14. Prüfung in heiliger Flamme

[220] Brennt immerhin

Ihr angezündte Flammen!

Bewahrt die Kraft beisammen,

Und hebt den schweren Sinn

Mit euren Liebesflügeln

Nach jenen Weihrauchhügeln,

Da mein verliebter Sinn

Brennt immerhin.


Ich weiß es schon,

Wo ich den Schönsten funden,

Der meinem Geist verbunden!

Er ist der Liebe Lohn,

Der sich mir selbst muß geben,

Soll anders ich noch leben.

Wo seine Schönheit wohn,

Das weiß ich schon.


Ich hab ihn nun,

Und such ihn doch noch immer

In meines Herzens Zimmer,

Wo er so gern will ruhn;

Das sehnliche Verlangen

Der Lieb' hat mich gefangen,

Mir stätig wohl zu thun.

Ich hab ihn nun.


Kein Auge sieht,

Kein Herz hat überkommen,

[221] Kein Ohr hat je vernommen,

Wenn unser Bette blüht;

Was Gott hat dem bereitet,

Der sich von ihm nicht scheidet,

Und Liebe in sich zieht,

Die man nicht sieht.


Man kann auch nicht

Von dem Geheimniß schreiben;

Es muß verschwiegen bleiben,

Was Lieb' in uns verricht.

Es ist recht groß zu nennen,

Wenn Jesus will erkennen

Die Braut in seinem Licht,

Man kennt es nicht.


Quelle:
Achim von Arnim und Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn. Band 3, Stuttgart u.a. 1979, S. 220-221.
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