Lambertus, S. (7)

[659] 7S. Lambertus, Ep. Traject. et M. (17. Sept.). Der hl. Lambertus, Bischof von Mastricht und Martyrerer, auch Landebertus, Landibertus, Landbertus und Lantbertus geschrieben, war einer der größten Männer seiner Zeit. Von dem Bollandisten Suysken wird er am 17. Sept. (V. 518 bis 617) sehr ausführlich behandelt, indem er nach einer langen Einleitung (p. 518 bis 573) vier Lebensbeschreibungen gibt, nämlich eine vom Lütticher Diakon Godeschalcus (574–581), dann vom Bischof Stephan von Lüttich (581–589), von Sigebert (589 bis 602) und von dem Lütticher Canonicus Nicolaus (602–612). Nach diesen wurde der hl. Lambertus um das J. 638 geboren zu Mastricht an der Maas (Trajectus ad Mosam), nicht weit von Tongern (Tungri). Sein Vater Aper, wie seine Mutter Herisplindis (Hysplindis) waren von vornehmem Stande und eben so reich an Tugenden wie an zeitlichen Gütern. Nach Einigen wäre er von dem hl. Bischofe Remaclus von Mastricht getauft worden, was aber von Suysken (p. 522) widersprochen wird, so wie auch die Fabel von seiner Amme Lina, mit welcher er als Wiegenkind gesprochen haben soll. Von Kindheit an gab ihm sein Vater die besten Lehrer, unter welchen auch der hl. Erzpriester Landoaldus gewesen seyn soll, dem er einmal glühende Kohlen in seinem Kleide ohne dessen Verletzung zugetragen haben soll. Nachdem er auf solche Weise seine ersten Studien vollendet hatte, übergab ihn sein Vater um das J. 661 der Leitung des hl. Theodard, der dem hl. Remaclus zuerst als Abt in den von diesem in der Mitte des 7. Jahrh. gestifteten Klöstern Malmedy und Stablo, dann auf dem bischöfl. Stuhle von Mastricht nachgefolgt war. Theodard unterließ nichts, um seinen auch körperlich schönen Zögling in den Wissenschaften und Tugenden heranzubilden. Auch an den Hof des Königs Childerich II., der zwar gewöhnlich in Metz, öfter aber auch in Mastricht residirte, führte er ihn, damit er, wie sein Lebensbeschreiber Stephanus sagt, gleich einem edlen Steine von allen Seiten polirt werde. Als dann der hl. Theodard um das Jahr 668 oder 669 durch meuchelmörderische Hände in der Gegend von Speier gefallen war, wurde Lambert, der beim Könige Childerich (nicht Clodoväus, wie Einige irrig haben) seiner [659] großen Tugenden wegen in hoher Achtung stand, um das J. 670 zu seinem Nachfolger ernannt als der 19. und letzte Bischof von Mastricht4. Nach dem Tode Childerichs aber, dem er in den Wirren jener Zeit zugethan blieb, und der im J. 673 ebenfalls meuchlerischer Weise fiel, wurde er unter dem Könige Theoderich von dem Majordomus Ebroin von seinem Sitze vertrieben, und ein gewisser Faramund auf seinen bischöflichen Stuhl erhoben. Lambert zog sich mit zwei Dienern in das Kloster Stablo (Stabuletum) zurück, wo er 7 Jahre ein bewunderungswürdiges, heiliges Leben führte und wie ein eifriger Noviz die Regel der Ordensmänner treu befolgte. So geschah es einmal, daß ihm in einer Winternacht im Chore einer seiner Sandalen entfiel und ein Geräusch verursachte. Der Abt dictirte nun dem Schuldigen, den er übrigens nicht kannte, die Strafe, daß er am Fuße des vor der Kirche stehenden Kreuzes bete. Lambert gehorchte ohne Widerrede. Als dann nach 3–4 Stunden die Ordensmänner zusammen kamen, und der Abt fragte, ob sie Alle da seien, antwortete man ihm, daß nur Jener fehle, den er zur Kirche hinaus zum Beten geschickt habe. Da man nun diesen rief, waren Alle ganz erstaunt, als sie den hl. Bischof Lambert ganz mit Schnee bedeckt und vor Kälte beinahe erstarrt hereintreten sahen. Der Abt und die Brüder baten ihn nun um Verzeihung; er