|
[118] In selber Stadt ernährte sich
Ganz gut ein Dr. Hinterstich
Durch Kunstberichte von Bedeutung
In der von ihm besorgten Zeitung,
Was manchem das Geschäft verdirbt,
Der mit der Kunst sein Brot erwirbt.[118]
Dies Blatt hat Klecksel mit Behagen
Von jeher eifrig aufgeschlagen.
Auch heute hält er's in der Hand
Und ist auf den Erfolg gespannt.
Wie düster wird sein Blick umnebelt!
Wie hat ihn Hinterstich vermöbelt!
Sogleich in eigener Person
Fort stürmt er auf die Redaktion.
Des Autors Physiognomie
Bedroht er mit dem Paraplü.
[119]
Der Kritikus, in Zornekstase,
Spießt mit der Feder Kunos Nase;
Ein Stich, der um so mehr verletzt,
Weil auch zugleich die Tinte ätzt.
[120]
Stracks wird der Regenschirm zur Lanze.
Flugs dient der Tisch als eine Schanze.
[121]
Vergeblich ist ein hoher Stoß;
Auch bleibt ein tiefer wirkungslos.
[122]
Jetzt greift der Kritikus voll Haß
Als Wurfgeschoß zum Tintenfaß.
Jedoch der Schaden bleibt gering,
Weil ihn das Paraplü empfing.
Der Kritikus braucht eine Finte.
[123]
Er zieht den Kuno durch die Tinte.
Der Tisch fällt um. Höchst penetrant
Wirkt auf das Augenlicht der Sand.
[124]
Indessen zieht der Kuno aber
Den Bleistift Numro 5 von Faber;
Und Hinterstich, der sehr rumort,
Wird mehrfach peinlich angebohrt.
[125]
Der Kuno, seines Sieges froh,
Verläßt das Redaktionsbureau.
Ein rechter Maler, klug und fleißig,
Trägt stets 'n spitzen Bleistift bei sich.
Nach diesem beherzigenswerten Vermerke
Fahren wir fort im löblichen Werke.
[126]
|
Ausgewählte Ausgaben von
Maler Klecksel
|
Buchempfehlung
»In der jetzigen Zeit, nicht der Völkerwanderung nach Außen, sondern der Völkerregungen nach Innen, wo Welttheile einander bewegen und ein Land um das andre zum Vaterlande reift, wird auch der Dichter mit fortgezogen und wenigstens das Herz will mit schlagen helfen. Wahrlich! man kann nicht anders, und ich achte keinen Mann, der sich jetzo blos der Kunst zuwendet, ohne die Kunst selbst gegen die Zeit zu kehren.« schreibt Jean Paul in dem der Ausgabe vorangestellten Motto. Eines der rund einhundert Lieder, die Hoffmann von Fallersleben 1843 anonym herausgibt, wird zur deutschen Nationalhymne werden.
90 Seiten, 5.80 Euro
Buchempfehlung
Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.
428 Seiten, 16.80 Euro