Unterwalden

[564] Unterwalden, einer der 3 schweiz. Urkantone, vom Vierwaldstättersee, Luzern, Bern u. Uri umgeben, 13 QMl. groß, mit 25000 kath. E. U. ist Gebirgsland, steigt im Titlis über 10000', hat treffliche Alpenweiden, gras- u. obstreiche Thäler. Durch das Kernwaldgebirge ist U. in die unabhängigen rein demokratischen Staaten Obwalden u. Nidwalden getheilt; jenes wird von der Sarneraa (mit dem Lungern- u. Sarnersee), dieses von der Engelbergeraa durchflossen (jedoch gehört der obere Theil dieses Thales zu Obwalden); Hauptort von Obwalden ist Sarnen, von Nidwalden Stanz; merkwürdig ist U. durch seine vielen schönen Dorfkirchen. – U. scheint in der Völkerwanderung von Burgundern besetzt worden zu sein, stand zuletzt unter den deutschen Kaisern, machte sich 1308 unabhängig u. theilte seitdem die Geschicke der alten Eidgenossenschaft. 1798 schlugen sich die Unterwaldner tapfer gegen die Franzosen, später erhoben sich die Nidwaldner vereinzelt gegen dieselben, unterlagen aber nach einem gräßlichen Kampfe der Uebermacht, wobei alle Dörfer in Flammen aufgingen u. ein Theil der wehrlosen Bevölkerung in der Kirche zu Stanz niedergemacht wurde. Nach 1815 gehörte U. zu den conservativen Kantonen, 1846 zu dem sog. Sonderbund, wofür es occupirt und mit einer Contribution bestraft wurde. Den alten Ruhm der Religiosität, Keuschheit und Redlichkeit haben die Unterwaldner noch nicht verloren. (Eine gute Beschreibung von U. lieferte Businger in den Gemälden der Schweiz, Bern und St. Gallen bei Huber u. Comp.)

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1857, Band 5, S. 564.
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