aber beruhigte sie vollkommen, indem er den Abt wegen dieser Handlungsweise auch noch belobte. Inzwischen war Pipin von Heristal, nach der Ermordung des grausamen, hinterlistigen Ebroin durch den Edelmann Hermenfried, zum Hausmaier (Major domus) des fränkischen Reiches ernannt worden. Dieser vertrieb nun die eingedrungenen Bischöfe und setzte die vertriebenen Hirten wieder in ihre Aemter ein, unter denen auch der hl. Lambert war, der im J. 681 oder 682 nach Mastricht zurückkehrte. Er wurde mit stürmischer Begeisterung von seiner Heerde empfangen. Mit neuem Eifer widmete er sich jetzt seinen heil. Amtsverrichtungen und brachte überall hin den Segen des Himmels. Er war es, welcher der hl. Landrada (s.d.) den Schleier gab und sie veranlaßte, das nachmal sehr berühmte Nonnenkloster Münster-Bilsen (Belisia) zwischen Tongern und Mastricht zu gründen, dessen Kirche er zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria einweihte. Er war es, der den hl. Hubertus5, seinen Nachfolger, und die hl. Oda zum eifrigen Dienste Gottes entflammte etc. etc. Da in dem benachbarten, jetzt zu Holland gehörigen, damals wegen der vielen Sümpfe fast unzugänglichen Zeeland (Toxandria) in Niederflandern noch viele Heiden waren, verkündigte er daselbst das Evangelium, zerstörte die Tempel und Götzenbilder, ertheilte dem Volke die heil. Taufe und wurde so der Apostel der Toxandrer. Von hier aus besuchte der hl. Lambert auch öfter den hl. Willibrord, Apostel von Friesland, um sich mit ihm über die wirksamsten Mittel zur Beförderung der Ehre Gottes zu berathen. Der Ort, wo sie zusammenkamen, lag im Gau von Teisterbant (Testebrantum), an der Gränze zwischen Zeeland und Friesland, nicht weit von der Maas (Mosa), wird aber in den Acten nicht ausdrücklich genannt. Uebrigens verweilte der hl. Willibrord meistens in Utrecht6, dessen erster Bischof er wurde, nachdem Papst Sergius ihn unter dem Namen Clemens in Rom dazu geweiht hatte. Man glaubt auch, der Heilige habe zu Mecheln oder vielmehr in der Gegend, wo dann später die Stadt Mecheln erbaut wurde, das Evangelium gepredigt. Jedenfalls wird er dort seit langer [660] Zeit als Apostel verehrt, und es ist bei Hofstade ein Hügel, welcher den Namen St. Lambrechtsberg trägt, weil er auf diesem Hügel dem Volke gepredigt haben soll. Doch bald sollte sein thatenreiches Leben durch den Martyrtod gekrönt werden, von welchem man zweierlei Ursachen angibt. Nach Einigen hätte der hl. Lambert den ärgerlichen Lebenswandel Pipins mit seiner Concubine Alpais, wegen welcher er seine rechtmäßige Gemahlin Plectrudis verstieß, und die ihm den Karl Martell gebar, dann aber in einem Kloster starb, getadelt und Beide nachdrücklich zur Besserung ermahnt, weßwegen sich einige Freunde der Alpais gegen das Leben des Heiligen verschworen hätten. Nach Andern wäre folgende Thatsache Grund seines Todes: Zwei Brüder, Namens Gallus und Rioldus, hatten die Kirche von Mastricht geplündert und fuhren noch immer fort, sie zu unterdrücken. Da wurden nun dieselben von einigen Verwandten des Heiligen, aber ohne daß dieser irgend etwas davon wußte, erschlagen, was großes Aufsehen machte. Es mögen nun wohl beide Ursachen zusammengewirkt haben; denn das ist ganz sicher, daß ein gewisser Dodo, aus der Familie der Erschlagenen und ein naher Verwandter (nach Einigen der Bruder) der Alpais, jedenfalls ein mächtiger Hausfreund des Pipin, sich entschloß, an dem hl. Lambert Rache zu nehmen. Er überfiel ihn sofort mit einer bewaffneten Schaar auf seiner Villa Legia oder Leodium an der Maas, wo jetzt die Stadt Lüttich steht. Der