Wenzel, St.

[698] Wenzel, St., der Enkel des ersten christlichen Herzogs von Böhmen und der heil. Ludmilla, gelangte noch als Kind um 926 zur Regierung. Seine Mutter Dragomira aber, für die Fortdauer des Götzendienstes und noch mehr für ihren politischen Einfluß fürchtend, zettelte eine Verschwörung an, in Folge deren Ludmilla erdrosselt und das Heidenthum in Böhmen wieder herrschend wurde. Der herangewachsene W. machte dem Unwesen ein Ende, schickte seine Mutter in die Verbannung u. that sein Möglichstes für die völlige Christianisirung seines Landes. Dafür wurde er in Folge einer neuen Verschwörung der heidnischen Großen, an deren Spitze sein eigener Bruder Boleslaus stand, bei welcher aber seine Mutter Dragomira keine Rolle gespielt zu haben scheint, am 28. September 936 oder 937 beim Gang aus der Kirche ermordet, viele von ihm ins Land gerufene Geistliche, Diener u. Anhänger theilten sein Loos oder wurden verjagt. W.s Reliquien kamen 3 Jahre nach seinem Tod in die von ihm erbaute Vituskirche nach Prag; Gedächtnißtag sein Todestag. Auf Befehl Kaisers Otto II. beschrieb Bischof Gumbold von Mantua zwischen 968 bis 973 das Leben des Heiligen, der auch die Oberhoheit des deutschen Kaisers anerkannt hatte (im 4. Bande bei Pertz); vgl. F. Xav. Schuldes: Der hl. Wenzel, dargestellt im Geiste der Wahrheit. Wien 1848.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1857, Band 5, S. 698.
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