[24] Hans Dralle, der noch immer schlief,
Als ihn Eugen so heftig rief,
Erwacht aus seinem sanften Traum –
Da hängt der Schwarm im Apfelbaum! –
[24]
Schnell Kappe her und Korb und Leiter,
Sonst fliegt er noch am Ende weiter!
Gar wohl vermummt, doch ohne Bangen
Hat er den Schwarm bereits gefangen;
[25]
Hoch oben steht er kühn und grade,
Da sticht's ihn in die linke Wade.
Au jau! – die erste Sprosse bricht,
Denn viel zu groß ist das Gewicht;
[26]
Und – kracks! – ist er herabgeschossen
Durch alle sieben Leitersprossen.
Die Bienen aber mit Gebraus
Sausen ums Haus.
[27]
Zwei Knaben sitzen an der Pfütze
Und spritzen mit der Wasserspritze.
Die Bienen kümmern sich nicht drum,
Sie sausen weiter mit Gebrumm.
Den Besen schwingt die alte Grete,
Der Kirmesanton bläst Trompete.
[28]
Ernst, Fritz und Wilhelm pfeifen, schrein;
Der Schwarm läßt sich darauf nicht ein.
Jetzt ist er oben am Kamin,
Der Schornsteinfeger sieht ihn ziehn.
[29]
Jetzt geht er übers Kirchendach;
Krach! – schießt der Förster hinten nach.
Jetzt hinkt Hans Dralle auch daher;
Und jetzo sieht man gar nichts mehr. –
[30]
»Mi ärgert man« – denkt er – »datt dat
Min Nawer Knörrje seihen hat.«
Buchempfehlung
Die Fortsetzung der Spottschrift »L'Honnête Femme Oder die Ehrliche Frau zu Plissline« widmet sich in neuen Episoden dem kleinbürgerlichen Leben der Wirtin vom »Göldenen Maulaffen«.
46 Seiten, 4.80 Euro
Buchempfehlung
1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.
396 Seiten, 19.80 Euro