Heilige war eben von seinem nächtlichen Gebete, das er wahrscheinlich in seiner den hhl. Cosmas und Damian geweihten Kapelle verrichtet hatte, in sein Schlafzimmer gekommen und noch nicht ganz eingeschlafen, als sein Diener Baldoveus ihm die Ankunft bewaffneter Feinde meldete. Da er nun selbst den Lärm der die Thüren erbrechenden Mörder hörte, stand er schnell auf und ergriff, überrascht von diesem ganz unerwarteten Angriffe, ein Schwert, um sich zu vertheidigen. Aber sogleich warf er dieses wieder weg und verbot auch seiner Umgebung jede Gegenwehr. Auf dem Boden knieend betete er mit ausgespannten Armen unter vielen Thränen für seine Feinde, als er von einem derselben mit einem Wurfspieße durchbohrt wurde. Dieses geschah am 17. Sept. 708 oder 709. Auch seine Hausgenossen wurden mit ihm getödtet, namentlich seine Neffen Petrus und Andoletus (s.d.), welche wahrscheinlich zuerst in der Kapelle der hhl. Cosmas und Damian bestattet und stets als heil. Martyrer verehrt wurden. Später brachte man ihre heil. Leiber nach Lüttich, wo sie mit dem hl. Florebertus in einem Sarge eingeschlossen und neben dem hl. Lambertus beigesetzt wurden. Von diesem wurde nämlich die sterbliche Hülle durch diejenigen, die dem Blutbade entronnen waren, auf der Maas nach Mastricht gebracht, damit er dort, wo er 40 Jahre das bischöfliche Amt verwaltet hatte, auch begraben werde. Als sein heil. Leib dort ankam, wurde er von den Einwohnern unter allgemeinem Wehklagen empfangen und in der Kirche des hl. Petrus im Grabmale seines Vaters der Erde übergeben. Nicht blos dieses Grabmal, sondern auch das Zimmer, in welchem er sein Blut vergossen, wurde bald durch verschiedene Wunder verherrlicht, während seine Mörder7 auf elende Weise zu Grunde gingen. In diesem Zimmer errichtete man zuerst ein prächtiges Monument und später eine schöne Kirche, in welcher im J. 714 Grimoaldus, der Sohn des Pipin von Heristal mit seiner Gemahlin Plectrudis, von einem gewissen Rangarius erstochen wurde. Am 24. Dec. 721 oder 722 wurde der noch ganz unversehrte Leib des hl. Lambertus von dem hl. Hubertus, seinem Nachfolger, nach Lüttich feierlich transferirt und in der bezeichneten Kirche beigesetzt, in Gegenwart mehrerer Bischöfe, vieler Priester und einergroßen Volksmenge, welche Translation von Bucelin am 23. Dec. erwähnt wird. Ob der hl. Hubertus den bischöflichen Sitz zu gleicher Zeit oder schon früher von Mastricht nach Lüttich verlegt habe, kann nicht gewiß angegeben werden. Um das J. 972 wurde diese Kirche von dem damaligen Bischofe Notger sehr erweitert und großartig hergestellt, aber erst von seinem Nachfolger Baldricus vollendet. Gegenwärtig besteht sie nicht mehr, da sie im J. 1794 von den franz. Sansculotten und ihren Lütticher Genossen zerstört wurde. Die ehemaliae Residenz der Fürstbischöfe wurde in den Justizpalast umgewandelt, und der vor demselben befindliche große Platz, auf welchem die Kirche [661] stand, heißt noch der St. Lambertus-Platz. Die Acten enthalten viele Wunder, welche auf die Fürbitte des hl. Lambertus auf verschiedene Weise gewirkt worden sind. Dieser Fürbitte werden auch einige Siege der Lütticher zugeschrieben. So belagerten dieselben im J. 1141 mit ihrem Bischofe Albero II. das Schloß von Bouillon (Bullionium), welches der Bischof Obertus von dem bekannten Grafen Gottfried von Bouillon gekauft, später aber Graf Rainaldus von Bar durch List an sich gebracht hatte und damals durch seine beiden Söhne Hugo und Rainaldus besetzt hielt. Da die schwierige Belagerung sich in die Länge zieht, wird nach dem Wunsche des Heeres