9. Kapitel. Schatten und Licht. (Fortsetzung). (1685-1711.)

[266] Vorliebe gebildeter Christen für die jüdische Literatur. Richard Simon, Knorr von Rosenroth, Heinrich Morus, die christlichen Kabbalisten; Leibniz. Karl XI. und XII. und die Karäer. Peringer, der Karäer Samuel ben Aaron. Trigland und der Karäer Mardochaï ben Nissan. Wülfer, Wagenseil und Eisenmenger. Neue Ansiedlungen der Juden in Wien: Samuel Oppenheim. Das Eisenmengersche Giftbuch, entdecktes Judentum, und Friedrich I. von Preußen. Das Alenu-Gebet unter polizeilicher Aufsicht. Surenhuys, Basnage, Unger, Wolf und Toland.


Ebenso und fast noch mehr als die geahnte einstige Größe Israels zog das reiche jüdische Schrifttum gelehrte Christen an und flößte ihnen eine Art Sympathie für das Volk ein, aus dessen Fundgrube solche Schätze hervorgegangen sind. Mehr noch als im Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurde in der Mitte und zu Ende desselben von Christen die hebräische Sprache erlernt, die hebräisch-rabbinische Literatur eifrig durchforscht, in die lateinische oder in moderne Sprachen übersetzt, ausgezogen, benutzt und angewendet. Die »jüdische Gelehrsamkeit« war nicht wie früher ein bloßer Schmuck, sondern ein unerläßliches Element der literarischen Gelehrsamkeit geworden. Es galt als eine Schande für katholische und protestantische Theologen, im »Rabbinischen« unwissend zu sein, und die Unwissenden wußten sich nicht anders zu helfen, als daß sie die Hebraisten als »Halbrabbinen« verlästerten1. Ein gutmütiger, aber schwachköpfiger christlicher Schriftsteller dieser Zeit (Joh. Georg Wachter) stieß wegen dieser Erscheinung bittere Seufzer aus. »Wenn nur diejenigen, die sich Christen nennen, einmal aufhören wollten, zum höchsten Schaden und Verderbnis ihrer Religion [266] für das Judentum so zu eifern, wie ein Proselyte nimmer tun kann. Denn es ist eine neue ebionitische Art heutzutage aufgestanden, welche alles von Juden herleiten will.«2

Zur Hochachtung der Juden und ihrer Literatur trug sehr viel der erste katholische Kritiker bei, der Pater Richard Simon von der Kongregation des Oratoire in Paris. Er, der den sichern Grund zu einem wissenschaftlichen, philologisch-exegetischen Studium der Bibel alten und neuen Testamentes legte, hat sich mit großem Eifer in den jüdischen Schriften umgesehen und sie zu seinem Zwecke benutzt. Richard Simon war ein denkender Kopf mit einem durchdringenden Verstande, der unbewußt über die katholische Lehre hinaus gegangen war. Spinozas biblisch-kritische Bemerkungen regten ihn zu gründlichen Forschungen an, und da er weniger philosophischen Qualm im Kopfe, sondern als echter Franzose mehr gesunden Sinn hatte, brachte er es weiter in diesen Forschungen und erhob sie zu einer selbständigen Wissenschaft, die nicht mehr auf Hin- und Herraten angewiesen war. Richard Simon war besonders von der Bibelauslegung der Protestanten in Bausch und Bogen angeekelt, welche alle ihre Weisheit und Dummheit mit Versen der heiligen Schrift zu belegen pflegten. Er unternahm daher, den Nachweis zu führen, daß die ganze Bibelkenntnis und Bibelauslegung der protestantischen Kirche, auf welche sie den Katholiken und Juden gegenüber so stolz tat, eitel Dunst und Irrtum sei, weil sie den richtigen Sinn des Grundtextes vollständig verkennt, von dem geschichtlichen Hintergrund, der Zeit und Ortsfärbung des biblischen Schrifttums keine Ahnung habe und in dieser Unwissenheit abgeschmackte Dogmen häufe. »Ihr Protestanten beruft euch zur Bekämpfung der katholischen Überlieferung auf das reine Gotteswort, ich will euch den festen Boden entziehen und euch gewissermaßen an die Luft setzen.« Richard Simon war der Vorläufer von Reimarus und David Strauß. Die Katholiken jauchzten ihm Beifall zu – selbst der süßliche Bischof Bossuet, der sich anfangs nur aus Eitelkeit ihm widersetzt hatte – ohne zu ahnen, daß sie eine Schlange am Busen nährten. In seinem Meisterwerk, kritische Geschichte des alten Testaments3 stellte er sich zur Aufgabe, nachzuweisen, wie das Schriftwort für den Glauben keineswegs genüge, indem es unsicher und vieldeutig sei, daher bedürfe er der Stütze der tausendjährigen Tradition, die sich in [267] der katholischen Kirche erhalten habe. Richard Simon umspannte mit Kennerblick, wie keiner vor ihm, das umfangreiche Gebiet einer neuen Wissenschaft, die Bibelkritik. Obwohl kritisch-freimütig, verfuhr er aber doch apologetisch, sicherte der Bibel ihren Charakter der Heiligkeit und wies dabei Spinozas Angriffe auf die Verläßlichkeit derselben zurück. Spinoza habe nur seine Unwissenheit oder Bosheit gezeigt, indem er die Echtheit des Pentateuchs (der Thora) wegen einiger Änderungen, die man darin finde, verschrieen habe, ohne auf die Eigenschaft derer zu sehen, welche die Urheber dieser Änderungen waren4. Prophetische, gottbegeisterte Männer seien es gewesen, durch deren Hände die heilige Schrift gegangen und deren Text uns überliefert worden sei, und es sei doch völlig gleichgültig, ob dieses oder jenes von Mose oder einem andern Propheten herrühre5. Bei Beurteilung der Schriften des neuen Testamentes durfte oder konnte er nicht diesen zugleich freien und gläubigen Standpunkt einnehmen; hier sah man ihm mehr auf die Finger, oder er selbst legte sich Fesseln an. Richard Simons Schriften, nicht in lateinischer, sondern in der Landessprache, und noch dazu mit einer gewissen Eleganz geschrieben, machten gerechtes Aufsehen. Sie stechen wohltuend gegen den Wust der erdrückenden Gelehrsamkeit jener Zeit ab und heimeln förmlich an. Sie wurden daher von allen gebildeten Ständen, auch von Damen begierig gelesen. Simon hatte der jüdischen Literatur einen weiten Raum eingeräumt und zum Schluß noch ein Verzeichnis der jüdischen Schriftsteller geliefert6. Dadurch war diese rabbinische Literatur noch mehr als durch Reuchlin, Scaliger, die beiden Buxtorfe und die lateinschreibenden Gelehrten Hollands in die gebildete Welt eingeführt.

Um sich die umfangreiche Kenntnis dieser Literatur eigen zu machen, mußte Richard Simon, wie ehemals Reuchlin, Umgang mit Juden aufsuchen, namentlich verkehrte er mit Jona Salvador (o. S. 249), dem italienischen Sabbatianer. Dabei fiel ein Teil seiner Vorurteile gegen Juden, die in Frankreich noch in ihrer ganzen Dichtigkeit bestanden. Noch eine andere Seite zog ihn zu den Juden. Indem er die katholische Überlieferung gegen die Buchstabengläubigkeit der Protestanten betonte, fühlte er sich mit den Talmudisten und Rabbaniten einigermaßen verwandt. Auch sie verteidigten ihre Tradition gegen die Wortklauberei der Karäer. Richard Simon verherrlichte daher das[268] rabbinische Judentum in der Einleitung und den Ergänzungen, die er zur Übersetzung von Leon Modenas »Riten« (o. S. 137, Anm. 2) gemacht hat. Wie wenige seiner Zeit und nach ihm mit der ganzen jüdischen Literatur vertraut, war Richard Simon weit entfernt von jener auf Unwissenheit beruhenden Überhebung, daß das Christentum etwas ganz besonderes, vom Judentum Grundverschiedenes und weit Erhabeneres sei. Er erkannte vielmehr die Wahrheit und hatte den Mut, sie auszusprechen, daß das Christentum sich in Inhalt und Form vollständig nach dem Judentum gebildet habe und ihm wieder ähnlich werden müßte. »Da die christliche Religion ihren Ursprung vom Judentum hat, zweifle ich nicht, daß das Lesen dieses kleinen Buches (die Riten) zum Verständnisse des neuen Testamentes beitragen wird, wegen der Gleichförmigkeit und Verbindung, die es mit dem alten hat. Diejenigen, welche es verfaßt haben, waren Juden, so kann man es nur im Verhältnis zum Judentum erklären. Auch stammt ein Teil unserer Zeremonien von den Juden. ... Die christliche Religion hat noch das mit der jüdischen gemeinsam, daß jede sich auf die heilige Schrift, auf die Überlieferung der Väter, auf die üblichen Gewohnheiten und Gebräuche stützt. ... Man kann nicht genug die Bescheidenheit und die innere Andacht der Juden bewundern, wie sie des Morgens zum Gebete gehen. ... Die Juden zeichnen sich nicht bloß in Gebeten aus, sondern auch in Mildtätigkeit, und man glaubt in dem Mitgefühl, das sie für die Armen haben, das Bild der Liebe der ersten Christen zu ihren Brüdern zu sehen. Man befolgte damals das, was die Juden noch heute beibehalten haben, während wir (Christen) kaum die Erinnerung davon behalten haben.« – Richard Simon sprach es fast bedauernd aus, daß die Juden, welche ehemals in Frankreich so gelehrt waren, denen Paris als ihr Athen galt, aus diesem Lande verjagt worden sind. Er nahm sie in Schutz gegen die Anschuldigung ihrer angeblichen Gehässigkeit gegen die Christen und hob hervor, daß sie für das Gedeihen des Staates und des Landesfürsten beten. Seine Vorliebe für die Tradition ging so weit, daß er behauptete, das Kardinalskollegium in Rom, die Spitze der Christenheit, sei nach dem Muster des einstigen Synhedrions in Jerusalem gebildet, und der Papst entspreche dem Vorsitzenden desselben, dem Naßi7. Indem er die Katholiken mit den Rabbaniten verglich, nannte er die Protestanten geradezu »Karäer« und schrieb auch scherzweise an seine protestantischen [269] Freunde: »Meine lieben Karäer8«. Es ist bereits erwähnt, daß sich Richard Simon sehr eifrig der Juden von Metz angenommen hat, als sie eines Christenkindermordes angeklagt waren (o. S. 250). Auch wo er sonst Gelegenheit hatte, nahm er die Juden gegen falsche Anklagen und Verdächtigungen in Schutz. Ein getaufter Jude, Christian Gerson, der ein protestantischer Pastor geworden war, hatte im Anfang des siebzehnten Jahrhunderts zur Schmähung des Talmuds Auszüge, namentlich lächerliche Legenden, aus demselben mitgeteilt, die vielfach gedruckt und verbreitet wurden9. Richard Simon schrieb dagegen an einen Schweizer, welcher diese deutschen Auszüge ins Französische übersetzen wollte, Gerson sei nicht von der Schuld freizusprechen, daß er Wortspiele und rein allegorische Wendungen im Talmud für wahre Geschichten ausgegeben habe. Gerson wälze der gesamten jüdischen Nation gewisse Irrtümer zu, die nur von dem leichtgläubigen Volke angenommen würden, welches Dichtung von Geschichte nicht zu unterscheiden vermöge, und darum verunglimpfe er so sehr den Talmud10. Man darf nicht vergessen, daß es ein angesehener Priester und noch dazu ein nüchterner, maßvoller Kopf war, der dem Judentum so viel Gutes nachsagte. Seine in lebhaftem französischen Stile geschriebenen, von der gebildeten Welt viel gelesenen Bücher und Briefe haben dem Judentume viele Freunde erworben oder wenigstens seine Feinde vermindert. Indessen scheint die offizielle katholische Welt diesem Lobredner des Judentums ein wenig auf die Finger geklopft zu haben, und Richard Simon, der die Ruhe liebte, mußte zum Teil widerrufen: »Ich habe zu viel Gutes von dieser elenden Nation gesagt, da ich sie in der Folge durch Umgang mit einigen von ihnen kennen gelernt habe«11. Das kann nicht aus seinem Herzen gekommen sein, welches nicht ge wohnt war, eine ganze Menschenklasse nach einigen Individuen zu beurteilen und zu verdammen.

