[45.]

[108] Wän jn das für syn můttwill bringt

Oder sunst selbs jnn brunnen springt

Dem gschicht recht / ob er schon erdrinckt


45. vo mutwillige vngfell

vō mutwilligē vngfell

Manch narr ist der do bettet stät

Vnd důt (als jn dunckt) andaht gbet

Mitt rüffen zů gott vberlut

Das er kum von der narren hut

Vnd will die kappen doch nit lon

Er zücht sie täglich selber an

Vnd meynt / gott well jn hören nitt

So weiß er selbst nit was er bitt /[109]

Wer mit můttwill jn brunnen springt

Vnd vörchtend / das er drynn erdrinckt

Schryg vast / das man eyn seil jm brecht

Sin nochbur sprech / es gschicht jm reht

Er ist gefallen selbst dar jn

Er möcht hie vß wol blyben syn

Empedocles jn solch narrheyt kam

Das er vff Ethna sprang jnn flam

Wer jn har vß solt gzogen han

Der hett jm gwalt vnd vnrecht gtan /

Dann er jn narrheyt was verrůcht

Er hett es doch noch me versůcht /

Alls důt wer meynt das gottes stym

In ziehen soll mit gwalt zů jm

Im geben gnad / vnd goben vil

Sich dar zů doch nit schicken will /

Mancher fürloufft jm selbs syn tag

Das gott jn nym erhören mag

Dann er jm nym die gnaden gytt

Das er üt fruchtbars von jm bitt

Wer bett / vnd weißt nit was er bett /

Der bloßt den wint / vnd slecht die schet

Mancher jm gbett von gott begert

Im wer leid / das er wurd gewert

Wer lebt jnn eym sörglichen stat

Der hab den schad / wie es jm gat


Quelle:
Sebastian Brant: Das Narrenschiff, Basel 1494, S. 108-110.
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