Selbstachtung

[560] Selbstachtung ist das von Eitelkeit freie Bewußtsein eines Menschen von seinem eigenen Wert; sie ist also nicht mit dem Selbstgefühl identisch, welches mit Eitelkeit gemischt ist. Der Grund der Selbstachtung ist das allgemeine Bewußtsein unserer Menschenwürde, welche uns über das Tier erhebt, sodann die besondere Anerkennung unserer individuellen Leistung oder unseres persönlichen Wertes durch andere. Aber selbst wenn uns diese nicht zuteil werden sollte, so kann sich die Selbstachtung auch auf das Zeugnis unseres Gewissens stützen. – Die Selbstachtung hält uns von Niedrigem und Unedlem, wie Lüge, Betrug, Hinterlist, Heuchelei u. dgl., ab und treibt uns zum Guten an, selbst[561] wenn man uns nicht sieht noch lobt. Auch bietet sie uns den Lohn dar, wenn uns die billige Anerkennung nicht zuteil wird, und tröstet uns bei unverdienten Beleidigungen und Kränkungen. A. Döring (Philosophische Güterlehre. 1888) sieht in dem Eigenwerte das höchste Gut der Menschheit. – Die Selbstachtung kann leicht in Selbstgefühl, Selbstüberhebung oder Stolz ausarten.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 560-561.
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560 | 561
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