Bemerkenswert ist es, daß Richard Simon am richtigsten den unjüdischen Ursprung und die Verwerflichkeit der Kabbala erkannt hat. Viele gelehrte Christen seiner Zeit standen nicht auf dieser Höhe und waren fast ebenso wie die Juden von dieser lügenhaften Lehre geblendet, über die jener sich mit Recht lustig machte. Tonangebend für diese Richtung waren zwei geachtete Schriftsteller, Heinrich [270] Morus in Canterbury und Knorr von Rosenroth in Sulzbach (Bayern), von denen der erstere so gut wie gar nichts von der Kabbala verstand, weil er keine jüdische Anleitung hatte, der letztere dagegen sie zu verstehen glaubte, weil ihm ein jüdischer Führer, der Rabbiner Meïr Stern aus Frankfurt a.M., den Faden für dieses Labyrinth gereicht hatte12. Das, was im Hebräischen und Chaldäischen wie Spielerei einer müßigen Phantasie aussieht, erhielt durch die lateinische Umkleidung einen düstern, fast Grauen erregenden Ernst. Beide christliche Mystiker Morus und von Rosenroth wühlten in diesem mystischen Schutte, den sie für eine metallreiche Fundgrube hielten, um das Christentum damit zu vergolden. Am meisten sagte ihnen der »Urmensch« (Adam Kadmon) zu, dieser hohle Begriff, welcher, ein Teil der Gottheit, alle Wesenheit in der Idee enthalten soll; sie deuteten ihn in den Heiland, Christus, um13. Das Christentum sollte durch die Kabbala überzeugend werden14 – eine schlechte Empfehlung – nebenher sollte dadurch auch der Stein der Weisen gefunden werden. Knorr von Rosenroth, Sohn eines geadelten Pastors, glaubte durch die Kabbala nicht nur Juden für das Christentum gewinnen, sondern auch der Sektiererei und der Spaltung innerhalb der Christenheit ein Ende machen zu können15. In diesen kabbalistischen Strudel wurden noch andere hineingezogen, nicht nur der wirre Mystiker Baron Franz Mercur von Helmont (der Jüngere), sondern auch der Hofphilosoph Leibniz. Dieser deutsche Denker, der lieber französisch [271] schrieb, der gegen Spinoza und sein System sehr vornehm tat, suchte nach philosophischer Wahrheit, ohne sie zu finden; er wollte alle Gegensätze ausgleichen, den Protestantismus mit dem Katholizismus vereinigen und das Christentum mit einem klaren Gottesbegriff versöhnen. Auf einer diplomatischen Reise von Hannover nach Wien hielt er sich einige Zeit bei Knorr von Rosenroth auf (Anfang 1688), um sich von ihm in die Kabbala einweihen zu lassen. Welche Weisheit lernte er von ihm? Nichts anderes als die verworrene und verwirrende Emanationstheorie, die den Messias neben oder gar über Gott stellt. Es ist drollig zu sehen, wie Leibniz mit den hohlen Formeln von den abgestuften Welten spielte, und wie auch ihm der Pomp nichtssagender Wörter der Kabbala, das Klappern aneinander geworfener tauber Nüsse, imponierte16.

War das nicht ein eigenartiges Zusammentreffen, daß gebildete Kreise damals in Jakobs Zelten die höchste Weisheit suchten, sogar die Mißgeburten aus dessen Schoße mit respektvoller Scheu behandelten und ihn doch noch immer der entsetzlichsten Verbrechen für schuldig hielten? Was in früherer Zeit Unwissende gegen die Juden vorgebracht und Schlaue später mit geflissentlichem Betruge in Szene gesetzt haben, daß sie Christenkinder mordeten und deren Blut tränken oder als Heilmittel für eigenartige, angeborene Krankheiten gebrauchten, was tausendfach von gewichtigen Stimmen als Erfindung erklärt worden war, wiederholten noch in diesem Jahrhundert Christen aus den gebildeten Ständen. Ein friesischer Protestant, Geistlicher und Arzt, Jakob Geusius, schleuderte zwei Anklageschriften gegen die Juden in die Welt. »Anan und Kaiphas aus der Unterwelt entflohen« und »Menschenopfer«, worin er, recht gelehrt, sämtliche Lügenmärchen zusammenstellte, die je gegen Juden aufgetaucht sind, von Apion und Tacitus an bis auf den Franziskaner Bernard von Feltre, welcher das Kind Simon von [272] Trient als Märtyrer jüdischer Ruchlosigkeit ausposaunte. Aber in diesem Jahrhundert brauchten die Juden nicht mehr als Dulder zu schweigen, sondern durften das Lügengewebe zerfasern. Ein holländischer Jude, redegewandt und ebenfalls gelehrt, verfaßte unter dem Namen Isaak Viva eine geschickte Gegenschrift gegen diese Schmähschrift mit dem Titel »Der Bluträcher«17. Zwei Punkte betonte er mit allem Nachdruck, daß nicht ein einziger Fall von Kindermord durch Juden urkundlich über allen Zweifel festgestellt wurde, und daß die Heiden in den ersten Jahrhunderten des Christentums die Christen desselben Verbrechens beschuldigt haben.

Auch Isaak Cardoso in Verona, der nüchterne Bruder des sabbatianischen Schwindelkopfes, widerlegte in derselben Zeit die Anschuldigungen gegen Juden, aber er gab dem Thema eine anziehende Wendung. Die »Vorzüglichkeit der Hebräer18« setzte er ins helle Licht, wodurch die ihnen zur Last gelegten Verbrechen und angebliche Verworfenheit in ihrem Nichts hell beleuchtet wurden. »Das Volk Israel, zugleich von Gott geliebt und von den Menschen verfolgt, ist seit zweitausend Jahren, um seine und seiner Väter Sünden zu büßen unter die Nationen zerstreut, von einigen mißhandelt, von andern verwundet und von allen verachtet, und es gibt kein Reich, das nicht gegen dasselbe das Schwert gezückt, sein Blut vergossen und sein Mark verzehrt hätte.« Diesen Gegensatz setzte Isaak Cardoso scharf auseinander. Israel sei tatsächlich das von Gott auserwählte [273] Volk, zu sei nem Dienste berufen, um sein Lob zu verkünden. Es sei darum eins und einig, wie sein Gott. Es sei lebendiger Zeuge der Gotteseinheit und daher von den Völkern durch eigenartige Gesetze getrennt. Drei Eigenschaften seien ihm zur eigenen Natur geworden, Mitgefühl mit anderer Leiden, Wohltätigkeitssinn und Züchtigkeit. Es befolge seine Religionsgesetze treu, als eine ihm von Gott geschenkte, von seinen Vätern überlieferte Offenbarung, nicht vermittelst philosophischer Grübeleien, die für dasselbe überflüssig seien. Die Weisen anderer Nationen bewunderten daher diese Zähigkeit. Das israelitische Volk allein sei der Prophetie gewürdigt, und das heilige Land ihm zum Wohnsitz angewiesen worden. Und dieses von Gott geliebte, auserkorene, mit so vielen vortrefflichen Eigenschaften begabte und besonderer Gnadenmittel gewürdigte Volk werde von jeher mit so viel Verleumdung teils lächerlicher, teils grausiger Natur überhäuft: daß es falsche Götter anbete, daß es einen üblen Geruch an sich trage, daß es an einem eigenen regelmäßigen Blutflusse leide, daß es die anderen Völker in seinen Gebeten verwünsche, daß es hart und gefühllos gegen dieselben sei, daß es die heiligen Schriften aus Feindseligkeit gegen das Christentum gefälscht hätte, daß es Bilder und Hostien schände, und endlich, daß es Christenkinder töte und sich ihres Blutes bediene. Die Erlogenheit aller dieser Anschuldigungen belegte Isaak Cardoso durch geschichtliche Urkunden. – Als Zeichen der Zeit kann auch aufgeführt werden, daß Fürsten, welche den Juden damals mehr uneigennützige Teilnahme zuwendeten als früher und auch ihrer Literatur Beachtung schenkten, immer mehr von der Unschuld der Juden, wenigstens nach dieser Seite hin, überzeugt, den Vorurteilen der geflissentlichen Verleumdungen mit Eifer entgegentraten. Der Fürst Christian August von Pfalz-Sulzbach, welcher sich mit Liebe auf die hebräische Sprache und Literatur verlegte und sich sogar in die Kabbala – wahrscheinlich durch Knorr v. Rosenroth – einweihen ließ, befahl in seinem Lande überall seine Mandate anzuschlagen, als zweimal Gerüchte von Christenkindermord auftauchten (1682, 1692), bei schwerer Strafe »den ausgestreuten, erdichteten und lügenhaften Anschuldigungen gegen die Juden keinen Glauben beizumessen, noch sie weiter zu verbreiten, noch überhaupt davon zu sprechen und viel weniger einen Juden deswegen anzufechten«19.