ein Theil der Reliquien des hl. Lambertus in's Lager gebracht zur Freude der Freunde und zum Schrecken der Feinde, namentlich des Grafen Hugo, welcher in Folge dessen krank wird und nach manchen Trübsalen reumüthig stirbt. Auch sein Bruder Rainald bekehrt sich und verspricht, daß er nie mehr etwas von den Besitzungen des hl. Lambertus usurpiren werde. So wurde denn die als uneinnehmbar angesehene Burg dem rechtmäßigen Besitzer übergeben, und der Schrein mit den Reliquien des hl. Lambertus am 21. Sept. feierlich in der dort befindlichen Kirche niedergelegt, nach kurzer Zeit aber über Dinant, Namur etc. unter vielen Wundern, die auf der Hin- und Herreise geschehen seyn sollen, wieder nach Lüttich zurück gebracht, wo dann vom Bischofe der 28. April als der Erinnerungstag an diese siegreiche Translation um so mehr bestimmt ward, da der 24. Dec., an welchem das erste Translations-Fest gefeiert wurde, als der Vorabend der Geburt des Herrn rituelle Schwierigkeiten verursachte. Auch noch zwei andere von den Lüttichern in den Jahren 1153 und 1213 erfochtene Siege werden dem Schutze des hl. Lambertus zugeschrieben, und der Letztere wird seit dem J. 1219 jährlich am 13. October durch ein eigenes Officium ritu dupl. gefeiert. Am 14. April 1489 wurden die Leiber des hl. Lambertus und seiner hhl. Neffen Petrus und Andoletus (Audotecus) von einer bischöfl. Commission untersucht und, da sie unverletzt gefunden worden, wieder verschlossen, im nämlichen Jahre aber wegen der traurigen Kriegszeiten feierlich in Procession in Lüttich umher getragen und zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt. Welche Verehrung der hl. Lambertus genoß, beweisen die vielen Kirchen, die ihm geweiht sind und von ihm den Namen tragen, so wie auch die Reliquien von ihm, die an vielen Orten sich finden, namentlich in der St. Peterskirche zu Rom, zu Freiburg in Breisgau, in der ehemaligen Benedictiner-Abtei Liessies (Laetiae) im Hennegau (setzt in Frankreich), in Flandern, Brabant, Bayern etc. Auch zu Pesaro (Pisaurum) in Italien und im spanischen Catalonien sollen sich Reliquien von ihm befinden; sie werden aber wahrscheinlich von einem andern hl. Lambertus seyn. Unter den Orten, welche seinen Namen tragen, ist der berühmteste die uralte Benedictiner-Abtei St. Lamprecht oder Lambrecht in Steiermark; auch in Bayern gibt es Orte mit dem Namen St. Lambert, Lampertskirchen etc., die wohl auch in Beziehung zu ihm stehen. Sein Name steht am 17. Sept. im Mart. Rom., so wie in vielen andern Martyrologien, während er dagegen in andern an andern Tagen sich findet. In Lüttich wird sein Fest, wie schon bemerkt, an drei Tagen gefeiert, nämlich am 17. Sept., 28. April und 13. October. In Rom haben die Kanoniker vor St. Peter ein eigenes Officium am 17. Sept. Auch in andern Diöcesen wird an diesem Tage sein Fest gefeiert, wenigstens mit einer Commemoration, wie z.B. in Mecheln, Antwerpen, Namur, Utrecht, St. Omer, Mainz, Osnabrück, Hildesheim, Paßau, Augsburg, das von ihm eine 9. Lection im Proprium hat etc. (V. 518–617).


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 3. Augsburg 1869, S. 659-662.
Lizenz:
Faksimiles:
659 | 660 | 661 | 662
Kategorien:

Buchempfehlung

Meyer, Conrad Ferdinand

Gustav Adolfs Page

Gustav Adolfs Page

Im Dreißigjährigen Krieg bejubeln die deutschen Protestanten den Schwedenkönig Gustav Adolf. Leubelfing schwärmt geradezu für ihn und schafft es endlich, als Page in seine persönlichen Dienste zu treten. Was niemand ahnt: sie ist ein Mädchen.

42 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon