunt libros Judaeorum per totam Alemaniam comburere. Et hoc fecerunt propterea, quod Judaei deberent venire ad Theologos et praefatum Pf. cum magna pecunia, occulte dicens: »Permittatis mihi libros meos, ecce hic habetis quadraginta aureos.« Et aliqui dedissent libenter centum atque mille. – Auch Reuchlin deutet dieses Motiv an in dem Briefe an Collin (Epistolae clarorum virorum II, 11): Pfefferkorn – conatus, ut singuli Hebraei libri ... concremarentur, vel potius ... ut ante executionem, si mandatum illud auro et argento gravi, ut ipsimet notavit, aliquando revocaretur, particeps fieret auri. Auch im Prolog zu Athanasius bemerkt Reuchlin: profecto nescius illo tempore, quod theologistarum cohors et ministri ad spem futuri sibi lucri aliter consuluissent.


15 Vergl. Note 2.


16 Vergl. Note 2.


17 Viktor von Karben, de vita et moribus Judaeorum, c. 4 und c. 24.


18 Pfefferkorn, Hostis Judaeorum: Bogen B. 4 b: Certis monitis fide dignorum hominum, qui et scripserunt, Judaeos in nonnullis terris et locis conjurasse et conspirasse in necem meam et perniciem ... Nec ipsi modo, sed et falsi nonnulli Christiani ... disseminantes ubilibet de me sermones pravos ... Ajunt: iste Johannes Pfefferkorn est homo levis et simulator, cui adhibenda fides non est ... vestris credulis nimium simplicibusque auribus ingerit quidquid sibi collibitum est, quousque saccum suum impleverit etc.


19 Vergl. Note 2.


20 Vergl. oben S. 51.


21 Hostis Judaeorum auf der letzten Seite: Compellendi sunt (Judaei) ad labores, nec eos etiam liberales et honestos, sed potius sordidos, puta verrere et mundare vicos, abradere fulginem caminorum etiam et porcorum elevatas sordes etc.


22 Vergl. Note 2.


23 Die beiden Schreiben des Erzbischofs Uriel an den Kaiser und seinen Marschall, Freien v. Hutten, Aktenstücke a.a.O. S. 300.


24 Vergl. Note 2.


25 Reuchlin an Jaque Lefevre, Briefsammlung 2: Cumque optimarum litterarum studiosi omnes nostrates confiteantur, se graeca et hebraica me autore primario didicisse, non potuit adversariorum barbarorum mera superbia aequo animo ferre tanta meae famae praeconia, persaepe formidantium, quod amatioribus doctrinis imbuta posteritas, puerilia studia et seniles disciplinas, quae jam diu nostra consuetudine versantur, contemnat. Erasmus gegen Hochstraten bei v.d. Hardt a.a.O. II, p. 8.

26 Erasmus an Reuchlin in epistolae clarorum virorum II, p. 2 b: Plus unus ille Semijudaens Christianus nocuit rei Christianae, quam universa Judaeorum sentina.


27 Vergl. Strelers Brief an Reuchlin in epistolae clar. virr. I, Nr. 45.


28 Der Brief ist in epistolae clar. virr. mitgeteilt, vgl. B. VIII.3 S. 417. Er ist nach Reuchlins Rückkehr aus Rom, nach 1490, geschrieben.


29 Schreiben des Buonomo Tergestino, kaiserlichen Sekretärs, an Reuchlin vom März 1492, epistolae cll. virr. I. Nr. 9: Jacobus tuus Loans an adhuc Viennae vivat, ignorans sum. Erat tum paucis ante diebus illic, ubi eum reliquisti.


30 Reuchlin im Augenspiegel bei v. der Hardt a.a.O. II p. 21 a.


31 Capnion sive de verbo mirifico, verfaßt Tübingen 1494, wie aus dem Vorworte des Herausgebers hervorgeht.


32 De verbo mirifico II p. 124.


33 Das. II. p. 134.


34 Das. I c. 3 Ende – er läßt den Juden Baruchias sprechen –: At vero de quibuslibet sensibilibus constantem, puram et ineffabilem scientiam homini negavero, nisi non humana disciplina, sed divina traditione jugiter ab uno et item ab altero fuerit recepta, quam nos Hebraei Cabbalam appellamus, id est receptionem. In qua majores nostri praeparatis semitibus exercuere, ut Abraham vel quisquis tandem is fuerit (nempe auctor libri Jezira), ut Simon filius Jocheï, ut Abraham secundus cognomento Abulaphias, ut ille Rambon (l. Ramban, i.e. Rabbi Mose f. Nachman), ut Recanatensis (Menahem Recanati) etc.


35 Das. I c. 21.


36 Das. I c. 18 u.a.a. St.


37 Das. III c. 4: Similiter in verbo ארב, quod est: creavit, et quo in principio Mosis liber incipit; in quibus א (בא) pater, ב (ןב) filius ר (חור) spiritus.