Die Aufmerksamkeit, welche den Juden und ihrer Literatur von seiten christlicher Gelehrten und Fürsten zugewendet wurde, brachte [274] hin und wieder drollige Erscheinungen zutage. In Schweden, dem bigottesten protestantischen Lande, durfte kein Jude wohnen, allerdings auch kein Katholik. Nichtsdestoweniger interessierte sich König Karl XI. außerordentlich für die Juden und noch mehr für die Sekte der Karäer, welche sich angeblich an das reine Gotteswort der Bibel ohne Überlieferung hielten und mit den Protestanten viel Ähnlichkeit haben sollten. Wäre es nicht leicht, sie, die nicht vom Talmud eingesponnen sind, zum Christentum hinüber zu bringen? Karl XI. sandte daher einen der hebräischen Literaturkundigen Professor zu Upsala, Gustav Peringer von Lilienblad, nach Polen (um 1690) zu dem Zwecke, die Karäer aufzusuchen, sich nach ihrer Lebensweise und ihren Gebräuchen zu erkundigen und besonders ihre Schriften anzukaufen, ohne Kosten zu scheuen20. Mit Empfehlungsbriefen an den König von Polen versehen, reiste Peringer zunächst nach Litauen, wo es mehrere karäische Gemeinden gab. Aber die polnischen und litauischen Karäer waren noch mehr verkommen, als ihre Brüder in Konstantinopel, in der Krim und in Ägypten. Durch die kosakische Verfolgung war ihre Zahl noch mehr zusammengeschmolzen und ihre Literatur zerstreut. Es gab nur sehr wenige Kundige unter ihnen, welche von ihrem Ursprunge und dem Verlaufe ihrer Sekte ein Geringes wußten, genau wußte es kein einziger. Gerade um diese Zeit hatte der polnische König Johann Sobiesky durch den bei ihm beliebten karäischen Richter Abraham ben Samuel aus Torok, man weiß nicht zu welchem Nutzen, dessen Bekenntnisgenossen auffordern lassen, sich von ihren Hauptsitzen Torok, Luzk, Halicz auch in andern kleinen Städten anzusiedeln21; sie leisteten Folge und zerstreuten sich noch mehr bis in die Nordprovinz Samogitien. So von ihrem Mittelpunkte getrennt, vereinzelt, den Umgang mit Rabbinen meidend und auf die polnische Landbevölkerung angewiesen, verbauerten die polnischen Karäer immer mehr und fielen einem tiefgewurzelten Stumpfsinn anheim22. Welch einen Gegensatz boten sie gegen die allzu übertriebene geistige Beweglichkeit der rabbinischpolnischen Juden! Aber jene waren in ihrer Einfalt biederer und rechtlicher geblieben.

Wenn der von Karl XI. ausgesandte Peringer neben theoretischer Kenntnis des Hebräischen auch einen praktischen Blick besessen hat, so konnte es ihm nicht entgangen sein, daß die Karäer ebensowenig wie [275] die Rabbaniten den Standpunkt der Bibel rein eingenommen hatten und nicht weniger im Autoritätsglauben befangen waren. Es mußte ihm aufgefallen sein, daß sie einen sehr schwankenden Festkalender hatten, und daß sie an den streng befolgten levitischen Reinheits- und Unreinheitsgesetzen ein noch schwereres Joch trugen als die Verehrer des Talmuds. – Ob Peringer auch nur zum Teil den Wunsch seines Königs erfüllt hat, ist nicht bekannt; wahrscheinlich ist es nicht. Denn einige Jahre später (1696-97) machten abermals zwei schwedische Gelehrte, wahrscheinlich ebenfalls im Auftrage Karls XI., Reisen in Litauen, um karäische Gemeinden zu besuchen und deren Schriften aufzukaufen. Sie forderten zugleich Karäer freundlich auf, nach Schweden zu kommen, um mündliche Auskunft über ihr Bekenntnis zu geben. Die Bekehrungssucht hatte gewiß mehr Anteil daran, als Wißbegierde nach dem Unbekannten. Ein junger Karäer, Samuel ben Aaron, der sich in Poswol in Samogitien niedergelassen hatte und etwas Lateinisch verstand, entschloß sich nach Riga zu einem königlichen Beamten, Johann Pufendorf, zu reisen und mit ihm eine Unterredung zu halten. Bei dem Mangel an literarischen Quellen und bei der Unwissenheit der Karäer über den geschichtlichen Gang und die Entwickelung ihrer Sekte konnte Samuel ben Aaron nur Dürftiges liefern in einer Schrift, deren Titel schon die auch in den karäischen Kreis eingedrungene Spielerei bekundet23.

Auch von einer anderen Seite wurden die Karäer Gegenstand eifriger Nachforschung. Ein Professor in Leyden, Jakob Trigland24, der in der hebräischen Literatur ziemlich heimisch war, wollte ein Buch über die alten, verschollenen jüdischen Sekten schreiben und wurde auf die noch bestehenden Karäer aufmerksam gemacht. Vom Wunsche beseelt, Auskunft über die polnischen Karäer zu haben und in den Besitz ihrer Schriften zu gelangen, sandte er einen Brief durch bekannte Kaufhäuser aufs Geratewohl an die Karäer (Frühjahr 1689) mit bestimmten Fragen, um deren Beantwortung er bat. Dieser Brief kam zufällig einem Karäer Mardochaï ben Nissan aus Kukisow (drei Meilen nordöstlich von Lemberg) in Luzk in die Hände, und dieser, ein armer Gemeindebeamter, wußte selbst nicht genug, um Bescheid über Anfang und Grund der Spaltung zwischen Rabbaniten und Karäern geben zu können. Aber er betrachtete es als eine Ehrensache, diese Gelegenheit wahrzunehmen, um durch das Organ eines [276] christlichen Schriftstellers die vergessenen Karäer der gebildeten Welt in Erinnerung zu bringen und deren Gegnern, den rabbanitischen Juden, einige Hiebe zu versetzen. Er scheute keine Opfer, um sich die wenigen Bücher zu verschaffen, aus welchen er sich selbst und seinen Korrespondenten Trigland belehren konnte. Mit diesen Schriften war es jedoch nicht weit her, und Mardochaïs Abhandlung für Trigland ist darum auch sehr dürftig ausgefallen. Nichtsdestoweniger hatte sie aus Mangel an einer besseren Arbeit das Glück, fast anderthalb Jahrhundert als einzige Quelle für die Geschichte des Karäertums zu dienen25. Einige Jahre später, als der nordische Held Karl XII. im Siegesfluge Polen eroberte und gleich seinem Vater begierig war, Genaueres über die Karäer zu erfahren, zog auch er Erkundigungen an Ort und Stelle über sie ein. Auch diese Gelegenheit benutzte Mardochaï ben Nissan, um eine Schrift für Karl XII. in hebräischer Sprache auszuarbeiten26, worin er seinem Haß gegen die Rabbaniten die Zügel schießen ließ und ihre talmudische Literatur angelegentlichst lächerlich machte.

Es konnte nicht fehlen, daß die Aufmerksamkeit, welche christliche Gelehrtenkreise der jüdischen Literatur so eifrig zuwandten, den Juden manche Verdrießlichkeit und Ungelegenheit brachte. Sehr lästig wurden ihnen deutsch-protestantische Gelehrte, welche den Holländern und dem Franzosen Richard Simon nachstrebten und sich zwar eine recht schwerfällige Gelehrsamkeit aneigneten, aber weder die freundlich milde Duldung gegen die Juden, noch die Stileleganz von ihren Vorbildern lernten. Fast zu gleicher Zeit verwerteten drei deutsche Hebraisten Wülfer, Wagenseil27 und Eisenmenger [277] ihre Kenntnis der hebräischen Literatur, um Anklagen gegen die Juden zu erheben. Alle drei verkehrten viel mit Juden, lernten von ihnen, vertieften sich in die jüdische Literatur und brachten es wirklich zu einer gewissen Meisterschaft. – Johannes Wülfer aus Nürnberg, für das geistliche Amt bestimmt, der bei einem Juden von Fürth und später in Italien neben der biblischen auch die talmudische Literatur gründlich erlernt hatte, suchte nach hebräischen Handschriften und alten jüdischen Gebetbüchern, um eine Anklage gegen die Juden begründen zu können. An einem schönen Ge betstücke, das in einer Zeit und einem Lande entstanden ist, in denen vom Christentum noch wenig die Rede war28, nahmen Christen, von getauften Juden mißleitet, argen Anstoß. Einige Juden pflegten nämlich zu diesem Gebete einen Satz hinzuzufügen: »Denn sie (die Heiden) beten zum nichtigen leeren Hauch.« In dem Worte »leer« wollten Judenfeinde Jesus gezeichnet sehen und eine Lästerung gegen ihn finden29. Gedruckt war dieser Satz in den Gebetbüchern nicht. Aber in manchen Ausgaben war dafür ein leerer Raum gelassen. Diese leere Stelle oder dieses Wort wa-Rik ließ den frommen Protestanten keine Ruhe, und Wülfer suchte darum in Bibliotheken umher, um einen Beleg dafür zu finden, und als er das Wort in Handschriften fand, verfehlte er nicht, es in einem Buche bekannt zu machen30. Er lobte den Fürsten Georg von Hessen dafür, daß er seine Juden einen verschärften Eid schwören ließ, daß sie nimmer ein lästerliches Wort gegen Jesus ausstoßen würden, und daß er sie im Übertretungsfalle mit dem Tode zu bestrafen drohte. Allein Wülfer war anderseits auch gerecht genug, einzugestehen, daß die Juden so lange und so grausam um nichts von den Christen verfolgt worden seien, daß die Anschuldigung vom Blutgebrauch [278] gegen sie eine boshafte Erfindung sei, und daß das Zeugnis getaufter Juden gegen Juden wenig Glauben verdiene31.

Der Jurist Johann Christoph Wagenseil, Professor in Altorf, ein sehr gutmütiger, von Wohlwollen für Juden erfüllter Mann, machte es noch schlimmer gegen sie, als der oben erwähnte Theologe. Er hatte noch weitere Reisen als Wülfer gemacht, war über Spanien bis nach Afrika vorgedrungen und gab sich die größte Mühe, solche jüdische Schriften aufzutreiben, welche aus der heiligen Schrift oder mit den Waffen der Vernunft gegen das Christentum ankämpften (antichristianische Schriften). Mit diesem Funde füllte er seinen Köcher »mit des Teufels feurigen Geschossen«32. Selbst jenes geschmacklose Machwerk über Jesu magische Wundertaten (Toldot Jeschu), womit ein von den Christen gequälter Jude an dem Stifter des Christentums sich hatte Luft machen wollen, suchte Wagenseil auf und ließ sich's viel Geld kosten, diese hebräische Parodie des Evangeliums aufzutreiben, denn es besaßen nur wenige Juden eine Abschrift davon, und die Besitzer hielten es zu ihrer eigenen Sicherheit hinter Schloß und Riegel. Weil nun ein Jude früher einmal solches über Jesus geschrieben, einige andere es in Besitz hatten, noch andere sich gegen Angriffe von christlicher Seite gewehrt hatten, darum stand es bei Wagenseil fest, daß die Juden seiner Zeit noch immer Jesus arg verlästerten. Er beschwor daher die Fürsten und die städtische Obrigkeit, den Juden solche Lästerung aufs strengste zu verbieten. Er richtete eine eigene Schrift »Die christliche Denunziation« an alle hohen Potentaten33, den Juden einen förmlichen Eid aufzuerlegen, daß sie kein Wort des Spottes gegen Jesus, Maria, das Kreuz, die Messe und andere christliche Sakramente äußern würden. Außerdem hatte Wagenseil noch zwei fromme Wünsche. Die protestantischen Fürsten möchten wirksame Anstalten zur Bekehrung der Juden treffen. Er hatte sich zwar überzeugt, daß in Rom, wo seit Papst Gregor XIII. alljährlich an bestimmten Sabbaten ein Dominikanermönch vor einer Anzahl Juden schläfrig zu disputieren pflegte (IX4, S. 447), die Juden ihn angähnten oder zum Besten hatten. Aber er meinte, die protestantischen Fürsten, eifrigere Christen als die katholischen, sollten es besser anfangen34. Auch schmerzte es den grundgelehrten Mann, daß die Rabbinatskollegien sich anmaßten, Schriften über jüdische Religion ihrer eigenen Zensur zu unterwerfen und ihre [279] Billigung oder Mißbilligung über dieselben auszusprechen; das sei ein frecher Eingriff in die Majestätsrechte der Christen35. Dabei war Wagenseil, wie gesagt, den Juden wohlwollend gesinnt. Er bemerkte mit vielem Nachdruck, daß er es dreifach unrecht und unwürdig fände, die Juden zu sengen, zu brennen oder sie aller Güter zu berauben oder mit Weib und Kind aus dem Lande zu verjagen. Es sei höchst grausam, daß man in Deutschland und einigen andern Ländern die Kinder der Juden wider ihren Willen taufe und sie mit Gewalt zur Christuslehre zwinge. Auch die Drangsale und Beschimpfungen, die ihnen vom christlichen Pöbel angetan würden, seien keineswegs zu billigen, wie z.B., »daß man sie zwinge: ›Christus ist erstanden‹ zu sprechen, sie mit harten Schlägen traktiere, auf den Gassen mit Kot und Steinen bewerfe und sie nicht sicher gehen lasse«36. Wagenseil verfaßte eine eigene Schrift, um die entsetzliche Unwahrheit, daß die Juden Christenblut gebrauchten, in das hellste Licht zu setzen. Um dieser so warm für die Juden sprechenden Schrift willen sollte man ihm seine anderweitigen Albernheiten verzeihen. Wagenseil zeigte sich voll Entrüstung gegen die entsetzliche Lüge. »Es möchte noch hingehen«, sagte er, »wenn es bei dem bloßen Geschwätze bliebe, aber daß wegen dieser vermaledeiten Unwahrheit die Juden geplagt, gepeinigt und ihrer viele tausend hingerichtet worden, hätte auch die Steine zum Mitleid bewegen und schreien machen sollen«37

Sollte man es für möglich halten, daß bei diesem mit fester Überzeugung ausgesprochenen Urteile von Wülfer und Wagenseil, welche jahrelang mit Juden verkehrt hatten, ihre Literatur wie keiner vor ihnen genau kannten und bis in deren tiefste Geheimnisse eingedrungen waren, daß ihre Zeitgenossen alles Ernstes diese entsetzliche Unwahrheit noch einmal auftischen und mit Aufwand von Gelehrsamkeit rechtfertigen würden? Ein Protestant, der Professor der orientalischen Sprachen Johann Andreas Eisenmenger wiederholte diese tausendfach als lügenhaft gebrandmarkte Anschuldigung und hat dadurch der Nachwelt Anklagestoff gegen die Juden geliefert. Eisenmenger gehörte zu derjenigen Klasse von Kreaturen, die auch aus Blumen Gift saugen. Im vertraulichen Verkehr mit Juden, denen er vorlog, sich zum Judentum bekehren zu wollen38, und in der Vertiefung in ihre Literatur, die er von ihnen erlernte, suchte er nur die Schattenseiten von beiden.

[280] Er stellte ein giftgeschwollenes Buch von zwei starken Bänden zusammen, dessen Titel bereits für die Christen eine Aufforderung zu Judenmetzeleien war und für die Juden eine Wiederholung früherer Schreckensszenen bedeutete, »Entdecktes Judentum oder gründlicher und wahrhafter Bericht, welchergestalt die verstockten Juden die heilige Dreieinigkeit erschrecklicherweise verlästern und verunehren, die heilige Mutter Christi verschmähen, das neue Testament, die Evangelisten und Apostel, die christliche Religion spöttisch durchziehen und das ganze Christentum auf das äußerste verachten und verfluchen. Dabei noch vieles andere, entweder gar nicht oder wenig bekannte und große Irrtümer der jüdischen Religion und Theologie, wie auch lächerliche und kurzweilige Fabeln an den Tag kommen. Alles aus ihren eignen Büchern erwiesen. Allen Christen zur treuherzigen Nachricht verfertigt.« Eisenmenger beabsichtigte Wagenseils »Feuergeschosse des Satans« tödlich auf die Juden zu schleudern. Wenn er bloß abgerissene Sätze aus der talmudischen und späteren rabbinischen Literatur und dazu die antichristianischen Schriften ausgezogen, übersetzt und judenfeindliche Schlüsse daraus gezogen hätte, so hätte dieses nur sein schwaches Denkvermögen bekundet. Aber Eisenmenger hat geradezu die entsetzlichsten Unwahrheiten, wie Wagenseil sie nannte, als unerschütterliche Tatsachen hingestellt. Ein ganzes Kapitel häufte Beweise auf Beweise, daß den Juden nicht gestattet sei, einen Christen aus Lebensgefahr zu retten, daß die rabbinischen Gesetze befehlen, Christen ums Leben zu bringen, und daß man den jüdischen Ärzten kein Vertrauen schenken und ihre Arzneien nicht gebrauchen dürfe. Er wiederholte alle die Lügenmärchen vom Morde der Juden an Christen begangen, von der Brunnenvergiftung durch Juden zur Zeit des schwarzen Todes, von der Vergiftung des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. durch seinen jüdischen Münzmeister39, von Raphael Levis Kindermord in Metz (o. S. 249), kurz alles, was nur je von heiliger Einfalt oder von pfäffischem Betruge oder von aufgeregtem Fanatismus erfunden und den Juden aufgebürdet wor den war. Die Erlogenheit des Märtyrertodes des kleinen Simon von Trient ist zurzeit durch urkundliche Zeugnisse vom Dogen und dem Senat von Venedig sonnenklar erwiesen worden. Nicht nur die jüdischen Schriftsteller Isaak Viva und Isaak Cardoso, sondern auch christliche, Wülfer und Wagenseil, haben diese Urkunden als echt anerkannt und die Anschuldigung gegen die Juden von Trient als eine himmelschreiende [281] Ungerechtigkeit dargestellt40. Eisenmenger kehrte sich nicht daran, gab sie als gefälscht aus und behauptete den Blutdurst der Juden mit allem Eifer und Nachdruck41. Man wäre berechtigt, sein Anklageverfahren gegen die Juden seiner Gemütsroheit oder der einfachen Habsucht zuzuschreiben. Denn obwohl im Hebräischen sehr gelehrt, war er sonst ungebildet42. Sein Schweigen über die Juden hat er sich in klingender Münze zahlen lassen wollen. Allein zur Ehre der Menschheit mag man lieber an seine Verblendung glauben; er hat sich lange Zeit in Frankfurt a.M., ehemals dem Hauptsitz des Judenhasses in Deutschland, aufgehalten, und dort mag er ihn eingesogen und anfangs in aufrichtiger Absicht die Juden haben anschwärzen wollen.

