III.

[12] KAISERIN.

Winkt mir nicht, ihr flüchtgen Schiffe,

Winkt mir nicht, ihr leichten Wellen,

Hier an diesem Felsenriffe

Seh ich täglich euch zerschellen,

Kann mich nicht euch anvertrauen,

Mich, die ärmste aller Frauen.[12]

In dem Herzen wohnt ein Hoffen,

Daß Er mich noch nicht vergessen,

Reicher Liebe steh ich offen,

Träumend hab ich Ihn besessen,

Wellen rauscht bei meinen Träumen,

Möchte diesen Tag versäumen.

DER RITTER legt unter dem Felsen, worauf das Schloß erbaut ist, unbemerkt sein Schiff an und steigt ans Land.

Gefährten, haltet euch ganz still in dieser Bucht,

Daß ihr bereit zur Gegenwehr und Flucht.

So führte mich die Liebe zum Rhabarberschloß,

O Mißgeschick – mich trifft dein ganz Geschoß,

Du triebst mich erst zu der Hypekakuana,

Bis ich dies gelbbraun widerliche Schloß ersah,

Und hier muß sie, die Zarte aller Zarten, wohnen,

So schrecklich will sich Edelmuth belohnen!

Die Edle opferte sich ihrem Landeswohl,

Und der Rhabarberkaiser sie der Liebe stohl;

Rhabarberkaiser, ärger als Barbar,

Sie ist nun dein, schon länger als ein Jahr.

Ach war sie glücklich, mit Vergnügen

Wollt ich verzweifeln, doch in Handschriftszügen,

Die sie posttäglich in das Vaterhaus gesandt,

Hab' ich die Beimischung von Thränen wohl erkannt,

Die Tinte war so blaß und keiner konnte lesen,

Obs Griechisch oder Deutsch gewesen.

Ihr Götter, wie geschieht mir, ach dort steht

Die Sonn', von der mein Auge übergeht,

Sie übersieht die Wonne ihrer Liebe,

Und blendet sich in höhrer Sonne trübe.

KAISERIN erblickt ihn und bat die letzten Worte gehört.

Vergebens meiner Blicke Blüthe

Sich opfert hohem Sonnenlauf,

Ich schmachte einsam im Gemüthe,

Geht aller Welt mein Glanzbild auf,

Und ist mein Auge ganz geblendet,

Verschwand die Erd' in Strahlenduft,

Da hat mein Sehnen sich gewendet

Zu eines Schäfers Schattenkluft.

RITTER.

Du schwankst in einsam tiefen Schmerzen,

Und Schwindel stürzen meinen Blick,

O neige dich zu meinem Herzen,[13]

Du findest hier ein sichres Glück,

Das alte Glück in frühen Tagen,

Der Kindheit holde Schäferwelt,

Eh du, vor allen hochzuragen,

Auf einen hohen Thron gestellt.

KAISERIN.

Wo sind die weißen Lämmerheerden

Mit bunten Bändern schön geschmückt,

Ein goldner Kerker sollt mir werden,

Ein Scepter, der mich niederdrückt,

Und eine Krone muß ich tragen,

Die beugt mein Haupt noch vor der Zeit,

Wenn du, mein Schäfer, nichts willst wagen,

Wenn mich dein Muth nicht bald befreit.

RITTER.

O meine Kaiserin, ich bin bereit,

Zu großer That, doch ohne Krieg und Streit,

Denn dazu bin ich gar nicht ausgerüstet,

Wenn mir gleich sehr nach Heldenruhm gelüstet.

KAISERIN. Ja wenn du keine besondre Heldenkraft hast, werther Freund, so kann das viele Hin- und Herreden nichts helfen und du mußt meinem Rathe folgsam seyn, den ich dir in aller Kürze mittheilen will. Mein Gemahl, dem ich nicht vermählt bin, weil er mit der Regierungsmaschine Tag und Nacht spielt und keine Zeit zur Vermählungsfeier übrig hat, braucht einen Thürsteher, erbiete dich zu diesem Dienste, baue dir eine Hütte unter diesem Thurme, breche ein Loch durch die Mauer, so kann ich zu dir herabkommen und mit dir zu den Schäfern nach Arcadien entfliehen, um auf mein Grabmahl schreiben zu lassen: Auch ich war in Arcadien.

RITTER.

Von Eifersflammen muß ich brennen,

Ich möchte Mauern und Thürme einrennen,

Dich meiner Liebe zu gewinnen,

Es schickt sich gar nicht das Besinnen.


Er klopft an die Thür.


Quelle:
Achim von Arnim: Das Loch. Berlin 1968, S. 12-14.
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