Simonianer

[220] Simonianer, die Anhänger Simons des Magiers, von welchem die Apostelgeschichte erzählt (Kap. 8, 9 ff.). Gebürtig aus dem samaritanischen Flecken Gitton, vielfach gebildet, ließ er sich zwar taufen, zeigte aber gleich darauf, daß seine Taufe nur eine mit Wasser gewesen, indem er den Aposteln zumuthete, ihm das Geheimniß, wie man durch Auflegung der Hände den heil. Geist empfange, um Geld zu verkaufen. Er zog als Wunderthäter in der Welt umher, mit ihm eine lüderliche Dirne aus Tyrus, Helena, und hatte ein ganz merkwürdiges Lehrgebäude ausgedacht, das auf einem Mischmasch von alexandrinischer Theosophie mit Judenthum und Christenthum u. näher auf die Behauptung hinauslief, er sei die höchste Kraft Gottes und Christus selber, als welcher er in Judäa nur scheinbar gelitten habe, seine Begleiterin Helena aber sei die fleischgewordene weltschöpferische Kraft Gottes (Ennoia), endlich, der Mensch dürfe alles thun, wornach seine Natur gelüste. Seine Zeitgenossen waren zu allem Aberglauben geneigt, seine Lehre empfahl sich der Sinnlichkeit u. so fehlte es ihm nicht an Anhang, namentlich in Rom, wo er unter Kaiser Claudius gestorben sein soll. Die S. verehrten ihn in einer dem Jupiter nachgebildeten Gestalt, die Helena aber unter dem Bilde der Minerva, des Urquelles aller Vernunft und Wissenschaft.

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Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1857, Band 5, S. 220.
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