Einige Juden hatten Wind von dem Drucke des Eisenmengerschen Werkes in Frankfurt a.M. (1700) erhalten und erschraken nicht wenig über die ihnen so nahe drohende Gefahr. Denn noch bestanden in Deutschland allzu fest die alten Vorurteile gegen die Juden in den Massen und unter den Geistlichen, mehr noch unter den protestantischen, als unter den katholischen, als daß eine in deutscher Sprache verfaßte Brandschrift voraussichtlich unwirksam bleiben sollte. Die Frankfurter Juden setzten sich daher mit den Hofjuden in Wien in Verbindung, um der Gefahr zu begegnen. Derselbe Kaiser Leopold I., welcher durch die Kaiserin und ihren Beichtvater die Juden ausgewiesen hatte, hatte einigen reichen Juden kaum fünfzehn Jahre später aus Geldnot infolge der Türkenkriege gestattet, sich wieder in Wien niederzulassen. Samuel Oppenheim aus Heidelberg43, ein Bankier und einer der edelsten Männer der Judenheit, dessen Herz und Hand [282] allen Notleidenden offen stand, hatte wahrscheinlich diese Erlaubnis bewirkt. Wie früher zogen auch damals mit ihm mehrere jüdische Familien angeblich als sein »Gesinde« nach Wien. – Samuel Oppenheim nahm mit Eifer die Sache in die Hand, das Erscheinen von Eisenmengers judenfeindlichem Buche zu verhindern. Er hatte in demselben Jahre erfahren, was der durch Judenhaß aufgestachelte christliche Pöbel zu leisten vermochte. Weil sein Diener einigen christlichen Gesellen gegenüber sich zu lachen erlaubt hatte, entstand ein Auflauf gegen sein Haus, es wurde gewaltsam erbrochen und alles, was sich darin befand, auch die Kasse, geplündert (17. Juli 1700). Zwei Rädelsführer wurden zwar an die Fenstergitter seines Hauses gehängt; der Kaiser sprach sein Mißfallen darüber aus und bedrohte die Wiederholung von Gewaltstreichen gegen die Juden mit der schwersten Strafe44. Aber konnte das Wort des Kaisers allein Aufläufe verhindern, wenn das Volk geradezu gegen Juden gehetzt wurde? Aus persönlichem und gemeinnützigem Interesse bemühte sich daher Samuel Oppenheim, die 2000 Exemplare des Eisenmengerschen Werkes nicht das Tageslicht erblicken zu lassen. Er ließ sich's viel Geld kosten, um den Hof und die auf den Hof einwirkenden Jesuiten für die Juden zu gewinnen. Er und die übrigen Juden durften mit Recht behaupten, daß die Veröffentlichung dieses in deutscher Sprache, wenn auch in geschmacklosem Stile gehaltenen Buches zu Mord und Totschlag wider die Juden reizen würde. So erschien denn ein Edikt des Kaisers, welches die Verbreitung desselben verbot. Eisenmenger war dadurch doppelt geprellt, er konnte mit seinem Judenhasse nicht durchdringen und hatte nicht nur sein ganzes Vermögen, das er für die Kosten des Druckes verwendet hatte, eingebüßt, sondern mußte auch noch Schulden machen. Sämtliche Exemplare, bis auf wenige, die er zu entwenden gewußt hatte, lagen in Frankfurt unter Schloß und Riegel. Er trat daher mit Juden in eine Unterhandlung; für 30,000 Taler wollte er sein Werk vernichten. Da die Juden kaum die Hälfte dafür boten, so blieb die Konfiszierung bestehen, und Eisenmenger starb vor Gram, daß er um all seine Hoffnungen betrogen worden war45.

[283] Damit hatte aber die Angelegenheit noch keinen Abschluß. Der neugekrönte König von Preußen Friedrich I. nahm sich nämlich des Buches sehr warm an. Die Aufmerksamkeit dieses Fürsten auf die Juden wurde von verschiedenen Seiten rege gemacht. In seinen Ländern wohnten bereits im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts über 1000 Juden. Die Gemeinde Berlins war seit der ersten Aufnahme in dreißig Jahren von zwölf Familien auf einige siebzig gewachsen46. Dieser für äußeres Gepränge eingenommene König liebte zwar die Juden nicht besonders, aber er schätzte sie nach den Einnahmen von ihnen. Der Hofjuwelier Jost Liebmann galt sehr viel an seinem Hofe, weil er Perlen und Geschmeide auf Kredit lieferte; er erhielt daher eine günstige Ausnahmestellung47. Man erzählte sich, Liebmanns Frau sei bei diesem Fürsten wohl gelitten gewesen, und sie erhielt später die Freiheit, unangemeldet in des Königs Kabinett einzutreten48. Durch ihre Vermittelung erhielten die Juden in Königsberg die Erlaubnis einen Begräbnisplatz anzulegen49; aber das Geld der Juden war in den Augen dieses Königs noch schätzbarer, als seine jüdischen Lieblinge. Friedrich, der noch als Kurfürst die Juden sämtlich auszuweisen gedachte, duldete sie nur wegen des Schutzgeldes, das sie geben mußten – 100 Dukaten jährlich – aber sie waren großen Beschränkungen unterworfen, so, daß sie unter anderem keine Häuser und liegende Gründe besitzen durften. Doch gestattete ihnen Friedrich Synagogen zu halten, zunächst eine eigene dem Hofjuwelier Jost Liebmann und der aus Österreich eingewanderten Familie des David Rieß, und dann, weil es oft Streitigkeiten über Vorrechte gegeben hat, auch eine allgemeine Synagoge50.

Böswillige getaufte Juden Christian Kahtz und Franz Wenzel suchten den kirchlichen Sinn des neuen Königs und der Bevölkerung gegen die Juden einzunehmen. »Lästerung gegen Jesus« lautete die lügenhafte Anklage; das Gebet Alenu und noch anderes sollten zum Beweis dafür dienen, daß die Juden den Namen Jesus [284] nur mit Schmähungen nannten und dabei ausspieen. Da die Zünfte ohnehin den Juden nicht wohlgesinnt waren, so benutzten sie diese Aufregung zu fanatischer Hetzerei, und es entstand eine solche Erbitterung in den Städten und Dörfern gegen sie, daß sie (wie sie sich vielleicht wissentlich übertreibend ausdrückten), ihres Lebens nicht mehr sicher waren. Der König Friedrich schlug aber ein Verfahren ein, welches seinem milden Herzen Ehre macht. Er erließ an sämtliche Regierungspräsidenten einen Befehl (Dez. 1702), daß sie die Rabbinen und in Ermangelung derselben die jüdischen Schulmeister und Ältesten an einem bestimmten Tage zusammenberufen und sie eidlich befragen sollten, ob sie ausdrücklich oder stillschweigend das lästerliche Wort wa-Rik gegen Jesus gebrauchten. Überall erklärten die Juden mit einem Eide, daß sie bei diesem Gebete und der in den Gebetbüchern gelassenen Lücke nicht an Jesus dächten. Der Theologe Johann Heinrich Michaelis in Halle, welcher um ein Gutachten angegangen wurde, sprach sie ebenfalls von der angeschuldigten Lästerung frei. Zur Sicherstellung der Juden erließ Friedrich ein Edikt (Januar 1703), gewalttätige Angriffe auf sie strengstens zu verbieten – mit der Erklärung, daß er die Anschuldigung gegen sie von Theologen untersuchen lassen und, wenn wahr befunden, zu ahnden wissen werde. Da er aber noch immer die Juden in Verdacht hatte, sie schmähten in Gedanken Jesus, so erließ er einige ganz charakteristische Verordnungen (28. August 1703)51. Es sei allerdings seines Herzens Wunsch, daß das Volk Israel, welches der Herr einst so sehr geliebt und zu seinem Eigentum erkoren habe, zur Glaubensgemeinschaft geführt würde. Indessen maße er sich nicht die Herrschaft über die Gewissen an und wolle die Bekehrung der Juden der Zeit und Gottes Ratschluß überlassen. Auch wolle er ihnen nicht einen Eid auflegen, daß sie die angeschuldeten Worte im Gebet niemals sprechen würden. Aber er befehle bei Strafe, daß sie sich derselben enthalten, das Gebet Alenu laut sprechen und nicht dabei ausspeien sollten. Aufseher wurden ernannt, welche von Zeit zu Zeit in den Synagogen horchen mußten, ob das betreffende Schlußgebet laut oder leise vom Vorbeter vorgetragen würde. Durch die Bemühung eines sehr einflußreichen Juden, Isaschar Bärmann in Halberstadt, Hofagenten des Kurfürsten von Sachsen und Königs von Polen, auch in Berlin wohl [285] gelitten, wurde die polizeiliche Aufsicht über die jüdischen Gebete gemildert52.

Eisenmenger vor seinem Tode und nachher seine Erben, welche des preußischen Königs Neigung kannten, der Anklage gegen die Juden einigermaßen Gehör zu geben, hatten sich daher an ihn gewendet, es beim Kaiser Leopold durchzusetzen, daß der Bann und die Haft von dem judenfeindlichen Buch »Entdecktes Judentum« gelöst werde. Friedrich I. nahm sich der Erben sehr warm an und richtete eine Art Bittschrift an den Kaiser (25. April 1705), welche für die Zeitstimmung recht charakteristisch ist. Der König hob hervor, daß Eisenmenger sein ganzes Vermögen in dieses Buch gesteckt und sich durch das kaiserliche Verbot zu Tode gekränkt habe. Es sei einer Verkleinerung des Christentums gleich, wenn die Juden so mächtig sein sollten, ein zur Verteidigung des Christentums und zur Widerlegung der jüdischen Irrtümer verfaßtes Buch unterdrücken zu können. Es sei nicht zu besorgen, wie die Juden vorgeben, daß es das Volk zu Mord und Totschlag gegen sie aufreizen würde, da bereits mehrere ähnliche Schriften jüngstens erschienen seien, die ihnen nicht geschadet hätten. Eisenmengers Buch bezwecke auch weit mehr die Beförderung des Christentums, damit Christen nicht, »wie vor etlichen Jahren vielfältig geschehen ist, zum Abfall davon und zum Anschluß an das Judentum verleitet würden53.« Aber Kaiser Leopold ließ sich nicht bewegen, das Siegel von Eisenmengers Buch zu lösen. König Friedrich wandte sich nochmals drei Jahre später auf Gesuch der Eisenmengerschen Erben an Kaiser Joseph I. Auch bei diesem fand des Königs Wunsch kein Gehör54, und die 2000 Exemplare »Entdecktes Judentum« blieben vierzig Jahre in Frankfurt unter Siegel. Aber mit Friedrichs Genehmigung wurde eine zweite Auflage davon in Königsberg veranstaltet, wo die kaiserliche Zensur keine Gewalt hatte. Es hatte für den Augenblick keine so nachteilige Wirkung, als die einen gehofft und die andern gefürchtet hatten; aber für die Zukunft, als es sich darum handelte, die Juden als Menschen, als Bürger und Staatsbürger anzusehen, erwies es sich als eine Rüstkammer für übelwollende oder gedankenträge Gegner derselben.

König Friedrich I. wurde noch öfter von Judenfeinden behelligt, ihre Gemeinheit mit seiner königlichen Autorität zu decken. Die Licht- und Schattenseiten in der Beurteilung der jüdischen Literatur zeigten[286] sich auch dabei recht anschaulich. In Holland, dem ebenfalls protestantischen Lande, hegte ein christlicher Gelehrter in derselben Zeit eine förmliche Schwärmerei für den Grundstock des talmudischen Judentums, für die Mischna. Der junge Wilhelm Surenhuys aus Amsterdam hat in einer langen Reihe von Jahren die Mischna mit zwei Kommentaren derselben ins Lateinische übersetzt (gedruckt 1698-1703). Er zeigte dabei mehr als holländischen Fleiß und Geistesaufwand. Es gehörte in der Tat Liebe dazu, um ein solches Studium zu unternehmen, dabei zu verharren und das unternommene Werk sauber und ansprechend auszuführen. Keine Sprache und Literatur bietet so viele Schwierigkeiten, wie dieser größtenteils aus dem Leben geschwundene Dialekt, die Gegenstände, die er beschreibt, und die Form, in die alles gegossen ist. Surenhuys saß allerdings zu den Füßen jüdischer Lehrer, deren es so viele in Amsterdam gab, und er war äußerst dankbar dafür. Aber diese Nachhilfe überhob ihn nicht der eigenen Tätigkeit und Hingebung. Er war dabei von der Überzeugung geleitet, daß das mündliche Gesetz, die Mischna, ihrem Hauptinhalte nach ebenso göttlich sei, wie das geschriebene Bibelwort55. Er wünschte, daß die christlichen Jünglinge, welche sich zur Theologie und zum geistlichen Stande vorbereiten, sich nicht den Verführungen der klassischen Literatur hingeben, sondern durch die Beschäftigung mit der Mischna gewissermaßen die Vorweihe dazu empfangen möchten. »Wer ein guter und würdiger Jünger Christi sein will, muß vorher Jude werden, oder er muß vorher Sprache und Kultur der Juden aufs innigste kennen und zuerst Moses Jünger werden, ehe er sich den Aposteln anschließt, damit er durch ihn und die Propheten zu überzeugen vermöge, daß Jesus der Messias sei56.« In diese schwärmerische Vorliebe gerade für denjenigen Stein im Gebäude des Judentums, den die Bauleute der Kultur zu verachten pflegten, schloß Surenhuys auch das Volk, den Träger dieser Gesetze, ein. Er dankte mit vollem Herzen dem Amsterdamer Senat, daß er die Juden wie einen Augapfel schützte. »Um so viel dieses Volk einst alle andern Völker übertraf, bevorzugt ihr es, würdevolle Männer! Der alte Ruhm und die Würde, welche dieses Volk und die Bürger von Jerusalem einst besaßen, alles das ist[287] euer. – Denn die Juden gehören euch innig an, nicht durch Gewalt und Waffen unterworfen, sondern durch Menschlichkeit und Weisheit gewonnen; – sie kommen zu euch und sind glücklich, eurem republikanischen Regimente zu gehorchen57.« Surenhuys sprach seinen vollen Unwillen gegen diejenigen aus, welche, nachdem sie Nützliches aus den Schriften der Juden gelernt, sie schmähten und mit Kot bewürfen, »wie Wegelagerer, welche nachdem sie einen ehrlichen Mann aller Kleider beraubt, ihn mit Ruten zu Tode peitschen und mit Hohn fortschicken58.« Er hatte den Plan, den ganzen Umfang der rabbinischen Literatur durch die lateinische Sprache der gelehrten Welt zugänglich zu machen59. – Während Surenhuys in Amsterdam eine solche Begeisterung für diese, nicht gerade glänzende Seite des Judentums hatte und die Förderung des Christentums darin erblickte (und er stand damit nicht vereinzelt da), klagte ein gemeiner polnischer Jude, der aus Gewinnsucht zum Christentum übergetreten war, Aaron Margalita, eine ganz harmlose Partie der jüdischen Literatur – die alte Hagada – beim König Friedrich von Preußen von neuem der Lästerung gegen das Christentum an. Eine in Frankfurt an der Oder veranstaltete Ausgabe derselben (Midrasch Rabba 1705) wurde daher auf des Königs Befehl unter Siegel gelegt, bis die christlichen Theologen sich darüber ausgesprochen haben würden. Die ganze theologische Fakultät von Frankfurt an der Oder gab ein günstiges Gutachten über das angeschuldigte hagadische (homiletische) Buch ab (Oktober 1706). Dagegen wollte ein Kenner der hebräischen Literatur Lichtscheid darin aus Voreingenommenheit, wenn auch nicht offene, doch verdeckte Lästerung finden. Der König gab jedoch, um nicht Ge wissensrichter zu sein, den Verkauf des mit Beschlag belegten Werkes frei (März 1707)60. Die Judenfeinde hörten aber nicht auf, das neupreußische Königtum gewissermaßen zu einem protestantischen Kirchenstaate und seinen ersten König zum Papste zu machen, welcher berufen sei, alles nach Ketzerei Riechende zu verdammen. Die kleine Gemeinde in Friedeberg (Neumark) hatte eine Talmudschule in kleinerem Maßstabe angelegt, in welcher Jünglinge, wie überall, umsonst Unterricht und noch dazu Subsistenzmittel von den Gemeindegliedern erhielten. Einer derselben, Joseph Jakob, der schon früher getauft gewesen sein soll und sich in die Gemeinde eingeschlichen hatte, meldete sich zur [288] Taufe und erhob bei der Regierung verräterisch die oft wiederholte Anklage, der in jenem Lehrhause gebrauchte Talmud enthalte die schmähendsten Lästerungen gegen das Christentum. Die Regierung von Küstrin ließ darauf sämtliche Exemplare konfiszieren (Dezember 1707). Auf die Beschwerde der Juden beim König befahl dieser, ihnen die Bücher zurückzugeben und ihm Bericht darüber zu erstatten. Die Regierung zeigte sich halb widersetzlich und unterstützte des Täuflings gemeine Absichten, so daß der Prozeß zu vielen Weitläufigkeiten führte; doch wurde er zuletzt niedergeschlagen61. Die Zeit war eine andere geworden, der König Friedrich, obwohl sehr kirchlich gesinnt, durfte nicht mehr Fanatiker sein.

Die reife Frucht dieser Vorliebe christlicher Gelehrter für die jüdische Literatur und der hierdurch so sehr bereicherten literarischen Arbeit war ein anziehendes Geschichtswerk über Juden und Judentum, welches gewissermaßen die alte Zeit abschließt und eine neue ahnen läßt. Jakob Basnage (geb. 1653, gest. 1723), ein edler Charakter, ein guter protestantischer Theologe und gründlicher Geschichtskenner, ein angenehmer Schriftsteller und überhaupt eine hochgeachtete Persönlichkeit, hat dem Judentum einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Er hat die Ergebnisse mühsamer Forschungen der Gelehrten geläutert, volkstümlich umgearbeitet und allen gebildeten Kreisen zugänglich gemacht. Bei seinen emsigen Geschichtsforschungen, namentlich über die Entwickelung der Kirche, stieß Basnage fast bei jedem Schritte auf Juden, und ihn überkam die Ahnung, daß das jüdische Volk doch nicht, wie die Alltagstheologen glaubten, mit dem Untergang seiner staatlichen Selbständigkeit und der Ausbreitung des Christentums ausgespielt hätte, gewissermaßen dem Tode verfallen sei und nur noch als Leiche umherwandle. Das großartige Märtyrertum dieses Volkes und seine so reiche Literatur imponierten ihm. Sein Wahrheitssinn für geschichtliche Vorgänge gestattete ihm nicht, die Tatsachen mit nichtssagenden Phrasen abzuweisen und wegzuklügeln. Basnage unternahm vielmehr die Geschichte der Juden oder der jüdischen Religion, so weit sie ihm bekannt war, seit Jesus bis auf seine Zeit zusammenzustellen, woran er über fünf Jahre im besten Mannesalter arbeitete62. Er beabsichtigte damit eine Fortsetzung der Geschichte [289] des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus seit der Zerstreuung des jüdischen Volkes zu geben. Basnage bestrebte sich, so weit damals ein gläubiger Protestant es vermochte, unparteiisch die Vorgänge darzustellen und zu beurteilen. »Der Christ darf es nicht sonderbar finden, daß wir sehr oft die Juden von verschiedenen Verbrechen entlasten, deren sie nicht schuldig sind, da die Gerechtigkeit es so verlangt. Es heißt nicht Partei nehmen, wenn man diejenigen der Ungerechtigkeit und der Gewalt anklagt, die sie geübt haben. Wir haben nicht die Absicht, die Juden zu verletzen, aber auch nicht ihnen zu Gefallen zu sprechen. – Im Verfalle und in der Hefe der Jahrhunderte hat man sich mit einem Geiste der Grausamkeit und Barbarei gegen die Juden bekleidet. Man hat sie angeklagt, die Ursache aller Unglücksfälle zu sein, welche sich ereignet haben, und belastete sie mit einer Unzahl von Verbrechen, an die sie niemals gedacht haben. Man hat unzählige Wunder ausgedacht, um sie davon zu überzeugen, oder vielmehr um desto lauter im Schatten der Religion den Haß zu befriedigen. Wir haben eine Sammlung von Gesetzen angelegt, welche die Konzilien und die Fürsten gegen sie veröffentlicht haben, durch welche man über die Bosheit der einen und die Unterdrückung der anderen sich ein Urteil bilden kann. Man hat sich aber nicht einmal an die Edikte gehalten, sondern überall fanden häufige militärische Hinrichtungen, Volksaufläufe und Gemetzel statt. Indessen durch ein Wunder der Vorsehung, welches das Erstaunen aller Christen erregen muß, besteht diese gehaßte, an allen Orten seit einer großen Zahl von Jahrhunderten verfolgte Nation noch heute überall63.« – »Die Völker und die Könige, Heiden, Christen und Mohammedaner, in so vielen Punkten entgegengesetzt, haben sich in der Absicht vereinigt, diese Nation zu vertilgen, und es ist ihnen nicht gelungen. Moses Dornbusch, von Flammen umgeben, hat immer gebrannt, ohne sich zu verzehren. Man hat die Juden aus allen Städten der Welt verjagt, und das diente nur dazu, sie über alle Städte zu verbreiten. Sie leben noch trotz Schmach und Haß, die ihnen überallhin folgen, während die größten Monarchien so verfallen sind, daß sie uns nur noch dem Namen nach bekannt sind«64. Basnage, welcher durch die katholische Unduldsamkeit Ludwigs XIV. nach der Aufhebung des Edikts von Nantes das Brot der Verbannung in Holland gekostet hat, konnte die Gefühle der Juden in ihrem allgemeinen [290] und langen Exile einigermaßen würdigen. Er hatte auch so viel Kenntnis von der jüdischen Literatur, um sie bei der Ausarbeitung seines Werkes zu Rate ziehen zu können. Die geschichtlichen Arbeiten Abraham Ibn-Dauds, Gedalja Ibn-Jachjas, Jehuda Ibn-Vergas, David Gans' und anderer waren nicht umsonst geleistet. Sie dienten Basnage als Bausteine, aus denen er das große Gebäude der jüdischen Geschichte in den sechzehn Jahrhunderten seit Entstehung des Christentums aufführte.

Basnage war aber nicht Künstler genug, um die erhabenen und tragischen Szenen aus der jüdischen Geschichte, wenn auch nur in rasch verfliegenden Nebelbildern, mit hellem Farbenschein für das Auge zu schildern. Er hatte auch nicht das Talent, die vermöge des eigenartigen Geschichtsganges dieses Volkes zersplitterten Tatsachen zu einem Ganzen zu sammeln, zu gruppieren und zu gliedern. Man sieht es Basnages Darstellung an, daß er sich unter der Wucht der Einzelheiten gedrückt und überwältigt fühlte. Daher warf er Zeiten und Begebenheiten bunt durcheinander, zerriß die Geschichte in zwei unnatürliche Hälften, in die Geschichte des Morgen- und in die des Abendlandes, und verband wiederum, was gar nicht zusammengehört. Noch weniger kannte er so wie seine Zeit das Gesetz geschichtlichen Wachstums und allmählicher Entwickelung, welches gerade die Geschichte des jüdischen Stammes so augenfällig aufzeigt. Die judäischen Zeloten, welche mit dem römischen Koloß einen Kampf auf Tod und Leben wagten; die Anhänger Bar-Kochbas, welche den römischen Kaiser zittern machten; die arabischen Juden, welche von ihrem Abhube den Söhnen der Wüste eine neue Religion hinwarfen und deren Stifter mit der Lauge ihres Spottes und der Schärfe ihres Schwertes bekämpften; die jüdischen Dichter und Denker in Spanien und der Provence, welche den Christen die Kultur brachten; die Marranen in Spanien und Portugal, welche, in Mönchs- und Jesuitentalare gehüllt, die stille Flamme ihrer Überzeugung nährten und den mächtigen katholischen Staat Philipps II. unterwühlten; die stolzen portugiesischen und die kriechenden deutschen Juden, sie haben für Basnage samt und sonders eine und dieselbe Physiognomie, und sind einander zum Verwechseln ähnlich. Für den tiefen Kern ihres Wesens und ihrer Leistungen hatte er kein Verständnis. Sein protestantisches Bekenntnis hinderte ihn auch daran; er sah die jüdische Geschichte doch nur durch den dichten Nebel der Kirchengeschichte. Er konnte bei aller Anstrengung, unparteiisch und gerecht zu sein, nicht darüber hinweg kommen: »Die Juden sind verworfen, weil sie Jesus verworfen haben.« Die ganze jüdische Geschichte [291] erschien ihm eigentlich nur als Sektengeschichte; er behandelte sie daher nicht erzählend und ausmalend, sondern zusammenreihend und disputierend. Kurz, Basnages »Geschichte der Religion der Juden« hat tausend Fehler, ja, es ist kaum ein einziger Satz darin, der, nach allen Seiten hin betrachtet, richtig und genau der Wahrheit entsprechend wäre.

Und dennoch war ihr Erscheinen von großer Tragweite für die Juden. Sie brachte eine große Masse geschichtlichen Stoffes, wenn auch roh oder entstellt, in die Kreise der gebildeten Welt, weil sie in der Mode gewordenen französischen Sprache geschrieben war, und dieser Same ging allmählich wuchernd auf. Ein Volk, das blutig verfolgt, ohne Heimat, auf der ganzen Erde keinen Ort fand, wo es sein Haupt niederlegen oder seinen Fuß hinsetzen konnte, und das dennoch eine Geschichte hat, die noch dazu selbst dem verblendeten Blicke hier und da nicht ohne Glanz erscheint, ein solches Volk gleicht nicht einer Zigeunerhorde und mußte immer mehr Beachtung finden. Ohne es zu wissen und zu wollen, hat Basnage, wenngleich auch er ihm manchen Schandfleck angehängt hat, die Erhebung des jüdischen Stammes aus seiner Niedrigkeit angebahnt und gefördert. Die beiden Bücherwürmer, Christian Theophil Unger65, Pastor in Herrenlaurschütz (Schlesien), und Johann Christophorus Wolf, Professor der morgenländischen Sprachen in Hamburg (geb. 1683, gest. 1739), die sich angelegentlich und ernstlich mit jüdischer Literatur und Geschichte beschäftigten, waren Basnages Jünger und hätten ohne seine Arbeiten nicht so viel auf diesem Gebiete leisten können. Diese beiden, besonders Wolf, haben die vielen Lücken, die Basnage gelassen hat, mit vieler Gründlichkeit, ja mit einer gewissen Wärme für die Sache ausgefüllt.

Die Vorliebe oder wenigstens die Teilnahme für die Juden bewog in dieser Zeit den mutigen Kämpfer gegen das verknöcherte Christentum. [292] John Toland, einen Irländer, das Wort für sie zu erheben, daß sie in England und Irland auf gleichen Fuß mit den Christen gestellt werden müßten – die erste laute Stimme für die Emanzipation. Aber diejenigen, zu deren Gunsten diese merkwürdige Umstimmung der gebildeten Welt eingetreten war, hatten am wenigsten Kunde davon66. Sie fühlten die veränderte Windrichtung gar nicht.


Fußnoten

1 Vgl. Spannheim, Lettres à un ami, in Richard Simons Histoire critique du vieux testament, ed. Rotterdam, I., p. 614.


2 Wachter, Spinozismus im Judentum, S. 221.


3 Histoire critique du vieux testament, zuerst erschienen Paris 1678, diese erste Auflage wurde verboten und fast vernichtet, die zweite erschien Rotterdam 1685.


4 Préface p. 3.


5 Das. und Chapt. II f.


6 Catalogue des auteurs Juifs, qui ont été cités dans l'histoire critique.


7 Les Rites, supplément aux cérémonies des juifs. (Haag 1682), p. 38.


8 Öfter in seinen Lettres choisies.


9 S. über denselben Wolf I, III, IV. Nr. 1896, Steinschneider, C. B. 5140.


10 Richard Simon, Lettres choisies I. No. 7.


11 Das. Nr. 23.

12 Knorr von Rosenroth verfaßte (eigentlich anonym) Kabbala denudata, sive doctrina Hebraeorum transcendentalis et metaphysica atque Theologia. Apparatus pars prima et pars secunda in librum Sohar, Sulzbach 1677. Der dritte Teil: liber םימשה רעש, seu porta Caelorum, autore R. Abraham Cohen Irira (Herrera) Lusitano, und der vierte – recht chaotisch vor dem dritten – und in Zusammenhang mit T. II. und III.: Arbores, sive tabulae cabbalisticae, die kabbalistischen Figuren. Knorr wollte den ganzen Sohar nebst den Tikkunim ins Lateinische übersetzen, die ersten zwei Teile sind bloß Prodromen dazu; T. I. eine kabbalistische Nomenklatur; II. enthält Abhandlungen, meistens eine kabbalistische Korrespondenz mit Heinrich Morus. In Nr. 8 sagt er, er habe sich zum Verständnis der Lurjanischen Kabbala eines Greises bedient, der als Kabbalist seinesgleichen in Deutschland kaum habe, der ihm Lurjanische Manuskripte zugebracht hat. Dieser senex Judaeus war Meïr Stern, wie Unger referiert hat, Wolf III, p. 678. [Über Meïr Stern vgl. Horowitz, Frankfurter Rabb. II. 64 f.]


13 Knorr von Rosenroth, Kabbala denudata II, p. 185.


14 Das. I, p. 26 und öfter.


15 Das. II. p. 75.

16 Foucher de Careil: Leibniz, la Philosophie juive et la Cabale, Beilage p. 40. Beispielsweise sei angeführt p. 56: Ainsi le monde Azilutique est du Messie, le Beratique des âmes, le Jeziratique des anges non consommés, et l'Assiatique des hommes revêtus des corps visibles. Es sollen die kabbalistischen Schlagwörter sein: הישעהו הריציה ,האירבה ,תוליצאה םלוע. Leibniz hat sich auch mit Maimunis Moré Nebuchim eingehend beschäftigt, wie de Careil aus dessen handschriftlichem Nachlasse das. nachgewiesen hat. Er hatte einen jüdischen Jünger Namens Raphael Levy, der ganz allein seine Leiche zur letzten Ruhe begleitete, 1716, da Leibniz in Hannover in Ungnade gefallen und vernachlässigt war. Vgl. Archives Israél., Jahrg. 1857, p. 500.