38 Das. III c. 12 u.a.a. Stellen: er kombinierte nämlich den Namen Jesus, bekanntlich aus עושי entstanden, irrtümlich als aus dem Tetragrammaton und ש zusammengesetzt, also הושהי und sah darin das Wort שי = Wesenheit שא = Feuer und noch vieles andere.


39 Vergl. o. S. 41.


40 Reuchlin, Einleitung zum I. Buche der Rudimenta: Post vero legatus Romae ad Alexandrum VI, qui reliqui fuerant in lingua (Hebraea) canones eos a Cesena tensi Judaeo scilicet Abdia f. Jacobi Sphurno petivi, qui me quotidie toto legationis tempore perquam humaniter in Hebraeis erudivit, non sine insignis mercedis impendio. Ebenso Einl. zum III. Buche. Melanchthon erzählt vita Reuchlini p. 304: Derselbe habe Sforno für jede Stunde Unterweisung einen Dukaten gezahlt.


41 Einl. zur Schrift de Accentibus et Orthographia.


42 Epilog zu den Rudimenta: Cum nostrates Judaei vel invidia vel impericia ducti, Christianum neminem in eorum lingua erudire velint etc.


43 Am Ende der Rudimenta linguae hebraeae sagt Reuchlin: exegi monumentum aere perennius.


44 Vergl. weiter unten.


45 S. oben S. 39, Anmerk. 45.


46 S. B. VIII.3 S. 247.


47 Einl. in Reuchlins Schrift de arte Cabbalistica.


48 Schreiben an Collin, epistolae cll. virr. II. Bl. r.a.


49 Missive an einen Junkherrn, Pforzheim 1505, zum zweiten male abgedruckt in Böckings opera Hutteni supplem. I S. 177.


50 B. VIII3 S. 71.

51 Auf die Formel: welaminim oder welameschumadim: םינימלו oder םידמושמלו, die auch Reuchlin fälschlicherweise auf die Christen im allgemeinen bezog.


52 S. Note 2.


53 Über alles gibt Note 2 quellenmäßige Belege.


54 Vergl. Monatsschrift, Jahrg. 1875, S. 342, 375 fg.


55 Bürgermeisterbuch von Frankfurt, Frankfurter Archiv für Geschichte und Kunst, Jahrg. 1869, S. 214.


56 Monatsschrift a.a.O., S. 215.


57 Bürgermeisterbuch a.a. O, S. 215


58 Monatsschrift, das. S. 400.


59 Diese Schrift erschien März 1510, vergl. Note 2.


60 ושי תודלות, die Geburtsgeschichte Jesu.


61 Über dieses handschriftliche Sendschreiben Note 2.


62 Vergl. Note 2.


63 »Ein wunderbarlich Geschicht, wie die Märkischen Jüdden das hochwürdige Opfer geschändet haben.« Pfefferkorn berichtet darüber im Handspiegel und Dr. Eck im »Judenbüchlein« Bl. K. Eine jüdische Quelle darüber teilt Zunz mit, synagogale Poesie, S. 54. Auch die Braunschweiger Juden wurden auf Joachims Anregung verhaftet. Joseph Joselin von Roßheim berichtet darüber in seinem Tagebuche: ותואבו ח"ל ופרשו קראמ תנידמב הרצה הפקת (ר"ע 'ה תנש) הנש ןילרעפ ריעב 'ה ישרוד םירשכ חושפנ (Revue des Etudes XVI, 88). An einer anderen Stelle berichtet er: Im Jahre 1537, bei einer Fürstenversammlung in Frankfurt, habe Joachim II. von Brandenburg erfahren, daß die Märtyrer von Berlin unschuldigerweise verbrannt worden waren, indem der Dieb des Ciboriums seine erlogene Anklage bei der Beichte eingestanden habe, und daß der Bischof von Brandenburg den Geistlichen untersagt habe, das Beichtgeständnis laut werden zu lassen. Infolgedessen habe Joachim II. seinen Entschluß aufgegeben, die Juden aus seinem Lande zu verjagen (das. p. 92, Nr. 22): סנ ךותב סנ ונל השענו (ימכוי ףארגקראמ) רבכוי בורקראמ ותאלו םיברל עדונו הלגנש ח'ל ק"פל ע"ר תנשב ויבא ייחב ופרשנש ... םישנאה םהוא לכש בנגה רזח רבכ יכ .ופרשנ הער הבד הלילעו רקשב .. תושפנ וייוריו דיגהל אלש חלגל הוצ ביואו רצ ער שיאו .ורקש תאוהמ .סוכודל בגג לש


64 Den Zusammenhang zwischen dem Vorfall in Berlin und der Sinnesänderung des Kaisers in betreff der jüdischen Schriften gibt Pfefferkorn selbst an, vergl. Note 2.


65 Dieselbe Note.

66 Reuchlin, Augenspiegel, Anfang; Pfefferkorn, Defensio contra famosas.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1907, Band 9, S. 93.
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