Erscheinung

[189] Erscheinung (gr. phainomenon) heißt jeder Gegenstand, sofern er von den Sinnen aufgefaßt wird. Die Erscheinung darf also nicht mit dem Schein verwechselt werden, welchem nichts Wirkliches außerhalb unseres Geistes entspricht. Da aber nicht die Dinge selbst in unser Bewußtsein eintreten, sondern nur ihre sinnlichen Abbilder, so ist die ganze Welt, in der wir uns bewegen, zunächst nur Erscheinung. Jede Erscheinung deutet aber auf ein Sein hin. Das Hauptresultat der Kantischen in der Kritik der reinen Vernunft gegebenen Erkenntnistheorie ist, daß dasjenige, was nicht Erscheinung ist, kein Gegenstand der Erfahrung sein kann, daß wir also die Dinge nicht erkennen, wie sie sind, sondern nur, wie sie uns erscheinen. Hierin besteht Kants Phänomenalismus. (Kant, Kr. d. r. V., S. 246). Vgl. Ding an sich, Phänomen, Phänomenalismus. In einem anderen Sinne heißt Erscheinung s. a. Vision, Illusion oder Halluzination (s. d.).

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 189-190.
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189 | 190
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