[2.]

[8] Wer sich vff gwalt jm radt verloßt

Vnd henckt sich wo der wint har bloßt

Der selb die suw jnn kessel stoßt


2. Von guten reten

Von guten reten

Vil sint den ist dar noch gar not

Wie sie bald kumen jn den rot

Die doch des rechten nit verston

Vnd blintlich an den wenden gon

Der gůt Cusy ist leyder dot

Achytofel besytzt den rodt /

Wer vrteln sol vnd raten schlecht

Der dunck vnd folg alleyn zů recht[9]

Vff das er nit ein zunsteck blib

Do mit man die suw in kessel trib

Worlich sag ich es hat kein fůg

Es ist mit duncken nit genůg

Do mit verkürtzet würt das recht

Es durfft das man sich baß bedecht

Vnd witer fragt / was man nit wust

Dan wirt das recht verkürtzet sust

So hast kein wörwort gegen got

Gloub mir / fürwor es ist kein spot

Wann yeder wüst / was volgt har noch

Im wer zů vrteiln nit so goch /

Mit sölcher moß / wirt yederman

Gemessen / als er hat gethan

Wie du richtst mich / vnd ich richt dich

Als wirt er richten dich vnd mich /

Eyn yeder wart noch synem dot

Der vrteil die er geben hat

Wer mit sym vrteil bschwäret vil

Dem ist gesetzet ouch sin zyl

Do er ein gwalttig vrteil fyndt

Der stein der felt jm vff den grindt

Wer hie nit halt gerechtikeit

Der fyndt sie dort mit hertikeit

Keyn wisheyt / gwalt / fürsichtikeit /

Keyn ratt / got wider sich verdreit


Quelle:
Sebastian Brant: Das Narrenschiff, Basel 1494, S. 8-10.
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