17 Vindex Sanguinis contra Jacobum Geusium ... per Isaacum Vivam, gedruckt Amsterdam und beigedruckt bei Wülfer, Theriaca Judaica ad examen revocata, Nürnberg 1681. Wolf vermutete die Identität dieses J. Viva mit Isaak Chajim Cantarini (Bibliotheca III, p. 565). Allein wenn auch Cantarini lateinisch verstanden hat, so war er doch nicht so klassisch gebildet, um lateinische Verse zu machen und das Buch mit klassischen Zitaten zu schmücken. War doch sein hebräischer Stil verworren (o. S. 262, Anm. 1), und er soll gar zierlich und logisch Lateinisch geschrieben haben? Cantarini erwähnt auch nicht diese Schrift als seine eigene in seinen Briefen an Unger. Dagegen nennt der Verf. des Vindex Belgien sein Vaterland (p. 5 unten): An non sacratissimum nostrum Belgium sceleratorum receptaculum ... constituunt (Geusii verba)? Zudem nennt Eisenmenger, welcher gerade während des Druckes dieser Schrift in Amsterdam war, ausdrücklich als Verf. derselben: der Amsterdamer Jude Isaak Viva (Entdecktes Judentum II. S. 222). Möglich, daß Viva gar pseudonym ist, und der Verf. einer der jüdischen klassischen Philologen, etwa Isaak de Pinedo, war. [Vgl. auch de Rossi, Wörterbuch, deutsch von Hamberger, S. 331.]


18 Las excelencias de los Hebreos, vollendet März 1678, gedruckt Amsterdam 1679. S. über ihn Note 4.


19 Wagenseil, Hoffnung Israels. Anfang.


20 S. Note 5.


21 Urkunden bei Neubauer, aus der Petersburger Bibliothek, S. 139, Nr. 26; Datum der Auswanderung 1688.


22 Mardochaï in Dod Mardochaï c. 7.


23 ול השע ןוירפא s. Note. 5.


24 Das.


25 יכדרמ דוד zuerst mit lateinischer Übersetzung ediert, in Wolfs Notitia Karaeorum, 1714.


26 תוכלמ שובל s. Note 5.


27 Der berühmteste der jüdischen Gelehrten, bei denen Wagenseil sich Rat und Auskunft über jüdisches Leben und Wissen erbat, war Chanoch Levy, welcher mit den Exulanten aus Wien 1670 nach Fürth gekommen war (s. Wagenseil Sota und Kritik in Mantissa p. 1158, 1180, 1199, 1204, 1213, 1219, 1223). Conrad Fronmüller korrespondierte mit ihm (s. Wolf I. p. 382, III. p. 264). Er wird als vir admirandae doctrinae et singularis modestiae geschildert. Er unterzeichnete mit andern das Gesuch der Wiener Juden an Texeira, sich für sie zu verwenden (bei Sasportas Respp. Nr. 77 Ende): גארפמ ל"גס ךונח. Chanoch hatte fünf Söhne, von denen Elkan Fränkel, Hofagent des Markgrafen von Ansbach, und Hirsch Fränkel, Rabbiner von Schwabach, die bekanntesten waren. Durch Neid und Denunziation von seiten eines anderen jüdischen Hofagenten wurde Elkan in einen schweren Prozeß verwickelt und durch Feinde ungerecht zu ewiger Haft verurteilt (1713). S. darüber Haenle, Geschichte der Juden im Ansbachischen, S. 73 f.; Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten II, S. 197 f. [und jetzt namentlich Kaufmann, Die letzte Vertreibung usw., S. 68, 88, 191, 196-200, wonach im Text bereits das Wichtigste berichtigt ist].

28 Das Gebet beginnt mit ונילע = Alenu, wahrscheinlich von Rab, d.i. Abba Areka in Babylonien, im III. Jahrh. für das Neujahr verfaßt.


29 קירו לבהל םיללפתמ םהש. Das Wort קירו, wa-Rik hat den Buchstabenzahlenwert 316, und ebensoviel das Wort ושי = Jesus.


30 Es ist das öfter zitierte: Theriaca Judaica, ad examen revocata; Nürnberg 1681. Es enthält die Schmähschrift des Konvertiten Samuel Friedrich Brenz, »Schlangenbalg« (Nürnberg 1614), die Widerlegung derselben von Salomo Zewi Uffenhausen, jüdischer Theriak (in jüdisch-deutscher Schrift, Hanau 1615), von Wülfer ins Lateinische übersetzt, und Animadversiones ad Theriacam. Über Alenu das. 308 ff.


31 Theriaca Judaica, p. 168, 171, 76, 78, 130.


32 Tela ignea Satanae, Altdorf 1681.


33 Denunciatio Christiana, gedruckt 1703.


34 Tela ignea I. p. 90 und Denunciatio Christiana.


35 Tela ignea I. p. 26.


36 Denunciatio p. 46 f.


37 Das. p. 131.


38 Unger in einem Briefe an Schudt, bei Wolf IV. p. 471.


39 B. IX, S. 474.


40 B. VIII, S. 259. Isaak Viva druckte diese Urkunden am Ende seines Vindex sanguinis ab, Is. Cardoso am Ende seiner Excelencias de los Hebreos. Wagenseil bemerkt in seiner Schrift, Unwidersprechliche Widerlegung der entsetzlichen Unwahrheit, S. 192, daß dieses Edikt in Padua im Original vorhanden sei.


41 Entdecktes Judentum II, S. 218 f.


42 Schudt I, S. 436.


43 Über denselben Schudt I, S. 351, 428; das kaiserliche Privilegium für ihn und seine Familie im monatlichen Staatsspiegel 1700 Spt. Sein Lob in Salomon Hanaus deutscher Übersetzung des דוד חמצ. Vgl. L. A. Frankl, Wiener Epitaphien Nr. 232 und p. XV. Aus dieser Urkunde folgt, daß S. Oppenheim mit noch zwei anderen Juden bereits Mai 1685 in Wien war; aber 1683 wurde das Gesuch der Juden, sich daselbst niederzulassen, abgeschlagen. Folglich fällt die Ansiedlung Oppenheims und einiger anderer Familien 1684. [Über die Niederlassung Samuel Oppenheims in Wien vgl. Kaufmann, Samson Wertheimer, der Oberhoffaktor und Landesrabbiner und seine Kinder (Wien 1888, 8), S. 1 ff., 6 ff. Über die Plünderung des Oppenheimerschen Hauses in Wien am 21. (nicht 17.) Juli 1700; s. das. S. 16ff.]


44 Schudt das. S. 351 und (Wertheimer) Juden in Österreich, S. 133. [Vgl. Kaufmann a.a.O., S. 18, Steinschneider in der »Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland« II, S. 151. – Die Konfiszierung des Eisenmengerschen Buches war unmittelbar der Tätigkeit Samson Wertheimers zu verdanken. Doch war auch Samuel Oppenheimer an der Aktion beteiligt (Kaufmann das. S. 13 und S. 15 n. 1).]


45 Schudt das. S. 428, 431. [Vgl. G. Wolf in der Monatsschrift XVIII, S. 431.]


46 Mylius, Corpus Constitutionum Marchicarum V, 5, 3, S. 135, (König) Annalen der Juden, S. 127, 133 f. [L. Geiger, Geschichte der Juden in Berlin, II. 11 ff.]


47 Mylius das. S. 139, 140. [G. Geiger a.a.O. II, 40 ff. Landshuth םש ישנא תודלות, S. 2.]


48 (König) Annalen, S. 132. [Geiger das. I, 20; II, 42 ff.]


49 Jolowitz, Geschichte der Juden in Königsberg, S. 30.


50 S. Mylius das. Nr. 10, 12, die Verordnungen vom 14. Januar und 7. Dezember 1700. [Geiger das. II, 43 f., 45 f. Kaufmann, Letzte Vertreibung, S. 212 f., vgl. 217.]


51 Mylius das. S. 141, Nr. 14, 15. König, Annalen, S. 138, 168; Auerbach, Geschichte der Israeliten-Gemeinde Halberstadt, S. 166. [Geiger das. II, 26 ff.]


52 Auerbach das. S. 165, Beil. Nr. 1. Über Bärmann das. S. 43 f.


53 Schudt T. III, Anfang. [G. Wolf a.a.O.]


54 Das. S. 46 f. [G. Wolf das. S. 467, 469 f.


55 Surenhuys' Mischna T. II. Widmung an Kosmo von Medici Bl. IV a.


56 Einl. zu T. I. Außer dem Mischnatexte sind auch die Kommentare Maimunis und de Bertinoros latinisiert. Dazu noch historische, philosophische und antiquarische Noten von Surenhuys selbst, dann von Geusius (zur Ord. םיערז, sehr wertvoll), von Lundius, l'Empereur, Wagenseil, Scheringam und anderen.


57 Dedikation T. I. an die Konsuln von Amsterdam.


58 Das.


59 T. VI. Ende der Einl.


60 König, Annalen S. 176-179. [Geiger a.a.O., S. 29.]

61 König, Annalen S. 181-219. [Geiger das.]


62 Der Titel lautet: L'Histoire et la réligion des Juifs depuis Jésus-Christ jusqu'à présent, pour servir de supplément et de continuation à l'histoire de Joseph, Rotterdam 1707-1711, in 5 Bänden, dann öfter gedruckt.


63 L'Histoire et la réligion des Juifs etc., Einl. T. I. Plane de cette histoire.


64 Das. T. III. Einleitung.


65 Ungers Briefwechsel mit Juden, namentlich mit Isaak Vita Cantarini ist zum Teil abgedruckt in Ozar Nechmad III, p. 128 f. [und Berliners Magazin IV, Anh. S. 85]; viele historische Nachrichten, von Unger mitgeteilt, hat Wolf in seine Bibliotheca aufgenommen. Diese für ihre Zeit gründlich ausgearbeitete Bibliographie ist in vier Bänden erschienen: I. vol. Hamburg – Leipzig 1715; II. vol. 1721; III. vol. 1727; IV. vol. 1733. Die Oppenheimersche Bibliothek, welche Wolf wiederholentlich in Hannover (s. weiter) benutzte, lieferte ihm reichliche Ausbeute für die Bibliographie. [Vgl. ferner über Unger Steinschneider, Hebr. Bibl. XVII. 88 ff. und über Wolf Steinschneider, C. B. p. 2370, Addit. p. XXXIV.]


66 Es ist bemerkenswert, daß, soweit meine Kenntnis reicht, nur der einzige jüdische Zeitgenosse, Mose Chagis, Basnages Geschichte würdigt und zitiert, םימכח תנשמ Nr. 61. Wahrscheinlich ist er in Hamburg durch Wolf darauf aufmerksam gemacht worden.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig [1897], Band 10, S. 294.
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