Scene IV.

[39] Albuin. Vorige.


ALBUIN tritt hastig ein, bleibt aber unentschlossen stehen. Für sich.

Vergebens bekämpf' ich

Des Herzens stürmisches Drängen;

Vergebens flieh' ich sie,

Die meinen Stolz gebeugt.

In ihren Zauberkreis bin ich gebannt,

Wohlan! – Entscheidung giebt mir

Diese Stunde.

KLODION der ihn bemerkt.

Willkommen, Albuin!

Kommst du, zum Fest

Uns zu geleiten?

ALBUIN.

Alles ist bereit. – –

Gekommen ist die langersehnte Stunde,

Es naht mein Bruder.

Bald sind wir stark genug,

Dem frechen Feind

Der Rache blut'ge Schuld zu zahlen – Doch –

Bevor zum letzten Mal

Der rauhe Kampf erwacht,

Bevor vielleicht auch mir[40]

Das dunkle Loos des Krieges fällt:

Laßt mich des Herzens Drang,

Den tief verschloss'nen Wunsch

Zuvor euch noch enthüllen.

Alwina! – gönnet mir ein freundlich Ohr,

Laßt in das holde Aug' mich schauen,

Das mir den Himmel strahlt,

Mein Herz gefesselt hat.

Ja, wißt, ich lieb' Euch!

Heftig, glühend, heiß – –

Von eurer Hand allein

Erheische ich mein Glück.

O, sprecht ein günstig Wort! – –

Ihr schweigt? – – –

ALWINA für sich.

Himmel!

Was soll ich sagen?

KLODION.

Albuin, du bist ein tapf'rer Mann

Und hochgeehrt muß sich die Jungfrau fühlen,

Die deiner Lieb' sich rühmen darf;

Doch, wisse: Alwina schloß

Schon längst der Liebe stillen Bund;

Ihr Herz schlägt nur für deinen Bruder.

ALBUIN.

Wittekind! –[41]

ALWINA.

Ihm schwur ich ew'ge Treue.

ALBUIN.

Ihm hat sie ihr Herz gegeben,

Ha! das ist zu große Pein.

Ohne sie kann ich nicht leben,

Ohne sie nicht glücklich sein.

ALWINA.

Ihm hab' ich mein Herz gegeben,

Ihn nur lieb' ich, ihn allein.

Ohne ihn könnt' ich nicht leben,

Ohne ihn nicht glücklich sein.

KLODION.

Ihm hat sie ihr Herz gegeben,

Ihn nur liebt sie, ihn allein.

Ohne ihn kann sie nicht leben,

Ohne ihn nicht glücklich sein.


Quelle:
Lobe, Johann Christian: Aus dem Leben eines Musikers. Leipzig 1859, S. 39-42.
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