Herz

[261] Herz (cor), der Mittelpunkt des Gefäßsystems und somit der Ernährung, des Stoffwechsels oder des Lebens, wurde von den alten Hebräern, Ägyptern, Indern u a. als Sitz der Seele angesehen; ebenso von den Pythagoreern. Seit Demokritos versetzten die Hellenen dahin den Mut oder Zorn thymos Platon unterschied drei Teile der Seele, die vernünftige logistikon, deren Sitz im Kopf, die begehrliche epithymêtikon deren Sitz im Unterleib, die mutige thymoeides deren Sitz im Herzen ist. Aristoteles verlegte in das Herz die Empfindung, während ihm das Gehirn von untergeordneter Bedeutung zu sein schien. Die Stoiker sahen das Herz als Sitz des Hegemonikon an. Seit Herophilos von Alexandrien (c. 280 v. Chr.), einem Arzt und Anatomen, der auch zuerst den Pulsschlag feststellte, galt das Gehirn als Sitz der Seele. Da jedoch der Herzschlag durch die Gemütsbewegungen sehr beeinflußt wird, so galt das Herz doch immer wieder als Organ der Gefühle, und man redet daher von einem herzlosen, beherzten Menschen, herzlicher Teilnahme u. dgl. Weil das Lernen nicht ohne Lust und Liebe zur Sache möglich ist, sagt der Franzose apprendre par cœur.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 261.
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